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Die Zielsetzung deiner Masterarbeit erklärt, was du mit deiner Forschung erreichen willst, welches Erkenntnisinteresse dich leitet und welchen Beitrag deine Arbeit leistet. Sie steht in der Einleitung und gibt deiner Arbeit von Anfang an eine klare Richtung. Hier erfährst du, wie du eine präzise Zielsetzung formulierst, mit kopierbarer Vorlage und Beispielen für verschiedene Arbeitstypen.
Zielsetzung = Forschungsziel (Verb + Scope) + Erkenntnisinteresse + Beitrag (theoretisch und/oder
praktisch).
Ort: Einleitung, nach der Hinführung, nah an der Forschungsfrage.
Umfang: 4 bis 6 präzise Sätze. Vorgaben variieren je nach Studiengang.
Was ist die Zielsetzung einer Masterarbeit?
Die Zielsetzung beantwortet eine zentrale Frage: Was willst du mit deiner Masterarbeit erreichen? Sie ist mehr als eine bloße Themenankündigung. Die Zielsetzung macht deutlich, welches Ergebnis du anstrebst und warum dieses Ergebnis relevant ist. Sie steht in der Einleitung, oft direkt vor oder nach der Forschungsfrage.
Eine gute Zielsetzung ist konkret, überprüfbar und realistisch. Sie verspricht nicht mehr, als du einlösen kannst, und sie bleibt nicht so vage, dass Lesende nicht wissen, worauf die Arbeit hinauswill. Je präziser du formulierst, desto klarer wird dein roter Faden durch den Hauptteil bis zum Fazit.
Aufbau: Die drei Bausteine der Zielsetzung
Eine vollständige Zielsetzung besteht aus drei Bausteinen, die aufeinander aufbauen. Du beschreibst, was du untersuchst, warum du es untersuchst und was der Mehrwert deiner Arbeit ist. Diese Struktur hilft dir, nichts Wichtiges zu vergessen.
Das Forschungsziel beschreibt konkret, was du mit deiner Arbeit untersuchst oder entwickelst. Es beantwortet die Frage: Was genau mache ich?
Beschreibend: „Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen X und Y zu analysieren."
Entwickelnd: „Ziel ist die Entwicklung eines Frameworks zur Bewertung von Z."
Stolperstelle: Zu vage formulieren. „Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema X" ist keine Zielsetzung, sondern eine Themennennung.
Das Erkenntnisinteresse erklärt, welche Art von Wissen du gewinnen willst. Es beantwortet die Frage: Welche Erkenntnis strebe ich an?
Erklärend: „Dabei soll erklärt werden, warum Unternehmen trotz bekannter Risiken an dieser Strategie festhalten."
Explorativ: „Die Arbeit will herausfinden, welche Faktoren den Erfolg von X beeinflussen."
Stolperstelle: Erkenntnisinteresse vergessen. Ohne diese Komponente bleibt unklar, warum dein Forschungsziel überhaupt relevant ist.
Der Beitrag beschreibt den Mehrwert deiner Arbeit für Wissenschaft oder Praxis. Er beantwortet die Frage: Was ist der Nutzen meiner Ergebnisse?
Theoretisch: „Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Theorieentwicklung im Bereich X leisten."
Praktisch: „Für die Praxis sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die Unternehmen bei der Umsetzung von Y unterstützen."
Stolperstelle: Übertreiben. Versprich keinen Paradigmenwechsel, wenn du einen soliden Teilbeitrag leistest.
Die drei Bausteine müssen nicht in dieser Reihenfolge stehen. Viele Arbeiten beginnen mit dem Erkenntnisinteresse, leiten daraus das Forschungsziel ab und schließen mit dem Beitrag. Wichtig ist, dass alle drei Elemente vorkommen und logisch zusammenhängen. Eine bewährte Struktur: 1 Hauptziel und bei Bedarf 1 bis 2 unterstützende Teilziele.
Vorlage zum Kopieren
Mit dieser Vorlage kannst du deine Zielsetzung Schritt für Schritt aufbauen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine eigenen Inhalte. Die Struktur funktioniert für verschiedene Arbeitstypen.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, [Untersuchungsgegenstand/Scope] mithilfe von [Methode/Datengrundlage] zu [Verb: analysieren/untersuchen/entwickeln/evaluieren]. Dabei soll [Erkenntnisinteresse: erklärt/verstanden/herausgefunden werden, warum/wie/welche...]. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag leisten zu [theoretischer Beitrag: Theorieentwicklung / Forschungsstand / Modellierung] und/oder [praktischer Beitrag: Handlungsempfehlungen / Optimierung / Entscheidungshilfe für...].
Für das Forschungsziel eignen sich Verben, die konkret beschreiben, was du tust: analysieren, untersuchen, entwickeln, evaluieren, vergleichen, identifizieren, systematisieren. Für das Erkenntnisinteresse helfen Wendungen wie „Dabei soll erklärt werden, warum...", „Die Arbeit will verstehen, wie...", „Es soll herausgefunden werden, welche...". Für den Beitrag formulierst du realistisch: „Die Ergebnisse erweitern den Forschungsstand zu..." oder „Für die Praxis ergeben sich Implikationen für...". Bei reinen Literaturarbeiten reicht oft ein theoretischer Beitrag.
Lies die Zielsetzung nach dem Schreiben deiner Arbeit noch einmal. Passt sie noch zu dem, was du tatsächlich gemacht hast? Oft verschiebt sich der Fokus während des Forschungsprozesses. Passe die Zielsetzung entsprechend an, damit Einleitung und Fazit zusammenpassen.
Zielsetzung nach Arbeitstyp
Je nach Arbeitstyp unterscheidet sich die Zielsetzung in Fokus und Formulierung. Hier findest du drei realistische Beispiele, die zeigen, worauf es bei verschiedenen methodischen Ansätzen ankommt.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss von Remote-Arbeit auf die Mitarbeiterzufriedenheit in deutschen IT-Unternehmen zu untersuchen. Mithilfe einer standardisierten Online-Befragung (n=300) soll analysiert werden, welche Faktoren die Zufriedenheit positiv oder negativ beeinflussen. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Forschung über New Work leisten und Personalverantwortlichen evidenzbasierte Gestaltungsempfehlungen bieten.
Warum funktioniert das: Konkrete Methode (Befragung mit Stichprobengröße), klarer Untersuchungsgegenstand (Remote-Arbeit, IT-Unternehmen), messbares Erkenntnisziel (Einflussfaktoren), dualer Beitrag (Forschung + Praxis).
Ziel dieser Arbeit ist es, die Entscheidungsprozesse von Gründerinnen bei der Wahl ihrer Finanzierungsstrategie zu verstehen. Anhand von 12 leitfadengestützten Interviews soll exploriert werden, welche Motive, Barrieren und Kontextfaktoren die Finanzierungsentscheidung beeinflussen. Die Erkenntnisse sollen einen Beitrag zur Entrepreneurship-Forschung leisten und Förderprogramme bei der zielgruppengerechten Ausgestaltung unterstützen.
Warum funktioniert das: Explorativer Fokus (verstehen, explorieren), konkrete Methode (12 Interviews), offene Erkenntnisfrage (Motive, Barrieren, Kontextfaktoren), Beitrag mit Praxisbezug (Förderprogramme).
Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen Forschungsstand zu KI-gestützter Entscheidungsunterstützung im Gesundheitswesen systematisch aufzuarbeiten. Durch eine strukturierte Literaturanalyse (n=45 Publikationen) sollen zentrale Anwendungsfelder, Erfolgsfaktoren und offene Forschungsfragen identifiziert werden. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Systematisierung eines fragmentierten Forschungsfelds und zeigt Ansatzpunkte für zukünftige empirische Studien auf.
Warum funktioniert das: Klare Methode (strukturierte Literaturanalyse mit Korpusgröße), definierter Output (Anwendungsfelder, Erfolgsfaktoren, Forschungslücken), theoretischer Beitrag (Systematisierung), Anschlussfähigkeit (zukünftige Studien).
Mixed-Methods-Arbeiten kombinieren quantitative und qualitative Ansätze. Die Zielsetzung sollte dann beide Teile und deren Zusammenspiel benennen: „Ziel ist es, durch eine Kombination aus Fragebogenerhebung und vertiefenden Interviews sowohl die Verbreitung als auch die Hintergründe von X zu erfassen." Bei mehreren Teilfragen formulierst du ein übergeordnetes Hauptziel, das die Teilziele zusammenhält.
Abgrenzung zu anderen Elementen
In der Einleitung stehen mehrere Elemente nah beieinander: Problemstellung, Zielsetzung, Forschungsfrage und manchmal Hypothesen. Sie werden oft verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen.
Problemstellung vs. Zielsetzung: Die Problemstellung beschreibt, warum ein Thema relevant ist und welche Lücke oder welches Problem existiert. Sie motiviert deine Arbeit. Die Zielsetzung beschreibt, was du tun wirst, um diese Lücke zu adressieren. Typische Verwechslung: Studierende beschreiben ausführlich das Problem, nennen aber nicht das Ziel. Korrektur: Nach der Problemstellung explizit formulieren, was deine Arbeit erreichen will.
Forschungsfrage vs. Zielsetzung: Die Forschungsfrage ist eine Frage, die du beantwortest („Welche Faktoren beeinflussen X?"). Die Zielsetzung ist eine Aussage, die beschreibt, was du erreichen willst („Ziel ist es, die Einflussfaktoren auf X zu identifizieren"). Typische Verwechslung: Beide werden gleichgesetzt oder nur eines von beiden genannt. Korrektur: Wenn dein Lehrstuhl beides erwartet, nimm beide Elemente auf. Falls nur die Forschungsfrage verlangt wird, stelle trotzdem sicher, dass das Ziel und der Beitrag klar erkennbar sind.
Hypothesen vs. Zielsetzung: Hypothesen sind überprüfbare Annahmen, die du testest („H1: Remote-Arbeit erhöht die Zufriedenheit"). Die Zielsetzung ist übergeordnet und beschreibt das Gesamtziel der Arbeit. Typische Verwechslung: Hypothesen werden als Zielsetzung formuliert. Korrektur: Die Zielsetzung beschreibt das Erkenntnisziel, Hypothesen sind konkrete Annahmen, die du im Rahmen dieses Ziels prüfst. Bei explorativen Arbeiten ohne Hypothesen ist die Zielsetzung besonders wichtig.
Schnellcheck: Ist deine Zielsetzung gut?
Prüfe deine Zielsetzung anhand dieser Kriterien. Wenn du bei einem Punkt unsicher bist, findest du daneben die häufigste Ursache und eine konkrete Korrekturanweisung.
Vorher (vage): „Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung in Unternehmen."
Nachher (präzise): „Ziel dieser Arbeit ist es, die Erfolgsfaktoren der Digitalisierung in mittelständischen Produktionsunternehmen zu identifizieren [Scope + Verb]. Dabei soll analysiert werden, welche organisationalen Voraussetzungen eine erfolgreiche Transformation begünstigen [Erkenntnisinteresse]. Die Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für die Praxis liefern und einen Beitrag zur Forschung über digitale Transformation leisten [Beitrag]."
- Konkret: Ist klar, was genau du untersuchst? Warnsignal: Du verwendest nur das Thema ohne Verb. Korrektur: Ergänze ein konkretes Forschungsverb (analysieren, untersuchen, entwickeln) und den Scope.
- Überprüfbar: Kann man am Ende feststellen, ob du das Ziel erreicht hast? Warnsignal: Dein Ziel ist ein Prozess, kein Ergebnis. Korrektur: Formuliere ein messbares oder beobachtbares Ergebnis. Bei explorativen Zielen zählen auch Kategorien, Typologien, Modelle oder ein Set an Einflussfaktoren als überprüfbarer Output.
- Abgegrenzt: Ist klar, was du nicht untersuchst? Warnsignal: Das Ziel enthält gleichzeitig mehrere Zielgruppen, Branchen, Zeiträume und Methoden. Beispiel zu breit: „...in KMU und Konzernen, in Deutschland und den USA, von 2010 bis 2024". Korrektur: Fokusisiere auf eine Zielgruppe/Setting, einen Zeitraum, eine Region/Branche. Kürze auf 1 Hauptziel und maximal 1 bis 2 Teilziele.
- Beitrag erkennbar: Ist der Mehrwert für Forschung oder Praxis genannt? Warnsignal: Du beschreibst nur, was du tust, nicht warum es relevant ist. Korrektur: Ergänze einen Satz zum Beitrag.
- Realistisch: Kannst du das Ziel im Rahmen einer Masterarbeit erreichen? Warnsignal: Formulierungen wie „alle Fragen klären" oder „endgültig lösen". Korrektur: Reduziere auf einen soliden Teilbeitrag.
- Zeitform korrekt: Ist die Zielsetzung im Präsens oder Futur formuliert? Warnsignal: Vergangenheitsform („hat gezeigt"). Korrektur: Vergangenheitsformen gehören ins Fazit.
Prüfe die Vorgaben deiner Hochschule: Manche Studiengänge haben spezifische Anforderungen an die Zielsetzung. Einige verlangen eine explizite Trennung von theoretischem und praktischem Beitrag, andere integrieren die Zielsetzung in die Forschungsfrage. Dein Exposé kann hier als Orientierung dienen.
Nächster Schritt: Operationalisierung
Deine Zielsetzung steht. Jetzt geht es darum, sie operationalisierbar zu machen. Das bedeutet: Du klärst, wie du dein Ziel konkret erreichst. Drei Fragen helfen dir beim Übergang von der Zielsetzung zur Umsetzung.
Scope festlegen: Welche Grenzen hat deine Untersuchung? Der Scope umfasst typischerweise: Zielgruppe oder Setting, Zeitraum, Region oder Branche, Analyseeinheit. Beispiel: „Die Untersuchung konzentriert sich auf mittelständische Produktionsunternehmen (50–250 Mitarbeitende) in Deutschland im Zeitraum 2020–2024." Diese Abgrenzung kannst du direkt nach der Zielsetzung in der Einleitung platzieren.
Begriffe definieren: Welche zentralen Konzepte musst du für deine Arbeit definieren? Im Theorieteil klärst du die Begriffe, die in deiner Zielsetzung vorkommen. Das stellt sicher, dass Lesende verstehen, was du meinst.
Methode wählen: Wie wirst du dein Forschungsziel erreichen? Das Forschungsdesign und die Methodenwahl folgen aus deiner Zielsetzung. Ein klar formuliertes Ziel macht die Methodenentscheidung einfacher.
Der typische Weg nach der Zielsetzung:
- Zielsetzung formulieren (Forschungsziel + Erkenntnisinteresse + Beitrag)
- Forschungsfrage und Teilfragen ableiten
- Variablen, Kategorien oder Konzepte operationalisieren
- Methode und Datengrundlage festlegen
Wenn du diese Schritte durchlaufen hast, ist dein Exposé fast fertig.
Wenn du deine Masterarbeit drucken und binden lassen möchtest, kannst du das bei BachelorHero online konfigurieren. Das Hardcover und das Softcover eignen sich besonders für Masterarbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Wo steht die Zielsetzung in der Masterarbeit?
In der Einleitung, nach der Hinführung und nah an der Forschungsfrage. Kläre mit deiner Betreuungsperson, ob ein eigener Absatz oder eine fließende Integration erwartet wird.
Wie formuliere ich die Zielsetzung bei einer Literaturarbeit?
Fokussiere auf systematische Analyse, Vergleich oder Synthese. Beispiel: „Ziel ist es, den Forschungsstand zu X aufzuarbeiten und ein integratives Modell für Y abzuleiten."
Brauche ich eine Zielsetzung ohne Hypothesen?
Ja. Bei explorativen Arbeiten ist die Zielsetzung besonders wichtig, um das Erkenntnisinteresse zu verdeutlichen. Hypothesen und Zielsetzung erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Wie viele Teilziele sind sinnvoll?
Ein bis drei. Bewährte Struktur: 1 Hauptziel mit 1 bis 2 unterstützenden Teilzielen. Mehr wirkt wie eine Auflistung von Arbeitsschritten.
Wie grenze ich die Zielsetzung thematisch ab?
Nenne explizit, was du nicht untersuchst: „Die Arbeit konzentriert sich auf X und klammert bewusst Y aus, da..." Das schärft den Fokus und zeigt methodisches Bewusstsein.
Was beachte ich bei einer Unternehmenskooperation?
Formuliere sowohl ein konkretes Praxisziel (Handlungsempfehlungen, Prototyp) als auch ein wissenschaftliches Ziel. Kläre vorab Datenzugang und Vertraulichkeit. Der theoretische Mehrwert muss erkennbar bleiben.
Muss ich einen praktischen und einen theoretischen Beitrag nennen?
Nicht zwingend. Empirische Arbeiten haben oft beides, Literaturarbeiten fokussieren den theoretischen Beitrag. Orientiere dich an den Vorgaben deines Studiengangs.
Wie lang sollte die Zielsetzung sein?
Faustregel: 4 bis 6 präzise Sätze. Entscheidend ist, dass Forschungsziel, Erkenntnisinteresse und Beitrag enthalten sind. Vorgaben variieren je nach Studiengang.
Umfang der Masterarbeit
Masterarbeit abgeben
Einleitung der Masterarbeit