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Einen Fragebogen für die Bachelorarbeit erstellst du in vier Schritten: Operationalisierung, Skalenwahl, Pretest, Auswertung. Typische Richtwerte: 15–30 Fragen, 10–15 Minuten Bearbeitungszeit, Pretest mit 5–10 Personen. Stichprobe: oft 50–100 Personen (deskriptiv), mehr für Gruppenvergleiche oder kleine Effekte.
1. Operationalisierung: Forschungsfrage → Konstrukt → Dimensionen → Items.
2. Aufbau: Einleitung (Datenschutz), Hauptteil (nach Themen), Demografie (Ende).
3. Pretest: 5–10 Personen, Feedback einholen, überarbeiten.
4. Auswertung: Daten bereinigen, Reliabilität prüfen, statistische Analyse.
Wann ist ein Fragebogen die richtige Methode?
Ein Fragebogen eignet sich, wenn du Einstellungen, Meinungen oder Verhaltensweisen einer größeren Gruppe standardisiert erfassen möchtest. Alle Teilnehmenden beantworten dieselben Fragen unter vergleichbaren Bedingungen. Das ermöglicht statistische Auswertungen und Vergleiche zwischen Gruppen.
Typische Einsatzgebiete sind Studien zur Zufriedenheit, zu Nutzungsgewohnheiten oder zur Einschätzung bestimmter Sachverhalte. Wenn du dagegen tiefgehende Einblicke in individuelle Erfahrungen suchst oder ein neues Phänomen explorieren möchtest, sind qualitative Methoden wie Interviews oft besser geeignet. Manche Arbeiten kombinieren beide Ansätze im Mixed-Methods-Design.
Fragebogen geeignet, wenn:
Du Häufigkeiten, Verteilungen oder Zusammenhänge in einer größeren Gruppe messen willst. Du bereits weißt, welche
Aspekte relevant sind. Du statistische Hypothesen testen möchtest. Du viele Personen erreichen musst.
Interview geeignet, wenn:
Du ein Phänomen erst verstehen und beschreiben willst. Du individuelle Perspektiven und Begründungen brauchst.
Das Thema komplex oder sensibel ist. Du flexibel nachfragen möchtest.
Operationalisierung: Von der Forschungsfrage zu den Items
Operationalisierung bedeutet, abstrakte Konzepte in messbare Fragen zu übersetzen. Dieser Schritt entscheidet darüber, ob dein Fragebogen tatsächlich misst, was du messen willst. Bevor du Items formulierst, sollten deine Forschungsfrage und gegebenenfalls Hypothesen klar formuliert sein.
Der Prozess folgt einer klaren Schrittfolge: Zunächst definierst du das Konstrukt, das du messen willst (z.B. „Arbeitszufriedenheit"). Dann zerlegst du es in Dimensionen oder Facetten (z.B. Zufriedenheit mit Aufgaben, mit Kollegen, mit Führung). Für jede Dimension formulierst du mehrere Items und wählst ein passendes Antwortformat. Am Ende prüfst du jedes Item auf Eindeutigkeit und Neutralität.
Forschungsfrage:
„Wie zufrieden sind Studierende mit der Online-Lehre?"
Konstrukt & Dimensionen:
Zufriedenheit mit Online-Lehre (Technische Umsetzung, Didaktik, Interaktion, Selbstorganisation)
Beispiel-Items (Dimension „Didaktik"):
✓ „Die Lehrveranstaltungen sind inhaltlich gut strukturiert." (gut: ein Aspekt, neutral)
✗ „Die Vorlesungen sind langweilig und unstrukturiert." (schlecht: zwei Aspekte, suggestiv)
Antwortformat:
5-stufige Likert-Skala (stimme gar nicht zu bis stimme voll zu)
Etablierte Skalen nutzen: Für viele Konstrukte existieren bereits validierte Fragebögen. Die Verwendung solcher Skalen ist empfehlenswert, weil sie bereits auf Reliabilität und Validität geprüft wurden. Recherchiere in der Fachliteratur oder frage deine Betreuung, ob für dein Konstrukt eine etablierte Skala existiert. Dokumentiere im Methodenteil, welche Skala du verwendest (Name, Quelle, Anzahl Items).
Aufbau des Fragebogens: Struktur und Reihenfolge
Ein gut strukturierter Fragebogen führt Teilnehmende logisch durch die Befragung. Die Reihenfolge der Abschnitte beeinflusst die Antwortqualität und die Abbruchrate. Bewährt hat sich eine Dreiteilung in Einleitung, Hauptteil und demografische Angaben.
Die Einleitung informiert über Zweck, Dauer und Anonymität. Sie enthält den Datenschutzhinweis und die Einwilligungserklärung. Gib eine realistische Zeitangabe an und teste sie im Pretest. Eine Unterschätzung frustriert Teilnehmende und erhöht Abbrüche.
Der Hauptteil enthält die inhaltlichen Fragen, gruppiert nach Themenblöcken. Beginne mit einfachen, wenig sensiblen Fragen, um Teilnehmende ins Thema zu führen. Sensible oder komplexe Fragen platzierst du eher in der Mitte, wenn die Befragten bereits eingestiegen sind. Jeder Themenblock sollte eine kurze Überleitung haben.
Demografische Angaben wie Alter, Geschlecht oder Bildungsabschluss stehen meist am Ende. Der Grund: Diese Fragen können als langweilig oder intrusiv empfunden werden. Wer sie erst nach den inhaltlichen Fragen beantwortet, hat bereits Zeit investiert und bricht seltener ab. Frage nur die demografischen Daten ab, die du für deine Analyse tatsächlich brauchst.
Fragetypen: Geschlossene, offene und halboffene Fragen
Die Wahl des Fragetyps bestimmt, welche Daten du erhältst und wie du sie auswerten kannst. Geschlossene Fragen geben Antwortoptionen vor. Die Befragten wählen aus festgelegten Kategorien oder stufen ihre Zustimmung auf einer Skala ein. Diese Daten lassen sich direkt statistisch auswerten.
Offene Fragen lassen Raum für eigene Formulierungen. Sie eignen sich, wenn du Aspekte erfassen möchtest, die du vorab nicht vollständig antizipieren kannst. Der Nachteil: Die Auswertung ist aufwendiger, weil du die Antworten erst kategorisieren musst. In quantitativen Fragebögen solltest du offene Fragen sparsam einsetzen, etwa eine am Ende für ergänzende Anmerkungen.
Halboffene Fragen kombinieren beide Ansätze: Du gibst Antwortoptionen vor und ergänzt ein Feld „Sonstiges" mit Freitextoption. Das ist praktisch, wenn du die häufigsten Antworten kennst, aber seltene Fälle nicht ausschließen möchtest.
Formuliere Items kurz, eindeutig und neutral. Jedes Item erfasst genau einen Aspekt (keine Doppelfragen wie „Qualität und Preis"). Vermeide doppelte Verneinungen („Ich bin nicht unzufrieden") und Suggestivformulierungen („Finden Sie nicht auch, dass..."). Prüfe bei geschlossenen Fragen, ob die Antwortoptionen vollständig sind und sich nicht überschneiden. Ergänze bei Bedarf „weiß nicht" oder „trifft nicht zu".
Soziale Erwünschtheit:
Befragte antworten so, wie sie glauben, dass es gesellschaftlich akzeptiert ist. Gegenmaßnahme: Anonymität explizit betonen, neutrale Formulierungen wählen.
Akquieszenz (Ja-Sage-Tendenz):
Manche stimmen allen Aussagen tendenziell zu. Gegenmaßnahme: Einige Items invertiert
formulieren (z.B. „Ich bin unzufrieden mit..." statt nur „Ich bin zufrieden mit..."). Vorsicht: Invertierte Items
sind fehleranfällig und müssen bei der Auswertung umkodiert werden.
Satisficing (unaufmerksames Antworten):
Bei längeren Fragebögen lässt die Konzentration nach; Befragte klicken sich durch, ohne nachzudenken. Gegenmaßnahmen: Fragebogen kurz halten, Aufmerksamkeitscheck einfügen (z.B. „Bitte wählen Sie hier ‚stimme eher zu'"), bei
der Bereinigung Datensätze mit auffälligen Mustern (immer dieselbe Antwort, extrem kurze Bearbeitungszeit) prüfen
und ggf. ausschließen.
Skalentypen: Likert, semantisches Differenzial und mehr
Skalen ermöglichen differenzierte Antworten jenseits von Ja/Nein. Der verbreitetste Typ ist die Likert-Skala, benannt nach dem Psychologen Rensis Likert. Sie misst den Grad der Zustimmung zu einer Aussage.
Eine typische Likert-Skala hat fünf Stufen: „stimme gar nicht zu" (1), „stimme eher nicht zu" (2), „teils/teils" (3), „stimme eher zu" (4), „stimme voll zu" (5). Die mittlere Kategorie bietet eine neutrale Option. Bei geraden Stufenzahlen (4 oder 6) entfällt die Mitte, was eine Tendenz erzwingt. Welche Variante besser ist, hängt von deiner Fragestellung ab. Wichtig ist Konsistenz im gesamten Fragebogen.
Das semantische Differenzial arbeitet mit Gegensatzpaaren. Zwischen zwei Polen wie „langweilig" und „interessant" oder „passiv" und „aktiv" stufen Befragte ihre Einschätzung auf einer 5- bis 7-stufigen Skala ein. Diese Methode eignet sich besonders zur Erfassung von Images oder Assoziationen.
Bei Mehrfachauswahl (Multiple Choice) können Befragte mehrere Optionen ankreuzen. Das ist sinnvoll, wenn mehrere Antworten gleichzeitig zutreffen können, etwa bei der Frage nach genutzten Informationsquellen. Gib in der Instruktion an, ob Mehrfachnennungen möglich sind.
Likert-Skalen sind streng genommen ordinal. Ob du sie als quasi-intervallskaliert behandeln darfst (und
damit Mittelwerte, t-Tests, Korrelationen rechnen kannst), hängt von Fachkonvention, Verteilung der
Antworten und Stichprobengröße ab. In vielen sozialwissenschaftlichen Fachbereichen ist diese Praxis bei 5+
Stufen üblich, aber nicht universell akzeptiert.
Pragmatisches Vorgehen: Kläre mit deiner Betreuung, welche Annahme in deinem
Fach gilt. Dokumentiere deine Entscheidung im Methodenteil. Falls deine Betreuung streng ordinal bevorzugt, nutze nichtparametrische Tests (Mann-Whitney-U statt
t-Test, Spearman statt Pearson).
Stichprobe und Rekrutierung
Die Stichprobe ist die Gruppe von Personen, die deinen Fragebogen ausfüllt. Ihre Zusammensetzung bestimmt, auf welche Population du deine Ergebnisse übertragen kannst. Definiere vor der Erhebung deine Zielpopulation (z.B. „Studierende deutscher Hochschulen") und lege Ein- und Ausschlusskriterien fest.
Die benötigte Stichprobengröße hängt von deinem Analyseziel und der erwarteten Effektgröße ab. Für rein deskriptive Auswertungen (Häufigkeiten, Mittelwerte) reichen oft 50 bis 100 Personen. Für Gruppenvergleiche mit t-Test plane etwa 30 Personen pro Gruppe bei mittleren Effekten. Bei kleinen Effekten oder mehr als zwei Gruppen (ANOVA) brauchst du deutlich mehr. Für Korrelationen empfehlen sich mindestens 80 bis 100 Fälle, für Regressionsanalysen gilt als Faustregel 10 bis 20 Fälle pro Prädiktor.
Deskriptiv 50–100 Personen
t-Test (mittlerer Effekt) ca. 30 pro Gruppe
t-Test (kleiner Effekt) ca. 400 pro Gruppe
ANOVA (3 Gruppen) ca. 50–60 pro Gruppe
Korrelation ca. 80–100 Personen
Regression 10–20 Fälle pro Prädiktor
Annahmen: α = 0,05, Power ≈ 80%, zweiseitig. Diese Werte sind Orientierungen.
Merke: Die „30-pro-Gruppe"-Faustregel greift nur bei mittleren bis großen Effekten (d ≥ 0.5). Bei kleinen Effekten oder mehr Gruppen (ANOVA) steigt der Bedarf deutlich. Nutze G*Power für eine präzise Berechnung und besprich die Anforderungen frühzeitig mit deiner Betreuung.
Bedenke auch: Convenience Samples (z.B. nur Studierende deiner Hochschule) schränken die Generalisierbarkeit ein. Dokumentiere im Methodenteil, wie du rekrutiert hast und welche Einschränkungen sich daraus ergeben.
Rekrutierung ist oft der unterschätzte Engpass. Online-Panels, Social Media, Mailverteiler oder persönliche Ansprache haben unterschiedliche Reichweiten und Bias-Risiken. Plane realistisch: Rücklaufquoten bei Online-Umfragen liegen typischerweise bei 10 bis 30 Prozent. Wenn du 100 Antworten brauchst, solltest du mindestens 400 bis 500 Personen erreichen. Versende nach 5 bis 7 Tagen eine freundliche Erinnerung.
Datenschutz und Einwilligung
Datenschutz ist kein optionaler Zusatz, sondern rechtliche Pflicht. Vor der Erhebung musst du klären, welche Anforderungen an deiner Hochschule gelten. Manche Fachbereiche haben eigene Vorlagen für Einwilligungserklärungen, andere verweisen auf die zentrale Datenschutzstelle.
Einwilligungstext enthält:
Zweck der Befragung, verantwortliche Person mit Kontakt, Freiwilligkeit und jederzeitiges Abbruchrecht, Art der Datenverarbeitung (anonym oder pseudonym), Speicherdauer und Löschung, Hinweis auf Verwendung nur für die Bachelorarbeit.
Vor Start klären:
Brauche ich eine Genehmigung des Ethik-Komitees oder der Datenschutzstelle? Wo werden die Daten gespeichert (Serverstandort EU)? Wie lange bewahre ich die Daten auf? Erhebe ich sensible Daten (Gesundheit, politische Meinung, Religion)?
Anonym vs. pseudonym:
Bei anonymen Erhebungen ist kein Rückschluss auf die Person möglich. Achtung: Prüfe Tool-Einstellungen (IP/Metadaten). Bei pseudonymen Erhebungen (z.B. mit Code für Längsschnittstudien) musst du die Zuordnungsliste getrennt und sicher aufbewahren.
Wichtig vorab: Prüfe vor Verwendung des Mustertexts, ob IP-Adressen, Zeitstempel, Browser-Daten oder Tracking wirklich deaktiviert sind. Nur dann darfst du „anonym" schreiben. Im Zweifel: pseudonym formulieren.
Variante anonym:
„Diese Befragung wird im Rahmen einer Bachelorarbeit an der [Hochschule] durchgeführt. Verantwortlich ist [Name, E-Mail]. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit abgebrochen werden. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben (IP-Adressen und Tracking sind deaktiviert). Ein Rückschluss auf Ihre Person ist nicht möglich. Die Daten werden ausschließlich für die Bachelorarbeit verwendet und nach [Zeitraum] gelöscht."
Variante pseudonym:
„Diese Befragung wird im Rahmen einer Bachelorarbeit an der [Hochschule] durchgeführt. Verantwortlich ist [Name, E-Mail]. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit abgebrochen werden. Die Daten werden pseudonymisiert erhoben; technische Metadaten (z.B. Zeitstempel) können anfallen und werden getrennt von Ihren inhaltlichen Antworten gespeichert. Die Daten werden ausschließlich für die Bachelorarbeit verwendet und nach [Zeitraum] gelöscht."
Diese Texte sind Beispiele. Prüfe die Vorgaben deiner Hochschule und passe sie entsprechend an.
Pretest: Den Fragebogen vor der Erhebung testen
Der Pretest ist ein Testlauf mit einer kleinen Gruppe, bevor du den Fragebogen an deine eigentliche Stichprobe verteilst. Er deckt Probleme auf, die dir bei der Konstruktion entgangen sind: unverständliche Formulierungen, technische Fehler bei Online-Umfragen oder eine unrealistische Zeitangabe.
Wähle für den Pretest 5 bis 10 Personen, die deiner Zielgruppe ähneln. Bitte sie, den Fragebogen unter realistischen Bedingungen auszufüllen und dabei auf die Zeit zu achten. Anschließend führst du kurze Gespräche: Gab es Verständnisprobleme? Welche Fragen waren unklar? Fehlten Antwortoptionen? Wie wurde die Länge empfunden?
Bei Online-Umfragen testest du zusätzlich die Technik: Funktionieren alle Weiterleitungen? Werden die Daten korrekt gespeichert? Ist die Darstellung auf verschiedenen Geräten (Desktop, Smartphone) in Ordnung? Exportiere nach dem Pretest die Daten und prüfe, ob sie vollständig und im erwarteten Format vorliegen.
Verständlichkeit: Wurden alle Fragen so verstanden, wie sie gemeint waren?
Vollständigkeit: Fehlten Antwortoptionen bei geschlossenen Fragen?
Dauer: Liegt die Bearbeitungszeit im angekündigten Rahmen?
Technik: Funktionieren Filterführung, Speicherung und Export?
Gesamteindruck: Wie wirkt der Fragebogen insgesamt auf die Befragten?
Nach dem Pretest überarbeitest du den Fragebogen. Manche Änderungen sind klein (Formulierung anpassen), andere größer (Frage streichen oder ergänzen). Wenn du wesentliche Änderungen vornimmst, kann ein zweiter Pretest sinnvoll sein. Die Daten aus dem Pretest verwendest du nicht für deine eigentliche Analyse.
1 Einleitung mit Datenschutzhinweis vollständig und geprüft?
2 Alle Items auf Eindeutigkeit und Neutralität geprüft?
3 Pretest durchgeführt und Feedback eingearbeitet?
4 Technik getestet (Filterführung, Export, mobile Ansicht)?
5 IP-Speicherung deaktiviert (falls anonym)?
Auswertung: Vom ausgefüllten Fragebogen zur Analyse
Nach Abschluss der Erhebung liegen deine Rohdaten vor. Bei Online-Umfragen exportierst du sie als Excel- oder CSV-Datei. Der erste Schritt ist die Datenbereinigung: Du prüfst auf unvollständige Datensätze, offensichtlich unplausible Antworten (z.B. Bearbeitungszeit unter 3 Minuten bei einem 15-Minuten-Fragebogen) und Muster, die auf unehrliches Antworten hindeuten (alle Items dieselbe Antwort). Dokumentiere, wie viele Datensätze du aus welchen Gründen ausschließt.
Die Kodierung ordnet den Antworten Zahlenwerte zu. Bei Likert-Skalen ist das meist bereits geschehen (1 bis 5). Bei Mehrfachauswahlen erstellst du für jede Option eine eigene Variable (0 = nicht angekreuzt, 1 = angekreuzt). Offene Antworten kategorisierst du nachträglich, indem du ähnliche Aussagen zu Gruppen zusammenfasst.
Die eigentliche Auswertung beginnt mit deskriptiver Statistik: Mittelwerte, Standardabweichungen, Häufigkeitsverteilungen. Anschließend folgen inferenzstatistische Verfahren wie t-Tests, Korrelationen oder Regressionen, je nachdem, welche Hypothesen du prüfen möchtest. Details zur statistischen Auswertung findest du im Artikel zur Datenanalyse.
Wenn du mehrere Items zu einer Skala zusammenfasst, prüfe die interne Konsistenz mit Cronbachs Alpha. Werte ab 0.7 gelten als akzeptabel, ab 0.8 als gut.
Wenn Alpha zu niedrig ist:
Prüfe die Item-Total-Korrelation jedes Items. Items mit Werten unter 0.3 passen möglicherweise nicht zum
Konstrukt. Überlege, ob du sie entfernen kannst. Berechne Alpha neu.
Einschränkungen: Cronbachs Alpha misst nur interne Konsistenz, nicht Validität. Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch, dass du das richtige Konstrukt misst.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Fragebogen zu lang: Deutlich mehr als 30 Fragen oder 15 Minuten Bearbeitungszeit erhöhen oft das Risiko von Abbrüchen und nachlässigem Antworten. Der Grenzwert hängt von Zielgruppe und Thema ab. Priorisiere rigoros und streiche alles, was nicht direkt auf eine Variable oder Hypothese einzahlt.
Suggestivfragen: Formulierungen wie „Finden Sie nicht auch, dass..." oder „Wie gut gefällt Ihnen..." lenken die Antwort in eine Richtung. Formuliere neutral: „Wie beurteilen Sie..." statt „Wie gut beurteilen Sie...".
Doppelte Stimuli: „Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität und dem Preis?" vermischt zwei Aspekte. Trenne sie in zwei Items, sonst weißt du nicht, worauf sich die Antwort bezieht.
Fehlende Antwortoption: Wenn keine der vorgegebenen Optionen passt, antworten Befragte unehrlich oder brechen ab. Prüfe im Pretest, ob Optionen fehlen. Ergänze bei Bedarf „Sonstiges", „weiß nicht" oder „trifft nicht zu".
Keinen Pretest machen: Ohne Pretest bleiben Verständnisprobleme und technische Fehler unentdeckt. Die Zeit für einen sorgfältigen Pretest ist gut investiert.
Stichprobe zu klein: Plane die Stichprobengröße vor der Erhebung anhand deines Analyseziels. Zu wenige Fälle führen zu nicht-signifikanten Ergebnissen, auch wenn ein Effekt existiert.
Dokumentation vergessen: Im Anhang gehört der vollständige Fragebogen mit allen Items, Skalen und Instruktionen. Im Methodenteil beschreibst du zusammenfassend: Anzahl Items, verwendete Skalen (mit Quelle), Themenblöcke, Bearbeitungsdauer, Pretest-Ergebnisse.
Nächster Schritt: Vom Fragebogen zur Datenanalyse
Dein Fragebogen ist einsatzbereit, wenn die Items sauber operationalisiert sind, die Skalen konsistent gewählt wurden und der Pretest keine gravierenden Probleme mehr zeigt. Prüfe vor der Erhebung noch einmal: Ist die Einleitung mit Datenschutzhinweis vollständig? Stimmt die angegebene Bearbeitungszeit? Sind alle technischen Funktionen getestet?
Nach der Erhebung folgt die Datenanalyse. Dort bereinigst du die Daten, prüfst die Reliabilität deiner Skalen und führst die geplanten statistischen Auswertungen durch. Die Interpretation erfolgt in der Diskussion, wo du deine Befunde in den Forschungsstand einordnest.
Sichere alle Dateien sorgfältig: den Fragebogen als Dokumentation, die Rohdaten, die bereinigte Datenmatrix und alle Syntax- oder Analysedateien. Manche Hochschulen verlangen die Abgabe dieser Materialien zusammen mit der Arbeit. Kläre das rechtzeitig mit deiner Betreuung.
Wenn deine Bachelorarbeit fertig geschrieben ist, folgt der Druck. Bei empirischen Arbeiten mit umfangreichem Anhang (Fragebogen, SPSS-Outputs, ggf. Rohdaten) solltest du ausreichend Seiten einplanen. Die Formatierung und ein letzter Korrekturgang schließen die Arbeit ab.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Fragen sollte ein Fragebogen für die Bachelorarbeit haben?
Als Richtwert gelten 15 bis 30 Fragen, die in 10 bis 15 Minuten beantwortet werden können. Deutlich längere Fragebögen führen oft zu Abbrüchen und nachlässigem Antwortverhalten. Zähle alle Items: Eine Matrix mit 10 Aussagen sind 10 Fragen, nicht eine.
Wie viele Teilnehmende brauche ich für meine Umfrage?
Die Stichprobengröße hängt von deinem Analyseziel ab. Für rein deskriptive Auswertungen reichen oft 50 bis 100 Personen. Für Gruppenvergleiche (t-Test) plane etwa 30 pro Gruppe, für Korrelationen mindestens 80 bis 100 Fälle. Für Regressionen gilt als Faustregel: 10 bis 20 Fälle pro Prädiktor. Diese Werte sind Orientierungen, die je nach erwarteter Effektgröße variieren. Besprich die Anforderungen mit deiner Betreuung.
Darf ich einen bestehenden Fragebogen verwenden?
Ja, etablierte Skalen zu verwenden ist sogar empfehlenswert, weil sie bereits validiert sind. Du musst die Quelle korrekt zitieren und im Methodenteil dokumentieren, welche Skala du verwendest (Name, Autor, Jahr, Anzahl Items, Beispielitem). Bei übersetzten Skalen gib die Originalquelle und die verwendete Übersetzung an. Prüfe, ob die Nutzung lizenzfrei ist oder eine Genehmigung erforderlich ist.
Welches Tool eignet sich für Online-Umfragen?
SoSci Survey ist in der Wissenschaft verbreitet und bietet viele Funktionen kostenlos. LimeSurvey und Unipark sind Alternativen. Frag deine Hochschule, ob Lizenzen zur Verfügung stehen. Achte bei der Wahl auf DSGVO-Konformität, Serverstandort (EU bevorzugt) und Exportmöglichkeiten für die Daten.
Wie viele Personen brauche ich für den Pretest?
Für einen aussagekräftigen Pretest reichen 5 bis 10 Personen, die deiner Zielgruppe ähneln. Sie sollten den Fragebogen unter realistischen Bedingungen ausfüllen und dir anschließend Feedback geben. Bei komplexen Fragebögen oder speziellen Zielgruppen können auch mehr Testpersonen sinnvoll sein.
Muss ich bei der Likert-Skala immer 5 Stufen verwenden?
Nein, du kannst zwischen 4 und 7 Stufen wählen. Ungerade Stufenzahlen (5 oder 7) bieten eine neutrale Mitte, gerade Stufenzahlen (4 oder 6) erzwingen eine Tendenz. 5-stufige Skalen sind am verbreitetsten. Wichtig ist Konsistenz: Nutze im gesamten Fragebogen dieselbe Stufenzahl und Benennung.
Wie formuliere ich den Datenschutzhinweis korrekt?
Der Hinweis muss enthalten: Zweck der Befragung, Verantwortliche Person mit Kontakt, Freiwilligkeit und jederzeitiges Abbruchrecht, Art der Datenverarbeitung (anonym oder pseudonym), Speicherdauer und Löschung, Verwendung ausschließlich für die Bachelorarbeit. Die genauen Anforderungen variieren je nach Hochschule. Hol dir das Template von deinem Fachbereich oder der Datenschutzstelle.
Was mache ich mit fehlenden Werten in der Auswertung?
Zuerst klären: Warum fehlen die Werte? Bei zufällig fehlenden Werten (MCAR – Missing Completely at Random) ist listenweiser Ausschluss vertretbar, wenn unter 5% der Fälle betroffen sind. Bei MAR (Missing at Random – Ausfälle hängen von anderen Variablen ab) oder MNAR (Missing Not at Random – Ausfälle hängen vom fehlenden Wert selbst ab, z.B. hohe Einkommen werden nicht angegeben) verzerrt einfaches Löschen die Ergebnisse. Wenn-dann-Logik: Wenige zufällige Lücken → listenweiser Ausschluss ok. Korrelationen mit unterschiedlichen Fallzahlen → paarweiser Ausschluss möglich (Vorsicht: erschwert die Interpretation, da jede Korrelation auf einer anderen Teilstichprobe basiert). Systematische Lücken oder viele fehlende Werte → Multiple Imputation (falls Tool und Betreuung das unterstützen). Mittelwert-Imputation nur als Notlösung, sie reduziert Varianz und verzerrt Zusammenhänge. Dokumentiere im Methodenteil: Anteil fehlender Werte, vermutete Ursache (MCAR/MAR/MNAR), gewählte Strategie.
Muss der Fragebogen in den Anhang?
Ja, der vollständige Fragebogen gehört in den Anhang deiner Bachelorarbeit. Er enthält alle Fragen mit Antwortoptionen, die Einleitung mit Datenschutzhinweis und die Instruktionen. Im Methodenteil beschreibst du den Fragebogen zusammenfassend: Anzahl Items, verwendete Skalen, Themenblöcke, Bearbeitungsdauer.
Wie erreiche ich eine hohe Rücklaufquote?
Eine klare Einleitung, realistische Zeitangabe und persönliche Ansprache erhöhen die Teilnahmebereitschaft. Halte den Fragebogen so kurz wie möglich. Bei Online-Umfragen hilft ein ansprechendes Design. Versende nach 5 bis 7 Tagen eine freundliche Erinnerung. Incentives wie Gutschein-Verlosungen können helfen, plane aber realistisch: Rücklaufquoten von 10 bis 30% sind bei Online-Umfragen normal.
Wie gehe ich mit unvollständig ausgefüllten Fragebögen um?
Das hängt davon ab, wie viele Daten fehlen. Bei wenigen fehlenden Antworten kannst du den Datensatz behalten. Bei überwiegend leeren Fragebögen oder offensichtlichem Durchklicken (alle Fragen dieselbe Antwort, Bearbeitungszeit unter 3 Minuten bei 15-Minuten-Fragebogen) solltest du den Datensatz ausschließen. Dokumentiere deine Kriterien im Methodenteil.
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