Wissenschaftlicher Stil in der Bachelorarbeit: Wortwahl und Satzbau

Laptop mit gestrichener Textzeile, Füller und Radiergummi als Sinnbild für das Überarbeiten des wissenschaftlichen Stils der Bachelorarbeit.

Der wissenschaftliche Stil unterscheidet deine Bachelorarbeit von einem Schulaufsatz oder journalistischen Text. Hier bekommst du die drei Grundprinzipien, konkrete Umform-Regeln und Vorher-Nachher-Beispiele, mit denen du deinen Text direkt verbessern kannst.

Dieser Leitfaden arbeitet auf Wort- und Satzebene. Für den roten Faden zwischen Aussage, Beleg und Einordnung nutzt du ergänzend den Artikel zur wissenschaftlichen Kommunikation.

Wissenschaftlich klingt ein Text nicht durch lange Wörter, sondern durch präzise Begriffe, überprüfbare Belege und nachvollziehbare Schlüsse.

Definition: Wissenschaftlicher Stil macht Herkunft, Reichweite und Begründung von Aussagen nachvollziehbar: Übernommene Befunde, Ideen und überprüfbare Tatsachen werden belegt; eigene Schlussfolgerungen werden aus Daten, Prämissen und Annahmen hergeleitet.

Drei Sofort-Regeln:

  1. Streiche Füllwörter wie „irgendwie“ und „eigentlich“.
  2. Ersetze „Studien zeigen“ durch konkrete Quellenangaben.
  3. Tausche Superlative wie „bahnbrechend“ gegen sachliche Einordnungen aus.

Hinweis: Die Studienbeschreibungen, Befunde, Zahlen, Autorennamen und Jahreszahlen in den Sprachbeispielen sind erfunden. Ausnahmen sind die Theorie von Festinger (1957) und die Konventionen zur Einordnung von Effektstärken nach Cohen (1992).

Auf einen Blick
  • Aussagen belegen statt behaupten

  • Präzise statt vage formulieren

  • Sachlich einordnen statt werten

Hinweis zu Vorgaben: Konventionen zu Ich-Form, Passiv, Zeitformen, Abkürzungen und geschlechtergerechter Sprache unterscheiden sich je nach Fachbereich. Prüfe den Leitfaden deines Lehrstuhls oder frag deine Betreuungsperson.

Inhaltsverzeichnis

Schnellcheck: Ist dein Text wissenschaftlich?

Dieser Schnellcheck hilft dir, jeden Absatz in 60 Sekunden zu prüfen. Gehe die Fragen durch und markiere Stellen, bei denen du mit Nein antwortest. Diese Stellen überarbeitest du gezielt.

10 Leitfragen für jeden Absatz
  • Klar erkennbare Kernaussage?

  • Fremde Befunde, Ideen und überprüfbare Tatsachen belegt?

  • Fachbegriffe erklärt?

  • Ohne vage Füllwörter?

  • Ohne Superlative?

  • Ohne Verstärker wie „sehr“?

  • Aussagestärke passend?

  • Wertungen begründet?

  • Zeitform konsistent?

  • Einordnung oder Überleitung?

Diese Fragen sind Heuristiken, keine starren Regeln. Nicht jeder Absatz muss alle zehn Punkte erfüllen. In Methoden- und Ergebnisabschnitten kann die Einordnung kürzer ausfallen. Wenn du bei mehr als zwei Fragen mit Nein antwortest, lohnt sich ein zweiter Blick auf den Absatz.

Der Quellenbedarf hängt von der Funktion des Textes ab. Forschungsstand, Problemrelevanz und überprüfbare Tatsachen brauchen auch in der Einleitung Belege. Ziel, Aufbau und Eingrenzung der eigenen Arbeit brauchen dort häufig keine. Im Theorieteil ist die Auseinandersetzung mit Fachliteratur typischerweise dichter.

Was ist wissenschaftlicher Stil?

Wissenschaftlicher Stil ist eine Form des Schreibens, die auf Nachvollziehbarkeit ausgerichtet ist. Anders als in journalistischen Texten oder persönlichen Essays steht nicht deine Meinung im Vordergrund, sondern die Darstellung von Sachverhalten, Argumenten und Forschungsergebnissen. Das Ziel: Andere sollen deine Gedanken prüfen und weiterdenken können.

Die Funktion ist klar: Du zeigst, woher du etwas weißt, warum du etwas annimmst und wie sicher deine Schlussfolgerung ist. Das gibt dir einen klaren Rahmen für die gesamte Arbeit, von der Forschungsfrage bis zum Fazit.

Die drei Grundprinzipien wissenschaftlichen Stils

Drei Grundprinzipien des wissenschaftlichen Stils mit Lineal für Präzision, Buch für Nachvollziehbarkeit und Waage für sachliche Einordnung.

Drei Grundprinzipien prägen den wissenschaftlichen Stil. Sie helfen dir, jeden Satz und jeden Absatz auf Qualität zu prüfen. Die Prinzipien gelten fachübergreifend.

Prinzip 1: Präzision

Sage genau, was du meinst. Vermeide vage Formulierungen wie „irgendwie“, „gewissermaßen“ oder „mehr oder weniger“. Ersetze Verstärker wie „sehr wichtig“ durch konkrete Begründungen oder Zahlen.

  • Vage: „Der Effekt war sehr groß.“
  • Präzise: „Der Effekt betrug d = 0,8. Nach der konventionellen Orientierung von Cohen (1992, A Power Primer) entspricht das einem großen Effekt; die praktische Bedeutung ist im Forschungskontext zu beurteilen.“

Prinzip 2: Nachvollziehbarkeit

Kennzeichne übernommene Befunde, Ideen und überprüfbare Tatsachen mit Quellen. Eigene Schlussfolgerungen brauchen keine fremde Quelle, müssen aber nachvollziehbar aus den dargestellten Daten, Prämissen und Annahmen folgen.

Unbelegt

„Studien zeigen, dass Homeoffice die Produktivität beeinflusst.“

Belegt

„Hoffmann (2023) fand einen positiven Zusammenhang zwischen Homeoffice-Tagen und subjektiver Produktivität bei Wissensarbeitenden (n = 1.240).“

Prinzip 3: Sachliche Einordnung

Trenne Fakten von Bewertungen. Wenn du eine Einschätzung gibst, kennzeichne sie als solche und begründe sie. Vermeide emotionale Sprache und Superlative. Die Stärke einer Argumentation zeigt sich in der Substanz, nicht in Adjektiven.

Wertend

„Diese bahnbrechende Studie beweist eindeutig, dass...“

Sachlich

„Die Studie von Berger (2022) liefert Hinweise darauf, dass... Die Generalisierbarkeit ist aufgrund der kleinen Stichprobe (n = 45) eingeschränkt.“

Ich, Wir oder unpersönlich?

Die passende Form hängt von der Funktion des Satzes und den aktuellen Vorgaben deines Fachbereichs ab. Nutze die Ich-Form, wenn du eigene Entscheidungen oder Beiträge kennzeichnest und die lokale Vorgabe das zulässt. Wähle eine unpersönliche Form, wenn die handelnde Person nicht wichtig ist. Fünf Varianten helfen dir, flexibel zu formulieren.

Ich-Form, Wir-Form und unpersönliche Formulierung im Vergleich, je nach eigener Entscheidung, gemeinsamer Autorenschaft oder Fokus auf den Vorgang.

Fünf Formulierungsvarianten

  • Ich-Form

    Beispiel

    „In dieser Arbeit untersuche ich, wie...“

    Wann sinnvoll

    Direkt und klar. Prüfe, ob dein Lehrstuhl das akzeptiert.

  • Wir-Form

    Beispiel

    „In unserer Untersuchung zeigen wir, dass...“

    Wann sinnvoll

    Sinnvoll bei echten Teamarbeiten oder Co-Autorenschaft. Bei Einzelarbeiten problematisch: Der „Pluralis Modestiae“ (bescheidenes Wir) wirkt veraltet und unklar.

  • Unpersönlich mit „man“

    Beispiel

    „Man kann argumentieren, dass...“

    Wann sinnvoll

    Sparsam einsetzen. Zu viele „man“-Konstruktionen wirken distanziert.

  • Arbeit als Subjekt

    Beispiel

    „Diese Arbeit untersucht...“, „Die vorliegende Analyse zeigt...“

    Wann sinnvoll

    In vielen Fächern ein neutraler Standard. Prüfe die Konventionen deines Lehrstuhls.

  • Passivkonstruktion

    Beispiel

    „Im Folgenden wird analysiert...“, „Die Daten wurden erhoben...“

    Wann sinnvoll

    Klassisch formal. Vermeide zu lange Passivketten.

Praktische Empfehlung

Wähle die Form nach ihrer Funktion: Eigene Entscheidungen kannst du mit „Ich habe mich für diese Methode entschieden, weil...“ begründen. Nenne bei Quellen den Autor im Aktiv. Nutze Passiv oder die Arbeit als Subjekt, wenn der Vorgang oder Text im Fokus steht. Vergleiche zur Übung zwei bis drei erfolgreiche Abschlussarbeiten deines Lehrstuhls: Wie werden eigene Entscheidungen, Quellen und Arbeitsschritte formuliert? Maßgeblich bleibt der aktuelle Leitfaden deines Fachbereichs.

Aktiv vs. Passiv: wann welche Form?

Aktiv oder Passiv? Beide haben ihre Berechtigung. Aktiv ist direkter und lebendiger, Passiv fokussiert auf das Geschehen statt auf den Handelnden. Die richtige Wahl hängt davon ab, was du betonen willst.

Fiktives Satzpaar zu Aktiv und Passiv, „Berger analysiert die Daten“ betont den Handelnden, „Die Daten werden analysiert“ den Vorgang.

Aktiv: Wann sinnvoll?

Verwende Aktiv, wenn der Handelnde wichtig ist oder du Verantwortung kennzeichnen willst.

Bei Quellenangaben: „Berger (2022) argumentiert, dass...“

Bei eigenen Entscheidungen: „Ich wähle diese Methode, weil...“

Passiv: Wann sinnvoll?

Verwende Passiv, wenn der Handelnde unwichtig oder unbekannt ist. Passiv wirkt formaler und lenkt den Fokus auf den Vorgang.

Methoden: „Die Proben wurden bei 4 °C gelagert.“

Prozesse: „Die Daten wurden mithilfe von SPSS ausgewertet.“

Fehler: Passivketten vermeiden

Vorher

„Es wurde festgestellt, dass von den Befragten angegeben wurde, dass...“

Nachher

„Die Befragten gaben an, dass...“ oder „Berger (2022) stellte fest, dass...“

Fachbegriffe richtig einsetzen

Fachbegriffe zeigen, dass du die Sprache deiner Disziplin beherrschst. Aber falsch eingesetzt wirken sie aufgesetzt oder machen deinen Text unverständlich. Drei Regeln helfen dir, die Balance zu finden.

Bei Erstnennung erklären

Erkläre einen Fachbegriff beim ersten Gebrauch, wenn du ihn bei deiner Zielgruppe nicht voraussetzen kannst oder seine konkrete Bedeutung für die Arbeit wichtig ist. Zentrale oder strittige Begriffe definierst du ausführlicher. Vertraute Begriffe brauchen keine zusätzliche Erklärung.

Beispiel: „Kognitive Dissonanz bezeichnet einen psychisch unangenehmen Zustand, der aus widersprüchlichen Kognitionen, etwa Gedanken oder Überzeugungen, entstehen kann (Festinger, 1957).“

Verwende einen Fachbegriff nur, wenn er mehr sagt als ein Alltagswort. „Operationalisierung“ ist präziser als „Messbarmachung“, aber „finalisieren“ ist nicht besser als „abschließen“. Wenn ein einfaches Wort denselben Inhalt transportiert, wähle das einfache Wort.

Bleibe konsistent. Wenn du dich für einen Begriff entscheidest, nutze ihn durchgängig. Wechsle nicht zwischen „Reliabilität“ und „Zuverlässigkeit“, wenn du einen zentralen Fachbegriff eingeführt hast. Die einheitliche Terminologie erleichtert das Lesen und zeigt Sorgfalt.

Quellen einbinden und zur Argumentation überleiten

Quellen einbinden ist mehr als korrektes Zitieren. Die Herausforderung liegt oft im Übergang: Wie kommst du von einer Quelle zu deiner eigenen Argumentation? Das richtige Verb und passende Überleitungsformeln machen den Unterschied.

Fiktives Beispiel in drei Schritten von der Quelle zur eigenen Forschungsfrage, Befund nennen, Grenze durch Selbstauskünfte benennen und weiterfragen.

Vorher/Nachher: Monotone vs. variantenreiche Einbindung

Monoton

„Laut Berger ist Motivation wichtig. Laut Hoffmann hängt sie von Autonomie ab. Laut Weber steigt sie durch Feedback.“

Variantenreich

„Berger (2021) betont die Bedeutung von Motivation. Hoffmann (2022) findet, dass Autonomie ein zentraler Faktor ist. Diese Einschätzung teilt Weber (2023), der zusätzlich auf die Rolle von Feedback hinweist.“

Verben nach Aussagetyp

  • Meinungen/Positionen

    Passende Verben

    argumentiert, vertritt die Ansicht, betont, plädiert für

  • Deutlich belegte Befunde

    Passende Verben

    zeigt, belegt, weist nach, bestätigt

  • Korrelationen

    Passende Verben

    berichtet, stellt fest, findet einen Zusammenhang

  • Definitionen

    Passende Verben

    definiert, versteht unter, bezeichnet als, grenzt ab

„Zeigt“ und „belegt“ können auch nichtkausale Befunde beschreiben, etwa „Die Analyse zeigt einen Zusammenhang zwischen X und Y“. Ob du eine Ursache behaupten darfst, hängt vom Untersuchungsdesign und den Annahmen der Analyse ab. Auch Beobachtungsdaten können kausale Schlüsse ermöglichen, wenn das Vorgehen darauf ausgerichtet ist und die nötigen Annahmen begründet sind. Dazu gehört etwa die Frage, ob nicht berücksichtigte Einflüsse sowohl X als auch Y verändern und so den Zusammenhang erklären. Bei einer einfachen Korrelationsanalyse bleibt „findet einen Zusammenhang“ passend.

Übergangsformeln: Von der Quelle zur eigenen Argumentation

Diese Satzbausteine helfen dir, nach einem Zitat sauber zu deiner eigenen Einordnung überzuleiten.

Übergangsformeln

Einordnung

Für die vorliegende Untersuchung bedeutet das...

Im Kontext dieser Arbeit lässt sich daraus ableiten...

Grenzen benennen

Unter der Einschränkung, dass...

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass...

Weiterführen

Darauf aufbauend lässt sich fragen...

Diese Perspektive ergänzend...

Kritisch einordnen

Obwohl Berger dies betont, bleibt offen...

Kritisch anzumerken ist, dass...

Beispiel: Kompletter Übergang

„Hoffmann (2022) findet einen positiven Zusammenhang zwischen Autonomie und selbst eingeschätzter Arbeitsleistung (r = 0,42). Allerdings basiert die Studie auf Selbstauskünften, was die Aussagekraft einschränkt. Für die vorliegende Untersuchung ergibt sich daraus die Frage, ob dieser Zusammenhang auch bei objektiven Leistungskennzahlen nachweisbar ist.“

Aussagestärke anpassen

Drei Stufen der Aussagestärke, stark bei klar gestütztem Befund, mittel bei bleibender Unsicherheit und vorsichtig bei ersten Hinweisen.

Die Aussagestärke deiner Formulierungen sollte zur Datenlage passen. In der Wissenschaft sind absolute Aussagen selten gerechtfertigt. Die Kunst liegt darin, weder zu schwach noch zu stark zu formulieren.

Abstufungen der Aussagestärke

  • Stark

    Formulierungen

    „zeigt“, „belegt“, „bestätigt“

    Wann passend

    Für klar gestützte, genau eingegrenzte Aussagen, etwa „Die Analyse zeigt einen positiven Zusammenhang in der untersuchten Stichprobe“. Studiendesign und Auswertung müssen den behaupteten Schluss tragen.

  • Mittel

    Formulierungen

    „deutet darauf hin“, „legt nahe“, „spricht für“

    Wann passend

    Passend, wenn der Befund eine Deutung stützt, aber alternative Erklärungen oder relevante Unsicherheit bleiben.

  • Vorsichtig

    Formulierungen

    „könnte erklären“, „scheint vereinbar“, „es gibt erste Hinweise“

    Wann passend

    Passend bei explorativen Analysen, unpräzisen Schätzungen, unsicheren Annahmen oder einzelnen Befunden ohne Replikation.

Vermeide mehrere Abschwächungen für denselben Gedanken. „Die Unterschiede könnten mit den Arbeitsbedingungen zusammenhängen“ benennt eine mögliche Erklärung klarer als „Die Unterschiede könnten möglicherweise vielleicht...“. Begründe anschließend, was für diese Deutung spricht. Eine große Stichprobe oder eine Replikation allein macht eine Aussage weder sicher noch kausal.

Absatzstruktur: Aussage, Beleg, Einordnung

Formuliere in einem argumentativen Absatz deinen Hauptgedanken, stütze ihn mit einem passenden Beleg und erkläre dessen Bedeutung. Wie ausführlich du diese Schritte ausarbeitest und in welcher Reihenfolge sie stehen, hängt von der Funktion des Absatzes ab.

Musterabsatz: So sieht die Struktur aus

„Die intrinsische Motivation von Beschäftigten hängt häufig mit der wahrgenommenen Autonomie zusammen (Aussage). Hoffmann (2022) fand in einer Längsschnittstudie mit 840 Beschäftigten einen positiven Zusammenhang zwischen wahrgenommener Selbstbestimmung und intrinsischer Motivation (Beleg). Für die vorliegende Untersuchung bedeutet das: Es ist zu prüfen, ob flexible Arbeitsmodelle unter passenden Rahmenbedingungen mit höherer intrinsischer Motivation einhergehen (Einordnung).“

Tipp: Eigene Schlussfolgerungen brauchen keine fremde Quelle. Sie müssen aber aus den dargestellten Daten, Prämissen und Annahmen nachvollziehbar hervorgehen und als eigene Einordnung erkennbar sein.

Nicht jeder Absatz braucht alle drei Elemente gleich stark. In der Einleitung überwiegen Aussagen und Einordnungen, im Theorieteil dominieren Belege. Im Fazit steht die Einordnung im Vordergrund.

Typische Fehler mit Sofort-Fix

Diese Fehler tauchen in Bachelorarbeiten besonders häufig auf. Zu jedem Fehler bekommst du eine klare Korrekturregel und ein Vorher-Nachher-Beispiel.

Umformung gegen Nominalstil, aus der überladenen „Durchführung der Analyse der Daten“ wird ein klarerer Satz mit dem Verb „analysiert“.
  • Umgangssprache und Füllwörter

    Problem: Vorher: „Das ist halt irgendwie ein wichtiger Aspekt.“

    So behebst du es: Streiche „halt“, „irgendwie“, „eigentlich“, „ja“, „echt“, „total“ ersatzlos oder ersetze sie durch präzise Formulierungen. Nachher: „Dieser Aspekt ist zentral für die Argumentation.“

  • Unbegründete Superlative

    Problem: Vorher: „Diese bahnbrechende Studie beweist eindeutig...“

    So behebst du es: Ersetze „bahnbrechend“, „revolutionär“, „eindeutig“, „zweifellos“ durch sachliche Einordnungen mit Beleg. Nachher: „Die Studie von Berger (2022) liefert Hinweise darauf...“

  • Metasprachliche Phrasen

    Problem: Vorher: „Es ist wichtig zu beachten, dass die Stichprobe klein war.“

    So behebst du es: Streiche „Es ist klar, dass...“, „Es ist wichtig zu beachten...“, „Interessanterweise...“ und komme direkt zur Aussage. Nachher: „Die Stichprobe umfasste 18 Teilnehmende, was die Generalisierbarkeit einschränkt.“

  • Rhetorische Fragen

    Problem: Vorher: „Wer würde bestreiten, dass Motivation wichtig ist?“

    So behebst du es: Wandle rhetorische Fragen in Aussagen um. Sie wirken in wissenschaftlichen Texten oft unsachlich. Nachher: „Berger (2022) berichtete einen positiven Zusammenhang zwischen Motivation und Arbeitsleistung.“

  • Nominalstil-Überladung

    Problem: Vorher: „Die Durchführung der Analyse der Daten erfolgte unter Berücksichtigung der Empfehlungen.“

    So behebst du es: Wandle Substantivierungen in Verben um, wenn der Satz dadurch klarer wird. Nachher: „Die Daten wurden gemäß den Empfehlungen analysiert.“

  • Unbelegte Behauptungen

    Problem: Vorher: „Studien zeigen, dass Stress die Leistung beeinflusst.“

    So behebst du es: Nenne für übernommene Befunde die konkrete Quelle und passe die Aussagestärke an deren Ergebnisse an. Eine vorsichtigere Formulierung ersetzt keinen erforderlichen Beleg. Nachher: „Hoffmann (2022) berichtete: In der untersuchten Stichprobe ging moderater Stress mit höherer, chronischer Stress mit niedrigerer Leistung einher.“

Finaler Stilcheck in fünf Schritten

Der wissenschaftliche Stil entsteht oft erst beim Überarbeiten. Diese fünf Schritte helfen dir, deinen Text systematisch zu prüfen, bevor du abgibst.

Deine Überarbeitungs-Reihenfolge

  1. Stilcheck mit Schnellcheck-Fragen

    Gehe jeden Absatz mit den 10 Fragen durch. Markiere Problemstellen.

  2. Quellen-Check

    Fremde Befunde, Ideen und überprüfbare Tatsachen belegt? Stimmen alle Seitenangaben? Passt das Literaturverzeichnis?

  3. Zeitformen-Konsistenz

    Passt die Zeitform zur Funktion der Aussage? Vergleiche „Das Modell erklärt...“ im Präsens mit „Die Daten wurden erhoben...“ für einen abgeschlossenen Vorgang. Prüfe, ob Zeitformwechsel in deinem Absatz nachvollziehbar sind.

  4. Absatzstruktur prüfen

    Ist die Funktion jedes Absatzes klar, und sind Aussage, Beleg und Einordnung dort erkennbar, wo sie gebraucht werden?

  5. Letzter Lesedurchgang nach einer Pause

    Lies den Text nach mindestens einem Tag Abstand noch einmal. Stilbrüche fallen dann eher auf.

Nach dem Stilcheck folgt die technische Prüfung: Formatierung, Seitenränder, Seitenzahlen. Mehr dazu im Artikel zum Korrekturlesen. Wenn alles sitzt, exportierst du dein Dokument als PDF und prüfst das Ergebnis ein letztes Mal.

Häufig gestellte Fragen

Wie schreibe ich wissenschaftlich, ohne künstlich kompliziert zu klingen?

Drei Schnelltests: (1) Lies den Satz laut vor. Klingt er gestelzt? Dann vereinfache. (2) Prüfe: Sagt das Fremdwort mehr als ein deutsches Wort? Wenn nein, nutze die einfache Variante. (3) Hat der Satz mehr als 25 Wörter? Prüfe, ob du ihn ohne Informationsverlust teilen kannst. Wissenschaftlich heißt präzise und nachvollziehbar, nicht möglichst kompliziert. Beispiel: „Die Durchführung der Analyse erfolgte“ wird zu „Die Daten wurden analysiert“.

Wie integriere ich Zitate so, dass sie nicht wie eine Aneinanderreihung wirken?

Nutze drei Bausteine: (1) Einleiten mit passendem Verb („Berger argumentiert...“, „Hoffmann findet...“). (2) Einordnen („Für die vorliegende Arbeit bedeutet das...“). (3) Überleiten („Darauf aufbauend lässt sich fragen...“). Vermeide „Laut X... Laut Y... Laut Z...“. Stattdessen: Quellen in Dialog bringen („Diese Einschätzung teilt Weber, der ergänzend...“).

Welche Zeitform verwende ich wo in der Bachelorarbeit?

Wähle die Zeitform nach der Funktion deiner Aussage. In Einleitung und Theorie passt Präsens für den Gegenstand und geltende Aussagen: „Diese Arbeit untersucht...“, „Das Modell erklärt...“. Abgeschlossene Methodenschritte berichtest du in der Vergangenheit: „Die Daten wurden erhoben...“. Bei Ergebnissen unterscheidest du zwischen dem abgeschlossenen Vorgang („Die Analyse zeigte...“) und dem aktuell dargestellten Befund („Die Ergebnisse zeigen...“). In der Diskussion steht die gegenwärtige Einordnung meist im Präsens. Beachte die Vorgaben deines Fachbereichs.

Was bedeutet Hedging in wissenschaftlichen Texten?

Hedging bezeichnet das vorsichtige Abstufen von Aussagen, um Unsicherheit und Reichweite transparent zu machen. Statt „Die Studie beweist...“ schreibst du „Die Ergebnisse deuten darauf hin...“ oder „legen nahe...“. Das ist keine Schwäche, sondern wissenschaftliche Sorgfalt. Absolute Aussagen sind selten gerechtfertigt.

Wie lang sollten Sätze in einer Bachelorarbeit sein?

Nutze 25 Wörter als Anlass für einen kurzen Lesbarkeitscheck: Lässt sich der Satz ohne Informationsverlust teilen? Das ist eine praktische Prüfhilfe, keine feste Wortgrenze. Teile den Satz, wenn der Inhalt dadurch verständlicher wird. Bleibt ein längerer Satz klar und notwendig, kannst du ihn behalten. Variiere die Satzlänge passend zum Inhalt.

Wie vermeide ich Umgangssprache in meiner Bachelorarbeit?

Lies deinen Text laut vor. Alles, was du in einem lockeren Gespräch sagen würdest, aber nicht in einem Fachbuch lesen würdest, ist wahrscheinlich zu umgangssprachlich. Typische Kandidaten: „halt“, „irgendwie“, „total“, „echt“. Ersetze sie durch präzisere Formulierungen oder streiche sie ersatzlos.

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