Kalender 2026-01-17

Forschungsstand in der Masterarbeit: Aufbau, Quellen und Formulierungen

Forschungsstand in der Masterarbeit: Aufbau, Quellen und Formulierungen | BachelorHero

Inhaltsverzeichnis

Der Forschungsstand zeigt, was die Wissenschaft bereits zu deinem Thema weiß. Du fasst die wichtigsten Studien zusammen, ordnest sie kritisch ein und arbeitest heraus, welche Fragen noch offen sind. So legst du das Fundament für deine eigene Forschungsfrage und zeigst, warum deine Arbeit einen Beitrag leistet.

Kurzantwort

Der Forschungsstand fasst systematisch zusammen, was zu deinem Thema bereits erforscht wurde. Er mündet typischerweise in eine Forschungslücke, einen theoretischen Rahmen oder die Herleitung deiner Hypothesen.

Auf einen Blick

Aufbau: Einleitung mit Zielsetzung → thematische Blöcke → kritische Synthese → Forschungslücke, theoretischer Rahmen oder Hypothesen als Überleitung.

Umfang: Typischerweise 15 bis 25 % der Arbeit (bei 80 Seiten: 12 bis 20 Seiten). Vorgaben variieren je nach Hochschule und Fach.

Was ist der Forschungsstand?

Das Kapitel erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: Es beweist, dass du dein Fachgebiet kennst. Es liefert die theoretische Basis für deine Arbeit. Und es begründet, warum deine Forschungsfrage relevant ist. Ohne einen soliden Forschungsstand bleibt unklar, welchen Beitrag deine Masterarbeit leistet.

Typische Inhalte:

  • Zentrale Theorien und Modelle, die dein Thema rahmen.
  • Empirische Studien mit ihren Methoden, Stichproben und Ergebnissen.
  • Kontroversen und Widersprüche zwischen verschiedenen Ansätzen.
  • Am Ende steht je nach Arbeitstyp eine Forschungslücke, ein begründeter theoretischer Rahmen oder die Herleitung von Hypothesen – in jedem Fall die Überleitung zu deiner eigenen Untersuchung.
Begriffsabgrenzung

Forschungsstand und Literaturreview werden oft synonym verwendet. Der Theorieteil erklärt dagegen die Konzepte und Modelle, auf denen deine Arbeit aufbaut. State of the Art betont den aktuellen Wissensstand.

Wann reicht ein „normaler" Forschungsstand? In den meisten Masterarbeiten genügt eine nachvollziehbare, aber nicht formalisierte Recherche. Dokumentiere, welche Datenbanken du genutzt hast und welchen Zeitraum du abgedeckt hast. Ein Systematic Review mit formalisiertem Protokoll und strukturierter Dokumentation (z.B. PRISMA-Flowchart als verbreitetes Beispiel) ist vor allem dann sinnvoll, wenn das Review selbst die Forschungsmethode ist. Die Anforderungen an Dokumentationstiefe und Formalisierung variieren stark je nach Fach und Betreuung – kläre sie daher früh ab.

Forschungsstand erstellen: Vorgehen in 7 Schritten

Ein systematisches Vorgehen spart Zeit und stellt sicher, dass du keine wichtigen Arbeiten übersiehst. Die folgenden sieben Schritte führen dich von der ersten Recherche bis zur fertigen Synthese.

Workflow für den Forschungsstand: von der Recherche zur Synthese | BachelorHero
Workflow in 7 Schritten
1

Suchraum definieren: Lege Zeitraum, Sprachen und Fachgebiete fest. Zeitfenster je nach Fach: schnelllebige Felder (KI, Digitalisierung) 3 bis 5 Jahre, viele Fächer 5 bis 10 Jahre, Klassiker und Theorie-Diskurse auch deutlich älter. Orientiere dich an den Konventionen deines Fachs.

2
Suchbegriffe entwickeln: Erstelle Suchstrings mit Synonymen und Varianten. Schema: ([Kernbegriff] OR [Synonym]) AND ([Kontext] OR [Variante]) AND [Eingrenzung]. Beispiel: ("digital transformation" OR "digitalization") AND ("SME" OR "small business" OR "Mittelstand") AND "employee acceptance".
3

Datenbanken durchsuchen: Starte mit Google Scholar für den Überblick, dann fachspezifische Datenbanken (JSTOR, EBSCO, PubMed, IEEE Xplore etc.).

4

Screening durchführen: Erst Titel und Abstract prüfen, dann relevante Volltexte lesen. Dokumentiere Ein- und Ausschlussgründe.

5

Literaturmatrix anlegen: Erfasse für jede Quelle: Kontext, Methode, Sample, Kernergebnis, Limitation, Relevanz für deine Frage.

6

Thematische Cluster bilden: Gruppiere die Quellen nach inhaltlichen Schwerpunkten. Diese Cluster werden später deine Unterkapitel.

7

Synthese schreiben: Vergleiche die Ergebnisse innerhalb der Cluster, zeige Übereinstimmungen und Widersprüche, leite die Überleitung ab (Forschungslücke, theoretischer Rahmen oder Hypothesen).

Dieser Workflow ist iterativ: Während des Lesens findest du über Literaturverzeichnisse (Schneeballsystem) und Zitationssuche (Vorwärtssuche) weitere relevante Quellen. Aktualisiere deine Literaturmatrix kontinuierlich.

Mini-Template: Vom Cluster zum Absatz

So baust du aus 2 bis 3 Studien eines Clusters einen Synthese-Absatz:

1. Befundlage einleiten: „Mehrere Studien haben [Thema] untersucht."

2. Ergebnisse vergleichen: „Während A (Jahr) zeigt, dass..., findet B (Jahr)..."

3. Grenzen benennen: „Beide Studien beschränken sich jedoch auf..."

4. Zwischenfazit ziehen: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass..."

5. Zur Überleitung: „Offen bleibt, inwiefern... / Daraus ergibt sich folgende Hypothese: ... / Als theoretischer Rahmen dient..."

Aufbau des Forschungsstands in vier Teilen

Aufbau des Forschungsstands: Einleitung, thematische Blöcke, Synthese, Forschungslücke | BachelorHero

Ein gut strukturierter Forschungsstand führt Lesende systematisch durch die relevante Literatur. Die folgende Struktur hat sich in vielen Fächern bewährt, kann aber je nach Hochschule und Thema angepasst werden.

Teil 1: Einleitung des Forschungsstands

Du erklärst, was in diesem Kapitel behandelt wird, nach welchen Kriterien du Literatur ausgewählt hast und wie das Kapitel gegliedert ist. Ein bis zwei Absätze reichen aus.

Beispiel

„Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Mitarbeiterakzeptanz bei digitalen Transformationsprojekten. Der Fokus liegt auf empirischen Studien seit 2015, ergänzt durch ältere Grundlagenwerke zur Technologieakzeptanz. Zunächst werden theoretische Modelle dargestellt, bevor zentrale Einflussfaktoren aus der Forschung zusammengefasst werden."

Stolperstelle: Direkt mit der ersten Studie beginnen, ohne die Gliederung des Kapitels zu erklären.

Teil 2: Thematische Blöcke

Du gruppierst die Literatur nach Themen, nicht nach einzelnen Quellen. Jeder Block behandelt einen Aspekt deines Themas und fasst mehrere Studien zusammen. Die Blöcke sollten aufeinander aufbauen und zur Überleitung (Forschungslücke, Rahmen oder Hypothesen) hinführen.

Mögliche Gliederung

Block A: Theoretische Modelle (z.B. Technology Acceptance Model)

Block B: Empirische Studien zu Einflussfaktoren

Block C: Studien zum spezifischen Kontext (z.B. Mittelstand)

Stolperstelle: Quellen einzeln nacheinander abhandeln („A (2019) sagt..., B (2020) sagt...") statt thematisch zu gruppieren.

Teil 3: Kritische Synthese

Du vergleichst die Ergebnisse, zeigst Übereinstimmungen und Widersprüche auf und ordnest die Befunde kritisch ein. Hier beweist du wissenschaftliche Reife, indem du nicht nur referierst, sondern auch bewertest.

Beispiel

„Während Kim (2019) und Park (2021) übereinstimmend die Führungskultur als zentralen Erfolgsfaktor identifizieren, zeigt die Studie von Lee (2020) einen stärkeren Einfluss technischer Faktoren. Diese Diskrepanz lässt sich möglicherweise auf unterschiedliche Branchenkontexte zurückführen."

Stolperstelle: Nur referieren, ohne die Quellen miteinander in Beziehung zu setzen oder kritisch einzuordnen.

Kritische Synthese im Forschungsstand: Befunde vergleichen und einordnen | BachelorHero
Teil 4: Überleitung zur eigenen Forschung

Je nach Arbeitstyp formulierst du hier eine Forschungslücke, einen begründeten theoretischen Rahmen oder Hypothesen. Dieser Teil bildet die Brücke zur Forschungsfrage und Methodik und zeigt, warum deine Arbeit einen Beitrag leistet.

Beispiel: Forschungslücke

„Die dargestellten Studien konzentrieren sich überwiegend auf Großunternehmen. Für mittelständische Unternehmen, die sich durch andere Ressourcen und Strukturen auszeichnen, fehlen bislang differenzierte Analysen. Hier setzt die vorliegende Arbeit an."

Beispiel: Hypothese

„Auf Basis der dargestellten Befunde zur Rolle von Führungskräften lässt sich vermuten, dass dieser Zusammenhang auch in mittelständischen Unternehmen besteht. Hypothese 1 lautet daher: Je stärker die Führungskraft als Veränderungsagent auftritt, desto höher ist die Mitarbeiterakzeptanz."

Stolperstelle: Die Forschungslücke oder Hypothese nur behaupten, ohne sie aus dem Forschungsstand herzuleiten.

Quellen für den Forschungsstand finden

Die Literaturrecherche folgt dem Workflow aus Schritt 1 bis 4. Hier findest du Details zu den wichtigsten Datenbanken und Quellenarten.

Quellen für den Forschungsstand: Datenbanken, Suchstrategien und Quellenarten | BachelorHero

Datenbanken nach Fach:

  • Google Scholar für den Einstieg und Zitationszahlen.
  • JSTOR und EBSCO für Sozial- und Geisteswissenschaften.
  • PubMed für Medizin und Life Sciences.
  • IEEE Xplore und ACM Digital Library für Informatik und Ingenieurwesen.
  • Web of Science und Scopus für fachübergreifende Suchen mit Zitationsanalyse.
  • Der Bibliothekskatalog deiner Hochschule gibt Zugang zu lizenzierten Volltexten.

Quellenarten und ihre Funktion:

  • Peer-reviewed Fachartikel bilden den Kern, weil sie Qualitätskontrolle durchlaufen haben.
  • Monografien liefern vertiefte Darstellungen und eignen sich für theoretische Grundlagen.
  • Review-Artikel und Meta-Analysen sind besonders hilfreich, weil sie den Forschungsstand bereits aufbereiten.
  • Dissertationen zeigen, was kürzlich erforscht wurde und wo Lücken gesehen werden – ihre Gewichtung als Beleg variiert jedoch je nach Fach.

Screening-Beispiel: Nach der Datenbanksuche hast du 200 Treffer. Beim Titel-Screening schließt du aus: keine empirische Studie, falscher Kontext (z.B. anderes Land), falsche Zielgruppe. Übrig bleiben 80. Beim Abstract-Screening prüfst du: Passt die Methode? Ist das Sample relevant? Ist die Studie aktuell genug? Übrig bleiben 35 für die Volltextlektüre. Dokumentiere deine Kriterien, damit du sie im Methodenteil oder in einer Fußnote nennen kannst.

Tipp: Literaturmatrix von Anfang an

Nutze von Anfang an die Literaturmatrix aus den Vorlagen unten. Trage jede relevante Quelle sofort ein, statt sie später mühsam zu rekonstruieren. Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Zotero oder Mendeley helfen beim Organisieren. Mehr zur systematischen Suche findest du im Artikel zur Literaturrecherche.

Forschungsstand schreiben: Formulierungen und Beispiele

Das Schreiben des Forschungsstands erfordert einen neutralen, sachlichen Stil. Du referierst die Erkenntnisse anderer, nicht deine eigene Meinung. Gleichzeitig sollst du aber auch einordnen und bewerten, was eine Balance zwischen Distanz und Positionierung verlangt.

Formulierungen zum Referieren

„Schmidt (2020) untersucht den Zusammenhang zwischen X und Y."

„Die Ergebnisse von Park et al. (2021) deuten darauf hin, dass..."

„Laut Kim (2019) spielt die Führungskultur eine zentrale Rolle bei..."

„In einer Studie mit 500 Teilnehmenden konnte gezeigt werden, dass..."

Formulierungen zum Vergleichen

„Während Bauer (2019) einen positiven Zusammenhang findet, kommt Hoffmann (2020) zu einem differenzierteren Ergebnis."

„Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit den Befunden von Lee et al. (2021)."

„Im Gegensatz zu früheren Studien berücksichtigt diese Untersuchung auch..."

Formulierungen zur kritischen Einordnung

„Die Generalisierbarkeit dieser Ergebnisse ist eingeschränkt, da die Studie nur kleine Unternehmen untersuchte."

„Methodisch ist anzumerken, dass die Stichprobe nicht repräsentativ war."

„Diese Perspektive greift zu kurz, da sie den Faktor X nicht berücksichtigt."

Ausgewogenes Beispiel für einen thematischen Absatz:

Beispielabsatz: Synthese statt Aufzählung
Aufzählung (vermeiden)

„Kim (2019) untersuchte Führungskräfte. Park et al. (2021) untersuchten ebenfalls Führungskräfte. Lee (2020) fand heraus, dass Führungskräfte wichtig sind."

Synthese (anstreben)

„Die Rolle der Führungskräfte bei digitalen Transformationsprojekten wurde in mehreren Studien untersucht. Kim (2019) zeigt in einer qualitativen Studie mit 25 Interviews, dass Führungskräfte als Veränderungsagenten eine Schlüsselrolle einnehmen. Dieses Ergebnis bestätigen Park et al. (2021) in einer quantitativen Erhebung mit 320 Teilnehmenden, wobei sie zusätzlich zwischen transformationaler und transaktionaler Führung differenzieren. Beide Studien konzentrieren sich jedoch auf Großunternehmen. Inwiefern diese Erkenntnisse auf mittelständische Unternehmen übertragbar sind, bleibt offen."

Beispiel: Von der Synthese zur Hypothese

Synthese (2–3 Sätze):

Die Studien von Kim (2019) und Park et al. (2021) zeigen übereinstimmend, dass aktives Führungsverhalten die Akzeptanz digitaler Tools fördert. Beide Untersuchungen beschränken sich jedoch auf Großunternehmen.

Hypothese (1 Satz):

„H1: Aktives Führungsverhalten wirkt sich auch in mittelständischen Unternehmen positiv auf die Mitarbeiterakzeptanz digitaler Tools aus."

Überleitung ins Methodenkapitel: „Zur Prüfung dieser Hypothese wird im folgenden Kapitel das methodische Vorgehen erläutert."

Unterschiede je nach Fach und Arbeitstyp

Die Anforderungen an den Forschungsstand variieren je nach Fachbereich. Was in der Psychologie Standard ist, kann in der Literaturwissenschaft unüblich sein. Hier ein Überblick über typische Unterschiede.

Forschungsstand je nach Fachbereich: typische Unterschiede im Überblick | BachelorHero
Empirische Sozialwissenschaften und Psychologie

Fokus auf quantitative und qualitative Studien der letzten 5 bis 10 Jahre. Primärstudien mit klarer Methodik stehen im Zentrum. Review-Artikel und Meta-Analysen sind besonders wertvoll. Theoretische Modelle (z.B. Technology Acceptance Model) werden knapp vorgestellt und dann empirisch geprüft. Die Forschungslücke ergibt sich oft aus fehlenden Kontexten, Stichproben oder Moderatorvariablen.

Geisteswissenschaften und Kulturwissenschaften

Klassiker und Grundlagenwerke haben auch nach Jahrzehnten Gewicht. Der Diskurs über Theorien und Interpretationsansätze steht im Zentrum, weniger die Replikation empirischer Befunde. Monografien und Sammelbände sind oft wichtiger als Zeitschriftenartikel. Die Forschungslücke kann eine neue Perspektive auf bekanntes Material sein oder die Anwendung einer Theorie auf einen neuen Gegenstand.

Ingenieurwissenschaften und Informatik

Aktualität ist entscheidend, besonders bei schnelllebigen Themen wie KI oder Cloud Computing. Konferenzbeiträge (IEEE, ACM) sind oft wichtiger als Journalartikel, weil sie aktueller sind. Der Fokus liegt auf technischen Lösungen, Benchmarks und Vergleichen. Standards und Best Practices können Teil des Forschungsstands sein. Die Forschungslücke ist oft ein ungelöstes technisches Problem oder ein fehlender Vergleich.

Theoretische vs. empirische Arbeit:

  • Theoretische Arbeiten: Herleitung und Diskussion von Konzepten stehen im Vordergrund. Der Forschungsstand zeigt, wie sich Theorien entwickelt haben und wo Inkonsistenzen bestehen.
  • Empirische Arbeiten: Fokus auf bisherigen Studien, deren Ergebnissen und methodischen Ansätzen. Die Forschungslücke betrifft oft fehlende Daten oder ungeprüfte Zusammenhänge.

Schnellcheck und Vorlagen

Schnellcheck: Habe ich genug Literatur?

Kernarbeiten abgedeckt: Kennst du die meistzitierten Studien zu deinem Thema? Google Scholar zeigt Zitationszahlen.

Verschiedene Perspektiven: Hast du unterschiedliche Schulen, Methoden oder Ergebnisse erfasst, nicht nur eine Richtung?

Schlüsselstudien erkannt: Hohe Zitationszahlen, Publikation in renommierten Journals oder Top-Konferenzen, zentrale Datensätze oder Benchmarks.

Aktualität passend zum Fach: In schnelllebigen Feldern (KI, Digital) die letzten 3 bis 5 Jahre, in anderen Fächern entsprechend den Konventionen.

Review-Artikel genutzt: Hast du systematische Reviews oder Meta-Analysen gelesen, die den Forschungsstand bereits aufbereiten?

Sättigung erreicht: Tauchen in neuen Quellen keine grundlegend neuen Erkenntnisse mehr auf?

Schnellcheck: Ist es Synthese statt Aufzählung?

Sind deine Absätze nach Themen gegliedert, nicht nach einzelnen Quellen?

Vergleichst du Ergebnisse miteinander (Übereinstimmungen, Widersprüche, Ergänzungen)?

Ordnest du Befunde kritisch ein (methodische Grenzen, Kontextabhängigkeit)?

Führen deine Absätze logisch zur Überleitung hin (Forschungslücke, Rahmen oder Hypothesen)?

Gliederungsvorlage für den Forschungsstand zum Kopieren:

Vorlage: Gliederung Forschungsstand
2. Forschungsstand (Beispielstruktur)

2.1 Einleitung und Überblick

Zielsetzung des Kapitels, Auswahlkriterien, Struktur der Darstellung

2.2 [Thematischer Block A]

z.B. Theoretische Grundlagen, Modelle, Definitionen

2.3 [Thematischer Block B]

z.B. Empirische Befunde zu Einflussfaktor 1

2.4 [Thematischer Block C]

z.B. Empirische Befunde zu Einflussfaktor 2

2.5 Kritische Synthese und Überleitung

Vergleich der Befunde, Forschungslücke / theoretischer Rahmen / Hypothesen, Überleitung zur Forschungsfrage

Literaturmatrix-Vorlage mit den wichtigsten Spalten:

Vorlage: Literaturmatrix

Erstelle eine Tabelle (Excel, Notion, Citavi) mit diesen Spalten:

Quelle | Kontext | Methode | Sample | Kernergebnis | Limitation | Relevanz | Cluster

Beispielzeile: Kim (2019) | Digitalisierung in KMU | Qualitativ (n=25) | Führungskräfte | Change Agents sind zentraler Erfolgsfaktor | Nur Großunternehmen untersucht | Hohe Relevanz für H1 | Block B

Forschungslücke aus dem Forschungsstand ableiten

Die Forschungslücke ergibt sich logisch aus deiner Darstellung des Forschungsstands. Du hast gezeigt, was bekannt ist, und arbeitest nun heraus, was noch fehlt. Je nach Arbeitstyp kann die Überleitung aber auch ein theoretischer Rahmen oder die Herleitung von Hypothesen sein. In jedem Fall rechtfertigt dieser Abschluss, warum deine Masterarbeit einen Beitrag leistet.

Vier Typen von Forschungslücken:

  • Eine Kontextlücke liegt vor, wenn ein Phänomen in Kontext A, aber nicht in Kontext B untersucht wurde (z.B. Großunternehmen vs. Mittelstand).
  • Eine methodische Lücke bedeutet, dass bisher nur mit Methode A gearbeitet wurde (z.B. nur qualitativ, nicht quantitativ).
  • Eine theoretische Lücke entsteht, wenn ein Modell noch nicht auf einen neuen Bereich angewendet wurde.
  • Eine Widerspruchslücke zeigt sich, wenn Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und Klärung nötig ist.
Worked Example: Von der Synthese zur Lücke

Befunde aus der Synthese:

Kim et al. (2022) zeigen einen positiven Einfluss von Führungsverhalten auf die Akzeptanz digitaler Tools (n=280, Großunternehmen, USA). Park & Lee (2021) bestätigen diesen Zusammenhang für den koreanischen Markt (n=450, Konzerne). Beide Studien nutzen quantitative Befragungen und fokussieren Konzernstrukturen.

Formulierung der Kontextlücke:

„Die bisherigen Studien untersuchen ausschließlich Großunternehmen mit etablierten Hierarchien und Change-Management-Ressourcen. Inwiefern diese Befunde auf mittelständische Unternehmen übertragbar sind, die oft flachere Strukturen und begrenztere Ressourcen aufweisen, bleibt ungeklärt."

Die Argumentation sollte schlüssig sein: Das Kapitel zeigt, dass Frage X offen ist. Daher untersucht diese Arbeit genau diese Frage. Aus der Forschungslücke leitest du direkt deine Forschungsfrage ab. Alternativ: Aus dem theoretischen Rahmen oder deinen Hypothesen ergeben sich die Variablen und die Prüflogik fürs Methodenkapitel. So wird klar, welchen Beitrag deine Masterarbeit leistet.

Typische Fehler vermeiden

  • Quellen nur auflisten statt zu synthetisieren: Das Schema „A sagt X. B sagt Y. C sagt Z." ist der häufigste Fehler. Nutze die Schnellchecks oben, um zu prüfen, ob du wirklich vergleichst und einordnest.
  • Forschungslücke nur behaupten: Aussagen wie „Es gibt keine Studien zu diesem Thema" sind riskant. Beschreibe stattdessen konkret, welche Aspekte fehlen, und dokumentiere deine Recherche (Datenbanken, Suchstrings, Zeitraum).
  • Falsches Aktualitätsfenster: In der Informatik können 5 Jahre alte Studien veraltet sein, in der Philosophie sind 50 Jahre alte Klassiker relevant. Orientiere dich an den Konventionen deines Fachs und der Dynamik deines Thema.
  • Fehlender roter Faden: Die thematischen Blöcke sollten logisch aufeinander aufbauen. Nutze Überleitungen wie „Während die bisherigen Studien X untersucht haben, bleibt Y offen. Damit beschäftigt sich der folgende Abschnitt."

Nächster Schritt: Vom Forschungsstand zur eigenen Forschung

Wenn dein Forschungsstand die relevante Literatur systematisch darstellt, kritisch synthetisiert und eine klare Überleitung zur eigenen Forschung liefert – sei es eine Forschungslücke, ein theoretischer Rahmen oder begründete Hypothesen –, ist er inhaltlich abgeschlossen. Prüfe zum Abschluss, ob der rote Faden von der Einleitung über die thematischen Blöcke bis zur Überleitung nachvollziehbar ist.

Der nächste Schritt ist typischerweise das Methodenkapitel, in dem du dein Vorgehen zur Beantwortung der Forschungsfrage beschreibst. Die Forschungsmethoden sollten sich logisch aus der Fragestellung ergeben, die du aus dem Forschungsstand abgeleitet hast.

Wenn alles geschrieben und korrigiert ist, prüfe Formatierung und Zitierweise. Ein letzter Blick auf das Literaturverzeichnis stellt sicher, dass alle zitierten Quellen enthalten sind.

Für den Druck deiner Masterarbeit findest du bei BachelorHero verschiedene Bindungsoptionen. Ein Hardcover mit Prägung ist eine gängige Wahl für Masterarbeiten.

Häufig gestellte Fragen

Wie lang sollte der Forschungsstand in einer Masterarbeit sein?

Der Forschungsstand umfasst häufig 15 bis 25 Prozent der Arbeit, je nach Thema, Quellenlage und Fachbereich auch mehr oder weniger. Wichtiger als die Seitenzahl ist, dass alle relevanten Arbeiten systematisch erfasst und sinnvoll synthetisiert werden. Die konkreten Vorgaben deiner Hochschule und die Absprache mit deiner Betreuung haben Vorrang.

Was ist der Unterschied zwischen Forschungsstand und Literaturreview?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Der Forschungsstand beschreibt den aktuellen Wissensstand zu einem Thema. Das Literaturreview ist die systematische Methode, mit der du diesen Forschungsstand erarbeitest. In der Praxis meinen beide Begriffe meist dasselbe Kapitel. Verwandte Begriffe sind auch „State of the Art" oder „Literaturüberblick".

Wo steht der Forschungsstand in der Gliederung?

Das variiert je nach Fach und Betreuungspraxis. Häufig bildet der Forschungsstand ein eigenes Kapitel (meist Kapitel 2) oder ist Teil eines kombinierten Theorie- und Forschungsstandkapitels. In manchen Fächern steht er nach der Einleitung, in anderen nach dem Theorieteil. Kläre die Struktur früh mit deiner Betreuung ab.

Wie gehe ich mit widersprüchlichen Studien um?

Widersprüche sind wertvoll, weil sie eine Forschungslücke aufzeigen können. Analysiere zunächst, woher die Unterschiede kommen: andere Methode, anderes Sample, anderer Kontext, andere Operationalisierung? Stelle beide Positionen sachlich dar und ordne ein, welche Erklärung für die Diskrepanz plausibel ist. Das zeigt wissenschaftliche Reife.

Wie zitiere ich im Forschungsstand richtig?

Im Forschungsstand dominieren Paraphrasen, also sinngemäße Wiedergaben in eigenen Worten. Direkte Zitate sind selten und nur bei besonders prägnanten Definitionen oder Kernaussagen sinnvoll. Jede Aussage, die nicht von dir stammt, braucht einen Beleg. Nutze dabei den Zitierstil, den dein Fachbereich vorgibt (APA, Harvard, Fußnoten etc.).

Wie viele Quellen brauche ich für den Forschungsstand?

Die Anzahl variiert stark nach Thema, Fach und Quellenlage. Wichtiger als die Quantität ist die Abdeckung: Hast du die Kernarbeiten zum Thema erfasst? Sind verschiedene Perspektiven und Schulen vertreten? Sind aktuelle Schlüsselstudien dabei? Diese Fragen sind aussagekräftiger als eine feste Zahl.

Gehören nur wissenschaftliche Quellen in den Forschungsstand?

Primär solltest du wissenschaftliche Quellen wie Fachartikel, Monografien und Sammelbände nutzen. Je nach Thema können auch Statistiken, Berichte von Institutionen oder graue Literatur relevant sein. Populärwissenschaftliche Texte, Blogs oder Wikipedia gehören nicht in den Forschungsstand, können aber als Einstieg zur Recherche dienen.

Wie aktuell müssen die Quellen im Forschungsstand sein?

Grundlagenwerke und Klassiker des Fachgebiets dürfen älter sein. Aktuelle Studien der letzten fünf bis zehn Jahre sollten aber den Schwerpunkt bilden. Das genaue Zeitfenster hängt vom Fach ab: In schnelllebigen Feldern wie KI oder Digitalisierung veralten Studien schneller als in etablierten geisteswissenschaftlichen Diskursen.

Darf ich kritisieren, was andere Forschende geschrieben haben?

Ja, sogar erwünscht. Kritische Einordnung zeigt wissenschaftliche Reife. Achte aber auf sachliche, begründete Kritik. Formulierungen wie „Studie X weist methodische Grenzen auf, da..." oder „Die Ergebnisse von Y lassen sich nur eingeschränkt übertragen, weil..." sind angemessen. Pauschale Abwertungen oder emotionale Urteile vermeiden.

Was mache ich, wenn ich keine klare Forschungslücke finde?

Nicht jede Arbeit braucht eine klassische Forschungslücke. Du kannst stattdessen Hypothesen aus dem Forschungsstand ableiten und im Methodenteil prüfen. Oder du baust einen theoretischen Rahmen auf, der bekannte Konzepte neu kombiniert. Prüfe außerdem, ob du eine Kontextlücke (anderer Kontext), methodische Lücke (andere Methode) oder Widerspruchslücke (ungeklärte Diskrepanz) übersehen hast. Im Zweifel: Früh mit der Betreuung sprechen.

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