Problemstellung Masterarbeit: Definition, Beispiele und Abgrenzung zur Forschungsfrage

Karteikasten mit leerem Fach neben zwei Büchern und Bleistift als Sinnbild für die Forschungslücke in der Problemstellung der Masterarbeit.

Die Problemstellung erklärt, warum deine Masterarbeit relevant ist und welche Lücke im Forschungsstand sie adressiert. Ein bewährter Aufbau verbindet drei Teile: Relevanz, Forschungslücke und Forschungsbedarf. Sie erläutert das Problem und führt logisch zur Forschungsfrage.

Kurz gesagt
  • Funktion: Begründet, warum deine Forschung nötig ist

  • Aufbau: Relevanz, Forschungslücke und Forschungsbedarf

  • Position: In der Einleitung, nach der Hinführung und vor der Forschungsfrage

  • Abgrenzung: Die Problemstellung liefert das Warum, die Forschungsfrage das Was

Inhaltsverzeichnis

Vorlage Problemstellung (3 Sätze)

Schritt 1: Relevanz

[Thema] ist relevant, weil [Begründung] für [Zielgruppe/Kontext].

Schritt 2: Forschungslücke

Bisher ist jedoch unklar, [was offen bleibt], insbesondere [Eingrenzung: Kontext/Population/Methode].

Schritt 3: Forschungsbedarf

Daher untersucht diese Arbeit [konkrete Untersuchung], um [Nutzen/Ziel].

Die Forschungslücken, Befunde und Zahlen in den ausgefüllten Beispielen dieses Artikels sind zur Veranschaulichung angenommen. In deiner Arbeit belegst du entsprechende Aussagen mit der tatsächlich ausgewerteten Literatur.

Beispiel: Empirische Arbeit: „Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse im Mittelstand grundlegend. Bisher ist jedoch unklar, welche Faktoren mit der Akzeptanz digitaler Tools bei Mitarbeitenden über 50 Jahren zusammenhängen. Daher untersucht diese Arbeit mittels Befragung in drei mittelständischen Unternehmen, welche wahrgenommenen Barrieren und förderlichen Bedingungen mit der Technologieakzeptanz in dieser Altersgruppe verbunden sind.“

Beispiel: Theoretische Arbeit: „Das Technology Acceptance Model erklärt die Akzeptanz neuer Technologien unter anderem anhand ihrer wahrgenommenen Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit. In der gesichteten Literatur bleibt offen, ob und wie das Modell auf ältere Nutzergruppen übertragbar ist. Daher analysiert diese Arbeit die bestehende Literatur, um Anpassungsbedarfe des TAM für die Altersgruppe 50+ zu identifizieren.“

Was ist eine Problemstellung?

Die Problemstellung ist der Teil deiner Einleitung, in dem du das wissenschaftliche Problem beschreibst, das deine Arbeit adressiert. Sie erklärt, warum dein Thema untersucht werden sollte und was im bisherigen Forschungsstand noch offen bleibt.

Betrachte die Problemstellung als Begründung für deine Forschung: Du zeigst, dass ein praktisches oder theoretisches Problem existiert und dass die bisherige Forschung dieses noch nicht vollständig beantwortet hat. Daraus ergibt sich der Bedarf für deine Untersuchung.

Eine gute Problemstellung ist präzise, fundiert und nachvollziehbar. Präzise bedeutet, dass du das Problem klar eingrenzt. Fundiert bedeutet, dass du die Relevanz und die Forschungslücke mit Quellen belegst. Nachvollziehbar bedeutet, dass Lesende verstehen, warum genau diese Untersuchung sinnvoll ist.

Problemstellung in der Einleitung

Die Problemstellung steht in der Einleitung deiner Masterarbeit, typischerweise nach der Hinführung zum Thema. Sie bildet die Brücke zwischen dem allgemeinen Themenfeld und deiner konkreten Forschungsfrage.

Hinweis zu Vorgaben: Die genaue Position variiert je nach Fach und Lehrstuhl.

Problemstellung vs. Forschungsfrage: Der Unterschied

Zweiteilige Gegenüberstellung in der Masterarbeit, Problemstellung erklärt das Warum, Forschungsfrage benennt das Was.

Problemstellung und Forschungsfrage werden oft verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen. Die Problemstellung beschreibt das Problem und begründet die Relevanz. Die Forschungsfrage formuliert konkret, was du untersuchen wirst.

Wichtig: Ein wissenschaftliches Problem ist nicht dasselbe wie ein Alltagsproblem. „Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten mit der Digitalisierung“ ist ein praktisches Problem. Ein wissenschaftliches Problem leitest du aus dem Forschungsstand ab: „Die bisherige Forschung erklärt nicht, warum bestimmte Gruppen Technologien ablehnen.“ Die Problemstellung kann beide verbinden: Sie zeigt dann das praktische Problem und benennt, was die Wissenschaft dazu noch nicht weiß. Bei einer rein theoretischen Arbeit kann der Forschungsbedarf auch ohne unmittelbares Praxisproblem begründet sein.

  • Funktion

    Problemstellung

    Begründet, warum deine Forschung nötig ist.

    Forschungsfrage

    Definiert, was konkret untersucht wird.

  • Inhalt

    Problemstellung

    Relevanz des Themas, Forschungslücke, Forschungsbedarf.

    Forschungsfrage

    Untersuchungsgegenstand und Kontext, bei empirischen Studien ggf. Variablen, Population und Zeitraum.

  • Form

    Problemstellung

    Begründender Text, der auch Fragen enthalten kann.

    Forschungsfrage

    Präzise Frage oder indirekter Fragesatz.

  • Beispiel

    Problemstellung

    „Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse im Mittelstand grundlegend. In der bisherigen Forschung bleibt jedoch die Akzeptanz bei älteren Mitarbeitenden unterbeleuchtet. Daher besteht Bedarf, Einflussfaktoren für diese Zielgruppe zu untersuchen.“

    Forschungsfrage

    „Welche Faktoren beeinflussen die Akzeptanz digitaler Arbeitsmittel bei Mitarbeitenden über 50 Jahren in mittelständischen Unternehmen?“

Die Problemstellung liefert also das Warum, die Forschungsfrage das Was. Beide gehören zusammen: Aus einer klaren Problemstellung lässt sich die Forschungsfrage logisch ableiten. Wenn du die Problemstellung sauber formuliert hast, ergibt sich die Forschungsfrage fast von selbst.

Die logische Kette
  • Thema: Digitalisierung im Mittelstand

  • Problemstellung: Technologieakzeptanz älterer Mitarbeitender unterbeleuchtet

  • Forschungsfrage: Welche Faktoren beeinflussen die Akzeptanz?

  • Zielsetzung: Einflussfaktoren identifizieren und Handlungsempfehlungen ableiten

Aufbau der Problemstellung in drei Teilen

Pfeilfolge der Problemstellung von der Relevanz über die offene Forschungslücke zum Forschungsbedarf als zusammenhängende Begründung.

Für deine Problemstellung kannst du drei Elemente nutzen, die aufeinander aufbauen. Diese Struktur hilft dir, die Relevanz deiner Arbeit überzeugend darzustellen.

Teil 1: Relevanz des Themas

Du zeigst, warum das Thema wichtig ist. Die Relevanz kann praktischer Natur sein (gesellschaftliches Problem, wirtschaftliche Bedeutung) oder theoretischer Natur (offene Fragen in der Forschung, widersprüchliche Befunde).

Beispiel praktische Relevanz: „Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse in nahezu allen Branchen. Laut aktuellen Branchenerhebungen haben mehr als drei Viertel der mittelständischen Unternehmen in den letzten Jahren digitale Tools eingeführt.“

Beispiel theoretische Relevanz: „Das Technology Acceptance Model (TAM) bietet einen Ansatz zur Erklärung der Technologieakzeptanz. Für den hier untersuchten Kontext ist zu klären, wie gut es die Nutzung digitaler Arbeitsmittel durch ältere Mitarbeitende erklärt.“

Teil 2: Forschungslücke

Du benennst, was im Forschungsstand noch offen bleibt oder bisher kaum adressiert wurde. Die Forschungslücke ist der Kern deiner Problemstellung. Sie zeigt, dass deine Arbeit einen Beitrag leistet, indem sie die beschriebene offene Frage systematisch untersucht.

  • Kontextlücke

    Was sie bedeutet

    Ein Thema wurde in anderen Ländern, Branchen oder Zielgruppen untersucht, für den eigenen Kontext finden sich in der gesichteten Literatur aber bisher kaum Studien.

  • Methodische Lücke

    Was sie bedeutet

    Bisherige Studien nutzten andere Methoden, die bestimmte Aspekte nicht erfassen.

  • Zeitliche Lücke

    Was sie bedeutet

    Die vorhandenen Studien sind veraltet und berücksichtigen aktuelle Entwicklungen nicht.

  • Theoretische Lücke

    Was sie bedeutet

    Ein Konzept wurde bisher kaum auf einen bestimmten Bereich angewandt.

Beispiel: „Obwohl zahlreiche Studien die Technologieakzeptanz bei jüngeren Mitarbeitenden untersucht haben, bleibt die Altersgruppe über 50 Jahren im deutschen Mittelstand in der bisherigen Forschung unterbeleuchtet.“

Teil 3: Forschungsbedarf

Du leitest ab, was untersucht werden muss. Der Forschungsbedarf verbindet die Forschungslücke mit deiner konkreten Untersuchung. Er zeigt, warum genau diese Studie sinnvoll ist.

Beispiel: „Es besteht daher Bedarf, die spezifischen Faktoren zu untersuchen, die die Akzeptanz digitaler Arbeitsmittel bei älteren Mitarbeitenden beeinflussen. Die Ergebnisse können Unternehmen dabei unterstützen, zielgruppenspezifische Maßnahmen zu entwickeln.“

Die drei Teile fließen im Text ineinander. Du musst sie nicht mit Überschriften trennen, aber alle drei Elemente sollten erkennbar sein. Eine gute Problemstellung liest sich flüssig und führt logisch von der Relevanz über die Lücke zum Bedarf.

Problemstellung in der Masterarbeit: Beispiele

Die folgenden Beispiele zeigen, wie eine Problemstellung in verschiedenen Fachbereichen aussehen kann. Achte darauf, wie jedes Beispiel die drei Elemente enthält: Relevanz, Forschungslücke, Forschungsbedarf.

Fiktives Beispiel zu agilen Methoden, ihre Übertragbarkeit vom Konzern auf den Mittelstand bleibt offen, daher werden Einflussfaktoren untersucht.

Beispiel Wirtschaftswissenschaften

Die Einführung agiler Arbeitsmethoden gilt als Erfolgsfaktor für Unternehmen in dynamischen Märkten. Mehrere Studien belegen positive Effekte auf Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit in Großunternehmen. Die vorhandenen Befunde stammen jedoch überwiegend aus Konzernkontexten; für den Mittelstand bleibt die Frage offen, obwohl hier andere Rahmenbedingungen herrschen: geringere Ressourcen, flachere Hierarchien und oft fehlende Change-Management-Expertise. Es ist daher unklar, ob sich die Erkenntnisse aus Großunternehmen übertragen lassen. Die vorliegende Arbeit untersucht deshalb, welche Faktoren die erfolgreiche Implementierung agiler Methoden im Mittelstand beeinflussen.

Strukturanalyse:
Relevanz: agile Methoden wichtig.
Forschungslücke: Mittelstand kaum adressiert.
Forschungsbedarf: Einflussfaktoren identifizieren.

Beispiel Sozialwissenschaften

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentrales Thema der Arbeits- und Sozialpolitik. Während für Familien mit zwei Elternteilen zahlreiche Studien und Unterstützungsangebote existieren, bleibt die Situation alleinerziehender Eltern in der Forschung bisher kaum adressiert. Insbesondere Alleinerziehende in atypischen Beschäftigungsverhältnissen wie Schichtarbeit oder befristeten Verträgen sind in der bisherigen Forschung kaum mit qualitativen Methoden untersucht worden. Angesichts des wachsenden Anteils atypischer Beschäftigung besteht Forschungsbedarf, um zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen entwickeln zu können.

Strukturanalyse:
Relevanz: gesellschaftliches Thema.
Forschungslücke: Alleinerziehende in atypischer Beschäftigung.
Forschungsbedarf: qualitative Untersuchung.

Beispiel Psychologie

Der Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und psychischem Wohlbefinden ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die bisherige Forschung konzentriert sich jedoch vorwiegend auf Jugendliche und junge Erwachsene. Für die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen, die Social Media zunehmend beruflich und privat nutzen, bleibt diese Frage in der bisherigen Forschung unterbeleuchtet. Zudem fokussieren bestehende Studien auf Nutzungsdauer, nicht auf Nutzungsmotive. Es bleibt daher offen, ob unterschiedliche Nutzungsmotive wie soziale Vernetzung, Information oder Unterhaltung unterschiedliche Effekte auf das Wohlbefinden haben. Daher besteht Bedarf an einer differenzierten Analyse der Nutzungsmotive in dieser Altersgruppe.

Strukturanalyse:
Relevanz: Social Media und Wohlbefinden.
Forschungslücke: Altersgruppe 30 bis 50, Nutzungsmotive.
Forschungsbedarf: differenzierte Analyse.

Beispiel Informatik

Machine-Learning-Modelle zur Kundenabwanderungsprognose können an Vorhersagequalität verlieren, wenn sich Kundendaten oder die Zusammenhänge zwischen Merkmalen und Abwanderung verändern. Für solche Veränderungen existieren Verfahren zur Erkennung von Drift und zur inkrementellen Modellanpassung. Im hier betrachteten kleinen E-Commerce-Unternehmen ist jedoch offen, welches Verfahren bei begrenzten Rechenressourcen die Vorhersagequalität zuverlässig erhält. Daher vergleicht diese Arbeit ausgewählte Anpassungsverfahren hinsichtlich Prognosegüte und Rechenaufwand.

Strukturanalyse:
Relevanz: ML in der Praxis.
Forschungslücke: geeignetes Anpassungsverfahren im betrachteten Unternehmen offen.
Forschungsbedarf: ressourcenschonende Verfahren vergleichen.

Problemstellung formulieren: Schritt für Schritt

Die Formulierung der Problemstellung ist ein iterativer Prozess. Du wirst sie im Laufe deiner Arbeit mehrfach überarbeiten. Diese Schritte helfen dir, eine erste tragfähige Version zu entwickeln.

  1. Forschungsstand sichten

    Bevor du die Problemstellung formulierst, musst du wissen, was bereits erforscht wurde. Eine gründliche Literaturrecherche ist die Grundlage. Notiere beim Lesen, welche Fragen offen bleiben, welche Einschränkungen genannt werden und wo Autoren selbst weiteren Forschungsbedarf sehen.

  2. Relevanz begründen

    Überlege, warum dein Thema wichtig ist. Gibt es aktuelle Entwicklungen, die das Thema drängend machen? Welche praktischen oder theoretischen Konsequenzen hat das Problem? Sammle Belege wie aktuelle Statistiken, Berichte oder Zitate aus der Fachliteratur.

  3. Forschungslücke identifizieren

    Formuliere präzise, was offen bleibt. Vermeide vage Aussagen wie „wurde noch nicht untersucht“. Stattdessen: Was genau bleibt offen? In welchem Kontext? Mit welcher Methode? Bei welcher Zielgruppe?

  4. Forschungsbedarf ableiten

    Erkläre, warum es wichtig ist, diese Lücke zu schließen. Was gewinnen Wissenschaft oder Praxis, wenn die Frage beantwortet wird? Der Forschungsbedarf sollte logisch aus der Lücke folgen.

  5. Zusammenführen und prüfen

    Formuliere die drei Teile als zusammenhängenden Text. Prüfe: Ist die Argumentation nachvollziehbar? Führt die Problemstellung logisch zur Forschungsfrage? Besprich die Formulierung mit deiner Betreuung.

Tipp: Signalwörter für die Forschungslücke

Diese Formulierungen helfen dir, die Forschungslücke zu benennen:

Formulierungshilfe:
„Obwohl X gut erforscht ist, bleibt Y in der bisherigen Forschung unterbeleuchtet...“
„Bisherige Untersuchungen konzentrieren sich auf X, vernachlässigen jedoch Y...“
„Es ist unklar, ob die Befunde zu X auf den Kontext Y übertragbar sind...“
„Für die Zielgruppe X liegen in der gesichteten Literatur kaum empirische Erkenntnisse vor...“

Typische Fehler vermeiden

Zwei Formulierungen einer Forschungslücke im Vergleich, „keine Studien“ ist zu pauschal, „in der gesichteten Literatur“ ist präzise und belegt.

Ist das schon eine Problemstellung?

Diese Abgrenzung hilft dir zu prüfen, ob du eine echte Problemstellung formuliert hast:

Problemstellung (Beschreibung): Beschreibt Relevanz, Lücke und Bedarf. Begründet die Untersuchung über die Frage hinaus.

Zu vage

„Die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema.“

Wissenschaftlich

„Die Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse. Für ältere Mitarbeitende bleibt die Akzeptanz jedoch unterbeleuchtet. Daher besteht Bedarf...“

Forschungsfrage (prüfbar): Konkret, untersuchbar. Benennt Gegenstand und Kontext, bei empirischen Studien auch relevante Variablen und Zielgruppen.

Zu vage

„Was beeinflusst die Digitalisierung?“

Wissenschaftlich

„Welche Faktoren beeinflussen die Akzeptanz digitaler Tools bei Mitarbeitenden über 50 Jahren im Mittelstand?“

Zielsetzung (Ergebnis): Ergebnisabsicht („Ziel ist es...“), nicht die Begründung.

Zu unkonkret

„Ziel ist es, die Forschungslücke zu schließen.“

Korrekt

„Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für altersgerechte Digitalisierungsstrategien abzuleiten.“

Häufige Fehler und wie du sie behebst

Forschungslücke nicht belegen: Viele behaupten eine Forschungslücke, ohne sie zu belegen. Auch eine systematische Recherche rechtfertigt nicht automatisch die absolute Aussage „Es gibt keine Studien zu X“. Beschreibe stattdessen, was du innerhalb deiner dokumentierten Suche gefunden hast. Zeige durch Verweise auf den Forschungsstand, was existiert, und benenne dann präzise, was offen bleibt.

Formulierungsfallen bei der Forschungslücke

Vermeide absolute Aussagen, die du nicht beweisen kannst. Nutze stattdessen präzise Formulierungen:

Falle

„Es gibt keine Studien zu diesem Thema.“ Problem: Zu pauschal und oft faktisch falsch.

Präziser

„In der gesichteten Literatur finden sich kaum empirische Untersuchungen zur Altersgruppe über 50 Jahren im deutschen Mittelstand.“

Falle

„Dieses Thema wurde noch nicht erforscht.“ Problem: Wirkt oft wie mangelnde Recherche.

Präziser

„Bisherige Studien konzentrieren sich auf quantitative Befragungen, während qualitative Ansätze zu Bewältigungsstrategien bisher kaum vertreten sind.“

  • Zu allgemeine Relevanz

    Problem: Aussagen wie „Das Thema ist wichtig“ oder „Die Digitalisierung betrifft alle“ sind zu vage.

    So behebst du es: Konkretisiere: Für wen ist das Thema wichtig? Warum gerade jetzt? Welche Konsequenzen hat das Problem?

  • Problemstellung und Forschungsfrage vermischen

    Problem: Die Problemstellung begründet das Problem, die Forschungsfrage benennt das konkrete Erkenntnisinteresse. Eine Frage allein ersetzt daher keine Problembegründung.

    So behebst du es: Zeige zuerst, warum die Frage wissenschaftlich relevant ist, und formuliere dann klar, was du untersuchst.

  • Forschungsbedarf nicht begründen

    Problem: Es reicht nicht zu sagen, dass eine Lücke existiert. Ohne Begründung, warum sie geschlossen werden sollte, bleibt die Problemstellung unvollständig.

    So behebst du es: Erkläre, warum es wichtig ist, die Lücke zu schließen. Welchen Nutzen hat die Beantwortung? Für wen?

Problemstellung am Ende nicht anpassen: Viele schreiben die Problemstellung früh und passen sie nie an. Wenn sich im Schreibprozess der Fokus verschiebt, muss auch die Problemstellung aktualisiert werden. Prüfe am Ende, ob Problemstellung, Forschungsfrage und Fazit konsistent sind.

Schnellcheck: Problemstellung prüfen
  • Relevanz belegt? Belege durch aktuelle Quellen und Statistiken.

  • Lücke präzise? Klar benannt, was genau im Forschungsstand fehlt.

  • Bedarf begründet? Nutzen der Untersuchung für Wissenschaft/Praxis.

  • Logik-Check? Problemstellung führt logisch zur Forschungsfrage.

  • Form-Check? Problem begründet und konkrete Forschungsfrage klar erkennbar.

Nächste Schritte

Wenn deine Problemstellung die drei Elemente enthält und logisch aufgebaut ist, hast du das Fundament für deine Masterarbeit gelegt. Die nächsten Schritte bauen direkt darauf auf:

  1. Forschungsfrage formulieren: Leite aus der Forschungslücke ab, was du konkret untersuchen wirst. Die Forschungsfrage sollte so formuliert sein, dass ihre Beantwortung die beschriebene Lücke schließt.
  2. Zielsetzung ableiten: Formuliere, was du mit der Beantwortung der Forschungsfrage erreichen willst. Das Ziel beschreibt das angestrebte Ergebnis, zum Beispiel die Entwicklung von Handlungsempfehlungen.
  3. Umfang eingrenzen: Prüfe, ob deine Problemstellung zu breit ist. Wenn du mehr als zwei Teilfragen brauchst, prüfe, ob sie gemeinsam ein klar eingegrenztes Hauptproblem bearbeiten oder ob du mehrere eigenständige Projekte planst.
  4. Erste Gliederungsskizze: Die Gliederung ergibt sich aus der Forschungsfrage und der gewählten Methode. Falls du noch am Anfang stehst, ist das Exposé der richtige Ort, um alles erstmals zusammenzuführen.

Ist deine Arbeit fertig geschrieben, kannst du deine Masterarbeit drucken und binden lassen. Bei BachelorHero findest du passende Bindungsoptionen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Problemstellung und Forschungsfrage?

Die Problemstellung beschreibt das Problem und begründet, warum es relevant ist. Sie zeigt die Forschungslücke auf. Die Forschungsfrage baut darauf auf und formuliert konkret, was du untersuchen wirst. Die Problemstellung ist das Warum, die Forschungsfrage ist das Was.

Wie belege ich eine Forschungslücke, ohne „es gibt keine Studien“ zu schreiben?

Zeige zunächst, was existiert, und benenne dann präzise, was offen bleibt. Formuliere relativ: „In der gesichteten Literatur finden sich kaum Untersuchungen zu X im Kontext Y“ oder „Bisherige Studien konzentrieren sich auf A, vernachlässigen jedoch B“. Belege diese Einordnung mit den ausgewerteten Quellen und erläutere, welchen Bereich deine Recherche abdeckt. Die Formulierung allein ist noch kein Beleg für eine Forschungslücke.

Wie mache ich aus einer Problemstellung eine prüfbare Forschungsfrage?

Identifiziere in deiner Problemstellung die Lücke und formuliere sie als W-Frage. Ergänze dann: Was genau untersuchst du, etwa eine Variable oder ein theoretisches Konzept? Bei wem oder anhand welcher Literatur? In welchem Kontext? Prüfe: Lässt sich die Frage mit deiner Methode und den verfügbaren Daten beantworten? Wenn ja, ist sie prüfbar.

Wo steht die Problemstellung in der Masterarbeit?

Die Problemstellung steht in der Einleitung, typischerweise nach der Hinführung zum Thema und vor der Forschungsfrage. Sie bildet die Brücke zwischen dem allgemeinen Themenfeld und deiner konkreten Untersuchung.

Wie lang sollte die Problemstellung sein?

Als Orientierung kannst du für die Problemstellung ein bis zwei Absätze mit etwa 100 bis 300 Wörtern planen. Die genaue Länge hängt von der Komplexität des Themas ab und variiert je nach Fach, Lehrstuhl und Betreuung. Wichtiger als die Wortzahl ist, dass alle drei Elemente enthalten sind: Relevanz, Forschungslücke, Forschungsbedarf.

Kann ich die Problemstellung auch als Frage formulieren?

Die Problemstellung erläutert das Problem und begründet den Forschungsbedarf. Dabei können auch direkte oder indirekte Fragen vorkommen, wenn sie die offene Frage verdeutlichen. Entscheidend ist, dass du das Problem begründest und die konkrete Forschungsfrage klar erkennbar formulierst.

Muss ich für die Problemstellung Quellen angeben?

Ja, die Problemstellung sollte wissenschaftlich fundiert sein. Belege die Relevanz des Themas mit aktuellen Zahlen oder Studien. Die Forschungslücke leitest du aus dem Forschungsstand ab und solltest entsprechende Quellen nennen, die zeigen, was bisher untersucht wurde.

Wann schreibe ich die Problemstellung?

Die erste Version entsteht früh, oft schon im Exposé. Die finale Formulierung steht meist nach Abschluss der Literaturrecherche, wenn du den Forschungsstand überblickst. Überarbeite die Problemstellung am Ende noch einmal, um sicherzustellen, dass sie zum tatsächlichen Inhalt passt.

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