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Kurzantwort: Literaturrecherche bedeutet, systematisch wissenschaftliche Quellen zu finden, zu bewerten und auszuwählen. Starte mit dem Bibliothekskatalog und Google Scholar, nutze dann 2–3 Fachdatenbanken deines Fachs. Dokumentiere jeden Suchvorgang (Datenbank, Suchstring, Treffer). Prüfe Quellen auf Publikationstyp und Journal-Seriosität (Peer-Review, seriöser Verlag), Themenfit und Aktualität. Als grober Richtwert: Plane 15–25 % deiner Bearbeitungszeit für Recherche ein, wobei der genaue Anteil von Fach, Methode und Betreuungserwartungen abhängt.
Literaturrecherche Bachelorarbeit in drei Phasen: 1. Einstieg: Handbücher, Einführungen und Bibliothekskatalog für den Überblick. 2. Vertiefung: Systematische Suche in Fachdatenbanken (JSTOR, PsycINFO, PubMed etc.). 3. Schneeballsystem: Literaturverzeichnisse und „Zitiert von" Funktionen nutzen. Quellenzahl & Dokumentation: Plane 40–60 Quellen für 40 Seiten ein und führe von Beginn an ein Rechercheprotokoll.
Die Literaturrecherche bildet das Fundament deiner Bachelorarbeit: den Forschungsstand, auf dem du deine eigene Argumentation aufbaust. In diesem Artikel erfährst du, wie du systematisch vorgehst, welche Datenbanken für dein Fach relevant sind und wie du Quellen zuverlässig bewertest.
Was ist Literaturrecherche und warum ist sie wichtig?
Die Literaturrecherche ist mehr als nur Quellensammeln. Sie zeigt dir, was die Forschung zu deinem Thema bereits weiß, welche Theorien und Methoden etabliert sind und wo noch offene Fragen bestehen. Ohne solide Recherche schreibst du im luftleeren Raum.
In der Bachelorarbeit erfüllt die Recherche drei Funktionen: Sie liefert das theoretische Fundament für deine Arbeit, sie legitimiert deine Forschungsfrage durch den Nachweis einer Forschungslücke, und sie zeigt deiner Betreuung, dass du den wissenschaftlichen Diskurs kennst.
Definition 1 Literaturrecherche = Quellen finden und auswählen. Du suchst in Datenbanken, Katalogen und Literaturverzeichnissen nach passenden Texten.
Definition 2 Forschungsstand / Literaturüberblick = Quellen strukturieren und bewerten. Du fasst zusammen, was die Forschung bereits weiß, und zeigst, wo deine Arbeit ansetzt.
Definition 3 Literaturverzeichnis = Formale Liste am Ende. Hier stehen alle Quellen, die du in der Arbeit zitiert hast, in einheitlichem Format.
Klassische Recherche: Du suchst relevante Quellen zu deinem Thema, ohne einen streng dokumentierten Suchprozess. Für die meisten Bachelorarbeiten ist das ausreichend. Dokumentiere trotzdem, welche Datenbanken und Suchbegriffe du genutzt hast.
Systematische Literaturrecherche: Eine eigene Methode mit vorab definierten Suchstrings, expliziten Ein-/Ausschlusskriterien und vollständiger Dokumentation (oft nach PRISMA-Schema). Nötig, wenn deine Bachelorarbeit selbst ein „Systematic Review" oder eine „Literaturarbeit" ist. Kläre mit deiner Betreuung, welcher Ansatz für dein Vorhaben passt.
Literaturrecherche in drei Phasen
Eine strukturierte Recherche verläuft vom Allgemeinen zum Speziellen. Du startest mit einem breiten Überblick und arbeitest dich dann zu spezifischeren Quellen vor. Dieser Prozess ist nicht linear: Du wirst zwischen den Phasen wechseln, wenn sich neue Aspekte ergeben.
Verschaffe dir zunächst einen Überblick über das Themenfeld. Handbücher, Einführungswerke und Lexikonartikel zeigen dir, welche Begriffe, Theorien und Debatten zentral sind.
Vorgehensweise
Suche im Bibliothekskatalog nach Einführung + [Thema] oder Handbuch + [Fachgebiet].
Nutze Fachlexika in der Lehrbuchsammlung. Frag deine Betreuung nach grundlegender Literatur.
Jetzt suchst du gezielt nach wissenschaftlichen Aufsätzen und Monografien zu deiner spezifischen Fragestellung. Fachdatenbanken liefern hier deutlich bessere Ergebnisse als allgemeine Suchmaschinen.
Vorgehensweise Baue 3–5 Suchstrings mit Booleschen Operatoren. Starte in Google Scholar, dann in 2–3 Fachdatenbanken deines Fachbereichs. Filtere nach Erscheinungsjahr, Dokumenttyp und Sprache. Dokumentiere jeden Suchvorgang.
Nutze die Literaturverzeichnisse bereits gefundener Texte. Wenn ein Aufsatz zu deinem Thema passt, führen dich seine Quellen zu weiterer relevanter Literatur. Diese Methode ergänzt die systematische Suche.
Vorgehensweise Schau dir die Literaturverzeichnisse passender Texte an. Notiere Quellen, die mehrfach zitiert werden (oft Standardwerke). Prüfe bei Google Scholar die Funktion „Zitiert von", um neuere Arbeiten zu finden.
Recherche-Workflow: Schritt für Schritt
Dieser Workflow bringt dich von der Forschungsfrage zu deinen ersten relevanten Quellen. Das Beispiel zeigt den Ablauf für ein Thema aus der Wirtschaftspsychologie: „Einfluss von Remote Work auf die Teamkommunikation".
Schritt 1: Kernbegriffe definieren Zerlege deine Forschungsfrage in 4–6 Kernbegriffe. Beispiel: „Wie verändert Remote Work die informelle Kommunikation in Teams?" → Kernbegriffe: Remote Work, Homeoffice, Teamkommunikation, informelle Kommunikation, virtuelle Teams, Zusammenarbeit.
Schritt 2: Synonyme und englische Begriffe sammeln Erstelle eine Liste mit Alternativen. Remote Work → Telearbeit, Homeoffice, distributed work, telework. Teamkommunikation → team communication, collaboration, workplace interaction. Informell → informal, spontan, unstrukturiert.
Schritt 3: Suchstrings bauen und testen Kombiniere Begriffe mit AND/OR (siehe Beispiele unten). Teste jeden String in Google Scholar und passe bei zu vielen oder zu wenigen Treffern an. Dokumentiere jeden Suchvorgang.
Schritt 4: Screening (Titel → Abstract → Volltext) Überfliege die ersten 30–50 Treffer. Lies nur Titel und Abstract. Markiere relevante Treffer (ca. 15–25 pro Suchdurchlauf). Lade Volltexte herunter oder notiere für Fernleihe.
Schritt 5: Dokumentation und Sortierung Halte fest: Datenbank, Suchstring, Filter, Trefferzahl, relevante Treffer. Sortiere Quellen thematisch (z. B. Theorie, Empirie, Methode). Nutze ein Literaturverwaltungsprogramm.
Suchstrings bauen: Bauplan und Beispiele
Ein guter Suchstring ist wie ein Baukasten: Du kombinierst Kernbegriffe mit Operatoren und passt iterativ an. Hier lernst du den Bauplan und fortgeschrittene Techniken, die über die Basics hinausgehen.
Schritt 1: Konzeptblöcke bilden Zerlege deine Forschungsfrage in 2–4 Konzepte. Beispiel: „Einfluss von Homeoffice auf Mitarbeiterzufriedenheit" → Block A: Homeoffice, Block B: Mitarbeiterzufriedenheit.
Schritt 2: Synonyme + Übersetzung sammeln Pro Block: deutsche und englische Begriffe. Block A: Homeoffice, Telearbeit, Remote Work, telework, work from home. Block B: Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitszufriedenheit, job satisfaction, employee satisfaction.
Schritt 3: Blöcke verknüpfen Innerhalb eines Blocks: OR (einer reicht). Zwischen Blöcken: AND (beide müssen vorkommen). Ergebnis: (Block A) AND (Block B).
Schritt 4: Testen und iterieren Erste Suche durchführen, Trefferzahl prüfen, bei Bedarf anpassen (siehe Iterationsregeln unten).
Thema: Einfluss von Homeoffice auf Mitarbeiterzufriedenheit
Deutsch (Google Scholar):
(Homeoffice OR Telearbeit OR "mobiles Arbeiten") (Mitarbeiterzufriedenheit OR Arbeitszufriedenheit)
Englisch (Google Scholar / Fachdatenbank):
("remote work" OR telework OR "work from home") ("job satisfaction" OR "employee satisfaction")
Trunkierung und Wildcards: In vielen Fachdatenbanken (nicht Google Scholar) kannst
du mit * verschiedene Wortendungen erfassen. Beispiel: satisf* findet satisfaction, satisfied, satisfying. Das spart Synonyme. Prüfe in der Datenbank-Hilfe, welches Zeichen gilt
(*, ?, $).
Feldsuche (Title, Abstract, Keywords): In Fachdatenbanken kannst du gezielt im Titel
oder Abstract suchen. Die Syntax variiert je nach Datenbank: In Web of Science z. B. TI=("remote work"), in anderen Datenbanken TI: oder eigene
Dropdown-Felder. Schau in die Datenbank-Hilfe für die korrekte Syntax. Das liefert präzisere Treffer, aber weniger. Nutze
Feldsuche, wenn die Freitextsuche zu viel Rauschen liefert.
Kontrollierte Schlagwörter (Thesaurus): Datenbanken wie PsycINFO oder PubMed vergeben standardisierte Schlagwörter. Wenn du den richtigen Fachbegriff findest (z. B. „Teleworking" in PsycINFO statt „Remote Work"), liefert die Suche präzisere Ergebnisse. Suche in der Datenbank nach „Thesaurus" oder „Subject Terms".
Die Zahlen sind grobe Heuristiken. Je nach Fachgebiet und Thema können sinnvolle Trefferzahlen stark variieren.
Zu viele Treffer (grob: >500)? Zeitraum verkürzen (z. B. letzte 5 statt 10 Jahre), weiteren Begriff mit AND hinzufügen, Feldsuche auf Titel beschränken, Dokumenttyp einschränken (nur Artikel, nicht Konferenzbeiträge).
Zu wenige Treffer (grob: <20)? Synonyme mit OR ergänzen, englische Begriffe hinzufügen, Trunkierung nutzen, Feldsuche auf Abstract erweitern, Zeitraum verlängern, einen Block entfernen.
Richtwert für Screening (grob): 50–200 Treffer pro Suchdurchlauf sind oft gut handhabbar. Davon sind typischerweise 10–30 % nach Titel/Abstract-Screening relevant. Diese Zahlen variieren stark je nach Fach, Thema und Datenbank.
Die richtige Datenbank für dein Fach
Welche Datenbank du nutzt, hängt von deinem Fach und deiner Fragestellung ab. Die folgende Übersicht zeigt dir, womit du starten solltest und wofür jede Datenbank besonders geeignet ist.
Psychologie / Sozialwissenschaften: PsycINFO (Thesaurus!), PSYNDEX (deutschsprachig), Google Scholar. Für quantitative Studien zusätzlich Web of Science.
BWL / VWL / Management: EconLit, Business Source Complete, SSRN (Working Papers), Google Scholar. Für empirische Studien: Web of Science.
Bildungswissenschaften / Pädagogik: ERIC (Thesaurus!), FIS Bildung (deutschsprachig), PsycINFO (für Lernpsychologie), Google Scholar.
Medizin / Gesundheit / Pflege: PubMed (MeSH Terms!), CINAHL (Pflege), Cochrane Library (Reviews), Google Scholar.
Geisteswissenschaften / Kulturwissenschaften: JSTOR, MLA International Bibliography (Literatur/Sprache), Historical Abstracts (Geschichte), Google Scholar.
Informatik / Technik: IEEE Xplore, ACM Digital Library, arXiv (Preprints), Google Scholar.
Wann Bibliothekskatalog zuerst? Wenn du Grundlagenliteratur (Lehrbücher, Handbücher, Monografien) suchst. Der Katalog zeigt dir, was vor Ort oder elektronisch verfügbar ist. Für einzelne Zeitschriftenaufsätze brauchst du Fachdatenbanken.
Wann Web of Science oder Scopus? Für Zitationsanalysen (wer zitiert wen?), um den wissenschaftlichen Diskurs nachzuverfolgen. Auch nützlich, um die Relevanz einer Quelle einzuschätzen (Zitationszahlen). Beide Datenbanken sind interdisziplinär und enthalten vor allem englischsprachige Literatur.
Google Scholar als Einstieg: Gut für einen ersten Überblick und um schnell PDFs zu finden. Richte die Bibliothekslinks deiner Uni ein (Einstellungen → Bibliothekslinks). Nachteil: Keine Schlagwortsuche, keine Qualitätsfilter. Nutze Google Scholar ergänzend, nicht als alleinige Quelle.
Volltexte beschaffen: Legale Wege zum PDF
Du findest einen perfekten Artikel, aber der Volltext kostet 40 Euro? Bevor du zahlst oder aufgibst, probiere diese legalen Wege zum Volltext. Illegale Plattformen mögen verlockend sein, aber du riskierst Urheberrechtsverletzungen und unsichere Dateien.
VPN der Hochschule: Viele Verlage erkennen die IP-Adresse deiner Uni und schalten Inhalte frei. Verbinde dich von zu Hause über das VPN, dann hast du denselben Zugang wie in der Bibliothek. Das ist der schnellste legale Weg.
Fernleihe und Document Delivery: Wenn deine Bibliothek keinen Zugang hat, kannst du den Artikel über Fernleihe bestellen. Kostet meist 1–3 Euro und dauert 3–7 Tage. Für Eilige bieten manche Bibliotheken Express-Lieferung per PDF an (teurer, aber legal und schnell).
Open-Access-Versionen finden: Viele Autorinnen und Autoren stellen Preprints oder akzeptierte Manuskripte auf Repositorien bereit. Suche den Titel in Google Scholar, dort erscheint oft ein Link zu einer frei zugänglichen Version. Bevorzuge offizielle Repositorien (PubMed Central, SSRN, arXiv, institutionelle Repositorien) gegenüber privaten Uploads auf ResearchGate oder Academia.edu. Achte darauf, ob es sich um ein Preprint (vor Peer-Review) oder die finale Verlagsversion handelt.
Autorin oder Autor direkt anschreiben: Klingt ungewöhnlich, funktioniert aber oft. Eine kurze, höfliche E-Mail („Ich schreibe meine Bachelorarbeit zu X und würde Ihren Artikel gern lesen. Könnten Sie mir ein PDF zusenden?") wird selten abgelehnt. Viele Forschende freuen sich über das Interesse.
Quellen bewerten: Schnellcheck mit fünf Kriterien
Nicht jeder Treffer ist automatisch eine geeignete wissenschaftliche Quelle. Mit diesem Schnellcheck prüfst du in wenigen Minuten, ob ein Text in deine Auswahl kommt. Wichtig: Was als „zitierfähig" gilt, variiert je nach Fach und Betreuung. Im Zweifel frag nach.
1. Themenfit: Behandelt der Text deine Fragestellung direkt oder nur am Rande? Prüfe Abstract und Fazit. Ein methodisch perfekter Artikel nützt nichts, wenn er dein Thema nicht trifft.
2. Publikationstyp: Peer-reviewed Journals sind ein starkes Qualitätssignal. Wissenschaftsverlage (Springer, de Gruyter, Routledge) haben ebenfalls Qualitätskontrollen, sind aber kein Garant. Graue Literatur (Working Papers, Dissertationen) kann in manchen Fächern zitierfähig sein, wenn du sie begründest.
3. Autorenschaft: Akademische Affiliation (Uni, Forschungsinstitut) ist ein hilfreicher Hinweis, aber nicht allein entscheidend. Bei unbekannten Namen: Kurz recherchieren. Hat die Person weitere Publikationen? Wird sie zitiert?
4. Aktualität: In schnelllebigen Feldern (Tech, Medien, Wirtschaft) letzte 5–7 Jahre. In anderen Bereichen (Geschichte, Philosophie) können ältere Standardwerke grundlegend sein. Frag deine Betreuung, welche Literatur als kanonisch gilt.
5. Methodik-Fit: Passt die Methode zum Erkenntnisinteresse? Für empirische Bachelorarbeiten: Sind die Studien methodisch vergleichbar (qualitativ vs. quantitativ, Population, Kontext)? Für theoretische Arbeiten: Welche Perspektive vertritt der Text?
Werden Quellen genannt? Wissenschaftliche Publikationen belegen ihre Aussagen. Ein Text ohne Literaturverzeichnis oder Fußnoten ist in der Regel nicht zitierfähig. Ausnahme: Primärquellen (Gesetze, historische Dokumente, Kunstwerke), bei denen das naturgemäß nicht gilt.
Was ist mit Blogs, Magazinen, Unternehmensberichten? Populärwissenschaftliche Texte und Unternehmensquellen sind in der Regel nicht zitierfähig als wissenschaftlicher Beleg. In manchen Kontexten (z. B. Medienanalyse, Praxisberichte) können sie als Untersuchungsgegenstand oder Praxisbeispiel relevant sein, aber nicht als wissenschaftliche Autorität. Kläre das mit deiner Betreuung.
Screening und Selektion: Welche Treffer aufnehmen?
Bei 100+ Treffern pro Suchdurchlauf brauchst du ein systematisches Vorgehen, um effizient die relevanten Quellen herauszufiltern. Das Screening erfolgt in zwei Stufen: erst Titel und Abstract, dann Volltext.
Einschließen, wenn:
Ausschließen, wenn:
Definiere deine Kriterien vor dem Screening und wende sie konsistent an. Notiere bei Ausschlüssen kurz den Grund.
Dubletten und Versionen: Bei mehreren Datenbanken findest du oft denselben Artikel mehrfach. Achte auch auf den Unterschied zwischen Preprint und Verlagsversion. Zitiere bevorzugt die finale Version of Record. Wenn du dir unsicher bist, ob du bereits die neueste Fassung hast: DOI prüfen oder den Titel erneut suchen.
Realistische Erwartung (grobe Richtwerte): Von 100 Treffern in der Titelsuche bleiben nach Abstract-Screening oft 15–30 potenziell relevante übrig. Nach Volltext-Prüfung landen davon etwa 5–15 in deiner finalen Auswahl. Diese Zahlen variieren stark je nach Fach, Thema und Datenbank. Das ist normal, nicht frustrierend.
Wann hast du genug? Die Recherche könnte ewig weitergehen. Drei Signale zeigen Sättigung: Neue Suchen bringen keine neuen Aspekte mehr. Kernquellen (die überall zitiert werden) hast du bereits. Du kannst deine Forschungsfrage im Forschungsstand verorten. Die Quellenzahl (siehe Kurzüberblick oben) ist nur Orientierung, Qualität und Passung zählen mehr. Die Recherche läuft beim Schreiben oft weiter, wenn sich neue Fragen ergeben.
Vorlage: Rechercheprotokoll mit Beispiel
Mit diesem Rechercheprotokoll dokumentierst du deine Suche. Das hilft dir, den Überblick zu behalten, die Suche im Methodenteil zu beschreiben und bei Bedarf zu reproduzieren.
Datum: [TT.MM.JJJJ]
Datenbank: [z. B. Google Scholar, JSTOR, PsycINFO]
Suchstring: [exakte Eingabe kopieren]
Filter: [Jahr, Sprache, Dokumenttyp]
Trefferzahl: [Anzahl]
Relevante Treffer: [Anzahl + kurze Notiz]
Ausschluss: [z. B. „nicht empirisch", „anderer Fokus"]
Autor(en): [Nachname, Vorname]
Jahr: [JJJJ]
Titel: [vollständig]
Quelle: [Zeitschrift/Verlag + Seiten]
DOI/URL: [falls vorhanden]
Relevanz (1 Satz): [Warum wichtig für meine Arbeit?]
Speicherort: [Dateiname/Ordner]
Datum: 15.01.2026
Datenbank: PsycINFO via EBSCO
Suchstring: (telework* OR "remote work" OR "work from
home") AND ("job satisfaction" OR "employee well-being")
Filter: 2019–2025, Peer-Reviewed, Englisch
Trefferzahl: 127
Relevante Treffer: 23 (nach Titel/Abstract-Screening)
Ausschluss: 8× anderer Fokus (Führung statt
Zufriedenheit), 5× nicht empirisch
Autor(en): Wang, B.; Liu, Y.; Qian, J.; Parker, S.
K.
Jahr: 2021
Titel: Achieving Effective Remote Working During the
COVID-19 Pandemic: A Work Design Perspective
Quelle: Applied Psychology, 70(1), 16–59
DOI: 10.1111/apps.12290
Relevanz: Zentrale Studie zu Work Design und Remote
Work; liefert theoretischen Rahmen für meine Analyse
Speicherort: Wang_2021_RemoteWorkDesign.pdf
Literaturverwaltung nutzen: Programme wie Zotero (kostenlos), Citavi oder Mendeley helfen dir, Quellen zu sammeln, zu organisieren und später automatisch das Literaturverzeichnis zu erstellen. Der Aufwand für die Einarbeitung lohnt sich bei einer Bachelorarbeit.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Folge: Du findest vor allem populärwissenschaftliche Texte und Presseberichte. Wissenschaftliche Literatur bleibt unsichtbar.
Gegenmaßnahme Starte mit dem Bibliothekskatalog und 2–3 Fachdatenbanken. Nutze Google Scholar nur ergänzend und mit aktivierten Bibliothekslinks.
Folge: Du verbringst Stunden damit, eine einmal gesehene Quelle wiederzufinden. Beim Zitieren fehlen Seitenzahlen.
Gegenmaßnahme Lege von Anfang an ein Rechercheprotokoll an. Nutze ein Literaturverwaltungsprogramm. Benenne PDFs systematisch (Autor_Jahr_Thema.pdf).
Folge: Du verpasst wichtige Quellen oder merkst erst beim Schreiben, dass dir Belege fehlen.
Gegenmaßnahme Starte die Recherche früh im Prozess. Plane 2–3 Wochen intensive Recherche ein, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Rechne damit, dass du während des Schreibens nachrecherchieren wirst.
Folge: Du verpasst wichtige Forschungsbeiträge. Internationale Literatur ist oft umfangreicher und aktueller.
Gegenmaßnahme Recherchiere in beiden Sprachen. Übersetze deine Suchbegriffe ins Englische. In vielen Fächern ist die englischsprachige Forschung umfangreicher.
Nächster Schritt: Vom Recherchieren zum Schreiben
Wenn du genügend relevante Quellen gesammelt hast, beginnt die eigentliche Arbeit: Lesen, Exzerpieren und Strukturieren. Nutze deine Erkenntnisse aus der Recherche, um deine Gliederung zu entwickeln und den Forschungsstand zu schreiben.
Falls du eine systematische Literaturübersicht als Methode nutzt, dokumentiere deine Recherche besonders sorgfältig. Jeder Schritt muss nachvollziehbar sein.
Denk auch an die formalen Aspekte: Alle verwendeten Quellen müssen im Literaturverzeichnis erscheinen. Achte beim Zitieren auf die Vorgaben deines Fachbereichs zur Zitierweise.
Wenn deine Bachelorarbeit fertig ist und du sie drucken und binden lassen möchtest, kannst du das bei BachelorHero online konfigurieren. Das Hardcover und das Softcover sind beliebte Optionen für Bachelorarbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Quellen brauche ich für eine Bachelorarbeit?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Als grobe Orientierung: Bei 40 Seiten Textteil sind 40 bis 60 Quellen üblich. Empirische Arbeiten mit eigenem Methodenteil brauchen oft mehr, theoretische Arbeiten mit engem Fokus kommen mit weniger aus. Entscheidend ist die Qualität und Passung zu deiner Forschungsfrage. Frag deine Betreuung nach den Erwartungen in deinem Fachbereich.
Wie erkenne ich unseriöse Journals (Predatory Publishing)?
Warnzeichen sind: aggressive E-Mail-Einladungen zur Einreichung, ungewöhnlich schnelle Begutachtung (wenige Tage), fehlende oder unklare Peer-Review-Angaben, intransparente Gebühren, kein erkennbares Editorial Board. Als Prüfschritte: Ist das Journal im DOAJ gelistet (gilt nur für Open-Access-Journals, Nicht-Listung ist kein automatisches Ausschlusskriterium)? Ist es in anerkannten Datenbanken indexiert? Ist der Verlag Mitglied bei COPE (Committee on Publication Ethics)? Die Initiative „Think. Check. Submit." bietet eine gute Checkliste. Kein einzelnes Kriterium ist ein sicherer Beweis. Frag im Zweifel deine Bibliothek oder Betreuung.
Wie finde ich kontrollierte Schlagwörter (Thesaurus) in Datenbanken?
Viele Fachdatenbanken haben einen eigenen Thesaurus mit standardisierten Begriffen. In PsycINFO heißt er „Thesaurus", in PubMed „MeSH Terms", in ERIC „ERIC Thesaurus". Suche in der Datenbank nach „Thesaurus" oder „Subject Terms". Wenn du den richtigen Fachbegriff findest, liefert die Schlagwortsuche oft präzisere Ergebnisse als die Freitextsuche.
Was ist der Unterschied zwischen Preprint und Verlagsversion?
Ein Preprint ist die Autorenversion vor dem Peer-Review. Die Verlagsversion (Version of Record) ist die finale, begutachtete Fassung. Für deine Arbeit solltest du bevorzugt die Verlagsversion zitieren. Wenn du nur ein Preprint findest, kennzeichne es als solches und prüfe, ob inzwischen eine Verlagsversion erschienen ist.
Was mache ich, wenn ich zu meinem Thema kaum Literatur finde?
Erweitere deine Suchbegriffe um Synonyme und englische Begriffe. Prüfe die Literaturverzeichnisse bereits gefundener Texte. Nutze die Schlagwortsuche in Katalogen. Frag in der Bibliothek nach Fachdatenbanken. Manchmal hilft auch eine leichte Anpassung der Forschungsfrage. Wenn das Thema wirklich kaum erforscht ist, ist das eine Forschungslücke, die du im Text begründen kannst.
Wie dokumentiere ich meine Recherche für den Methodenteil?
Halte in einem Rechercheprotokoll fest: welche Datenbanken, welche Suchstrings (exakt kopieren), welche Filter (Jahr, Sprache, Dokumenttyp), Trefferzahl und Anzahl relevanter Treffer. Notiere auch Ausschlusskriterien. Diese Angaben kannst du im Methodenteil in 3–5 Sätzen zusammenfassen oder als Tabelle in den Anhang stellen.
Eidesstattliche Erklärung
Deckblatt der Bachelorarbeit
Fragebogen in der Bachelorarbeit