In diesem Artikel erfährst du, welche Arten von Hypothesen es gibt, wie du sie aus der Forschungsfrage ableitest, wie du sie operationalisierst und welche Fehler du vermeiden solltest. Mit konkreten Beispielen und einer Vorlage zum Kopieren.
Kurzantwort: Eine Hypothese ist eine testbare Aussage über den Zusammenhang zwischen Variablen. Für eine konfirmatorische, also hypothesenprüfende quantitative Bachelorarbeit leitest du Hypothesen vorab aus Theorie und Forschungsstand ab, formulierst sie als gerichtete oder ungerichtete Aussage und prüfst sie mit einem zum Design passenden statistischen Verfahren. Explorative Analysen kennzeichnest du ausdrücklich als solche.
-
Hypothesen sind überprüfbare Aussagen, die du aus Theorie und Forschungsstand ableitest
-
Du unterscheidest gerichtete (Richtung des Effekts angegeben) und ungerichtete (nur Zusammenhang behauptet) Forschungshypothesen
-
Davon trennst du die statistische Nullhypothese und Alternativhypothese des gewählten Tests
-
Eine gute Hypothese ist präzise, theoretisch fundiert und empirisch testbar
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Hypothese?
Eine Hypothese ist eine begründete Vermutung über einen Zusammenhang zwischen zwei oder mehr Variablen. Im Gegensatz zu einer Forschungsfrage ist sie als Aussage formuliert, nicht als Frage. Du leitest sie aus dem theoretischen Rahmen und dem Forschungsstand ab und prüfst sie anschließend empirisch.
Vorab begründete Hypothesen sind ein Kernstück konfirmatorischer quantitativer Forschung. Du formulierst eine Vorhersage und prüfst, ob die Daten Evidenz liefern, die sie stützt oder ihr widerspricht. Ein einzelner Test beweist oder widerlegt eine Theorie nicht abschließend. Dieses Vorgehen ist deduktiv: Du gehst von der Theorie aus und prüfst ihre Vorhersage an der Empirie. Quantitative Forschung kann daneben ausdrücklich explorativ angelegt sein.
Hypothese: Empirisch prüfbare, falsifizierbare Aussage über einen Zusammenhang. Du prüfst mit Daten, ob Evidenz die Vorhersage stützt oder ihr widerspricht. Typisch für konfirmatorische quantitative Forschung.
These: Argumentativ gestützte Behauptung, die nicht zwingend empirisch testbar sein muss. Du belegst sie durch Interpretation, Analyse oder logische Argumentation. Typisch für Geisteswissenschaften, Philosophie, Literaturwissenschaft.
Wann Hypothesen sinnvoll sind
Nicht jede Bachelorarbeit braucht Hypothesen. Ob du welche formulierst, hängt von deinem Forschungsansatz ab.
Hinweis zu Vorgaben: Die Vorgaben variieren je nach Fachbereich und Lehrstuhl. Kläre frühzeitig mit deiner Betreuung, welcher Ansatz erwartet wird.
Quantitativ-konfirmatorisch: Du erhebst Daten per Umfrage oder Experiment und prüfst vorab formulierte Hypothesen statistisch. Du leitest sie aus Theorie ab, operationalisierst sie und legst den Analyseweg vor Kenntnis der Ergebnisse fest. Quantitative Analysen können auch explorativ sein, müssen dann aber als solche gekennzeichnet werden.
Qualitativ-explorativ: Du führst Interviews, analysierst Dokumente oder beobachtest. Hier arbeitest du häufig mit offenen Forschungsfragen. Abhängig von Methode und Forschungsziel können auch Propositionen, Arbeitshypothesen, Hypothesengenerierung oder einzelne hypothesenprüfende Schritte sinnvoll sein.
Literaturarbeit: Du fasst bestehende Studien zusammen oder vergleichst Theorien. Ob du Forschungsfragen oder vorab festgelegte Hypothesen verwendest, richtet sich nach Forschungsziel, Reviewtyp und geplantem Vorgehen. Das gilt auch für systematische Reviews und Metaanalysen.
Mixed Methods: Du kombinierst quantitative und qualitative Ansätze. Beispielsweise kannst du im quantitativen Teil vorab festgelegte Hypothesen prüfen und im qualitativen Teil mit offenen Fragen vertiefen. Andere Abfolgen sind je nach Design möglich; wichtig ist die klare Funktion und Verknüpfung beider Teile.
Hypothese eher passend: Konfirmatorisches Ziel, deduktiver Ansatz, statistische Prüfung geplant, Theorie sagt einen konkreten Zusammenhang oder Unterschied vorher.
Offene Forschungsfrage eher passend: Exploratives Ziel, wenig Vorwissen oder ein qualitatives beziehungsweise literaturbasiertes Design, das offen nach Mustern, Bedeutungen oder Befunden fragt.
Arten von Hypothesen
Je nach Aussagegehalt und Funktion unterscheidest du verschiedene Arten von Hypothesen. Die Wahl hängt davon ab, wie viel du über den erwarteten Zusammenhang bereits weißt.
Gerichtete Hypothese
Du sagst vorher, in welche Richtung der Effekt geht: positiv oder negativ, mehr oder weniger, höher oder niedriger. Gerichtete Hypothesen formulierst du, wenn Theorie oder bisherige Forschung eine bestimmte Richtung nahelegen.
Beispiel: „Je höher die Arbeitszufriedenheit, desto geringer die Kündigungsabsicht.“ Oder: „Teilnehmende, die Methode A nutzen, erzielen bessere Ergebnisse als Teilnehmende, die Methode B nutzen.“
Ungerichtete Hypothese
Du behauptest nur, dass ein Zusammenhang oder Unterschied existiert, ohne die Richtung anzugeben. Ungerichtete Hypothesen wählst du, wenn du einen Effekt erwartest, aber nicht weißt, ob er positiv oder negativ ist.
Beispiel: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht.“ Oder: „Die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen Methode A und Methode B.“
Statistische Null- und Alternativhypothese
Diese Unterscheidung gilt für das statistische Hypothesenpaar des gewählten Tests und ist von den nummerierten inhaltlichen Forschungshypothesen H1, H2 und so weiter zu trennen. Im folgenden Beispiel geht es um einen Pearson-Korrelationstest. Dabei bezeichnet ρ die lineare Korrelation in der Population. H₀ und Hₐ (auch H₁) bilden das statistische Hypothesenpaar.
Zweiseitig: H₀: Zwischen Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht besteht kein linearer Zusammenhang (ρ = 0). Hₐ: Es besteht ein linearer Zusammenhang (ρ ≠ 0).
Einseitig, negative Richtung: H₀: Der lineare Zusammenhang ist null oder positiv (ρ ≥ 0). Hₐ: Der lineare Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht ist negativ (ρ < 0).
Wichtig zur Testlogik: Beim klassischen Signifikanztest legst du H₀, Hₐ, das Signifikanzniveau (zum Beispiel α = 0,05) und den Analyseweg vor Kenntnis der Ergebnisse fest. Nach der vorab festgelegten Entscheidungsregel verwirfst du H₀ bei p ≤ α. Liegt p darüber, wird H₀ mit diesem Test nicht verworfen. Das belegt weder H₀ noch die Abwesenheit eines relevanten Effekts.
Eine gerichtete Forschungshypothese erzwingt keinen einseitigen Test. Ein einseitiger Test ist nur für eine vorab festgelegte gerichtete statistische Alternative passend. Bei gleichem α bietet er mehr Power ausschließlich in dieser Richtung; ein Effekt in der Gegenrichtung stützt diese Alternative nicht. Lege die Entscheidung vor Kenntnis der Ergebnisse fest.
Wichtig: Ein p-Wert gibt an, wie unvereinbar die beobachteten Daten mit einem festgelegten statistischen Modell sind, das H₀ und seine Annahmen umfasst. Er ist weder die Wahrscheinlichkeit, dass H₀ wahr ist, noch ein Maß für Effektgröße oder praktische Relevanz. Berichte deshalb die relevante Schätzung beziehungsweise Effektstärke mit Konfidenzintervall und ordne Größe sowie Unsicherheit inhaltlich ein.
Hypothesen aus der Forschungsfrage ableiten
Hypothesen entstehen nicht aus dem Nichts. Du leitest sie systematisch aus der Theorie und dem Forschungsstand ab. Dieser Prozess heißt Hypothesenherleitung und ist ein zentraler Teil deines Theorieteils.
-
Forschungsfrage als Ausgangspunkt
Deine Forschungsfrage gibt die Richtung vor.
Beispiel: „Welche Faktoren hängen mit der Nutzungsabsicht von KI-Tools im Studium zusammen?“
Aus dieser offenen Frage leitest du konkrete Hypothesen ab.
-
Theoretischen Rahmen nutzen
Im Theorieteil stellst du ein Modell oder eine Theorie vor, die Zusammenhänge erklärt.
Beispiel: Das Technology Acceptance Model (TAM) postuliert, dass wahrgenommene Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit die Nutzungsabsicht beeinflussen.
-
Konkrete Hypothesen formulieren
Aus dem theoretischen Rahmen und bisherigen Studien leitest du testbare Aussagen ab. Ohne ein Design für kausale Effekte formulierst du beispielsweise:
„H1: Die wahrgenommene Nützlichkeit von KI-Tools steht bei Studierenden in einem positiven Zusammenhang mit der Nutzungsabsicht.“
„H2: Die wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit steht in einem positiven Zusammenhang mit der Nutzungsabsicht.“
Wichtig: Jede Hypothese muss begründet sein. Du erklärst, warum du diesen Zusammenhang erwartest, basierend auf Theorie oder bisherigen Studien. Hypothesen „aus dem Bauch heraus“ sind wissenschaftlich nicht tragfähig.
Von der Hypothese zur Operationalisierung
Eine Hypothese allein reicht nicht. Du musst zeigen, wie du die Variablen misst und welchen Test du anwendest. Dieser Dreischritt verbindet Theorie und Empirie.
Das folgende Beispiel und die Fachbeispiele sind fiktiv und dienen der Illustration. Prüfe bei den genannten Instrumenten, ob Sprachversion, Konstrukt, Population und Nutzungsbedingungen zu deiner Untersuchung passen.
Hypothese: „Je mehr Tage pro Woche Vollzeitbeschäftigte im IT-Sektor im Homeoffice arbeiten, desto geringer ist ihr wahrgenommenes Stresserleben.“
Operationalisierung
Unabhängige Variable (UV): Homeoffice-Tage pro Woche (metrisch, 0 bis 5 Tage).
Abhängige Variable (AV): wahrgenommenes Stresserleben, zum Beispiel mit der deutschen
PSS-10: 10 Items zum letzten Monat, jeweils fünf
Antwortstufen von 0 bis 4.
Population: Vollzeitbeschäftigte (≥35 h/Woche) im IT-Sektor in Deutschland.
Passender Test: Pearson-Korrelation für einen linearen Zusammenhang zweier quantitativer Variablen bei passender Datenstruktur und geeigneten Inferenzannahmen. Spearman-Korrelation für einen monotonen Rangzusammenhang. Eine vorab spezifizierte lineare Regression kann den Zusammenhang unter Berücksichtigung von Alter und Berufserfahrung schätzen. Die Auswahl solcher Kovariaten muss begründet sein; ihre Aufnahme allein belegt keine Kausalität.
Dieses Muster kannst du auf jede Hypothese anwenden: Hypothese formulieren, Variablen konkret machen (Messinstrument, Skala, Einheit), passenden Test wählen. Im Methodenteil beschreibst du dann ausführlich, wie du operationalisiert hast.
Vorlage: Hypothesen formulieren
Mit dieser Vorlage formulierst du Hypothesen systematisch. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine eigenen Inhalte.
Gerichtete Hypothese
Je höher/niedriger [UV], desto höher/niedriger [AV] bei [Population].
Oder: [Population] mit hoher [UV] zeigen eine höhere/niedrigere [AV] als [Population] mit niedriger [UV].
Ungerichtete Hypothese
Es besteht ein Zusammenhang zwischen [UV] und [AV] bei [Population].
Oder: [Gruppe A] und [Gruppe B] unterscheiden sich in [AV].
Mit Moderator
Der Zusammenhang zwischen [UV] und [AV] wird durch [Moderator] moderiert: Bei hoher [Moderator] ist der Zusammenhang stärker/schwächer als bei niedriger [Moderator].
Mit Mediator
Der Zusammenhang zwischen [UV] und [AV] verläuft teilweise indirekt über [Mediator].
Beispiel Moderator: „Der positive Zusammenhang zwischen Influencer-Authentizität und Kaufabsicht wird durch die Produktrelevanz moderiert: Bei hoher Produktrelevanz ist der Zusammenhang stärker als bei niedriger Produktrelevanz.“ Hier untersuchst du, ob eine dritte Variable (Produktrelevanz) die Stärke des Zusammenhangs verändert.
Beispiel Mediator: „Der positive Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Führungskommunikation und der Mitarbeiterzufriedenheit verläuft teilweise indirekt über das wahrgenommene Vertrauen: Häufigere Führungskommunikation geht mit höherem Vertrauen einher, und höheres Vertrauen steht bei gleicher Kommunikationshäufigkeit mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit in Zusammenhang.“ Hier untersuchst du einen möglichen indirekten Zusammenhang. Als kausalen Mechanismus interpretierst du ihn nur, wenn zeitliche Reihenfolge, Design und Identifikationsannahmen dies tragen.
-
Präzise Variablen: UV und AV sind konkret benannt, nicht vage.
-
Richtung begründet: Gerichtete Hypothesen nur mit theoretischer Basis.
-
Operationalisierbar: Du weißt, wie du die Variablen misst.
-
Falsifizierbar: Es sind Befunde denkbar, die der Vorhersage widersprechen.
-
Test passt: Du kennst das statistische Verfahren zur Prüfung.
Beispiele nach Fachbereich
Hier findest du konkrete fiktive Beispiele für Hypothesen aus verschiedenen Fachbereichen. Zu jeder Hypothese siehst du, warum sie testbar ist und wie du sie operationalisieren könntest.
BWL/Marketing
Hypothese: „Die wahrgenommene Authentizität von Influencern steht in einem positiven Zusammenhang mit der Kaufabsicht bei 18- bis 24-Jährigen.“
Warum testbar? Für die wahrgenommene Authentizität von Influencern gibt es beispielsweise die PASMI-Skala von Lee und Eastin (2021). Die Kaufabsicht erfasst du mit einer passenden Befragungsskala; die Zielgruppe ist klar eingegrenzt.
Passender Test: Regression oder Korrelation.
Psychologie
Hypothese: „Je höher die Selbstwirksamkeitserwartung, desto geringer ist die Prokrastinationstendenz.“
Warum testbar? Für allgemeine Selbstwirksamkeit eignet sich beispielsweise die Skala zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE, 10 Items), für allgemeine Prokrastination die deutsche Kurzskala GPS-K (9 Items).
Passender Test: Korrelation oder Regression.
Sozialwissenschaften
Hypothese: „Die Häufigkeit der Nutzung von Nachrichtenmedien korreliert positiv mit dem politischen Wissen bei Erstwählern.“
Warum testbar? Die Mediennutzung lässt sich per Selbstauskunft erheben (Minuten pro Tag), das politische Wissen über einen Wissenstest operationalisieren.
Passender Test: Korrelation.
Wirtschaftsinformatik
Hypothese: „Die Systemqualität einer E-Learning-Plattform steht in einem positiven Zusammenhang mit der Nutzerzufriedenheit.“
Warum testbar? Das DeLone-und-McLean-Modell bietet einen Rahmen für Systemqualität und Nutzerzufriedenheit. Die konkreten Messinstrumente wählst du passend zur E-Learning-Plattform.
Passender Test: Strukturgleichungsmodell oder Regression.
Gesundheitswissenschaften
Hypothese: „Teilnehmende eines achtsamkeitsbasierten Stressreduktionsprogramms zeigen nach acht Wochen eine geringere Stressbelastung als die Kontrollgruppe.“
Warum testbar? Gruppenzugehörigkeit und Messzeitpunkt sind klar definiert; Stress lässt sich beispielsweise mit der PSS-10 erfassen.
Passender Test: Bei randomisierter Gruppenzuteilung und einer Messung vor Programmbeginn kommt beispielsweise eine ANCOVA infrage: Du vergleichst die Stresswerte nach acht Wochen unter Berücksichtigung der Ausgangswerte. Bei mehreren Messzeitpunkten kann ein passendes Längsschnittmodell sinnvoll sein.
Typische Fehler vermeiden
Diese Fehler kommen bei Hypothesen häufig vor. Zu jedem Problem findest du eine konkrete Korrektur.
-
Hypothese nicht aus Theorie abgeleitet
Problem: „Ich vermute, dass X mit Y zusammenhängt“ ohne Begründung ist nicht tragfähig.
So behebst du es: Recherchiere im Forschungsstand, welche Studien den Zusammenhang nahelegen. Formuliere: „Basierend auf [Theorie/Studie] wird erwartet, dass…“
-
Variablen zu abstrakt
Problem: „Social-Media-Nutzung hängt mit dem Wohlbefinden zusammen“ ist nicht ausreichend operationalisiert.
So behebst du es: Konkretisiere beide Variablen: „Die tägliche Instagram-Nutzungsdauer (in Minuten) korreliert negativ mit der Lebenszufriedenheit (gemessen mit der Satisfaction with Life Scale, SWLS) bei 18- bis 25-Jährigen.“
-
Richtung ohne Begründung
Problem: Du behauptest einen positiven Zusammenhang, ohne zu erklären, warum.
So behebst du es: Belege die Richtung mit Theorie oder bisherigen Studien. Wenn du keine Begründung hast, formuliere ungerichtet: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen X und Y.“
-
Zu viele Hypothesen ohne Modelllogik
Problem: Beispielsweise acht Hypothesen ohne erkennbaren Zusammenhang machen die Arbeit unübersichtlich.
So behebst du es: Entwickle ein Forschungsmodell, das zeigt, wie die Hypothesen zusammenhängen. Konzentriere dich beispielsweise auf zwei bis fünf zentrale Hypothesen, sofern sie die Forschungsfrage abdecken und sich mit deinem Design prüfen lassen.
-
Hypothese als Frage formuliert
Problem: „Steht X mit Y in einem positiven Zusammenhang?“ ist eine Forschungsfrage, keine Hypothese.
So behebst du es: Formuliere sie als Aussage, zum Beispiel: „X steht in einem positiven Zusammenhang mit Y.“
Prüfe jede Hypothese:
-
Als Aussage (nicht als Frage) formuliert?
-
Konkrete, messbare Variablen benannt?
-
Aus Theorie oder Forschungsstand abgeleitet?
-
Operationalisierung (Messinstrument) klar?
-
Passender statistischer Test bekannt?
-
Primäre und sekundäre Hypothesen festgelegt, explorative Analysen gekennzeichnet und der Umgang mit mehreren Tests geplant?
Nächster Schritt: Methodik und Analyseplan
Wenn deine Hypothesen stehen, planst du als Nächstes die Methodik. Die konkreten Schritte:
-
Messinstrumente festlegen
Welche Skalen oder Fragebögen nutzt du? Sind sie validiert? Wie viele Items? Prüfe, ob du die Instrumente anpassen darfst oder ob du Originalversionen verwendest.
-
Stichprobe definieren
Wer sind deine Teilnehmenden? Wie viele brauchst du für ausreichende Power? Wie rekrutierst du sie? Kläre auch ethische Aspekte (Einverständnis, Anonymität).
-
Analyseplan skizzieren
Welche Schätzung und welchen Test verwendest du für welche Hypothese? Notiere den Analyseweg und die zu prüfenden Annahmen vorab, beispielsweise H1 → Korrelation, H2 → Regression mit Moderator. Lege fest, welche Hypothesen primär und welche sekundär sind, und kennzeichne explorative Analysen. Plane bei mehreren bestätigenden Tests, wie du das erhöhte Risiko falsch positiver Ergebnisse berücksichtigst, etwa durch eine passende Korrektur für multiples Testen.
Im Ergebnisteil berichtest du die designrelevanten Schätzungen, ihre Unsicherheit, die passenden Testergebnisse und die geprüften Annahmen. In der Diskussion interpretierst du die Befunde, diskutierst Limitationen und ordnest sie in den Forschungsstand ein. Wenn alles fertig ist, exportiere dein Dokument als PDF und lass es drucken und binden.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich für jede Bachelorarbeit Hypothesen?
Nein. Hypothesen sind vor allem dann sinnvoll, wenn du vorab begründete Vorhersagen prüfen willst (konfirmatorische Forschung). Quantitative Arbeiten können auch explorativ sein. Qualitative Arbeiten nutzen häufig offene Forschungsfragen, können je nach Methode aber auch Hypothesen entwickeln oder prüfen. Bei Literaturarbeiten entscheidet das Forschungsziel.
Wie viele Hypothesen sollte meine Bachelorarbeit haben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Als überschaubares Planungsbeispiel kannst du zwei bis fünf eng zusammenhängende Hypothesen ansetzen. Entscheidend ist, dass du jede theoretisch begründen und mit deinen Daten sinnvoll prüfen kannst. Lege bei mehreren Tests vorab fest, welche Hypothesen im Mittelpunkt stehen und wie du mit dem erhöhten Risiko falsch positiver Ergebnisse umgehst.
Wie formuliere ich H₀ und H₁ korrekt?
Trenne deine inhaltliche Forschungshypothese H1, H2 und so weiter vom statistischen Hypothesenpaar H₀ und Hₐ (auch H₁) des gewählten Tests. Für einen zweiseitigen Pearson-Korrelationstest kann H₀ beispielsweise ρ = 0 und Hₐ ρ ≠ 0 lauten. Eine gerichtete Forschungshypothese erzwingt keinen einseitigen Test. Eine einseitige statistische Alternative legst du vor Kenntnis der Ergebnisse fest und nutzt sie nur, wenn die Gegenrichtung die Vorhersage nicht stützen würde.
Wie nummeriere ich Hypothesen und verweise im Text darauf?
Nummeriere deine Hypothesen durchgehend (H1, H2, H3) oder mit Untergliederung (H1a, H1b). Im Text verweist du in Klammern: „…wie erwartet (H1).“ Im Ergebnisteil strukturierst du die Darstellung nach Hypothesen und berichtest zu jeder, ob sie gestützt wird oder nicht.
Welche Ergebnisse muss ich bei der Hypothesenprüfung berichten?
Welche Kennwerte du berichtest, hängt von Design und Modell ab. Nenne die Schätzung beziehungsweise Effektstärke mit Konfidenzintervall, die Teststatistik (z. B. t oder F), Freiheitsgrade soweit anwendbar, den p-Wert und die geprüften Annahmen. Je nach Gruppenvergleich sind zum Beispiel Cohens d oder η² geeignete Effektstärken. Bei Korrelationen gehören r, Konfidenzintervall und p dazu. Bei linearen Regressionen berichtest du beispielsweise b mit Standardfehler (SE), Konfidenzintervall und p sowie R²; standardisierte Koeffizienten kennzeichnest du als β. Fiktives Beispiel im APA-Stil: „Es zeigte sich ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht, r(148) = −.42, p < .001, 95 %-KI [−.54, −.28].“ Kläre mit deiner Betreuung, welche Kennwerte in deinem Fach erwartet werden.
Was mache ich, wenn meine Hypothese nicht bestätigt wird?
Eine nicht gestützte Hypothese ist ein valides Ergebnis. Berichte Schätzung, Unsicherheit und Testergebnis transparent, statt ein nicht signifikantes Ergebnis als Beleg für keinen Effekt zu deuten. Diskutiere mögliche Erklärungen, Limitationen und Implikationen.
Wo stehen die Hypothesen in der Bachelorarbeit?
Hypothesen stehen typischerweise am Ende des Theorieteils oder zu Beginn des Methodenteils, nachdem du sie aus dem Forschungsstand hergeleitet hast. Im Ergebnisteil prüfst du sie, in der Diskussion interpretierst du die Befunde. Die genaue Platzierung kann je nach Fachbereich variieren.
Darf ich meine Hypothesen im Laufe der Arbeit ändern?
Änderungen vor Kenntnis relevanter Ergebnisse sind möglich, sollten aber begründet und dokumentiert werden. Änderungen nach Kenntnis der Ergebnisse sowie Abweichungen vom Analyseplan oder einer Preregistrierung legst du transparent offen und kennzeichnest die betreffenden Analysen in der Regel als explorativ. Eine Preregistrierung kann dabei helfen, ist aber keine allgemeine Voraussetzung jeder Bachelorarbeit.
Plagiatsprüfung für die Bachelorarbeit
Eidesstattliche Erklärung
Deckblatt der Bachelorarbeit