Kalender 2026-01-17

Forschungslücke der Bachelorarbeit: finden, begründen und zur Forschungsfrage führen

Forschungslücke der Bachelorarbeit: finden, begründen und zur Forschungsfrage führen | BachelorHero

Inhaltsverzeichnis

Kurzantwort

Eine Forschungslücke ist ein noch nicht untersuchter Aspekt innerhalb eines Forschungsthemas. Sie zeigt, was fehlt, und begründet, warum deine Arbeit einen eigenen Beitrag leistet. Ohne nachvollziehbare Lücke ist der Eigenbeitrag deiner Arbeit nur schwer zu begründen.

Hier erfährst du, wie du eine Forschungslücke systematisch findest, mit Literatur belegst und daraus eine präzise Forschungsfrage ableitest.

Auf einen Blick

Die Forschungslücke bezeichnet das, was in der aktuellen Forschung noch fehlt. In vier Schritten zum Ziel: 1. Forschungsstand aufarbeiten (Limitationen notieren), 2. Lücke eingrenzen (geografisch, zeitlich, methodisch oder thematisch), 3. Lücke begründen & belegen (Relevanz zeigen) und 4. Forschungsfrage ableiten.

5 Strategien: Diskussionsteile lesen · Reviews nutzen · Kontexte vergleichen · Widersprüche sammeln · Schneeballprinzip

Was ist eine Forschungslücke?

Definition: Eine Forschungslücke ist ein Bereich innerhalb eines Themas, der in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht oder nicht ausreichend untersucht wurde (englisch: Research Gap).

Solche Lücken entstehen auf verschiedene Weisen: Bestehende Studien decken bestimmte Aspekte nicht ab, veraltete Erkenntnisse wurden nicht aktualisiert, oder neue Phänomene erfordern wissenschaftliche Aufmerksamkeit.

Für deine Betreuung ist eine nachvollziehbare Lücke ein zentrales Qualitätskriterium. Gleichzeitig gibt dir die Lücke beim Schreiben Orientierung: Sie grenzt ein, was du untersuchst und was nicht.

Abgrenzung: Forschungslücke, Forschungsstand, Problemstellung

Vier Begriffe tauchen in Einleitungen immer wieder auf und werden häufig verwechselt. Die folgende Übersicht zeigt, wie sie sich unterscheiden und wie sie logisch aufeinander aufbauen.

Forschungsstand: Der Forschungsstand fasst zusammen, was zu deinem Thema bereits bekannt ist. Du beschreibst zentrale Theorien, Modelle und empirische Befunde. Der Forschungsstand steht im Theorieteil oder in einem eigenen Kapitel. Er ist die Grundlage, aus der du die Lücke ableitest.

Problemstellung: Die Problemstellung beschreibt ein praktisches oder wissenschaftliches Problem, das einer Lösung bedarf. Sie zeigt, warum das Thema relevant ist. Die Problemstellung steht in der Einleitung und führt zum Forschungsinteresse hin.

Forschungslücke: Die Forschungslücke benennt konkret, was im bisherigen Forschungsstand fehlt. Sie ist das Bindeglied zwischen dem, was bekannt ist, und dem, was du untersuchen wirst. Die Lücke wird in der Einleitung kurz benannt und im Forschungsstand hergeleitet.

Forschungsfrage: Die Forschungsfrage wandelt die Lücke in eine konkrete, beantwortbare Frage um. Sie steht in der Einleitung und wird im Fazit beantwortet.

Logischer Ablauf in der Einleitung
1. Problemstellung

„Unternehmen stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen."

2. Forschungsstand (Kurzfassung)

„Die Forschung zur Arbeitgebermarke konzentriert sich bisher auf Großunternehmen."

3. Forschungslücke

„Für KMU liegen kaum Erkenntnisse vor."

4. Forschungsfrage

„Wie bauen mittelständische Unternehmen ihre Arbeitgebermarke auf?"

Vier Typen von Forschungslücken

Vier Typen von Forschungslücken: geografisch, zeitlich, methodisch, thematisch | BachelorHero

Forschungslücken lassen sich in verschiedene Typen unterteilen. Diese Kategorisierung hilft dir, gezielt nach Lücken zu suchen und sie präzise zu benennen.

Geografische Lücke

Ein Phänomen wurde für bestimmte Länder, Regionen oder Kulturen untersucht, aber nicht für andere. Du überträgst Erkenntnisse auf einen neuen geografischen Kontext.

Beispiel: „Die Akzeptanz von Telemedizin wurde bisher vorwiegend in den USA und Skandinavien untersucht. Für den deutschsprachigen Raum fehlen entsprechende Studien."

Zeitliche Lücke

Bestehende Erkenntnisse sind veraltet oder neue Entwicklungen (Technologien, Gesetze, gesellschaftliche Veränderungen) machen eine Aktualisierung nötig. Du untersuchst ein Thema unter aktuellen Bedingungen.

Beispiel: „Die Studien zur Homeoffice-Akzeptanz stammen überwiegend aus der Zeit vor 2020. Wie sich die Pandemie-Erfahrungen auf die langfristige Einstellung ausgewirkt haben, ist bisher kaum erforscht."

Methodische Lücke

Ein Thema wurde mit einer bestimmten Methode untersucht, aber nicht mit anderen. Du verwendest einen neuen methodischen Zugang, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Beispiel: „Bisherige Studien zur Mitarbeitermotivation basieren überwiegend auf standardisierten Befragungen. Qualitative Interviews könnten tiefere Einblicke in die individuellen Motivationsmuster liefern."

Thematische Lücke

Ein bestimmter Aspekt, eine Zielgruppe oder ein Anwendungsfall wurde bisher nicht untersucht. Du erweiterst das Wissen um einen neuen inhaltlichen Fokus.

Beispiel: „Die Forschung zur Nutzung von KI-Tools konzentriert sich bisher auf jüngere Beschäftigte. Wie ältere Arbeitnehmende diese Technologien wahrnehmen und nutzen, ist weitgehend unerforscht."

In der Praxis überschneiden sich diese Typen häufig. Eine Lücke kann gleichzeitig geografisch und zeitlich sein, etwa wenn ein Phänomen für Deutschland nach einer Gesetzesänderung untersucht werden soll. Die Kategorien helfen dir, die Lücke präzise zu benennen.

Forschungslücke finden: Fünf Strategien

Forschungslücke finden: Strategien für die systematische Recherche | BachelorHero

Die Forschungslücke findest du nicht durch Raten, sondern durch systematische Arbeit mit der Literatur. Die folgenden Strategien helfen dir dabei.

Strategie 1: Diskussionsteile und Limitationen lesen. Die meisten wissenschaftlichen Artikel benennen am Ende ihre Einschränkungen. Typische Formulierungen sind „Diese Studie untersucht nicht...", „Weitere Forschung ist nötig..." oder „Eine Limitation ist...". Notiere diese Hinweise systematisch. Oft findest du hier direkte Ansatzpunkte für deine eigene Arbeit.

Strategie 2: Literaturreviews und Metaanalysen nutzen. Überblicksartikel fassen den Forschungsstand zusammen und benennen explizit, was noch fehlt. Sie sparen dir Zeit, weil sie die Lücken bereits identifiziert haben. Suche in Datenbanken gezielt nach „systematic review" oder „literature review" zu deinem Thema.

Strategie 3: Kontexte vergleichen. Wurde dein Thema für andere Länder, Branchen, Zielgruppen oder Zeiträume untersucht? Wenn ja, prüfe, ob eine Übertragung auf deinen Kontext sinnvoll und noch nicht erfolgt ist. Dieser Transfer ist eine klassische Form der Forschungslücke.

Strategie 4: Widersprüche und offene Fragen sammeln. Manchmal kommen verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Solche Widersprüche bieten Ansatzpunkte: Woran liegt die Diskrepanz? Unter welchen Bedingungen gilt welches Ergebnis? Auch unbeantwortete Fragen in der Literatur sind potenzielle Lücken.

Strategie 5: Schneeballprinzip (vorwärts und rückwärts zitieren). Nimm eine zentrale Quelle und prüfe: Welche Arbeiten werden dort zitiert (rückwärts)? Wer hat diese Quelle später zitiert (vorwärts, z. B. über Google Scholar „Zitiert von")? So findest du verwandte Studien und erkennst, welche Aspekte bisher nicht weiterverfolgt wurden.

Dokumentations-Tipp

Führe während der Literaturrecherche eine Tabelle mit drei Spalten:

1. Quelle 2. Hauptergebnis 3. Limitation / Offene Frage

Nach einigen Quellen erkennst du Muster: Welche Limitationen tauchen häufig auf? Welche Aspekte werden regelmäßig ausgeklammert? Dort liegt wahrscheinlich deine Lücke.

Wann ist eine Forschungslücke gut genug?

Nicht jede Lücke, die du findest, eignet sich für eine Bachelorarbeit. Die folgenden Kriterien helfen dir einzuschätzen, ob deine Lücke tragfähig ist.

Machbarkeits-Check (10 Minuten): Beantworte diese drei Fragen, um deine Lücke zu prüfen:

  • Was ist dein Kernkonstrukt X (z. B. Mitarbeiterzufriedenheit, Kaufverhalten, Lernmotivation)?
  • Welche Kante änderst du: Zielgruppe, Region, Zeitraum, Methodik oder Anwendungsfall?
  • Kannst du das im Rahmen deiner Bachelorarbeit tatsächlich messen, beobachten oder analysieren?

Warnsignal 1: Zu breit. Wenn du deine Lücke nicht in einem Satz erklären kannst, ohne „und" oder „sowie" zu verwenden, ist sie wahrscheinlich zu groß. Beispiel: „Es fehlt an Forschung zur Digitalisierung in KMU" umfasst hunderte möglicher Fragestellungen. Grenze weiter ein: Welche Technologie? Welche Branche? Welcher Aspekt?

Warnsignal 2: Zu nischig. Wenn niemand außer dir von der Antwort profitiert, fehlt die Relevanz. Frag dich: Wen interessiert das? Welchen Nutzen hat das Ergebnis für Forschung oder Praxis? Wenn du keine überzeugende Antwort hast, überdenke die Lücke.

Warnsignal 3: Kein Datenzugang. Manche Lücken existieren, weil die Daten schwer zugänglich sind. Wenn du für deine Frage 500 Umfrageteilnehmende brauchst, aber keinen Zugang zu dieser Zielgruppe hast, ist die Lücke für dich nicht bearbeitbar. Prüfe früh, ob du Quellen, Interviewpartner oder Daten beschaffen kannst.

Eingrenzungs-Workflow
Ausgangspunkt

„Es fehlt an Forschung zur Nutzung von KI-Tools im Arbeitskontext."

Schritt 1 (Zielgruppe)

...bei Beschäftigten über 50 Jahren.

Schritt 2 (Region/Branche)

...in deutschen Dienstleistungsunternehmen.

Schritt 3 (Aspekt)

...insbesondere hinsichtlich der Akzeptanzfaktoren.

Ergebnis (Forschungsfrage)

„Welche Faktoren beeinflussen die Akzeptanz von KI-gestützten Assistenzsystemen bei Beschäftigten über 50 Jahren in deutschen Dienstleistungsunternehmen?"

Forschungslücke begründen und belegen

Eine Forschungslücke zu finden reicht nicht aus. Du musst sie auch begründen (warum ist sie wichtig?) und belegen (woher weißt du, dass sie existiert?). In der Einleitung nennst du die Lücke kurz, im Forschungsstand arbeitest du sie ausführlicher heraus. Die genaue Aufteilung variiert je nach Vorgaben deiner Betreuung.

Von der Forschungslücke zur Forschungsfrage in der Bachelorarbeit | BachelorHero

Wissenschaftliche Relevanz: Erkläre, welchen Beitrag das Schließen der Lücke zur Forschung leistet. Wird ein bestehendes Modell erweitert? Werden widersprüchliche Befunde geklärt? Wird ein Thema erstmals systematisch aufgearbeitet?

Praktische Relevanz: Zeige, wer von den Erkenntnissen profitiert. Können Unternehmen bessere Entscheidungen treffen? Erhalten Fachkräfte Handlungsempfehlungen? Die praktische Relevanz ist besonders in anwendungsorientierten Fächern wichtig.

Textbaustein: Forschungslücke belegen

Nutze dieses Schema für deinen Gap-Absatz in der Einleitung. Ersetze die Platzhalter durch deine Inhalte:

„Studien zu [Thema X] untersuchen vor allem [bisheriger Fokus A] (vgl. Autor 1, Jahr; Autor 2, Jahr). Für [neuer Kontext B] liegen bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Unklar ist insbesondere, [offene Frage C]. Daher untersucht diese Arbeit [dein Fokus D]."

Zur Quellenanzahl

Du solltest insgesamt ca. 5 bis 10 passende Quellen gesichtet haben. Im Einleitungssatz selbst zitierst du dann 2 bis 3 Schlüsselquellen, die den bisherigen Fokus belegen.

Beleg-Checkliste: Folgende Aussagen solltest du mit Literatur absichern können:

  • Was wurde bisher untersucht? (Forschungsstand)
  • Worauf konzentriert sich die bisherige Forschung? (Fokus)
  • Was fehlt oder wurde bisher nicht berücksichtigt? (Lücke)
  • Warum ist das Schließen der Lücke relevant? (Begründung)

Such-Dokumentation: Halte fest, wie du recherchiert hast. Diese Angaben helfen dir, auf Nachfrage zu erklären, warum du von „kaum Forschung" statt „keine Forschung" sprichst:

  • Datenbanken/Suchsysteme: z. B. Web of Science, Scopus, EBSCO; dazu Google Scholar (Suchmaschine, kein klassisches Datenbankportal)
  • Suchbegriffe: Hauptbegriffe und Synonyme (deutsch + englisch)
  • Filter/Zeitraum: z. B. Erscheinungsjahr ab 2015, Peer-reviewed (falls verfügbar)

Vorsichtige Formulierungen wie „nach aktuellem Kenntnisstand" sind immer sicherer als absolute Behauptungen.

Vollständige Beispiele: Von schlecht zu gut

Forschungslücke formulieren: Beispielphrasen und Formulierungshilfen | BachelorHero

Die folgenden Beispiele zeigen, wie du von einer schwachen Formulierung zu einer tragfähigen Forschungslücke kommst. Jedes Beispiel enthält: Problemversion, verbesserte Version und die daraus abgeleitete Forschungsfrage. (Hinweis: Die Quellenangaben sind Platzhalter zur Illustration.)

Beispiel 1: Methodische Lücke (Psychologie)
Schwach

„Zum Thema Homeoffice gibt es noch nicht genug Forschung."

Besser

„Die Forschung zur Arbeitszufriedenheit im Homeoffice stützt sich überwiegend auf standardisierte Fragebögen (vgl. Autor A, Jahr; Autor B, Jahr). Qualitative Studien, die das subjektive Erleben von Beschäftigten vertiefen, fehlen weitgehend. Insbesondere ist unklar, wie Beschäftigte die Balance zwischen Autonomie und Isolation im Homeoffice wahrnehmen."

Daraus abgeleitete Forschungsfrage

„Wie erleben Vollzeitbeschäftigte im Dienstleistungssektor das Spannungsfeld zwischen Autonomie und sozialer Isolation im Homeoffice?"

Beispiel 2: Geografische Lücke (BWL)
Schwach

„In Deutschland wurde das Thema Employer Branding noch nicht untersucht."

Besser

„Die Forschung zur Arbeitgebermarke konzentriert sich auf Großunternehmen und multinationale Konzerne (vgl. Autor C, Jahr; Autor D et al., Jahr). Wie kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland ihre Arbeitgebermarke aufbauen, wurde bisher kaum untersucht. Dies ist relevant, da KMU über die Hälfte aller Beschäftigten stellen und im Wettbewerb um Fachkräfte besondere Herausforderungen haben."

Daraus abgeleitete Forschungsfrage

„Welche Strategien nutzen mittelständische IT-Unternehmen in Deutschland, um ihre Arbeitgebermarke aufzubauen?"

Beispiel 3: Widersprüchliche Befunde (Sozialwissenschaften)
Schwach

„Es gibt keine eindeutigen Ergebnisse zum Einfluss von Social Media auf politisches Engagement."

Besser

„Die Befunde zum Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und politischem Engagement sind widersprüchlich. Während einige Studien einen positiven Effekt finden (vgl. Autor E, Jahr), zeigen andere keinen oder sogar negative Zusammenhänge (vgl. Autor F et al., Jahr). Unklar bleibt, unter welchen Bedingungen Social Media politisches Engagement fördert oder hemmt. Insbesondere fehlt es an Untersuchungen, die verschiedene Plattformen differenziert betrachten."

Daraus abgeleitete Forschungsfrage

„Wie unterscheidet sich der Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und politischem Engagement bei verschiedenen Plattformen (Instagram, TikTok, X) bei 18- bis 25-Jährigen?"

Machbarkeits-Hinweis: Diese Frage ist ambitioniert. Prüfe früh, ob du genug Teilnehmende für alle drei Plattformen erreichst, oder fokussiere auf eine Plattform.

Was die Beispiele zeigen: Eine gute Forschungslücke benennt konkret, was bisher untersucht wurde (mit Quellenangaben), identifiziert präzise, was fehlt, und begründet, warum das Schließen der Lücke relevant ist. Die Forschungsfrage ergibt sich dann fast von selbst.

Typische Fehler vermeiden

Diese Fehler sehe ich bei der Darstellung von Forschungslücken häufig. Wenn du sie kennst, kannst du sie vermeiden.

Lücke ohne Beleg behaupten: „Es gibt keine Forschung zu X" ist eine gewagte Aussage, die deine Betreuung sofort hinterfragen wird. Formuliere vorsichtiger: „Nach aktuellem Kenntnisstand liegen kaum Studien zu X vor" oder „In den einschlägigen Datenbanken (Web of Science, Scopus) finden sich nur wenige Untersuchungen zu X." Dokumentiere deine Suchstrategie, damit du auf Nachfrage erklären kannst, wie du gesucht hast.

Lücke ohne Relevanz: Nicht jede Lücke ist es wert, geschlossen zu werden. Wenn niemand von der Antwort profitiert, fehlt die Begründung. Erkläre immer, warum das Schließen der Lücke wissenschaftlich oder praktisch wichtig ist.

Keine Verbindung zur Frage: Die Forschungslücke muss nahtlos zur Forschungsfrage führen. Wenn die Lücke A beschreibt, die Frage aber B behandelt, fehlt der rote Faden. Prüfe vor dem Einreichen, ob Lücke und Frage zusammenpassen.

Finale Prüfung vor Abgabe

Beantworte diese vier Fragen für eine tragfähige Lücke:

1. Belegt?

2–3 Schlüsselquellen für Fokus & Lücke vorhanden? (5–10 gesichtet?)

2. Relevant?

Kannst du in einem Satz sagen, wer von der Antwort profitiert?

3. Passend?

Führt die Lücke wirklich logisch zu deiner Forschungsfrage?

4. Machbar?

Hast du tatsächlich Zugang zu den nötigen Daten oder Quellen?

Nächste Schritte

Wenn deine Forschungslücke klar formuliert und begründet ist, folgen diese Schritte: Erstens, leite aus der Lücke deine Forschungsfrage ab. Zweitens, besprich beides frühzeitig mit deiner Betreuung, da Erwartungen je nach Lehrstuhl variieren. Drittens, arbeite die Lücke im Forschungsstand ausführlicher aus.

Die Forschungslücke steht in der Einleitung deiner Bachelorarbeit. Von dort führt sie zur Forschungsfrage, die im Fazit beantwortet wird. Wenn die Arbeit fertig ist, kannst du sie bei BachelorHero drucken und binden lassen.

Häufig gestellte Fragen

Wie finde ich eine Forschungslücke, wenn alles schon erforscht scheint?

Konzentriere dich auf Einschränkungen bestehender Studien. Fast jede Studie nennt im Diskussionsteil Limitationen: andere Zielgruppen, Zeiträume, Regionen oder Methoden. Notiere diese systematisch bei deiner Literaturrecherche. Oft findest du so mehrere mögliche Ansatzpunkte für deine eigene Arbeit.

Muss ich in einer Literaturarbeit auch eine Forschungslücke haben?

Ja, auch reine Literaturarbeiten begründen ihre Relevanz über eine Lücke. Diese kann methodischer Art sein (z. B. noch keine systematische Übersicht zu einem Thema), inhaltlicher Art (keine vergleichende Analyse zweier Modelle) oder eine fehlende Synthese verschiedener Perspektiven. Die Lücke rechtfertigt, warum deine Zusammenfassung oder Analyse einen Mehrwert bietet.

Kann meine Forschungslücke zu klein sein?

Ja. Wenn die Lücke so speziell ist, dass sie keine wissenschaftliche oder praktische Relevanz hat, trägt deine Arbeit wenig bei. Frag dich: Wen interessiert die Antwort? Welchen Erkenntnisgewinn bringt das? Wenn du niemanden nennen kannst, ist die Lücke möglicherweise zu nischig. Die Lösung: Erweitere den Fokus leicht oder wähle eine angrenzende Frage mit breiterer Relevanz.

Wie viele Quellen brauche ich, um eine Forschungslücke zu belegen?

Die Anforderungen variieren je nach Fach und Thema. Als Richtwert: Sichte insgesamt ca. 5 bis 10 thematisch passende Quellen, um fundiert zu wissen, was bereits erforscht ist. Im Einleitungssatz selbst zitierst du dann typischerweise 2 bis 3 Schlüsselquellen, die den bisherigen Fokus belegen. Wichtiger als die exakte Anzahl ist, dass du systematisch in einschlägigen Datenbanken gesucht hast.

Was ist der Unterschied zwischen Forschungslücke und Forschungsbedarf?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Forschungslücke (Research Gap) bezeichnet konkret, was fehlt oder noch nicht untersucht wurde. Forschungsbedarf betont stärker die praktische oder wissenschaftliche Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. In deiner Arbeit kannst du beide Begriffe nutzen, wichtig ist die klare Begründung.

Ist eine Replikationsstudie oder Übertragung auf einen anderen Kontext eine legitime Forschungslücke?

Ja, das ist ein anerkannter Ansatz. Wenn eine Studie für die USA durchgeführt wurde und du sie für Deutschland wiederholst, schließt du eine geografische Lücke. Wichtig ist die Begründung: Warum ist die Übertragung relevant? Gibt es Hinweise, dass die Ergebnisse im neuen Kontext anders ausfallen könnten? Reine Replikationen ohne inhaltlichen Mehrwert werden bei Bachelorarbeiten allerdings selten erwartet.

Wie ausführlich muss ich die Forschungslücke in der Einleitung beschreiben?

Als Richtwert: zwei bis vier Sätze in der Einleitung. Du nennst, was bisher untersucht wurde, zeigst die Lücke auf und leitest daraus deine Frage ab. Der ausführliche Forschungsstand folgt dann im entsprechenden Kapitel. Die genauen Anforderungen variieren je nach Lehrstuhl und Fach – besprich die Erwartungen früh mit deiner Betreuung.

Darf ich mehrere Forschungslücken in einer Bachelorarbeit adressieren?

Grundsätzlich ja, aber mit Vorsicht. Bei empirischen Arbeiten empfiehlt sich meist ein klarer Fokus auf eine Lücke, da sonst der Umfang schnell zu groß wird. Bei Literaturarbeiten kann es sinnvoll sein, mehrere verwandte Lücken zu adressieren, etwa wenn du verschiedene Aspekte eines Themas systematisch aufarbeitest. Besprich das frühzeitig mit deiner Betreuung – die Erwartungen variieren je nach Fach und Lehrstuhl.

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