Inhaltsverzeichnis
Der Hauptteil deiner Masterarbeit ist der Abschnitt, in dem du deine Forschungsfrage bearbeitest. Hier führst du aus, was du in der Einleitung angekündigt hast: Du legst theoretische Grundlagen, beschreibst deine Methodik, präsentierst Ergebnisse und diskutierst deren Bedeutung. In diesem Artikel erfährst du, wie du den Hauptteil strukturierst, den roten Faden hältst und auf Masterniveau argumentierst.
Der Hauptteil ist das Herzstück deiner Masterarbeit. Er umfasst 70 bis 80 Prozent des Textteils (bei 80 Seiten also etwa 55–65 Seiten) und besteht typischerweise aus vier Bausteinen: Theoretischer Rahmen, Methodik, Ergebnisse, Diskussion.
Reihenfolge und Gewichtung variieren je nach Forschungsdesign. Bei empirischen Arbeiten liegt der Schwerpunkt auf Methodik und Ergebnissen, bei theoretischen Arbeiten auf dem Theorieteil. Die Vorgaben deiner Prüfungsordnung und deiner Betreuung haben immer Vorrang.
Was gehört in den Hauptteil einer Masterarbeit?
Der Hauptteil enthält alles, was zur Beantwortung deiner Forschungsfrage nötig ist. Anders als in der Einleitung, wo du ankündigst, was du tun wirst, führst du es hier tatsächlich aus. Die Qualität deines Hauptteils zeigt sich daran, wie konsequent jeder Abschnitt auf deine zentrale Forschungsfrage einzahlt.
Was willst du untersuchen und warum? Forschungslücke, Forschungsfrage, Relevanz, Aufbau ankündigen.
Wie untersuchst du es und was findest du heraus? Theorie, Methodik, Ergebnisse, Diskussion.
Was bedeuten deine Ergebnisse? Forschungsfrage beantworten, Implikationen, Ausblick geben.
Ein häufiges Missverständnis: Der Begriff „Hauptteil" klingt nach einem großen Block. Tatsächlich ist er in klar abgegrenzte Kapitel gegliedert, die jeweils eine Teilfrage bearbeiten. Die Gliederung gibt dabei die Struktur vor, der rote Faden verbindet die Teile inhaltlich.
Struktur nach Forschungsdesign
Die Struktur deines Hauptteils hängt davon ab, welches Forschungsdesign du verfolgst. Je nachdem, ob du eine empirische, theoretische oder Mixed-Methods-Arbeit schreibst, unterscheiden sich Reihenfolge und Gewichtung der Kapitel.
Du erhebst eigene Daten durch Interviews, Umfragen, Experimente oder Beobachtungen und wertest sie systematisch aus.
2. Theoretischer Rahmen – Forschungsstand, Theorien, Hypothesen oder Forschungsfragen ableiten
3. Methodik – Forschungsdesign, Stichprobe, Datenerhebung, Auswertungsverfahren, Gütekriterien
4. Ergebnisse – Daten darstellen (Tabellen, Grafiken), noch nicht interpretieren
5. Diskussion – Ergebnisse interpretieren, mit Theorie verknüpfen, Limitationen reflektieren
Wichtig: Ergebnisse und Interpretation klar trennen. Im Ergebnisteil beschreibst du nur, was du gefunden hast. Die Einordnung kommt erst in der Diskussion.
Du analysierst Literatur, entwickelst Konzepte oder vergleichst Theorien, ohne eigene Primärdaten zu erheben.
2. Theoretische Grundlagen – Begriffe definieren, relevante Theorien und Modelle vorstellen
3. Methodisches Vorgehen – Literaturauswahl, Analysekriterien, Vorgehensweise erläutern
4. Analyse – Systematische Auswertung nach Themen oder Aspekten, kritischer Vergleich
5. Synthese und Diskussion – Ergebnisse zusammenführen, eigene Position entwickeln, Forschungslücken benennen
Kernleistung: Kritische Einordnung und Synthese der Literatur. Du fasst nicht nur zusammen, sondern entwickelst einen eigenen argumentativen Standpunkt.
Du kombinierst qualitative und quantitative Methoden, um deine Forschungsfrage aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
2. Theoretischer Rahmen – Forschungsstand und konzeptionelle Grundlagen
3. Methodik – Begründung des Mixed-Methods-Designs, Ablauf, Erhebungs- und Auswertungsverfahren
4. Ergebnisse Teil 1 – Quantitative Ergebnisse
5. Ergebnisse Teil 2 – Qualitative Ergebnisse
6. Integration und Diskussion – Zusammenführung beider Stränge, Interpretation, Limitationen
Besonderheit: Die Integration der Ergebnisse ist die zentrale Herausforderung. Zeige explizit, wie sich qualitative und quantitative Befunde ergänzen oder widersprechen.
Welches Design für dich passt, hängt von deiner Forschungsfrage ab. Kläre frühzeitig mit deiner Betreuung, welche Struktur erwartet wird. Einen Überblick über die verschiedenen Forschungsmethoden findest du in unserem separaten Artikel.
Wirkung/Intervention prüfen → Experiment/Quasi-Experiment → Empirisch
Zusammenhänge messen → Survey/Korrelationsstudie → Empirisch
Prozesse/Erleben verstehen → Interviews/Beobachtung → Empirisch (qualitativ)
Konzepte vergleichen/entwickeln → Literaturanalyse → Theoretisch
Überblick zum Forschungsstand → Systematisches Review → Theoretisch
Artefakt entwickeln → Design Science → Sonderform
Einzelfall tiefgehend analysieren → Fallstudie → Sonderform
Orientierung, keine starre Regel. Kombinationen (z. B. Literaturreview + Interviews) sind möglich. Stimme dein Design mit deiner Betreuung ab.
Sonderformen: Neben den drei Haupttypen gibt es weitere Formate, die eine angepasste Hauptteil-Struktur erfordern. Die konkreten Kapitel solltest du mit deiner Betreuung abstimmen.
Theoretischer Rahmen (Analysekriterien ableiten) → Fallauswahl und Setting (Begründung) → Datengrundlage (Dokumente, Interviews, Beobachtungen) → Analyse entlang der Kriterien → Diskussion und Transfer auf andere Kontexte
Qualitätsmaßstab: Transparente Fallauswahl + nachvollziehbare Transferlogik
Problemanalyse und Anforderungen → Artefakt-Design (Modell, Prototyp, Software) → Iterationen und Implementierung → Evaluation (Nutzertests, Expertenreviews, Benchmarks) → Diskussion und Implikationen für Praxis/Forschung
Qualitätsmaßstab: Evaluation passend zu den definierten Anforderungen
Forschungsfrage → Suchstrategie (Datenbanken, Suchstrings, Zeitraum) → Screening (Ein-/Ausschlusskriterien) → Qualitätsbewertung → Synthese (themen- oder methodenbasiert) → Forschungslücken und Implikationen
Qualitätsmaßstab: Nachvollziehbares Suchprotokoll + transparente Syntheseform
Schritt 1: Ermittle deinen Textteil (Gesamtseiten minus Verzeichnisse, Anhang, Deckblatt).
Schritt 2: Berechne den Hauptteil-Umfang (70–80 % des Textteils).
Schritt 3: Verteile nach Forschungsdesign.
Textteil: ca. 70 Seiten → Hauptteil: ca. 50–55 Seiten.
Theorie = Begriffe, Modelle, Theorien (ohne Methodik); je nach Aufbau inkl. Forschungsstand.
Empirisch – Beispiel 50 Seiten:
Theorie: 13 S. | Methodik: 9 S. | Ergebnisse: 17 S. | Diskussion: 11 S. = 50 S.
(Typische Korridore: Theorie 12–15, Methodik 8–10, Ergebnisse 15–18, Diskussion 10–12)
Theoretisch – Beispiel 50 Seiten:
Theorie: 17 S. | Methodik: 5 S. | Analyse: 19 S. | Synthese: 9 S. = 50 S.
(Typische Korridore: Theorie 15–20, Methodik 4–6, Analyse 17–22, Synthese 8–12)
Bei 55 Seiten skalierst du proportional – Priorität beim Aufstocken: Ergebnisse/Analyse und Diskussion/Synthese.
Richtwerte variieren nach Fach und Lehrstuhl. Konkrete Vorgaben deiner Prüfungsordnung haben immer Vorrang.
Die vier Bausteine des Hauptteils
Unabhängig vom Forschungsdesign enthält der Hauptteil einer Masterarbeit in der Regel vier zentrale Bausteine. Die konkrete Ausgestaltung variiert, aber die Funktionen bleiben gleich.
Du legst das begriffliche und konzeptionelle Fundament für deine Untersuchung. Hier definierst du zentrale Begriffe, stellst relevante Theorien vor und gibst einen Überblick über den Forschungsstand.
Stolperstelle: Zu viel Theorie ohne Bezug zur eigenen Fragestellung. Erkläre nur, was du später auch brauchst. Alles andere gehört nicht in die Arbeit.
Du erklärst, wie du vorgehst und begründest deine methodischen Entscheidungen. Bei empirischen Arbeiten beschreibst du Datenerhebung und Auswertung, bei theoretischen Arbeiten dein Analysevorgehen.
Stolperstelle: Methodik nur beschreiben statt begründen. Erkläre, warum dein Vorgehen für deine Fragestellung geeignet ist und welche Alternativen du erwogen hast.
Hier findet die eigentliche Untersuchung statt. Dieser Teil ist oft der umfangreichste Abschnitt des Hauptteils. Wichtig: Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Forschungsdesign.
Nur darstellen, nicht interpretieren. Zeige Daten, Tabellen, Muster. Die Einordnung erfolgt erst in der Diskussion.
Hier gehört die Einordnung direkt dazu. Du analysierst Quellen kritisch und entwickelst eine eigene Argumentation.
Stolperstelle empirisch: Im Ergebnisteil interpretieren. Formulierungen wie „Das zeigt, dass..." gehören in die Diskussion. Stolperstelle theoretisch: Nur zusammenfassen statt einordnen. Ergänze nach Quellenaussagen deine Perspektive.
Du ordnest deine Ergebnisse ein, vergleichst sie mit dem Forschungsstand und reflektierst Limitationen. Die Diskussion bildet den Übergang zum Fazit. Bei theoretischen Arbeiten erscheint dieser Baustein oft als „Synthese" oder „Schlussdiskussion" und kann mit dem Analyseteil verschmelzen, da die Einordnung dort bereits erfolgt.
Stolperstelle: Ergebnisse nur wiederholen. Die Diskussion interpretiert und ordnet kritisch ein, statt zu wiederholen, was bereits im Ergebnisteil steht.
Der rote Faden: Kohärenz durch Übergänge
Ein roter Faden entsteht nicht von selbst. Du musst aktiv zeigen, wie die Teile deiner Arbeit zusammenhängen. Der wichtigste Test: Kannst du für jedes Kapitel in einem Satz formulieren, welche Funktion es für die Gesamtargumentation hat? Wenn nicht, ist das Kapitel entweder überflüssig oder falsch geschnitten.
Kap. 2: „Legt das theoretische Fundament, indem es [Konzept X] und [Theorie Y] einführt, die später als Analyserahmen dienen."
Kap. 3: „Begründet das methodische Vorgehen und zeigt, warum [Methode] für die Forschungsfrage geeignet ist."
Kap. 4: „Präsentiert die Ergebnisse zu [Aspekt A] und [Aspekt B] als Grundlage für die Diskussion."
Kap. 5: „Ordnet die Ergebnisse in den Forschungsstand ein und beantwortet die Forschungsfrage."
Schreibe dieses Schema für deine Arbeit aus. Wenn ein Kapitel keine klare Funktion hat, prüfe, ob du es streichen oder mit einem anderen zusammenlegen kannst.
Übergänge verbinden die Kapitel inhaltlich. Vermeide rein formale Überleitungen wie „Im nächsten Kapitel wird...". Zeige stattdessen den inhaltlichen Zusammenhang: Fasse am Kapitelende zusammen, was du erreicht hast, und erkläre, welche Frage sich daraus für das nächste Kapitel ergibt.
Am Kapitelende:
„Die theoretischen Grundlagen haben gezeigt, dass X und Y als zentrale Einflussfaktoren gelten. Ob sich dieser Zusammenhang empirisch bestätigt, wird im folgenden Kapitel anhand von [Methode] untersucht."
Am Kapitelanfang:
„Aufbauend auf den im vorigen Kapitel dargelegten theoretischen Grundlagen wird nun das methodische Vorgehen erläutert, mit dem die Forschungsfrage beantwortet werden soll."
Rückbezug innerhalb eines Kapitels:
„Dieser Befund stützt die in Kapitel 2.3 formulierte Hypothese, dass [Annahme]. Gleichzeitig zeigt sich eine Abweichung bei [Aspekt], die im Diskussionsteil näher beleuchtet wird."
Absätze aufbauen: Von der These zum Beleg
Der Hauptteil besteht aus vielen Absätzen, und jeder Absatz sollte einen Gedanken transportieren. Ein gut gebauter wissenschaftlicher Absatz folgt oft dem Schema: Kernsatz (These), Beleg (Quelle oder Daten), Einordnung (eigene Interpretation), Überleitung (Verbindung zum nächsten Gedanken).
Der Kernsatz steht am Anfang und benennt die zentrale Aussage des Absatzes. Er zeigt Lesenden sofort, worum es geht. Vermeide es, den Kernsatz am Ende zu verstecken.
Der Beleg stützt deine Aussage. Das kann ein Zitat, ein Verweis auf eine Studie oder eine eigene Datenauswertung sein. Ohne Beleg bleibt deine Aussage eine Behauptung. Achte auf die korrekte Zitierweise.
Die Einordnung interpretiert den Beleg. Was bedeutet das Zitat für deine Argumentation? Wie passt die Studie zu deiner Fragestellung? Hier zeigst du deine eigene Denkleistung. Formulierungen wie „Dies zeigt, dass...", „Daraus folgt..." oder „Im Kontext dieser Arbeit bedeutet das..." machen die Einordnung sichtbar.
Ausnahme Ergebnisteil (empirisch): Im Ergebnisteil empirischer Arbeiten ersetzt du die Einordnung durch eine neutrale Musterbeschreibung. Du zeigst Daten und beschreibst Muster, ohne sie zu interpretieren. Die Einordnung erfolgt erst in der Diskussion. Das Template unten zeigt, wie ein Ergebnisabsatz aufgebaut ist.
[Kernsatz] Die digitale Transformation verändert die Anforderungen an Führungskräfte grundlegend. [Beleg] Eine Metaanalyse von Petry (2023) identifiziert fünf Kernkompetenzen, die in agilen Organisationen signifikant stärker gefordert werden als in traditionellen Strukturen: Ambiguitätstoleranz, Vernetzungsfähigkeit, digitale Affinität, iteratives Denken und Empowerment-Orientierung. [Einordnung] Diese Befunde stützen die Annahme, dass klassische Führungsmodelle nicht mehr ausreichen. Für die vorliegende Untersuchung ist besonders relevant, dass Ambiguitätstoleranz als wichtigste Kompetenz identifiziert wurde, da sie im Zentrum der hier untersuchten Fragestellung steht.
Im Ergebnisteil empirischer Arbeiten beschreibst du Befunde neutral, ohne zu interpretieren. Die Einordnung erfolgt erst in der Diskussion.
1. Befund benennen: Was wurde gemessen/erhoben?
2. Evidenz zeigen: Verweis auf Tabelle/Abbildung mit Werten
3. Muster beschreiben: Neutrale Beschreibung ohne Ursachenzuschreibung
4. Verweis: Kurzer Hinweis auf Diskussion (optional)
„Die Befragung ergab einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (t(98) = 3.42, p < .001). Teilnehmende mit hoher Social-Media-Nutzung zeigten niedrigere Selbstwert-Scores (M = 3.2, SD = 0.8) als Teilnehmende mit niedriger Nutzung (M = 3.9, SD = 0.7). Tabelle 4 stellt die deskriptiven Statistiken dar. Mögliche Erklärungen für diesen Unterschied werden in Kapitel 5 diskutiert."
Im Analyseteil theoretischer Arbeiten vergleichst du Quellen kritisch und entwickelst eine eigene Position. Anders als im empirischen Ergebnisteil gehört die Einordnung direkt dazu.
1. These formulieren: Was behauptest du in diesem Absatz?
2. Quellen vergleichen: Wie positionieren sich verschiedene Autoren?
3. Kriterien/Begründung: Nach welchen Maßstäben bewertest du?
4. Eigene Position: Welcher Sichtweise schließt du dich an – und warum?
5. Überleitung: Wie führt das zum nächsten Aspekt?
„[These] Die Definition von Digital Leadership ist in der Literatur uneinheitlich. [Quellenvergleich] Während Petry (2019) den Begriff auf technologieaffine Führungskompetenzen beschränkt, fassen Kane et al. (2019) ihn weiter als Führung in digitalisierten Kontexten. [Kriterium] Für die vorliegende Arbeit ist entscheidend, ob die Definition auch kulturelle Veränderungen einschließt. [Eigene Position] Die breitere Perspektive von Kane et al. erscheint geeigneter, da sie den Fokus auf Transformation statt nur Technik legt. [Überleitung] Aufbauend auf diesem Verständnis wird im nächsten Abschnitt analysiert, welche Führungspraktiken die Literatur als besonders wirksam identifiziert."
Argumentation auf Masterniveau
Eine Masterarbeit erfordert mehr als das Zusammentragen von Informationen. Du musst einen eigenen argumentativen Standpunkt entwickeln und diesen schlüssig begründen. Die Argumentation ist das, was deine Arbeit von einer reinen Literaturübersicht unterscheidet.
Kritische Auseinandersetzung bedeutet, Quellen nicht nur wiederzugeben, sondern zu hinterfragen. Wo gibt es Widersprüche in der Forschungsliteratur? Welche methodischen Schwächen haben die zitierten Studien? Wie positionierst du dich zu kontroversen Fragen? Diese Fragen sollten deine Analyse durchziehen.
Synthese statt Reihung ist ein weiteres Merkmal guter Argumentation. Anstatt Quelle für Quelle abzuhandeln, gruppierst du nach inhaltlichen Aspekten und zeigst Zusammenhänge auf. Dabei entwickelst du eine eigene Perspektive, die du durch die Analyse stützt.
Markiere in deinem Text alle Stellen, an denen du eine eigene Einschätzung, einen Vergleich oder eine kritische Einordnung vornimmst. Wenn diese Stellen selten sind, fehlt die argumentative Tiefe. Ergänze dann nach Zitaten und Paraphrasen Einordnungssätze wie „Dies ist für die vorliegende Fragestellung relevant, weil..." oder „Im Vergleich zu [anderer Position] zeigt sich hier...".
Häufige Fehler und Gegenmaßnahmen
Zu viel Theorie, zu wenig eigene Analyse: Der häufigste Fehler bei Masterarbeiten. Viele Arbeiten bestehen zu großen Teilen aus Zusammenfassungen von Fachliteratur, ohne dass eine eigene Transferleistung erkennbar wird. Prüfe: Gibt es Abschnitte, auf die du später nie wieder Bezug nimmst? Dann kürze oder streiche. Bei empirischen Arbeiten sollte der Theorieteil (Begriffe, Modelle, Theorien – ohne Methodik) typischerweise 20–30 % des Hauptteils ausmachen, bei theoretischen Arbeiten 30–40 %. Erkläre nur, was du für deine Analyse tatsächlich brauchst.
Beschreiben statt Analysieren: „Autor X sagt Y" reicht nicht für eine Masterarbeit. Du musst Aussagen aktiv einordnen und für deine Zwecke nutzen. Suche nach Absätzen, die nur aus Wiedergaben bestehen. Fehlt nach dem Beleg ein Einordnungssatz? Ergänze: „Dies zeigt, dass...", „Für die vorliegende Arbeit ist relevant, dass...", „Im Vergleich zu [anderer Position]...".
Kein erkennbarer Aufbau: Wenn Lesende nicht verstehen, warum Kapitel 3 auf Kapitel 2 folgt, fehlt die Struktur. Schreibe für jedes Kapitel in einem Satz auf, welche Teilfrage es beantwortet. Wenn du das nicht kannst, ist das Kapitel entweder überflüssig oder falsch geschnitten.
Fehlender Bezug zur Einleitung: Die Struktur, die du in der Einleitung ankündigst, muss sich eins zu eins im Hauptteil wiederfinden. Lege Einleitung und Inhaltsverzeichnis nebeneinander. Stimmt die angekündigte Struktur mit den tatsächlichen Kapiteln überein?
Qualitätscheck: 8 Kriterien vor der Abgabe
Mit diesem Schnellcheck prüfst du, ob dein Hauptteil die wichtigsten Kriterien für eine Masterarbeit erfüllt.
Relevanzprüfung: Jedes Kapitel trägt erkennbar zur Beantwortung der Forschungsfrage bei
Theorie mit Funktion: Alles im Theorieteil wird später auch verwendet
Methodik begründet: Nicht nur beschrieben, sondern erklärt, warum dieses Vorgehen passt
Analyse statt Beschreibung: Quellen werden eingeordnet, nicht nur wiedergegeben
Roter Faden: Kapitel sind inhaltlich verbunden, Übergänge zeigen Zusammenhänge
Überschriften sprechend: Man erkennt am Titel, was im Kapitel passiert
Konsistenz: Hauptteil entspricht dem, was in der Einleitung angekündigt wurde
Kritische Reflexion: Limitationen werden benannt, eigener Standpunkt erkennbar
Nach dem Hauptteil: Fazit und Konsistenzcheck
Wenn dein Hauptteil steht und der Qualitätscheck erfüllt ist, hast du den größten Teil der Arbeit geschafft. Im Fazit fasst du deine Ergebnisse zusammen und beantwortest die Forschungsfrage. Das Fazit schließt den Rahmen, den du in der Einleitung geöffnet hast.
Konsistenzcheck Einleitung ↔ Hauptteil: Lege Einleitung und Inhaltsverzeichnis nebeneinander. Stimmt die angekündigte Struktur mit den tatsächlichen Kapiteln überein? Wird jede in der Einleitung genannte Teilfrage im Hauptteil bearbeitet? Passe die Einleitung an, falls sich der Fokus während des Schreibens verschoben hat.
Formaler Endcheck: Wenn der Inhalt steht, prüfe Zitierweise, Formatierung und Literaturverzeichnis. Eine Plagiatsprüfung vor der Abgabe gibt zusätzliche Sicherheit. Falls eine Druckabgabe erforderlich ist, findest du bei BachelorHero verschiedene Bindungsoptionen.
Häufig gestellte Fragen
Wie lang sollte der Hauptteil einer Masterarbeit sein?
Der Hauptteil umfasst typischerweise 70 bis 80 Prozent des Textteils. Bei einer 80-seitigen Masterarbeit (Textteil ohne Verzeichnisse) entspricht das etwa 55 bis 65 Seiten. Die exakte Aufteilung hängt von deinem Forschungsdesign ab: Empirische Arbeiten haben oft einen umfangreicheren Ergebnis- und Diskussionsteil, theoretische Arbeiten einen größeren Theorieteil. Die Vorgaben deiner Prüfungsordnung haben immer Vorrang.
Wie gliedere ich den Hauptteil bei einer empirischen Masterarbeit?
Eine bewährte Struktur für empirische Arbeiten: (1) Theoretischer Rahmen mit Forschungsstand und Hypothesen, (2) Methodik mit Forschungsdesign, Stichprobe und Auswertungsverfahren, (3) Ergebnisse ohne Interpretation, (4) Diskussion mit Einordnung und Limitationen. Die Trennung von Ergebnissen und Diskussion ist in empirischen Arbeiten wichtig, damit Lesende erst die Fakten sehen und dann deine Interpretation nachvollziehen können.
Was ist der Unterschied zwischen Forschungsstand und Theorieteil?
Theorieteil: Begriffe definieren, relevante Theorien und Modelle erklären – das konzeptionelle Fundament. Forschungsstand: Was haben andere zu deinem Thema herausgefunden, welche Lücken bestehen? In manchen Arbeiten sind beide getrennt (erst Theorie, dann Forschungsstand), in anderen verschmelzen sie zu „Theoretischer Rahmen". Kläre mit deiner Betreuung, welche Struktur erwartet wird.
Wie schreibe ich den Ergebnisteil, ohne zu interpretieren?
Beschreibe im Ergebnisteil nur, was du gefunden hast: Nenne Werte, zeige Tabellen, beschreibe Muster. Vermeide Formulierungen wie „Das zeigt, dass..." oder „Daraus folgt...". Nutze stattdessen neutrale Beschreibungen: „Die Daten zeigen einen Anstieg von X auf Y", „In Gruppe A lag der Mittelwert bei...", „Abbildung 3 stellt die Verteilung dar". Die Einordnung („Was bedeutet das?") erfolgt erst in der Diskussion.
Wie vermeide ich, dass der Theorieteil zu lang wird?
Prüfe jeden Theorie-Absatz mit der Frage: Brauche ich das später für meine Analyse? Wenn nicht, kürze oder streiche. Bei empirischen Arbeiten liegt der Theorieteil (Begriffe, Modelle, Theorien – ohne Methodik) oft bei 20–30 % des Hauptteils, bei theoretischen Arbeiten bei 30–40 %. Lagere Detaildefinitionen aus – je nach Fachkonvention in Fußnoten, einen Glossar-Anhang oder als kompakte Inline-Definition. Fasse ähnliche Positionen zusammen, statt sie einzeln abzuhandeln. Wenn du nur noch zusammenfasst, ohne auf deine Fragestellung Bezug zu nehmen, ist das ein Warnsignal. Vorgaben deines Lehrstuhls haben Vorrang.
Gehört die Diskussion zum Hauptteil oder ist sie ein eigenes Kapitel?
In den meisten Masterarbeiten ist die Diskussion das letzte Kapitel des Hauptteils, direkt vor dem Fazit. Sie interpretiert die Ergebnisse, ordnet sie in den Forschungsstand ein und reflektiert Limitationen. Bei theoretischen Arbeiten erscheint die Diskussion oft als „Synthese" oder „Schlussdiskussion" und kann mit dem Analyseteil verschmelzen, da dort bereits eingeordnet wird. Das Fazit fasst dann zusammen und beantwortet die Forschungsfrage. Orientiere dich an Musterarbeiten deines Lehrstuhls.
Wie viele Unterkapitel sind in einer Masterarbeit sinnvoll?
Drei Gliederungsebenen sind üblich (z. B. 2, 2.1, 2.1.1). Richtwert: Ein Unterkapitel sollte mindestens 1,5 bis 2 Seiten füllen. Mehr als vier bis fünf Unterkapitel pro Hauptkapitel deuten oft auf eine zu kleinteilige Gliederung hin. Diese Werte variieren je nach Fach und Lehrstuhl – in manchen Disziplinen sind kürzere Kapitel üblich. Vermeide Unterkapitel, die nur aus einem Absatz bestehen.
Wie formuliere ich Zwischenüberschriften im Hauptteil?
Nutze sprechende Überschriften, die verraten, was im Kapitel passiert. Statt „2.1 Theorie" besser „2.1 Soziale Vergleichstheorie als Erklärungsansatz". Statt „4.2 Ergebnisse" besser „4.2 Einfluss der Nutzungsdauer auf das Selbstbild". Die Überschrift sollte die Teilfrage widerspiegeln, die das Kapitel beantwortet. Vermeide generische Titel wie „Analyse" oder „Auswertung".
Wie strukturiere ich eine Fallstudie im Hauptteil?
Bei einer Fallstudie folgt der Hauptteil oft diesem Schema: (1) Theoretischer Rahmen mit Analysekriterien, die du aus der Literatur ableitest, (2) Fallbeschreibung mit Kontext und Auswahlbegründung, (3) Analyse des Falls anhand der Kriterien, (4) Diskussion der Ergebnisse mit Bezug zur Theorie. Die Tiefe der Einzelfallanalyse ist wichtiger als Breite. Transparenz über die Fallauswahl ist entscheidend für die Nachvollziehbarkeit.
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