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Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist eine der meistgenutzten Methoden zur systematischen Auswertung von Interviews, Dokumenten und anderen Textmaterialien in Bachelorarbeiten. Du erfährst hier, wie du Schritt für Schritt vorgehst: vom Aufbau des Kategoriensystems über das Kodieren bis zur Darstellung deiner Ergebnisse.
Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring wertet Textmaterial systematisch aus, indem du relevante Textstellen Kategorien zuordnest (kodierst). Du kannst Kategorien aus der Theorie ableiten (deduktiv) oder aus dem Material entwickeln (induktiv). Für die meisten Bachelorarbeiten passt die strukturierende Variante mit kombinierter Kategorienbildung; die zusammenfassende Form eignet sich, wenn du stark verdichten willst. Das Ergebnis im Ergebnisteil: Kategorien mit Definitionen, typischen Belegzitaten, Variationen und ggf. Häufigkeiten, die deine Forschungsfrage beantworten.
Was ist die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring?
Die qualitative Inhaltsanalyse ist ein methodisches Verfahren, um Textmaterial wie Interviewtranskripte, Dokumente oder offene Fragebogenantworten strukturiert auszuwerten. Philipp Mayring hat dieses Verfahren in den 1980er-Jahren entwickelt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Das Besondere: Die Methode verbindet qualitative Offenheit mit systematischem Vorgehen.
Im Kern geht es darum, Textstellen bestimmten Kategorien zuzuordnen. Diese Kategorien kannst du entweder vorab aus der Theorie ableiten oder während der Analyse aus dem Material heraus entwickeln. Das Ergebnis ist ein strukturierter Überblick über die Inhalte deines Materials, der sich für die Beantwortung deiner Forschungsfrage nutzen lässt.
Für Bachelorarbeiten ist die Methode besonders geeignet, weil sie einen klaren Ablauf vorgibt und dein Vorgehen für Betreuende nachvollziehbar macht. Anders als bei rein interpretativen Verfahren dokumentierst du jeden Schritt und kannst deine Entscheidungen begründen. Das erhöht die Transparenz deiner Arbeit.
Welche Form passt zu meiner Bachelorarbeit?
Mayring unterscheidet drei Grundformen der qualitativen Inhaltsanalyse: die zusammenfassende, die strukturierende und die explizierende Variante. Jede Form hat ein anderes Ziel und führt zu anderen Ergebnissen. Die Wahl hängt von deiner Forschungsfrage ab.
Zusammenfassende Inhaltsanalyse
Ziel: Du reduzierst das Material auf die wesentlichen Inhalte, ohne die Kernaussagen zu verfälschen. Diese Variante eignet sich, wenn du viel Material hast und einen verdichteten Überblick brauchst. Typische Forschungsfragen sind: „Welche Themen sprechen die Befragten an?", „Wie beschreiben die Teilnehmenden ihre Erfahrungen?" oder „Was sind die Hauptargumente in den Dokumenten?"
Vorgehen: Du paraphrasierst relevante Textstellen, generalisierst sie auf ein abstrakteres Niveau und reduzierst durch Bündelung und Streichung. Das Ergebnis sind kompakte Kategorien mit den zentralen Aussagen deines Materials.
Stolperfalle: Zu starke Reduktion, bei der wichtige Nuancen verloren gehen. Prüfe nach der Zusammenfassung, ob sich das Ursprungsmaterial noch fair abgebildet findet.
Strukturierende Inhaltsanalyse
Ziel: Du ordnest das Material entlang eines vordefinierten oder aus dem Material entwickelten Kategoriensystems. Diese Variante ist in Bachelorarbeiten am häufigsten, weil sie Theorie und Empirie gut verbindet. Typische Forschungsfragen sind: „Welche Einflussfaktoren nennen die Befragten?", „Wie lassen sich die Aussagen nach Themenfeldern ordnen?" oder „Welche Ausprägungen zeigt Merkmal X im Material?"
Vorgehen: Du entwickelst Kategorien (deduktiv, induktiv oder kombiniert), kodierst das Material und wertest die Zuordnungen aus. Das Ergebnis ist eine thematische Strukturierung mit Häufigkeiten, typischen Aussagen und Variationen.
Stolperfalle: Kategorien nicht trennscharf definieren oder das deduktive System nicht anpassen, wenn das Material anderes zeigt. Sei offen für induktive Ergänzungen.
Explizierende Inhaltsanalyse
Ziel: Du klärst unverständliche oder mehrdeutige Textstellen durch Hinzuziehen von Kontextinformationen. Diese Variante ist seltener und meist nur ein Teilschritt. Typische Anwendung: „Was meint die befragte Person mit dieser Aussage?", „Wie ist der Fachbegriff im Kontext zu verstehen?"
Vorgehen: Du reicherst unklare Passagen mit Kontext an, etwa durch andere Stellen im selben Interview (enge Kontextanalyse) oder durch externes Wissen (weite Kontextanalyse). Das Ergebnis ist ein vertieftes Verständnis einzelner Aussagen.
Stolperfalle: Zu viel eigene Interpretation einbringen. Die Explikation sollte nachvollziehbar aus dem Kontext abgeleitet sein, nicht aus Vermutungen.
Beantworte diese Fragen, um die passende Form zu finden:
Willst du Inhalte verdichten? Ja → Zusammenfassend
Hast du theoretische Dimensionen, die du prüfen willst? Ja → Strukturierend
Willst du Themen aus dem Material herausarbeiten? Ja → Strukturierend (induktiv)
Brauchst du Kontext-Erklärung für einzelne Passagen? Ja → Explizierend (ergänzend)
Empfehlung für Bachelorarbeiten: In den meisten Fällen ist die strukturierende Inhaltsanalyse mit kombinierter Kategorienbildung (deduktiv-induktiv) passend.
Mayring, Kuckartz oder Grounded Theory?
Neben Mayring gibt es weitere Ansätze zur qualitativen Auswertung. Die Wahl hängt von deinem Forschungsziel und den Vorgaben deiner Betreuung ab. Hier eine kurze Orientierung:
Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring eignet sich, wenn du eine regelgeleitete, gut dokumentierbare Auswertung brauchst. Die Methode ist besonders transparent und lässt sich im Methodenteil klar darstellen. Sie passt gut, wenn du theoriegeleitet arbeitest oder eine Mischung aus deduktivem und induktivem Vorgehen planst.
Inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Kuckartz ist ähnlich, aber etwas flexibler in der Umsetzung. Kuckartz betont die thematische Strukturierung und gibt weniger strenge Ablaufregeln vor. In der Praxis lassen sich beide Ansätze oft kombinieren: Du nutzt etwa den Kuckartz-Workflow für die thematische Strukturierung (initiierende Textarbeit, thematische Hauptkategorien entwickeln, Material zuordnen) und die Mayring-Regelorientierung für den Kodierleitfaden (Definition, Ankerbeispiel, Kodierregel zu jeder Kategorie) sowie für die systematische Revision der Kategorien. Wenn dein Fachbereich oder deine Betreuung eine klare Präferenz hat, bleib besser bei einem Ansatz, um Methodendiskussionen zu vermeiden. Mayring wird wegen der klaren Regelorientierung in Bachelorarbeiten häufig gewählt, aber Kuckartz ist je nach Fachbereich genauso verbreitet.
Grounded Theory zielt auf Theoriebildung aus den Daten heraus. Du entwickelst nicht nur Kategorien, sondern eine neue Theorie oder ein Modell. Das ist anspruchsvoller und eignet sich eher für explorative Forschung ohne vorab festgelegten theoretischen Rahmen. Wenn du eine klar nachvollziehbare Auswertung mit bestehendem Theoriebezug brauchst, ist die Inhaltsanalyse nach Mayring typischerweise passender. Bei rein explorativem Vorgehen kann Grounded Theory aber die bessere Wahl sein.
Mayring: Regelgeleitete Auswertung mit klarem Ablauf, theoriegeleitete oder kombinierte Kategorienbildung, hohe Transparenzanforderungen
Kuckartz: Thematische Strukturierung im Vordergrund, etwas flexiblerer Ablauf, oft kombiniert mit Mayring-Elementen
Grounded Theory: Theoriebildung aus Daten, exploratives Vorgehen ohne vorab festgelegten Rahmen, offenes Kodieren
Kläre die Methodenwahl frühzeitig mit deiner Betreuung. In manchen Fachbereichen gibt es klare Präferenzen.
Thematische Analyse (z. B. nach Braun & Clarke) ist ein weiterer Ansatz, der flexibler und weniger formalisiert ist als Mayring. Er wird vor allem im englischsprachigen Raum genutzt. Wenn deine Hochschule keine Vorgabe macht, orientiere dich an dem, was in deinem Fachbereich üblich ist.
Der Ablauf in sieben Schritten
Das Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse gibt dir eine klare Struktur für deine Auswertung. Die Schritte bauen aufeinander auf, wobei Rückkopplungen möglich sind. Wenn du beim Kodieren merkst, dass eine Kategorie nicht passt, kannst du sie anpassen.
Definiere, welches Material du analysieren willst. Bei Interviews sind das typischerweise die Transkripte. Beschreibe die Entstehungssituation: Wer wurde wann und wie befragt? Die Dokumentation des Materials ist Teil deines Methodenkapitels.
Kläre, was du aus dem Material herauslesen willst. Die Forschungsfrage gibt die Richtung vor: Geht es um Einstellungen, Erfahrungen, Handlungsstrategien oder Wissen? Diese Festlegung hilft dir später bei der Kategorienbildung.
Lege fest, was du kodierst. Die Kodiereinheit ist der kleinste Textbestandteil, der einer Kategorie zugeordnet werden kann. Die Kontexteinheit ist der größte Bereich, der unter eine Kategorie fallen kann. Die Auswertungseinheit bestimmt, in welcher Reihenfolge du das Material bearbeitest.
Konkretes Beispiel:
Kodiereinheit: Ein vollständiger Satz (z. B. „Der Zeitdruck macht mich fertig.")
Kontexteinheit: Ein thematischer Absatz oder eine zusammenhängende Antwortsequenz
Auswertungseinheit: Ein vollständiges Interview (du bearbeitest Interview für Interview)
Entwickle dein Kategoriensystem deduktiv aus der Theorie, induktiv aus dem Material oder kombiniert. Zu jeder Kategorie gehören eine Definition, Ankerbeispiele und Kodierregeln. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Gehe das Material systematisch durch und ordne relevante Textstellen den passenden Kategorien zu. Arbeite mit einem Kodierleitfaden und dokumentiere Zweifelsfälle. Bei induktivem Vorgehen passt du das Kategoriensystem während des Kodierens an.
Fasse die Ergebnisse pro Kategorie zusammen. Du kannst Häufigkeiten zählen, typische Aussagen herausarbeiten oder Zusammenhänge zwischen Kategorien darstellen. Die Aufbereitung hängt von deiner Forschungsfrage ab.
Interpretiere die Ergebnisse im Hinblick auf deine Forschungsfrage und beziehe sie auf den Forschungsstand. Prüfe die Güte deiner Analyse, etwa durch Intercoder-Reliabilität oder kommunikative Validierung.
Kategorienbildung: Induktiv, deduktiv oder kombiniert
Die Kategorienbildung ist das Herzstück der Inhaltsanalyse. Hier entscheidest du, nach welchen Kriterien du dein Material strukturierst. Mayring unterscheidet zwei grundlegende Strategien, die du auch kombinieren kannst.
Deduktive Kategorienbildung bedeutet, dass du die Kategorien vor der Analyse aus der Theorie ableitest. Du hast bereits ein Konzept oder Modell, das du auf dein Material anwenden willst. Diese Strategie eignet sich, wenn du prüfen möchtest, ob bestimmte theoretische Annahmen in deinem Material auftauchen. Der Theorieteil deiner Arbeit liefert dann die Grundlage für dein Kategoriensystem.
Induktive Kategorienbildung entwickelt die Kategorien aus dem Material selbst. Du gehst offen an die Daten heran und bildest Kategorien für wiederkehrende Themen, Muster oder Aussagen. Diese Strategie ist sinnvoll, wenn du ein wenig erforschtes Thema untersuchst oder die Perspektive der Befragten möglichst unvoreingenommen erfassen willst.
In der Praxis ist ein kombiniertes Vorgehen häufig am sinnvollsten: Du startest mit deduktiven Kategorien aus deinem theoretischen Rahmen und ergänzt induktiv Kategorien für Aspekte, die du nicht vorhergesehen hast. So verbindest du theoretische Fundierung mit Offenheit für neue Erkenntnisse.
Teste dein Kategoriensystem mit einem Teil des Materials (ca. 10-20 %), bevor du das gesamte Material kodierst. So erkennst du früh, ob die Kategorien trennscharf sind und alle relevanten Inhalte abdecken. Dokumentiere Änderungen am Kategoriensystem in deinem Kodierleitfaden.
So kodierst du dein Material
Kodieren bedeutet, relevante Textstellen zu identifizieren und den passenden Kategorien zuzuordnen. Bei der zusammenfassenden Inhaltsanalyse beschreibt Mayring einen Prozess aus Paraphrasierung, Generalisierung und Reduktion. Bei der strukturierenden Variante ordnest du die Textstellen direkt deinen Kategorien zu. In der Praxis kombinieren viele Bachelorarbeiten beide Ansätze pragmatisch.
Option 1 – Strukturierend mit Paraphrase-Unterstützung: Du kodierst Textstellen direkt kategorienbasiert. Nur bei unklaren Passagen paraphrasierst du zusätzlich.
Option 2 – Zusammenfassend mit dokumentierter Reduktion: Du durchläufst Paraphrase → Generalisierung → Reduktion als klare dokumentierte Schritte.
Option 3 – Kombiniert nach Materialart: Du nutzt für offene Erzählpassagen die zusammenfassende Logik, für gezielte Antworten die strukturierende.
Im Methodenteil: Beschreibe transparent, welches Vorgehen du gewählt hast und wie du es dokumentiert hast (z. B. Kodierleitfaden, Reduktionsprotokolle).
Im ersten Schritt liest du das Material und markierst alle Stellen, die für deine Forschungsfrage relevant sind. Im zweiten Schritt ordnest du diese Stellen deinen Kategorien zu. Dabei notierst du den Code (den Kategoriennamen) direkt an der Textstelle. Im dritten Schritt prüfst du die Zuordnung und dokumentierst sie.
Originaltext (Interview 3, Z. 45-47):
„Also der ständige Zeitdruck, das macht mich fertig. Man hat nie das Gefühl, fertig zu sein. Und dann kommen noch die Meetings dazu, die eigentlich niemand braucht."
Paraphrase: Zeitdruck ist belastend, kein Gefühl von Abgeschlossenheit, unnötige Meetings als zusätzliche Last.
Zuordnung: Kategorie „Zeitdruck als Belastungsfaktor" (Z. 45-46), Kategorie „Störfaktoren im Arbeitsalltag" (Z. 47).
Dokumentation: Eintrag in Kodiertabelle mit Textstelle, Zeilennummer, Code und Memo.
Ein Kodierleitfaden macht dein Vorgehen nachvollziehbar und konsistent. Er enthält für jede Kategorie eine Definition, die erklärt, was unter die Kategorie fällt. Dazu kommen Ankerbeispiele, also typische Textstellen, die zeigen, wie die Kategorie im Material aussieht. Kodierregeln klären Zweifelsfälle und grenzen ähnliche Kategorien voneinander ab.
Kategorie: Zeitdruck als Belastungsfaktor
Definition: Aussagen, in denen Befragte Zeitknappheit, Deadlines oder Termindruck als belastend oder stressauslösend beschreiben.
Ankerbeispiel: „Also der ständige Zeitdruck, das macht mich fertig. Man hat nie das Gefühl, fertig zu sein." (Interview 3, Z. 45-46)
Kodierregel: Nur kodieren, wenn Zeitdruck explizit als negativ oder belastend bewertet wird. Neutrale Erwähnungen von Deadlines ohne Bewertung gehören nicht hierher.
Software für das Kodieren
QDA-Software wie MAXQDA oder ATLAS.ti erleichtert das Kodieren erheblich. Sie ermöglicht hierarchische Kategoriensysteme, Memo-Funktionen, automatische Code-Häufigkeiten und den Export von Ergebnissen als Tabelle oder Grafik. Viele Hochschulen bieten Campuslizenzen an. Ein Hinweis zu den automatischen Häufigkeiten: Diese sind praktisch für einen schnellen Überblick, sollten aber bei qualitativer Forschung immer zusammen mit Zitaten und Variationen interpretiert werden, nicht isoliert als Zahlen.
Wann reicht Word oder Excel? Es gibt keine feste Grenze – die Entscheidung hängt vom Arbeitsaufwand und deiner Übersicht ab. Als grober Erfahrungswert: Bei etwa 5 kürzeren Interviews (je ca. 20-30 Minuten) mit überschaubarem Kategoriensystem ist manuelles Arbeiten oft noch machbar (Textstellen farbig markieren, Codes in Kommentare, Kodiertabelle in Excel). Bei mehr Material oder komplexeren Analysen lohnt sich QDA-Software meist, weil du sonst schnell den Überblick verlierst.
Was solltest du exportieren? Für den Anhang deiner Arbeit brauchst du typischerweise den Kodierleitfaden als Tabelle (Kategorie, Definition, Ankerbeispiel, Kodierregel) und optional eine Übersicht der Kodierungen pro Interview. MAXQDA und ATLAS.ti bieten dafür Exportfunktionen.
Auswertung und Ergebnisdarstellung
Nach dem Kodieren hast du einen strukturierten Überblick über dein Material. Die Auswertung fasst die Ergebnisse zusammen und bereitet sie für die Darstellung im Ergebniskapitel deiner Bachelorarbeit auf. Die Ergebnisdarstellung unterscheidet sich je nach gewählter Mayring-Variante.
Bei der zusammenfassenden Inhaltsanalyse präsentierst du die verdichteten Kernaussagen pro Kategorie. Der Fokus liegt auf dem, was die Befragten gesagt haben, nicht auf Häufigkeiten. Bei der strukturierenden Inhaltsanalyse zeigst du, wie sich das Material auf deine Kategorien verteilt. Hier können Häufigkeiten sinnvoll sein, wenn sie zur Forschungslogik passen. Bei qualitativer Forschung sind Häufigkeiten aber kein Muss.
Eine bewährte Vorgehensweise ist die kategorienbasierte Auswertung: Du gehst jede Hauptkategorie durch und beschreibst die zentralen Befunde. Dabei nutzt du typische Aussagen als Belege und zeigst Variationen innerhalb der Kategorie auf. Achte darauf, dass deine Zitate die Aussagen der Befragten fair wiedergeben.
Nutze diese Struktur für jede Hauptkategorie im Ergebnisteil:
Kategorie benennen: „Die Kategorie ‚Zeitdruck als Belastungsfaktor' umfasst Aussagen, in denen..."
Kernaussage formulieren: „Die Befragten beschreiben Zeitdruck überwiegend als zentralen Stressfaktor..."
Belegzitat einfügen: „So berichtet Person 3: ‚Also der ständige Zeitdruck...' (Z. 45)."
Variation aufzeigen: „Während einige Befragte Zeitdruck als dauerhaft erleben..."
Kurze Einordnung: „Diese Befunde deuten darauf hin, dass..." (Vorsicht: keine ausführliche Interpretation)
So kannst du dein Ergebniskapitel gliedern:
Kurze Beschreibung der Stichprobe und des Kodierprozesses
Überblick über das finale Kategoriensystem (ggf. als Tabelle oder Grafik)
Detaillierte Darstellung jeder Hauptkategorie (siehe Mini-Template)
Zusammenhänge zwischen Kategorien (falls relevant)
Zusammenfassung der zentralen Befunde (Überleitung zur Diskussion)
Qualität sichern ohne Riesenaufwand
Gütekriterien qualitativer Forschung unterscheiden sich von quantitativen Maßstäben. Bei der Inhaltsanalyse nach Mayring geht es vor allem um Nachvollziehbarkeit, Regelgeleitetheit und Transparenz. Diese Aspekte kannst du auch ohne großen Aufwand sicherstellen.
Kodierleitfaden versionieren: Speichere deinen Kodierleitfaden mit Datum und führe ein kurzes Änderungslog. So kannst du später nachvollziehen, wie sich dein Kategoriensystem entwickelt hat. Das ist auch für den Methodenteil hilfreich.
Probekodierung durchführen: Kodiere 10-20 % des Materials und prüfe, ob die Kategorien funktionieren. Passe den Kodierleitfaden an, bevor du das gesamte Material bearbeitest. Das spart Zeit und erhöht die Konsistenz.
Peer-Check als Option: Wenn möglich, lass eine zweite Person einen Teil des Materials mit deinem Kodierleitfaden kodieren. Das muss kein vollständiges Intercoder-Reliabilitäts-Verfahren sein. Schon ein Vergleich bei 2-3 Interviews zeigt, ob deine Kategorien verständlich definiert sind. Besprecht Abweichungen und schärft den Leitfaden.
Memos nutzen: Notiere während des Kodierens Gedanken, Zweifel und Interpretationsideen in Memos. Das hilft dir später bei der Auswertung und macht dein Vorgehen transparent. In MAXQDA oder ATLAS.ti sind Memo-Functions integriert, aber auch eine einfache Spalte in deiner Kodiertabelle funktioniert.
Lege im Kodierleitfaden fest, wie du mit Mehrfachkodierungen umgehst. Mögliche Regeln: „Eine Textstelle kann maximal zwei Kategorien zugeordnet werden" oder „Bei inhaltlicher Überschneidung hat Kategorie X Vorrang". Notiere jede Mehrfachkodierung mit kurzer Begründung. So bleibst du konsistent und kannst Entscheidungen später nachvollziehen.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Kategorien nicht trennscharf definieren: Wenn sich Kategorien überlappen, weißt du nicht, wohin eine Textstelle gehört. Definiere jede Kategorie eindeutig und formuliere Abgrenzungsregeln für ähnliche Kategorien. Teste das System mit Probekodierungen.
Zu schnell zu viele Kategorien bilden: Ein aufgeblähtes Kategoriensystem erschwert die Übersicht und Auswertung. Prüfe bei jeder neuen Kategorie, ob sie wirklich nötig ist oder ob eine bestehende Kategorie erweitert werden kann. Subkategorien sind oft sinnvoller als weitere Hauptkategorien.
Kodierleitfaden nicht nutzen: Ohne dokumentierte Definitionen und Regeln kodierst du inkonsistent. Am Anfang eines langen Kodiertages verstehst du eine Kategorie vielleicht anders als am Ende. Der Kodierleitfaden sorgt für Konsistenz und ist später wichtig für die Darstellung deines Vorgehens.
Material nicht vollständig durchgehen: Selektives Kodieren verfälscht die Ergebnisse. Gehe das gesamte relevante Material systematisch durch, auch wenn du vermutest, dass bestimmte Stellen nichts Neues bringen. Dokumentiere, welche Teile du warum ausgelassen hast (z. B. Smalltalk am Anfang).
Interpretieren statt Kodieren: Beim Kodieren ordnest du Textstellen Kategorien zu. Die Interpretation kommt erst bei der Auswertung. Trenne beides zeitlich und gedanklich. Wenn du beim Kodieren bereits interpretierst, verfälscht du möglicherweise die Zuordnungen.
Nächster Schritt: Vom Kodieren zur Interpretation
Wenn du das Kodieren abgeschlossen hast, folgt die Interpretation. Hier beziehst du deine Ergebnisse auf die Forschungsfrage und den theoretischen Rahmen deiner Arbeit. Was bedeuten die Befunde? Wie passen sie zu bisherigen Erkenntnissen aus der Literatur?
Die Interpretation findet typischerweise in der Diskussion deiner Bachelorarbeit statt. Dort ordnest du die Ergebnisse ein, diskutierst Limitationen und leitest Schlussfolgerungen ab. Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage.
Denke auch an die Gütekriterien qualitativer Forschung: Nachvollziehbarkeit (durch dokumentiertes Vorgehen), Intersubjektivität (durch Kodierleitfaden und ggf. zweite Kodierperson) und Transparenz (durch Offenlegung von Material und Analyseschritten). Diese Aspekte gehören in dein Methodenkapitel.
Wenn deine Arbeit fertig ist, prüfe vor der Abgabe noch einmal Formatierung und Anhang. Der Kodierleitfaden und Auszüge aus dem kodierten Material können in den Anhang. Die fertige PDF kannst du dann drucken und binden lassen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Mayring-Variante soll ich für meine Bachelorarbeit wählen?
Die zusammenfassende Inhaltsanalyse passt, wenn du viel Material verdichten und Kernaussagen herausarbeiten willst. Die strukturierende Variante eignet sich, wenn du entlang theoretischer Dimensionen analysieren möchtest. Die explizierende Form ist seltener und hilft, wenn einzelne Passagen kontextbezogen erklärt werden müssen. In Bachelorarbeiten ist die strukturierende Variante am häufigsten, weil sie gut zum deduktiv-induktiven Vorgehen passt.
Wie viele Interviews brauche ich für eine qualitative Inhaltsanalyse?
Eine feste Zahl gibt es nicht – entscheidend ist die theoretische Sättigung, also der Punkt, an dem keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr hinzukommen. Als grober Erfahrungswert werden für Bachelorarbeiten oft 8 bis 15 Interviews genannt, aber das variiert je nach: (1) Interviewlänge und -tiefe, (2) Homogenität der Zielgruppe, (3) Komplexität der Forschungsfrage, (4) angestrebter Analysentiefe und (5) Betreuungsvorgaben. Tiefe Experteninterviews brauchen tendenziell weniger Fälle als kurze, fokussierte Befragungen. Sprich die Zahl frühzeitig mit deiner Betreuung ab.
Muss ich Häufigkeiten im Ergebnisteil berichten?
Nicht zwingend. Häufigkeiten (z. B. „In 8 von 12 Interviews...") können hilfreich sein, um Tendenzen zu zeigen, sind bei qualitativer Forschung aber kein Muss. Entscheidend ist, dass du typische Aussagen belegst und Variationen aufzeigst. Ob Häufigkeiten sinnvoll sind, hängt von deiner Forschungsfrage und den Erwartungen deiner Betreuung ab.
Wo gehören Kodierleitfaden und Kategoriensystem hin?
Im Methodenteil beschreibst du das Vorgehen: wie du die Kategorien gebildet hast, wie der Kodierprozess ablief und wie du Güte sichergestellt hast. Den vollständigen Kodierleitfaden mit Definitionen und Ankerbeispielen legst du in den Anhang. Im Ergebnisteil stellst du das finale Kategoriensystem vor, bevor du die Befunde pro Kategorie präsentierst.
Was ist der Unterschied zwischen Mayring und Kuckartz?
Beide Ansätze arbeiten mit Kategoriensystemen und sind für Bachelorarbeiten gut geeignet. Mayring betont den regelgeleiteten Ablauf und die Reduktion von Material. Kuckartz (inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse) legt mehr Wert auf thematische Strukturierung und ist oft etwas flexibler in der Umsetzung. Beide sind in der Praxis häufig kombinierbar.
Was mache ich, wenn eine Textstelle zu mehreren Kategorien passt?
Prüfe zuerst, ob deine Kategorien trennscharf definiert sind. Wenn die Überschneidung inhaltlich begründet ist, kannst du Mehrfachkodierungen vornehmen. Notiere im Kodierleitfaden, wie du mit solchen Fällen umgehst. Wichtig ist Konsistenz: Gleiche Fälle solltest du immer gleich behandeln.
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