Kalender 2026-01-17

Experteninterview in der Masterarbeit: Planung, Durchführung und Auswertung

Experteninterview für die Masterarbeit: Planung, Durchführung und Auswertung | BachelorHero

Inhaltsverzeichnis

Ein Experteninterview ist ein leitfadengestütztes Gespräch mit Fachleuten zu deinem Forschungsthema. Die Methode eignet sich, wenn du Praxiswissen brauchst, das Literatur nicht liefert. In diesem Artikel findest du alles für die Umsetzung: Schnellcheck zur Methodenwahl, Leitfaden-Aufbau mit Beispielfragen, Kontaktvorlage, Checkliste zur Durchführung, Kodierbeispiel und Entscheidungshilfen für Mayring oder Kuckartz.

Auf einen Blick

Umfang: 8 bis 15 Interviews (variiert je nach Fach, Heterogenität, Zugang). Orientiere dich an der theoretischen Sättigung.

Dauer: 45 bis 60 Minuten pro Interview. Bei komplexen Themen bis 90 Minuten.

Ablauf: 1. Leitfaden entwickeln → 2. Experten auswählen und kontaktieren → 3. Interviews führen und aufnehmen → 4. Transkribieren → 5. Mit qualitativer Inhaltsanalyse auswerten.

Was ist ein Experteninterview?

Ein Experteninterview ist ein leitfadengestütztes Gespräch mit einer Person, die über spezifisches Wissen zu deinem Forschungsthema verfügt. Experten können Führungskräfte, Fachleute aus Unternehmen, Wissenschaftlerinnen oder Praktizierende aus bestimmten Berufsfeldern sein. Entscheidend ist nicht der Titel, sondern das relevante Wissen. Eine Sozialarbeiterin mit zehn Jahren Berufserfahrung kann für deine Fragestellung wertvoller sein als eine Professorin, die das Thema nur theoretisch kennt.

Anders als beim narrativen Interview, das auf offene Erzählaufforderungen setzt und die Gesprächsführung weitgehend den Befragten überlässt, arbeitest du beim Experteninterview mit einem strukturierten Leitfaden. Das problemzentrierte Interview ist dem Experteninterview ähnlich, fokussiert aber stärker auf die subjektiven Erfahrungen und Deutungen der Befragten. Beim Experteninterview interessiert dich primär das Fachwissen, nicht die persönliche Biografie.

Wann ist ein Experteninterview die richtige Methode?

Das Experteninterview passt nicht zu jeder Forschungsfrage. Bevor du mit der Planung beginnst, prüfe, ob die Methode zu deinem Vorhaben passt. Dieser Schnellcheck hilft bei der Entscheidung.

Methodenwahl beim Experteninterview: Entscheidungshilfe für die Masterarbeit | BachelorHero

Ein Experteninterview ist geeignet, wenn du Praxis- oder Insiderwissen zu einem Feld erheben willst, das in der Literatur nicht ausreichend dokumentiert ist. Die Methode passt auch, wenn du Einschätzungen zu komplexen Prozessen, Entscheidungslogiken oder zukünftigen Entwicklungen brauchst. Typische Forschungsfragen beginnen mit „Wie erleben Fachkräfte...?", „Welche Faktoren beeinflussen aus Sicht von...?" oder „Wie bewerten Experten...?".

Ein Experteninterview ist weniger geeignet, wenn du repräsentative Aussagen über eine große Grundgesamtheit treffen willst. Dann ist ein Fragebogen die bessere Wahl. Wenn du beobachtbares Verhalten in natürlichen Situationen erfassen willst, eignet sich eine Beobachtungsstudie. Und wenn du einen einzelnen Fall in der Tiefe verstehen willst, ist eine Fallstudie mit mehreren Datenquellen oft ergiebiger als Interviews allein.

Schnellcheck: Gibt es identifizierbare Personen mit relevantem Wissen? Ist dieses Wissen nicht aus anderen Quellen zugänglich? Lässt sich deine Frage durch Gespräche beantworten? Wenn du dreimal mit Ja antwortest, ist das Experteninterview wahrscheinlich passend.

Interviewleitfaden entwickeln

Aufbau eines Interviewleitfadens: Einstieg, Hauptteil und Abschluss strukturiert | BachelorHero

Der Interviewleitfaden ist dein wichtigstes Werkzeug. Er sorgt dafür, dass du in jedem Gespräch die relevanten Themen abdeckst, ohne das Interview wie ein Verhör wirken zu lassen. Ein guter Leitfaden enthält offene Fragen, die zum Erzählen einladen, und optionale Nachfragen für den Fall, dass Aspekte nicht von selbst angesprochen werden.

Einstieg

Der Einstieg schafft eine angenehme Gesprächsatmosphäre und klärt formale Fragen.

Beispiel: „Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Bevor wir starten: Ich nehme das Gespräch auf und werde es anonymisiert auswerten. Sind Sie damit einverstanden?"

Warmup-Frage: „Können Sie mir kurz Ihren beruflichen Hintergrund schildern?"

Hauptteil

Der Hauptteil enthält deine Kernfragen, thematisch geordnet. Beginne mit einfachen, allgemeinen Fragen und steigere die Komplexität.

Erzählaufforderung: „Wie erleben Sie aktuell die Entwicklung von X in Ihrem Arbeitsbereich?"

Vertiefende Nachfrage: „Können Sie mir ein konkretes Beispiel dafür geben?"

Abschluss

Der Abschluss gibt Raum für Ergänzungen und rundet das Gespräch ab.

Offene Abschlussfrage: „Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das Ihnen aber wichtig erscheint?"

Dank: „Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre wertvollen Einblicke."

Die Anzahl der Leitfragen variiert je nach Interviewdauer. Für ein 60-minütiges Gespräch sind vier bis sechs Hauptfragen mit je zwei bis drei Nachfrageoptionen ein guter Richtwert. Formuliere deine Fragen offen und vermeide Ja-Nein-Fragen. Statt „Finden Sie X wichtig?" fragst du besser „Welche Rolle spielt X in Ihrer täglichen Arbeit?".

Teste den Leitfaden in einem Probeinterview, bevor du mit der eigentlichen Erhebung beginnst. So erkennst du unklare Formulierungen, zu abstrakte Fragen oder Lücken im Themenspektrum. Das Probeinterview kann auch in die Auswertung einfließen, wenn es inhaltlich ergiebig ist.

Expertinnen und Experten auswählen

Expertenauswahl für Interviews: Kriterien und Sampling-Strategien | BachelorHero

Die Auswahl der Interviewpartner beeinflusst maßgeblich die Qualität deiner Ergebnisse. Du suchst nicht nach einer repräsentativen Stichprobe im statistischen Sinn, sondern nach Personen, die unterschiedliche Perspektiven auf dein Thema einbringen können. In der qualitativen Forschung spricht man von gezieltem oder theoretischem Sampling.

Definiere zunächst klare Auswahlkriterien. Diese leiten sich aus deiner Forschungsfrage ab. Typische Kriterien sind Berufserfahrung (mindestens drei bis fünf Jahre), Position (Führungsverantwortung oder Spezialisierung), Branche oder Region. Achte auf eine gewisse Heterogenität, um verschiedene Sichtweisen abzubilden.

Das Schneeballverfahren ist eine praktische Strategie: Du bittest deine ersten Interviewpartner um Empfehlungen für weitere geeignete Personen. So erschließt du Netzwerke, zu denen du sonst keinen Zugang hättest. Dokumentiere transparent, wie du zu deinen Experten gekommen bist.

Die Kontaktaufnahme erfolgt am besten per E-Mail mit einer kurzen, professionellen Anfrage. Erkläre, worum es in deiner Masterarbeit geht, warum du gerade diese Person anfragst und wie viel Zeit du benötigst. Biete Flexibilität bei Termin und Format (persönlich, telefonisch, per Video) an.

Vorlage Kontakt-E-Mail

Betreff: Interviewanfrage für Masterarbeit zu [Thema]

Option 1: Formell

Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name], im Rahmen meiner Masterarbeit an der [Hochschule] untersuche ich [Thema/Fragestellung]. Aufgrund Ihrer Expertise zu [konkreter Bezug] würde ich Sie gerne für ein Interview anfragen. Das Gespräch dauert etwa 45 bis 60 Minuten und kann persönlich, telefonisch oder per Videokonferenz stattfinden. Alle Angaben werden anonymisiert ausgewertet, nur für wissenschaftliche Zwecke verwendet und gemäß DSGVO behandelt. Das Interview wird mit Ihrem Einverständnis aufgezeichnet; Sie können die Teilnahme jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen. Wären Sie bereit, an meiner Studie teilzunehmen? Gerne richte ich mich nach Ihren zeitlichen Möglichkeiten. Mit freundlichen Grüßen, [Name]

Option 2: Weniger formell

Guten Tag [Vorname Name], für meine Masterarbeit zu [Thema] suche ich Gesprächspartner mit Praxiserfahrung. Ihr Hintergrund zu [konkreter Bezug] wäre sehr wertvoll. Das Interview dauert ca. 45–60 Minuten (Video, Telefon oder vor Ort). Alle Angaben werden anonymisiert und nur für die Arbeit verwendet; die Aufnahme erfolgt nur mit Ihrem Einverständnis. Hätten Sie Zeit und Interesse? Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. Viele Grüße, [Name]

Interviews durchführen

Interview-Durchführung: Gesprächsführung und typische Fehler vermeiden | BachelorHero

Die Interviewdurchführung erfordert Vorbereitung und Flexibilität. Teste deine Aufnahmetechnik vorher gründlich. Ein gutes Diktiergerät oder eine Smartphone-App mit externem Mikrofon liefern bessere Audioqualität als der Laptop. Bei Online-Interviews nutze die Aufnahmefunktion des Tools. Eine zusätzliche lokale Backup-Aufnahme ist sinnvoll, aber nur, wenn die befragte Person dem in der Einwilligung zugestimmt hat und du die Datei datenschutzkonform speicherst.

Beginne jedes Interview mit einer kurzen Einleitung: Stell dich vor, erkläre den Ablauf, hole die mündliche Bestätigung der Einwilligung auf Band und starte mit einer einfachen Einstiegsfrage. Das nimmt beiden Seiten die Anfangsnervosität und schafft eine gute Gesprächsbasis.

Während des Gesprächs ist aktives Zuhören zentral. Lass die befragte Person ausreden, auch wenn Pausen entstehen. Oft kommen nach einer kurzen Denkpause die interessantesten Aussagen. Nutze deinen Leitfaden als Orientierung, aber folge dem Gesprächsfluss, wenn relevante Themen von selbst aufkommen.

Vermeide Suggestivfragen und eigene Bewertungen. Statt „Das klingt ja sehr problematisch, oder?" fragst du neutral: „Wie bewerten Sie diese Entwicklung?" Deine Aufgabe ist es, die Perspektive der Experten zu erfassen, nicht deine eigene Einschätzung zu bestätigen.

Nach dem Interview notiere dir zeitnah erste Eindrücke: Was war besonders interessant? Gab es überraschende Aspekte? Wie war die Gesprächsatmosphäre? Diese Memos helfen später bei der Auswertung und Interpretation.

Checkliste Interview-Durchführung
1

Vorher: Aufnahmetechnik testen (Haupt- und Backup-Gerät), Leitfaden ausdrucken, Einwilligungserklärung vorbereiten, Hintergrund der Person recherchieren, bei Online-Interviews: Link und Technik prüfen.

2

Währenddessen: Einwilligung mündlich auf Band bestätigen lassen, Aufnahme starten und kontrollieren, aktiv zuhören, Nachfragen bei unklaren Stellen, Pausen aushalten.

3

Nachher: Aufnahme sichern und eindeutig benennen (z.B. E01_2026-01-15.mp3), Memo mit ersten Eindrücken schreiben, Dank-E-Mail senden, zeitnah transkribieren.

Einwilligungserklärung: Mindestinhalte

Deine Einwilligungserklärung sollte folgende Punkte abdecken: Zweck der Studie, Audioaufnahme & Transkription, Anonymisierung, Widerrufsrecht sowie Speicherdauer & Löschung. Nutze im Zweifel eine Vorlage deiner Hochschule oder frage bei der Ethikkommission nach.

Interviews auswerten mit qualitativer Inhaltsanalyse

Auswertung von Experteninterviews: Von der Transkription zur Inhaltsanalyse | BachelorHero

Die Auswertung beginnt mit der Transkription. Du überführst die Audioaufnahmen in Schriftform, um sie systematisch analysieren zu können. Die Detailtiefe der Transkription hängt von deiner Methode ab. Für die meisten Inhaltsanalysen reicht eine wörtliche Transkription ohne Dialektfärbung. Markiere Sprecherwechsel mit Kürzeln (I für Interviewende, E1, E2 für Experten) und füge Zeitmarken ein.

Die qualitative Inhaltsanalyse ist das verbreitetste Auswertungsverfahren für Experteninterviews. Zwei Varianten haben sich etabliert: Mayring bietet verschiedene Analyseformen (zusammenfassend, explikativ, strukturierend) und ist besonders verbreitet, wenn du Kategorien schrittweise am Material entwickeln willst. Kuckartz arbeitet oft mit deduktiven Hauptkategorien aus der Theorie, die dann induktiv durch Subkategorien verfeinert werden. Beide Verfahren können deduktiv und induktiv kombiniert werden.

Drei Fragen für die Methodenwahl: Hast du bereits ein theoretisches Modell mit klaren Kategorien, das du am Material prüfen willst? Dann bietet sich Kuckartz an. Willst du explorativ Themen aus den Interviews herausarbeiten, ohne vorab festgelegte Struktur? Dann ist Mayrings zusammenfassende oder induktive Analyse passend. Soll deine Betreuung ein bestimmtes Verfahren sehen, weil es im Fachbereich üblich ist? Dann richte dich danach. Begründe deine Wahl im Methodikteil mit Bezug auf deine Forschungsfrage.

  • Schritt 1 – Transkription: Übertrage alle Interviews in ein einheitliches Textformat mit Zeitmarken und Sprecherkennzeichnung.
  • Schritt 2 – Kodierung: Lies die Transkripte und markiere relevante Textstellen. Ordne jeder Stelle einen Code (Stichwort) zu.
  • Schritt 3 – Kategorienbildung: Fasse ähnliche Codes zu übergeordneten Kategorien zusammen. Definiere jede Kategorie mit Ankerbeispiel und Abgrenzungsregeln.
  • Schritt 4 – Verdichtung: Analysiere Muster über alle Interviews hinweg. Identifiziere Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten.
Kodierung: Mini-Beispiel
Transkriptauszug (E3, Z. 47-49)

„Am Anfang war das Team sehr skeptisch. Aber als wir die ersten Erfolge gesehen haben, hat sich das komplett gedreht. Heute fragt niemand mehr, ob wir das brauchen."

Analyse

Codes: „anfängliche Skepsis", „Erfolge als Wendepunkt", „Akzeptanz im Team"

Kategorie: Akzeptanzentwicklung im Implementierungsprozess.

Definition: Aussagen, die beschreiben, wie sich die Haltung von Beteiligten gegenüber der Neuerung im Zeitverlauf verändert hat.

Software wie MAXQDA, Atlas.ti oder die kostenlose Alternative QCAmap erleichtert die Kodierung und Kategorisierung erheblich. Du kannst Textstellen markieren, Codes vergeben und die Ergebnisse visuell aufbereiten. Der Aufwand für die Einarbeitung lohnt sich bei mehr als fünf Interviews.

Typische Auswertungsfehler vermeiden

Zu breite Kategorien: Erkennbar daran, dass eine Kategorie sehr viele heterogene Textstellen enthält. Lösung: Definiere für jede Kategorie Abgrenzungsregeln und prüfe, ob Subkategorien nötig sind.

Cherry-Picking von Zitaten: Erkennbar, wenn Belege nur aus ein bis zwei Interviews stammen oder nur deine These stützen. Lösung: Wähle pro Kategorie Zitate aus mindestens der Hälfte der Interviews und dokumentiere auch abweichende Aussagen.

Vorschnelle Interpretation: Erkennbar, wenn du schon nach wenigen Interviews Muster formulierst. Lösung: Kodiere erst alle Interviews vollständig, bevor du übergreifende Muster analysierst.

Für die Ergebnisdarstellung wählst du aussagekräftige Zitate aus, die deine Kategorien illustrieren. Achte auf eine Balance: Genug Zitate, um deine Interpretation zu belegen, aber nicht so viele, dass der Text zur Zitatsammlung wird. Paraphrasiere, wo möglich, und zitiere wörtlich nur bei besonders prägnanten Aussagen.

Experteninterview im Methodikteil beschreiben

Im Methodikteil deiner Masterarbeit dokumentierst du dein Vorgehen transparent und nachvollziehbar. Beschreibe zunächst, warum du dich für Experteninterviews entschieden hast und wie diese Methode zu deiner Forschungsfrage passt.

Erläutere deine Sampling-Strategie: Welche Kriterien mussten die Experten erfüllen? Wie hast du sie kontaktiert? Wie viele Personen hast du angefragt und wie viele haben zugesagt? Beschreibe die Stichprobe anonymisiert (Anzahl, beruflicher Hintergrund, Erfahrungsspanne), ohne einzelne Personen identifizierbar zu machen.

Dokumentiere die Durchführung: Zeitraum der Erhebung, Interviewdauer (Spanne und Durchschnitt), Format (persönlich, telefonisch, Video), Aufnahmetechnik. Erwähne den Interviewleitfaden und verweise auf den Anhang, wo der vollständige Leitfaden abgedruckt ist.

Beschreibe schließlich dein Auswertungsverfahren: Welche Variante der qualitativen Inhaltsanalyse hast du verwendet? Wie bist du bei der Kategorienbildung vorgegangen? Welche Software hast du eingesetzt? Diese Angaben ermöglichen es, dein Vorgehen nachzuvollziehen und die Ergebnisse einzuordnen.

Wichtig

Anonymisierung: Entferne in den Transkripten alle Informationen, die Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Unternehmen ermöglichen. Namen, Orte und spezifische Ereignisse werden durch Platzhalter ersetzt. Die anonymisierten Transkripte gehören in den Anhang oder auf einen separaten Datenträger.

Typische Fehler vermeiden

Vorbereitung & Durchführung

Zu wenig Vorbereitung: Erkennbar, wenn du während des Interviews grundlegende Fragen stellst. Lösung: Recherchiere vorab Unternehmen und Werdegang.

Leitfaden als Checkliste: Erkennbar, wenn das Gespräch stockt oder Befragte frustriert wirken. Lösung: Folge dem Gesprächsfluss flexibel.

Eigene Meinung einbringen: Erkennbar an zustimmenden Kommentaren. Lösung: Bleibe neutral und frage nach, statt zu bewerten.

Transkription & Kodierung

Zeitaufwand unterschätzen: Erkennbar, wenn der Zeitplan nicht aufgeht. Lösung: Plane pro Interviewstunde 4–6 Stunden Transkriptionszeit ein.

Zu oberflächlich kodieren: Erkennbar, wenn wichtige Aspekte fehlen. Lösung: Lies jedes Transkript mehrmals und prüfe die Trennschärfe deiner Codes.

Nächster Schritt: Von den Interviews zur Diskussion

Deine Experteninterviews sind abgeschlossen, wenn du alle Gespräche geführt, transkribiert und kodiert hast. Die Kategorien stehen, und du hast einen Überblick über die zentralen Ergebnisse. Jetzt geht es darum, diese Ergebnisse im Ergebnisteil strukturiert darzustellen.

Ordne deine Kategorien so an, dass ein roter Faden entsteht. Beginne mit den zentralen Befunden und arbeite dich zu den Detailaspekten vor. Jede Kategorie wird mit einer kurzen Einordnung eingeleitet, durch ausgewählte Zitate belegt und mit einer Zusammenfassung abgeschlossen.

In der Diskussion interpretierst du deine Ergebnisse vor dem Hintergrund des Forschungsstandes. Wo bestätigen deine Interviews bestehende Erkenntnisse? Wo widersprechen sie? Welche neuen Aspekte haben sich ergeben? Diese Einordnung macht aus einer Sammlung von Zitaten einen wissenschaftlichen Beitrag.

Druckfertig machen: Wenn alles geschrieben und korrigiert ist, exportiere dein Dokument als PDF. Prüfe dabei: Stimmen die Seitenränder? Läuft die Seitennummerierung korrekt? Sind die Transkripte im Anhang vollständig? Ein letzter Blick auf Deckblatt, Literaturverzeichnis und Eidesstattliche Erklärung schadet nie.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Experteninterviews brauche ich für meine Masterarbeit?

Als Richtwert gelten 8 bis 15 Interviews. Die konkrete Zahl hängt von deinem Fach, der Heterogenität deiner Zielgruppe und deinem Zugang zu Experten ab. Entscheidend ist die theoretische Sättigung: Wenn neue Gespräche keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr liefern, hast du genug Material. Stimme den Umfang vorab mit deiner Betreuung ab.

Was ist theoretische Sättigung und wie erkenne ich sie?

Theoretische Sättigung bedeutet, dass neue Interviews keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr liefern. Du erkennst sie, wenn sich Aussagen wiederholen und deine Kategorien stabil bleiben. Führe nach den ersten 8 bis 10 Interviews eine Zwischenauswertung durch. Wenn du dabei merkst, dass sich Muster verfestigen und keine neuen Aspekte auftauchen, bist du nah an der Sättigung.

Wie gehe ich mit Absagen um und wie viele Anfragen sollte ich einplanen?

Als Planungsheuristik: Rechne mit einer Rücklaufquote von etwa 30 bis 50 Prozent. Diese Quote variiert aber stark je nach Branche, Thema, Qualität deiner Ansprache und ob du über Gatekeeper Zugang hast. Für 10 Interviews plane also 20 bis 30 Anfragen ein. Frage bei Absagen höflich nach Alternativterminen oder bitte um Empfehlungen. Ein zweiter Kontaktversuch nach zwei Wochen ist akzeptabel.

Wie zitiere ich Experteninterviews im Text meiner Masterarbeit?

Verwende anonymisierte Kürzel wie E1, E2 und gib die Zeilennummer oder Zeitmarke an, z.B. (E3, Z. 47-49) oder (E3, 12:30). Im Methodikteil erklärst du das System und verweist auf den Anhang, wo der Leitfaden und die anonymisierten Transkripte liegen. So können Lesende deine Interpretation nachvollziehen.

Wie lange sollte ein Experteninterview dauern?

Plane 45 bis 60 Minuten ein. Bei komplexen Themen können auch 90 Minuten sinnvoll sein. Kündige die voraussichtliche Dauer bei der Anfrage an, damit die Befragten genug Zeit einplanen. Zu kurze Interviews liefern oft oberflächliche Antworten, zu lange ermüden.

Wann ist Kuckartz statt Mayring die bessere Wahl?

Mayring bietet drei Analyseformen (zusammenfassend, explikativ, strukturierend) und eignet sich besonders für exploratives Arbeiten ohne vorab festgelegte Kategorien. Kuckartz arbeitet mit deduktiven Hauptkategorien aus der Theorie, die induktiv verfeinert werden – ideal, wenn du ein theoretisches Modell prüfen willst. Drei Entscheidungsfragen: Hast du ein Kategoriensystem aus der Literatur? → Kuckartz. Entwickelst du Kategorien am Material? → Mayring. Welches Verfahren ist in deinem Fach üblich? Beide erlauben deduktiv-induktive Kombinationen.

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