Kalender 2026-01-17

Systematische Literaturübersicht: Vorgehen, Suchstrategie und Dokumentation

Systematische Literaturübersicht in der Bachelorarbeit: Vorgehen, Suchstrategie und Dokumentation | BachelorHero

Inhaltsverzeichnis

Kurzantwort

Eine systematische Literaturübersicht fasst den Forschungsstand zu einer klar definierten Frage zusammen, mit dokumentierter Suchstrategie, festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien und PRISMA-Diagramm. Anders als bei einer einfachen Literaturrecherche dokumentierst du jeden Schritt, sodass dein Vorgehen transparent und reproduzierbar ist.

Du brauchst am Ende

Suchprotokoll-Tabelle: Datenbank, Suchstring, Suchfelder, Datum, Filter, Treffer (n), Export

Kriterien-Tabelle: ID (E1, A1 …), Ein-/Ausschlusskriterien mit Begründung

Screening-Log: Studie, Phase, Entscheidung, Ausschlussgrund, Kriterium-ID, Notiz (optional)

PRISMA-Diagramm: Treffer, Duplikate, Ausschlüsse je Phase, finale Studienzahl

Extraktionstabelle: Autoren, Design, Stichprobe, Methodik, Ergebnisse, Limitationen, Qualität

Syntheseabschnitt: Narrative Zusammenfassung der Befunde

Was ist eine systematische Literaturübersicht?

Die systematische Literaturübersicht (englisch: systematic review) ist eine Forschungsmethode, die den aktuellen Wissensstand zu einer klar definierten Frage zusammenfasst. Im Unterschied zu einem narrativen Literaturreview folgt sie einem vorab festgelegten Protokoll. Das bedeutet: Du legst vor der Suche fest, in welchen Datenbanken du suchst, welche Suchbegriffe du verwendest und nach welchen Kriterien du Studien einschließt oder ausschließt.

Für deine Forschungsfrage ist die Methode besonders geeignet, wenn du einen Überblick über empirische Befunde zu einem Thema geben möchtest. Sie zeigt Lücken im Forschungsstand auf und liefert eine solide Grundlage für eigene Untersuchungen. In manchen Fachbereichen ist die systematische Übersicht selbst das Ziel der Arbeit, in anderen bildet sie das Fundament für den Theorieteil.

Abgrenzung: Systematische Übersicht vs. Meta-Analyse

Systematische Literaturübersicht: Qualitative Synthese der Studienergebnisse. Du beschreibst und vergleichst die Befunde, ohne sie statistisch zusammenzufassen.

Meta-Analyse: Quantitative Synthese. Die Ergebnisse mehrerer Studien werden statistisch kombiniert, um einen Gesamteffekt zu berechnen. Eine Meta-Analyse setzt eine systematische Übersicht voraus, geht aber methodisch darüber hinaus.

Systematische Übersicht vs. Scoping Review

Ein Scoping Review kartiert ein Forschungsfeld breiter und explorativer. Er eignet sich, wenn du einen Überblick über die vorhandene Literatur zu einem Thema gewinnen willst, ohne eine eng definierte Frage zu beantworten. Die Qualitätsbewertung der Studien ist optional. Eine systematische Literaturübersicht hingegen beantwortet eine präzise Forschungsfrage, prüft die Studienqualität und zieht Schlussfolgerungen auf Basis der Evidenz. Für eine Bachelorarbeit mit klarer Fragestellung ist meist die systematische Übersicht passender.

Systematische Übersicht vs. „systematische Literaturrecherche"

Im Bachelor-Kontext verwenden Dozierende den Begriff „systematische Literaturrecherche" manchmal lockerer: Sie erwarten ein nachvollziehbares Vorgehen bei der Quellensuche, aber nicht unbedingt eine vollständige systematische Übersicht nach PRISMA-Standard. Kläre mit deiner Betreuung, was genau erwartet wird. Typische Abstufungen: Ist ein PRISMA-Diagramm gefordert? Muss die Qualität der Studien bewertet werden? Reicht eine Datenbank oder sind mehrere nötig? Die Antworten bestimmen den Aufwand.

Systematisches Vorgehen in fünf Phasen

Die fünf Phasen einer systematischen Literaturübersicht in der Bachelorarbeit | BachelorHero

Das systematische Vorgehen gliedert sich in fünf aufeinander aufbauende Phasen. Jede Phase hat einen klaren Output, der in der nächsten Phase verwendet wird. Diese Struktur hilft dir, den Überblick zu behalten und nichts zu vergessen.

Phase 1: Forschungsfrage definieren

Formuliere eine präzise Frage, die sich mit vorhandener Literatur beantworten lässt. Das PICO-Schema hilft bei empirischen Fragestellungen: Population, Intervention, Comparison, Outcome.

Beispiel: „Welchen Einfluss hat hybrides Arbeiten (I) im Vergleich zu reiner Büroarbeit (C) auf die Mitarbeiterzufriedenheit (O) bei Wissensarbeitern (P)?"

Phase 2: Suchstrategie entwickeln

Lege fest, in welchen Datenbanken du suchst und welche Suchbegriffe du verwendest. Kombiniere Synonyme mit Booleschen Operatoren (AND, OR). Dokumentiere jeden Suchstring.

Output: Dokumentierte Suchstrings pro Datenbank mit Datum und Trefferanzahl.

Phase 3: Ein- und Ausschlusskriterien festlegen

Definiere vorab, welche Studien in die Übersicht aufgenommen werden. Typische Kriterien: Publikationszeitraum, Sprache, Studiendesign, Population, thematischer Fokus.

Output: Tabellarische Übersicht der Kriterien mit Begründung.

Phase 4: Studien screenen und auswählen

Prüfe die gefundenen Treffer in zwei Schritten: Erst Titel und Abstract, dann den Volltext. Dokumentiere bei jedem Ausschluss den Grund. Das PRISMA-Diagramm visualisiert diesen Prozess.

Output: Finale Studienliste und PRISMA-Flussdiagramm.

Phase 5: Ergebnisse synthetisieren

Extrahiere die relevanten Informationen aus jeder Studie und fasse sie zusammen. Stelle Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Widersprüche dar. Ziehe Schlussfolgerungen für deine Forschungsfrage.

Output: Synthesetabelle und narrativer Ergebnisbericht.

Suchprotokoll: Diese Tabelle gehört in den Anhang

Suchstrategie für die systematische Literaturübersicht: Suchstrings und Boolesche Operatoren | BachelorHero

Die Suchstrategie ist das Herzstück deiner systematischen Übersicht. Sie bestimmt, welche Studien du findest und welche dir entgehen. Eine gute Strategie ist breit genug, um relevante Studien nicht zu übersehen, aber präzise genug, um die Trefferzahl handhabbar zu halten.

Beginne mit der Zerlegung deiner Forschungsfrage in Kernkonzepte. Für jedes Konzept sammelst du Synonyme, verwandte Begriffe und englische Übersetzungen. Diese verbindest du innerhalb eines Konzepts mit OR (erweitert die Suche) und zwischen den Konzepten mit AND (schränkt ein).

Beispiel: Suchstring aufbauen

Forschungsfrage: Einfluss von hybridem Arbeiten auf Mitarbeiterzufriedenheit

Konzept 1 (Arbeitsform): „hybrid work" OR „remote work" OR „telework" OR „home office" OR „flexible work"

Konzept 2 (Outcome): „job satisfaction" OR „employee satisfaction" OR „work satisfaction" OR „well-being"

Kombinierter Suchstring: (Konzept 1) AND (Konzept 2)

Trunkierung erweitert die Suche auf Wortstämme: „satisf*" findet satisfaction, satisfied, satisfying. Nutze die erweiterten Suchfunktionen der Datenbanken, etwa Thesauri oder MeSH-Terms in medizinischen Datenbanken. Teste deinen Suchstring an bekannten Schlüsselstudien: Wenn diese nicht auftauchen, fehlen Begriffe.

Vorlage: Suchprotokoll-Tabelle

Datenbank: Name der Datenbank (z. B. Web of Science, PubMed, EBSCO)

Suchstring: Exakter Suchstring mit allen Operatoren

Suchfelder: Wo wurde gesucht (Titel, Abstract, Volltext, Schlagworte)

Datum: Tag der Suche (wichtig für Reproduzierbarkeit)

Filter: Gesetzte Einschränkungen (Zeitraum, Sprache, Dokumenttyp)

Treffer (n): Anzahl der Ergebnisse

Export: Dateiformat und Speicherort (z. B. RIS-Export in Citavi)

Diese Tabelle gehört in den Anhang deiner Arbeit. Sie ermöglicht es anderen, deine Suche zu replizieren, und zeigt, dass du systematisch vorgegangen bist. Die Anzahl der Datenbanken richtet sich nach deinem Fachbereich: Ziel ist die Abdeckung der relevanten Quellen, nicht eine bestimmte Zahl. Begründe deine Auswahl im Methodenteil.

Ein- und Ausschlusskriterien mit Vorlage

Ein- und Ausschlusskriterien legen fest, welche Studien in deine Übersicht aufgenommen werden. Du definierst sie vor der Suche, um subjektive Entscheidungen während des Screenings zu vermeiden. Jedes Kriterium sollte begründet sein und sich aus deiner Forschungsfrage ableiten lassen.

Vorlage: Kriterien-Tabelle (Beispiel)

E1 – Zeitraum: Publikationen 2015–2024 | Begründung: Aktualität nach Paradigmenwechsel zu hybriden Arbeitsmodellen

E2 – Sprache: Englisch, Deutsch | Begründung: Sprachkompetenz und internationale Vergleichbarkeit

E3 – Studiendesign: Empirische Studien (quant./qual.) | Begründung: Nur Primärdaten zur Beantwortung der Forschungsfrage

E4 – Population: Wissensarbeiter in Büroberufen | Begründung: Übertragbarkeit auf Forschungskontext

E5 – Thema: Hybrides Arbeiten und Zufriedenheit | Begründung: Direkter Bezug zur Forschungsfrage

A1 – Editorials/Kommentare: Ausschluss | Begründung: Keine empirische Datenbasis

E = Einschlusskriterium, A = Ausschlusskriterium. Vergib IDs (E1, E2 … / A1, A2 …) und verwende diese im Screening-Log.

Dokumentiere deine Kriterien in einer Tabelle mit den Spalten: ID, Kriterium, Ein/Aus, Begründung. Bei jeder ausgeschlossenen Studie hältst du später im Screening-Log die Kriterium-ID fest (z. B. „E4" für Population nicht passend). Das macht deine Entscheidungen transparent und ermöglicht eine schnelle Auswertung der Ausschlussgründe für das PRISMA-Diagramm.

Tipp

Teste deine Kriterien an einer Stichprobe von zehn bis zwanzig Treffern. Wenn zu viele relevante Studien ausgeschlossen werden, sind die Kriterien zu eng. Wenn zu viele irrelevante Studien durchrutschen, fehlt ein Kriterium. Passe die Kriterien bei Bedarf an, aber dokumentiere jede Änderung transparent.

Screening-Workflow: So läuft die Auswahl praktisch ab

Nach der Suche in allen Datenbanken beginnt das Screening: Du prüfst jeden Treffer systematisch anhand deiner Kriterien. Der Prozess läuft in klar definierten Schritten ab, die du dokumentierst.

Screening in fünf Schritten
1

Export zusammenführen: Exportiere die Treffer aus allen Datenbanken (z. B. als RIS-Datei) und importiere sie in ein Literaturverwaltungsprogramm (Citavi, Zotero, EndNote).

2

Duplikate entfernen: Lass das Programm Duplikate automatisch erkennen. Prüfe manuell bei ähnlichen Titeln. Dokumentiere die Anzahl entfernter Duplikate für das PRISMA-Diagramm.

3

Titel/Abstract-Screening: Prüfe jeden Treffer anhand von Titel und Abstract. Entscheide: einschließen, ausschließen oder unklar. Bei Unklarheit: vorerst behalten.

4

Volltext-Screening: Beschaffe die Volltexte der verbliebenen Studien. Prüfe detailliert gegen alle Kriterien. Dokumentiere bei Ausschluss den konkreten Grund.

5

Finale Included-Liste: Erstelle eine Liste aller eingeschlossenen Studien mit bibliografischen Angaben. Diese bildet die Grundlage für die Datenextraktion.

Vorlage: Screening-Log

Spalten: Studie (Autor, Jahr) | Phase (TA/VT) | Entscheidung (ein/aus) | Ausschlussgrund | Kriterium-ID | Notiz

Beispielzeile: Müller 2021 | VT | aus | Population nicht passend (nur Schüler) | E4 | Stichprobe unter 18 Jahre

TA = Titel/Abstract-Screening, VT = Volltext-Screening, E4 = Einschlusskriterium 4 (Population)

Das Screening-Log dokumentiert jede Entscheidung nachvollziehbar. Typische Ausschlussgründe sind: falscher Zeitraum, falsche Population, falsches Studiendesign, Thema nicht passend, Volltext nicht verfügbar. Diese Dokumentation brauchst du für die Ausschlussgründe im PRISMA-Diagramm.

Dokumentation: Das PRISMA-Diagramm

PRISMA-Flussdiagramm für die systematische Literaturübersicht in der Bachelorarbeit | BachelorHero

Das PRISMA-Diagramm (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) ist der Standard zur Visualisierung des Selektionsprozesses. Es zeigt auf einen Blick, wie viele Studien du in jeder Phase gefunden, geprüft und ausgeschlossen hast.

Das Diagramm folgt einem Flussdiagramm-Aufbau von oben nach unten. Oben stehen die identifizierten Treffer aus allen Datenbanken. Nach Entfernung der Duplikate folgt das Screening von Titel und Abstract. Die verbleibenden Studien werden im Volltext geprüft. Unten steht die finale Anzahl der eingeschlossenen Studien.

Bei jedem Ausschlussschritt gibst du die Anzahl und idealerweise die häufigsten Ausschlussgründe an. In einer Bachelorarbeit reicht oft eine vereinfachte Version des Diagramms, solange alle Stufen nachvollziehbar sind. Wichtig: Die Zahlen müssen exakt stimmen und sich auf die dokumentierten Suchprotokolle beziehen.

Konsistenz-Check: Treffer gesamt = Summe aller Datenbanken + weitere Quellen. Nach Duplikatentfernung: Treffer minus Duplikate = Screening-Grundlage. Dann: Screening-Grundlage minus Ausschlüsse (TA) minus Ausschlüsse (VT) = Included. Prüfe vor Abgabe, ob diese Rechnung aufgeht.

Zusätzliche Quellen dokumentieren: Neben der Datenbanksuche findest du oft weitere Studien über Referenzlisten (Rückwärts-Zitierung) oder Vorwärts-Zitierung (wer hat diese Studie zitiert?). Im PRISMA-Diagramm führst du diese unter „weitere Quellen" separat auf: „Treffer aus Referenzlisten-Screening (n=X)". So bleibt transparent, welche Studien aus der systematischen Suche stammen und welche durch Handsuche hinzukamen.

Aufbau eines PRISMA-Diagramms

Identifikation: Treffer aus Datenbank A (n=X), Datenbank B (n=Y), weitere Quellen (n=Z)

Nach Duplikatentfernung: Verbleibende Treffer (n=...)

Titel/Abstract-Screening: Ausgeschlossene Studien (n=...) mit Gründen

Volltext-Prüfung: Ausgeschlossene Studien (n=...) mit Gründen

Eingeschlossen: Finale Studienzahl für die Synthese (n=...)

Qualitätsbewertung der Studien

Die Qualitätsbewertung prüft, wie belastbar die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien sind. Nicht jede Studie, die deine Einschlusskriterien erfüllt, hat automatisch hohe methodische Qualität. Die Bewertung hilft dir, Studien mit hohem Verzerrungsrisiko entsprechend einzuordnen.

Für die Bewertung gibt es etablierte Instrumente, die je nach Studiendesign variieren. Für quantitative Studien eignen sich etwa die Newcastle-Ottawa Scale oder das Cochrane Risk of Bias Tool. Für qualitative Studien gibt es die CASP-Checkliste. Welches Instrument du verwendest, hängt von deinem Fach und den eingeschlossenen Studientypen ab. Stimme die Wahl mit deiner Betreuung ab.

Das passende Bewertungsvorgehen hängt vom Studiendesign ab: Quantitative Studien bewertest du nach anderen Kriterien als qualitative (etwa: Stichprobengröße vs. theoretische Sättigung). Bei Mixed-Methods-Studien prüfst du beide Teile separat. Die standardisierten Instrumente berücksichtigen diese Unterschiede.

Pragmatische Lösung für Bachelorarbeiten

Eine vollständige Qualitätsbewertung mit standardisierten Instrumenten ist aufwändig. In einer Bachelorarbeit ist eine vereinfachte Heuristik entlang von zwei bis vier Kernkriterien oft pragmatisch vertretbar:

Stichprobe: Größe und Auswahl angemessen?

Methodik: Datenerhebung und Auswertung nachvollziehbar?

Limitationen: Werden Einschränkungen von den Autoren selbst benannt?

Verzerrungsrisiko: Gibt es offensichtliche Bias-Quellen?

Dokumentiere die Bewertung in einer Tabelle: Studie, Bewertungskriterien, Gesamteinschätzung (hoch/mittel/niedrig), kritische Punkte. In der Synthese kannst du dann differenzieren: „Studien mit hoher methodischer Qualität zeigen..., während Studien mit Einschränkungen..." Diese Sensitivitätsanalyse stärkt die Aussagekraft deiner Schlussfolgerungen. Benenne transparent, wenn du kein standardisiertes Instrument verwendest, und führe das als Limitation auf.

Datenextraktion: So baust du die Extraktionstabelle

Die Datenextraktion ist der Schritt zwischen Studienauswahl und Synthese. Du liest jede eingeschlossene Studie systematisch und extrahierst die relevanten Informationen in eine Tabelle. Diese Extraktionstabelle ist dein Arbeitsdokument für die Synthese und gehört in den Anhang.

Vorlage: Extraktionstabelle

Autoren, Jahr: Bibliografische Angabe zur Identifikation

Studiendesign: Quantitativ/qualitativ, Querschnitt/Längsschnitt, etc.

Stichprobe: Größe, Merkmale, Rekrutierung

Methodik: Datenerhebung, Messinstrumente, Auswertung

Zentrale Ergebnisse: Hauptbefunde mit Bezug zur Forschungsfrage

Limitationen: Von den Autoren benannte Einschränkungen

Qualität: Deine Einschätzung (hoch/mittel/niedrig) mit Kurzbegründung

Passe die Spalten an deine Forschungsfrage an. Wenn du etwa Effektstärken vergleichen willst, füge eine Spalte für statistische Kennwerte hinzu. Für qualitative Studien sind Kategorien wie „theoretischer Rahmen" oder „zentrale Kategorien" sinnvoll. Die Tabelle hilft dir, Muster zu erkennen und die Synthese zu strukturieren.

Methode im Text beschreiben

Im Methodenteil deiner Arbeit beschreibst du das Vorgehen der systematischen Übersicht so, dass es nachvollziehbar ist. Der Abschnitt ist typischerweise ein bis zwei Seiten lang und enthält alle wesentlichen Entscheidungen.

Das gehört in den Methodenteil

Datenbanken: Welche Datenbanken wurden durchsucht und warum diese Auswahl?

Suchstrategie: Wie wurden die Suchstrings entwickelt? (Verweis auf Anhang)

Zeitraum: Wann wurde die Suche durchgeführt? Welcher Publikationszeitraum?

Kriterien: Ein- und Ausschlusskriterien mit Begründung

Screening: Wie lief die Studienauswahl ab? (Verweis auf PRISMA-Diagramm)

Qualitätsbewertung: Welches Instrument/Vorgehen? (oder: warum keines)

Synthese: Wie wurden die Ergebnisse zusammengeführt?

Musterabsatz: So könnte dein Methodenteil aussehen

„Für die systematische Literaturübersicht wurden im Januar 2025 die Datenbanken Web of Science, EBSCO Business Source Complete und Google Scholar durchsucht (Suchprotokolle siehe Anhang A). Die Suchstrategie kombinierte Begriffe zu hybridem Arbeiten mit Begriffen zur Mitarbeiterzufriedenheit mittels Boolescher Operatoren. Eingeschlossen wurden empirische Studien aus dem Zeitraum 2015–2024 in englischer oder deutscher Sprache, die sich auf Wissensarbeiter beziehen (vollständige Kriterien siehe Tabelle 1). Der Selektionsprozess ist im PRISMA-Diagramm (Abbildung 1) dargestellt: Von 847 Treffern verblieben nach Duplikatentfernung und zweistufigem Screening 18 Studien. Die Qualität wurde anhand von Stichprobengröße, Methodik und Limitationen eingeschätzt (Extraktionstabelle siehe Anhang B). Die Ergebnisse wurden narrativ synthetisiert."

Typische Fehler erkennen und korrigieren

Häufige Fehler bei der systematischen Literaturübersicht in der Bachelorarbeit vermeiden | BachelorHero
Suchstrategie nicht dokumentiert

Symptom: Du kannst nicht mehr nachvollziehen, welche Suchbegriffe du in welcher Datenbank verwendet hast.

Ursache: Suchstrings wurden direkt eingegeben, ohne sie vorher zu notieren.

Korrektur: Führe die Suchprotokoll-Tabelle parallel zur Suche. Kopiere jeden Suchstring vor dem Ausführen in die Tabelle.

Zu viele Treffer

Symptom: Die Suche liefert Hunderte oder Tausende Treffer, die du nicht alle screenen kannst.

Ursache: Suchstring zu breit, zu viele OR-Verknüpfungen, fehlende Einschränkungen.

Korrektur: Füge ein weiteres Konzept mit AND hinzu. Nutze Field-Tags (nur Titel statt Volltext). Schränke den Zeitraum ein. Prüfe, ob Begriffe zu allgemein sind.

Zu wenige Treffer

Symptom: Die Suche liefert nur eine Handvoll Treffer, obwohl du weißt, dass es mehr Literatur gibt.

Ursache: Suchstring zu eng, fehlende Synonyme, zu viele AND-Verknüpfungen.

Korrektur: Ergänze Synonyme mit OR. Nutze Trunkierung (satisf*). Erweitere den Zeitraum. Prüfe, ob bekannte Schlüsselstudien gefunden werden, sonst fehlen Begriffe.

Kriterien nachträglich geändert

Symptom: Du hast während des Screenings ein Kriterium angepasst, aber nicht dokumentiert.

Ursache: Die ursprünglichen Kriterien waren nicht präzise genug oder führten zu unerwarteten Ergebnissen.

Korrektur: Dokumentiere jede Änderung mit Begründung und Zeitpunkt im Methodenteil. Beschreibe, warum die Anpassung nötig war. Das ist methodisch sauberer als eine versteckte Änderung.

PRISMA-Zahlen inkonsistent

Symptom: Die Summe der Treffer, Duplikate, Ausschlüsse und eingeschlossenen Studien geht nicht auf.

Ursache: Zahlen wurden aus verschiedenen Dokumenten zusammengetragen oder nachträglich geändert.

Korrektur: Führe alle Zahlen in einem zentralen Dokument. Berechne rückwärts: Treffer minus Duplikate minus Ausschlüsse = Included. Prüfe vor Abgabe, ob alle Zahlen konsistent sind.

Nächster Schritt: Von der Übersicht zur Synthese

Die systematische Literaturübersicht ist abgeschlossen, wenn alle Dokumente vorliegen: Suchprotokoll, Kriterien-Tabelle, Screening-Log, PRISMA-Diagramm, Extraktionstabelle. Der nächste Schritt ist die narrative Synthese: Du fasst die Befunde der eingeschlossenen Studien zu einem Gesamtbild zusammen.

Die Ergebnisse der Übersicht fließen in verschiedene Teile deiner Arbeit ein. In der Einleitung begründest du die Relevanz und Forschungslücke, die sich aus der Übersicht ergibt. Im Theorieteil stellst du den Forschungsstand dar. In der Diskussion vergleichst du deine Ergebnisse mit der Literatur und ordnest sie ein.

Finale Checkliste

Forschungsfrage präzise formuliert und für systematische Übersicht geeignet?

Suchprotokoll vollständig (Datenbank, Suchstring, Suchfelder, Datum, Filter, Treffer, Export)?

Ein- und Ausschlusskriterien mit IDs (E1, A1 …), begründet und vorab festgelegt?

Screening-Log mit Ausschlussgründen und Kriterium-ID geführt?

PRISMA-Zahlen konsistent (inkl. weitere Quellen wie Referenzlisten)?

Qualitätsbewertung dokumentiert (oder als Limitation benannt)?

Extraktionstabelle mit allen Spalten (Autoren bis Qualität)?

Methodenteil beschreibt Vorgehen nachvollziehbar?

Wenn du deine Arbeit abschließt, findest du bei BachelorHero verschiedene Optionen für Druck und Bindung. Die Dokumentation deiner systematischen Übersicht mit allen Tabellen und dem PRISMA-Diagramm gehört in den Anhang.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Studien brauche ich für eine systematische Literaturübersicht in der Bachelorarbeit?

Es gibt keine feste Mindestzahl. Die Anzahl hängt von deiner Forschungsfrage, dem Forschungsfeld und den verfügbaren Studien ab. Wichtiger als die Quantität ist die Qualität deiner Suchstrategie: Eine gut dokumentierte Suche, die fünf hochrelevante Studien findet, ist wertvoller als eine oberflächliche Suche mit zwanzig Treffern. Typisch sind in Bachelorarbeiten je nach Thema 8 bis 25 Studien. Besprich die Erwartungen mit deiner Betreuung.

Wie viele Datenbanken sollte ich durchsuchen?

Die Anzahl richtet sich nach deinem Fachbereich und der Verfügbarkeit relevanter Datenbanken. Ziel ist nicht eine bestimmte Zahl, sondern die Abdeckung der für dein Thema wichtigen Quellen. In den Sozialwissenschaften sind etwa EBSCO, Web of Science und Google Scholar üblich; in der Medizin PubMed, Cochrane Library und CINAHL. Begründe deine Auswahl transparent und stimme sie mit deiner Betreuung ab.

Muss ich wirklich jeden Schritt dokumentieren?

Ja, die Dokumentation ist ein zentrales Qualitätsmerkmal systematischer Übersichten. Sie macht dein Vorgehen nachvollziehbar und ermöglicht es anderen, die Suche zu replizieren. Halte Suchstrings, Datenbanken, Datum, Trefferanzahl und Ausschlussgründe fest. Das schützt dich auch vor dem Vorwurf willkürlicher Quellenauswahl.

Wann reicht ein Literaturreview und wann brauche ich eine systematische Übersicht?

Ein Literaturreview reicht, wenn du den Forschungsstand als Hintergrund darstellst und deine Betreuung keine explizite Dokumentation fordert. Eine systematische Literaturübersicht ist nötig, wenn die Literaturanalyse selbst deine Forschungsmethode ist, du eine reproduzierbare Evidenzsynthese liefern sollst oder ein PRISMA-Diagramm erwartet wird. Kläre mit deiner Betreuung: Wird eine dokumentierte Suchstrategie gefordert? Soll die Studienqualität bewertet werden? Die Antworten bestimmen den methodischen Aufwand.

Wie gehe ich mit Studien um, die ich nicht im Volltext bekomme?

Dokumentiere diese Fälle transparent im Ausschlussprotokoll mit dem Grund „Volltext nicht verfügbar". Prüfe vorher Fernleihe, Open-Access-Versionen (z. B. ResearchGate, Preprint-Server) und kontaktiere bei wichtigen Quellen die Autoren direkt. Wenn die Studie für dein Thema zentral erscheint, vermerke das in den Limitationen.

Kann ich eine systematische Literaturübersicht alleine in einer Bachelorarbeit durchführen?

Ja, mit Einschränkungen. Idealerweise prüfen zwei Personen unabhängig die Studienauswahl. In einer Bachelorarbeit ist das oft nicht möglich. Dokumentiere diesen Umstand als Limitation und beschreibe, wie du Verzerrungen minimiert hast (z. B. durch klare Kriterien, Stichproben-Gegenprüfung durch Betreuung).

Wie detailliert muss das PRISMA-Diagramm sein?

Das PRISMA-Diagramm zeigt den Selektionsprozess auf einen Blick: Anzahl der Treffer pro Datenbank, Duplikate, Ausschlüsse nach Screening (Titel/Abstract) und Volltextprüfung, finale Studienzahl. In einer Bachelorarbeit reicht eine vereinfachte Version, solange alle Stufen nachvollziehbar sind. Die genauen Zahlen müssen stimmen.

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