Inhaltsverzeichnis
Der Interviewleitfaden ist das zentrale Werkzeug für qualitative Interviews in deiner Masterarbeit. Er strukturiert das Gespräch, sorgt für Vergleichbarkeit zwischen den Interviews und gibt dir Sicherheit während der Durchführung. Hier findest du alles für die Erstellung: den 5-Schritte-Prozess, Aufbau mit drei Phasen, Fragetypen mit Nachfragetechniken, ein vollständiges Beispiel und eine Vorlage zum Anpassen.
Kurzantwort: Ein Interviewleitfaden ist ein vorbereitetes Dokument mit offenen Fragen, das dein qualitatives Interview strukturiert. Der Aufbau folgt drei Phasen: Einstieg (Einwilligung, Warmup), Hauptteil (Leitfragen zu deinen Themenblöcken) und Abschluss (offene Frage, Dank).
So leitest du die Fragen ab:
- Forschungsfrage analysieren: Was genau willst du herausfinden?
- Zentrale Konstrukte identifizieren: Welche Begriffe aus der Theorie sind entscheidend?
- Informationsbedarf bestimmen: Welche Details brauchst du je Konstrukt?
- Offene Leitfragen formulieren: Fragen, die zum Erzählen einladen.
- Nachfragen (Probes) ergänzen: Vorbereitete Vertiefungsfragen für Details.
✓ Themenblöcke decken alle Dimensionen deiner Forschungsfrage ab
✓ Jede Leitfrage hat 2 bis 3 vorbereitete Nachfragen (bei einfachen Themen reicht auch 1, bei komplexen können es 4 sein)
✓ Einstiegsskript mit Datenschutzhinweis und Einwilligung ist formuliert
✓ Probeinterview durchgeführt und Anpassungen eingearbeitet
✓ Zeitrahmen passt: ca. 4 bis 6 Hauptfragen für 60 Minuten (bei komplexen Themen eher weniger)
30 Minuten: 2 bis 3 Hauptfragen mit je 1 bis 2 Nachfragen – fokussiertes, kurzes Interview
60 Minuten: 4 bis 6 Hauptfragen mit je 2 bis 3 Nachfragen – Standard für Masterarbeiten
90 Minuten: 6 bis 8 Hauptfragen mit je 2 bis 4 Nachfragen – für komplexe Themen mit mehreren Dimensionen
Was ist ein Interviewleitfaden?
Anders als beim standardisierten Fragebogen sind die Fragen im Leitfaden offen formuliert und die Reihenfolge flexibel. Du hast eine Struktur, kannst aber auf interessante Aspekte eingehen, die sich im Gespräch ergeben. Der Leitfaden stellt sicher, dass du in jedem Interview die relevanten Themen ansprichst, ermöglicht Vergleichbarkeit und gibt dir Sicherheit während der Durchführung.
In der qualitativen Forschung spricht man von Leitfadeninterviews oder halbstrukturierten Interviews. Das Verfahren liegt zwischen dem offenen narrativen Interview und dem standardisierten Interview mit festem Fragenkatalog. Für Experteninterviews in der Masterarbeit ist der Leitfaden die verbreitetste Form.
Interviewleitfaden erstellen: 5 Schritte
Die Entwicklung eines Interviewleitfadens folgt einer klaren Logik: Du arbeitest dich von der abstrakten Forschungsfrage zu konkreten Interviewfragen vor. Die folgenden fünf Schritte zeige ich dir anhand eines durchgängigen Beispiels: Forschungsfrage „Wie erleben Führungskräfte die Einführung agiler Methoden in ihrem Unternehmen?".
Welche Teilaspekte musst du klären, um die Forschungsfrage vollständig zu beantworten?
Beispiel: Forschungsfrage „Wie erleben Führungskräfte die Einführung agiler Methoden?" → Aspekte: (1) Erfahrungen mit der Einführung, (2) wahrgenommene Veränderungen im Arbeitsalltag, (3) Reaktionen der Mitarbeitenden, (4) Blick in die Zukunft.
Prüfe deinen Theorieteil: Welche Konzepte oder Dimensionen sind dort zentral? Diese bilden deine Themenblöcke.
Beispiel: Theoretischer Rahmen zu agiler Transformation → Konstrukte: Implementierungsprozess, Rollenveränderung, Akzeptanz und Vorbehalte, Zukunftserwartungen. Diese vier Konstrukte werden zu vier Themenblöcken im Leitfaden.
Was musst du von den Befragten erfahren, um jedes Konstrukt zu verstehen? Welche Indikatoren oder Beispiele brauchst du?
Beispiel: Konstrukt „Akzeptanz und Vorbehalte" → Informationsbedarf: Wie haben Mitarbeitende reagiert? Gab es Vorbehalte? Worin äußerten sie sich? Wie wurde damit umgegangen? Was hat Akzeptanz gefördert?
Übersetze den Informationsbedarf in offene Fragen. Vermeide Fachbegriffe und wertende Formulierungen.
Beispiel: Informationsbedarf „Akzeptanz und Vorbehalte" → Leitfrage: „Wie haben Ihre Mitarbeitenden auf die Einführung der agilen Arbeitsweise reagiert?" (Offen formuliert, lädt zum Erzählen ein, nutzt neutrale Begriffe statt wertender Wörter wie „Widerstand".)
Ergänze zu jeder Leitfrage zwei bis drei Nachfragen. Formuliere Übergänge zwischen den Themenblöcken.
Beispiel: Leitfrage zu Reaktionen → Nachfragen: „Können Sie mir ein konkretes Beispiel für eine positive/skeptische Reaktion nennen?" „Wie sind Sie mit Vorbehalten umgegangen?" „Was hat die Akzeptanz im Laufe der Zeit gefördert?" Übergang: „Sie haben gerade die Reaktionen der Mitarbeitenden beschrieben. Wenn Sie nun in die Zukunft blicken..."
Konstrukt: Akzeptanz und Vorbehalte bei agiler Transformation
Leitfrage: „Wie haben Ihre Mitarbeitenden auf die Einführung der agilen Arbeitsweise reagiert?"
Nachfragen: „Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?" · „Wie sind Sie mit Vorbehalten umgegangen?" · „Was hat die Akzeptanz im Laufe der Zeit gefördert?"
Übergang: „Sie haben gerade die Reaktionen beschrieben. Wenn Sie nun in die Zukunft blicken: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?"
Nach diesen fünf Schritten hast du einen inhaltlich fundierten Leitfaden, der systematisch auf deine Forschungsfrage einzahlt. Im nächsten Abschnitt erfährst du, wie du die drei Phasen (Einstieg, Hauptteil, Abschluss) konkret gestaltest.
Aufbau: Einstieg, Hauptteil, Abschluss
Ein guter Interviewleitfaden folgt einer dreiteiligen Struktur: Einstieg, Hauptteil und Abschluss. Diese Gliederung schafft einen natürlichen Gesprächsbogen und hilft beiden Seiten, sich zu orientieren. Die Zeitanteile variieren je nach Interviewdauer, aber der Hauptteil sollte mindestens zwei Drittel der Zeit einnehmen.
Der Einstieg schafft eine angenehme Atmosphäre und klärt formale Rahmenbedingungen. Hier holst du die Einwilligung zur Aufnahme ein und gibst einen kurzen Überblick über den Ablauf.
Begrüßung: „Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. Ich stelle Ihnen gleich einige Fragen zu [Thema]. Das Interview dauert etwa 45 bis 60 Minuten."
Warmup-Frage: „Können Sie mir kurz Ihren beruflichen Hintergrund und Ihre Verbindung zu [Thema] schildern?"
Kurzversion (3 Sätze zum Vorlesen):
„Ich nehme das Gespräch auf und transkribiere es anschließend. Die Daten werden pseudonymisiert, d.h. Ihr Name wird durch einen Code ersetzt. Sie können jederzeit widerrufen. Einverstanden?"
Vollversion (mit allen Details):
„Bevor wir starten, möchte ich kurz auf den Datenschutz eingehen: Ich nehme das Gespräch mit [Gerät/Software, z.B. Zoom / Diktiergerät] auf, um es anschließend zu transkribieren. Die Aufnahme wird auf [Speicherort, z.B. meinem lokalen Rechner / dem Uni-Server] gespeichert. Den Zuordnungsschlüssel, mit dem ich Ihre Aussagen Ihrem Namen zuordnen kann, bewahre ich getrennt von den Interviewdaten auf und lösche ihn spätestens am [Löschdatum Schlüssel, z.B. 31.12.2027]. Zugriff habe nur ich [und meine Betreuung]. Die Daten werden pseudonymisiert: Namen und direkte Identifikatoren ersetze ich durch Codes. Vor Veröffentlichung entferne ich weitere identifizierende Details. Eine vollständige Anonymisierung kann je nach Kontext – gerade bei Experteninterviews mit spezifischen Positionen – nicht immer garantiert werden. Sie können Ihre Teilnahme jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen, solange eine Zuordnung über den Schlüssel noch möglich ist. Bei Fragen erreichen Sie mich unter [Name, E-Mail]. Sind Sie damit einverstanden?"
Platzhalter zum Ausfüllen:
• Gerät/Software: _______ • Speicherort: _______ • Löschdatum Schlüssel: _______ • Ansprechpartner (Name, E-Mail): _______
Pseudonymisierung vs. Anonymisierung: Pseudonymisierung bedeutet: Namen und Identifikatoren werden durch Codes ersetzt, aber eine Zuordnung bleibt über den Schlüssel theoretisch möglich. Anonymisierung bedeutet: Keinerlei Rückschlüsse auf die Person sind mehr möglich. Bei Experteninterviews mit spezifischen Positionen (z.B. „Leiter Qualitätsmanagement in Unternehmen X") oder Nischenthemen ist vollständige Anonymisierung oft schwer zu garantieren, selbst wenn der Name entfernt wird. Formuliere daher im Skript realistisch („pseudonymisiert", nicht pauschal „anonymisiert").
Kernelemente der Einwilligung: Im Hochschulkontext gehören typischerweise diese Punkte hinein: Zweck der Studie, Art der Datenerhebung (Aufnahme), Speicherort und Zugriff, getrennte Aufbewahrung des Zuordnungsschlüssels, Löschfrist, Freiwilligkeit der Teilnahme, Widerrufsrecht mit Frist/Ansprechpartner. Viele Hochschulen stellen Vorlagen bereit.
Hinweis: Die konkreten Anforderungen variieren je nach Hochschule, Studiengang und Thema. Prüfe den Leitfaden deiner Hochschule und stimme das Skript mit deiner Betreuung ab. Bei sensiblen Themen oder bestimmten Zielgruppen kann eine Prüfung durch die Ethikkommission erforderlich sein.
Der Hauptteil enthält deine Kernfragen, thematisch geordnet. Beginne mit allgemeineren Fragen und steigere die Komplexität. Zu jeder Hauptfrage gehören optionale Nachfragen für den Fall, dass Aspekte nicht von selbst angesprochen werden.
Themenblock 1: „Wie erleben Sie aktuell [Thema X] in Ihrem Arbeitsalltag?" Nachfrage: „Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?"
Themenblock 2: „Welche Faktoren beeinflussen aus Ihrer Sicht [Aspekt Y]?" Nachfrage: „Wie bewerten Sie den Einfluss von [Z]?"
Themenblock 3: „Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?" Nachfrage: „Welche Chancen und Risiken sehen Sie?"
Der Abschluss rundet das Gespräch ab und gibt Raum für Ergänzungen. Eine offene Abschlussfrage fängt Aspekte ein, die du möglicherweise übersehen hast.
Offene Abschlussfrage: „Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das Ihnen aber zu diesem Thema wichtig erscheint?"
Dank und Ausblick: „Vielen Dank für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke. Falls Sie noch Fragen haben oder mir etwas nachreichen möchten, erreichen Sie mich jederzeit per E-Mail."
Die Themenblöcke im Hauptteil entsprechen den zentralen Konstrukten deines theoretischen Rahmens (siehe 5-Schritte-Prozess oben). Beginne mit dem Themenblock, der am einfachsten zu beantworten ist, und steigere die Komplexität. So baust du Vertrauen auf und erhältst gegen Ende des Interviews die reflektierteren Aussagen.
Fragen formulieren: Typen und Nachfragetechniken
Die Art der Fragen bestimmt die Qualität der Antworten. In qualitativen Interviews arbeitest du vorwiegend mit offenen Fragen, die zum Erzählen einladen. Geschlossene Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen, sind die Ausnahme. Je offener du fragst, desto reichhaltigere Daten erhältst du.
Erzählaufforderungen sind der offenste Fragetyp. Sie laden die befragte Person ein, frei zu einem Thema zu sprechen. Typische Formulierungen beginnen mit „Erzählen Sie mir..." oder „Beschreiben Sie...". Dieser Fragetyp eignet sich besonders für den Einstieg in einen neuen Themenblock.
Vertiefende Fragen konkretisieren allgemeine Aussagen. Wenn jemand sagt „Das war schwierig", fragst du nach: „Was genau war schwierig?" oder „Können Sie mir ein Beispiel nennen?". Diese Fragen bringen Detailtiefe in die Antworten und helfen, abstrakte Aussagen greifbar zu machen.
Konkretisieren: „Können Sie das an einer konkreten Situation festmachen?" · „Was genau meinen Sie mit [Begriff]?" · „Wie hat sich das geäußert?"
Ursachen/Auslöser: „Was war der Auslöser dafür?" · „Worauf führen Sie das zurück?" · „Wie kam es dazu?"
Entscheidungen: „Wie haben Sie entschieden?" · „Welche Alternativen gab es?" · „Was hat den Ausschlag gegeben?"
Wahrnehmung: „Woran haben Sie gemerkt, dass...?" · „Wie haben andere darauf reagiert?" · „Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf?"
Weiterführen: „Und dann?" · „Wie ging es weiter?" · „Was ist daraus geworden?"
„Sie haben gerade [Aspekt X] beschrieben. Ich würde jetzt gerne zu [Aspekt Y] übergehen."
„Vielen Dank für diese Einblicke. Lassen Sie uns nun einen anderen Bereich betrachten..."
„Das ist ein guter Übergang zu meiner nächsten Frage, die sich mit [Thema] beschäftigt."
„Wenn Sie an die Anfangsphase zurückdenken und dann den heutigen Stand betrachten: [Frage zu Entwicklung]"
„Bevor wir zum Abschluss kommen, möchte ich noch auf [letztes Thema] eingehen."
Achte auf eine neutrale Formulierung. Vermeide Suggestivfragen wie „Finden Sie nicht auch, dass...?" oder „Das war sicher schwierig, oder?". Solche Fragen legen eine bestimmte Antwort nahe und verfälschen die Ergebnisse. Frage stattdessen offen: „Wie haben Sie diese Situation erlebt?" oder „Wie bewerten Sie das?".
Interviewleitfaden Beispiel
Nachdem du oben den 5-Schritte-Prozess am Beispiel „Agile Methoden" kennengelernt hast, siehst du hier ein zweites, vollständiges Beispiel mit einem anderen Thema: Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen. Warum ein anderes Thema? So erkennst du besser, wie die Struktur unabhängig vom konkreten Inhalt funktioniert. Das Beispiel zeigt, wie die drei Phasen ineinandergreifen und wie Haupt- und Nachfragen zusammenspielen.
Einstieg
Begrüßung und Dank für die Teilnahme. Hinweis auf Aufnahme und Pseudonymisierung (siehe Datenschutz-Skript oben).
Einholung der Einwilligung (je nach Hochschulvorgabe mündlich oder schriftlich).
Warmup: „Können Sie mir kurz Ihr Unternehmen und Ihre Position beschreiben?"
Hauptteil
Frage 1: „Wenn Sie an die Digitalisierung
in Ihrem Unternehmen denken: Wie würden Sie den aktuellen Stand beschreiben?"
Nachfrage: „In welchen Bereichen sind Sie bereits digital aufgestellt?"
Nachfrage: „Wo sehen Sie noch Nachholbedarf?"
Frage 2: „Welche Faktoren haben die Digitalisierung
in Ihrem Unternehmen vorangetrieben?"
Nachfrage: „Welche Rolle spielte die Corona-Pandemie?"
Nachfrage: „Gab es bestimmte Schlüsselmomente?"
Frage 3: „Welche Hindernisse haben Sie bei
der Umsetzung erlebt?"
Nachfrage: „Wie sind Sie mit diesen Hindernissen umgegangen?"
Nachfrage: „Was hätte geholfen?"
Frage 4: „Wie haben Ihre Mitarbeitenden auf
die Veränderungen reagiert?"
Nachfrage: „Gab es Vorbehalte? Wie sind Sie damit umgegangen?"
Nachfrage: „Was hat die Akzeptanz gefördert?"
Frage 5: „Wie schätzen Sie die zukünftige
Entwicklung ein?"
Nachfrage: „Welche Technologien werden für Ihr Unternehmen wichtig?"
Nachfrage: „Welche Chancen und Risiken sehen Sie?"
Abschluss
„Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das Ihnen zu diesem Thema wichtig erscheint?"
Dank für die Zeit und Hinweis auf Kontaktmöglichkeit für Rückfragen.
Beachte, wie die Fragen vom Allgemeinen zum Spezifischen führen. Frage 1 erfasst den Status quo, Frage 2 und 3 beleuchten Treiber und Barrieren, Frage 4 nimmt die menschliche Dimension in den Blick, Frage 5 schließt mit einem Ausblick. Diese Dramaturgie hilft der befragten Person, sich zu orientieren und Zusammenhänge herzustellen.
Vorlage zum Anpassen
Mit dieser Vorlage kannst du deinen eigenen Leitfaden erstellen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine Inhalte. Die Struktur funktioniert für verschiedene Themen und Zielgruppen, passe die Formulierungen an deinen Kontext an.
Einstieg
Begrüßung, Dank für die Teilnahme. Kurze Vorstellung des Themas: [Thema deiner Masterarbeit]. Hinweis auf
Aufnahme und Pseudonymisierung. Einholung der Einwilligung (je nach Vorgabe mündlich oder schriftlich).
Warmup-Frage:
„Können Sie mir kurz [Ihren Hintergrund / Ihre Verbindung zum Thema] schildern?"
Hauptfrage 1 – [Themenblock A]:
[Offene Einstiegsfrage zum ersten Themenbereich]
Nachfrage: [Konkretisierende Frage]
Nachfrage: [Beispiel erfragen]
Hauptfrage 2 – [Themenblock B]:
[Offene Frage zum zweiten Themenbereich]
Nachfrage: [Vertiefende Frage]
Nachfrage: [Einschätzung erfragen]
Hauptfrage 3 – [Themenblock C]:
[Offene Frage zum dritten Themenbereich]
Nachfrage: [Konkretisierende Frage]
Nachfrage: [Vergleich oder Entwicklung erfragen]
Abschlussfrage:
„Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das Ihnen zu [Thema] wichtig erscheint?"
Dank:
„Vielen Dank für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke."
Beim Ausfüllen beachten: Nutze den 5-Schritte-Prozess von oben. Ersetze nicht einfach die Platzhalter durch beliebige Fragen, sondern leite jeden Themenblock systematisch aus deinem Informationsbedarf ab. Die Nachfragen sollten unterschiedliche Aspekte abdecken (z.B. Beispiel erfragen, Ursachen klären, Bewertung einholen).
Typische Fehler vermeiden
Suggestivfragen sind der häufigste Fehler. Sie legen eine bestimmte Antwort nahe und verfälschen die Ergebnisse. „Finden Sie nicht auch, dass die Digitalisierung viele Probleme mit sich bringt?" ist eine Suggestivfrage. Besser: „Wie bewerten Sie die Auswirkungen der Digitalisierung?". Prüfe jede Frage darauf, ob sie eine bestimmte Antwort nahelegt.
Geschlossene Fragen liefern wenig Material für die Auswertung. „Haben Sie Erfahrungen mit agilen Methoden?" lässt sich mit Ja oder Nein beantworten. Die offene Variante „Welche Erfahrungen haben Sie mit agilen Methoden gemacht?" lädt zum Erzählen ein. Geschlossene Fragen eignen sich höchstens als Einleitung, gefolgt von einer offenen Nachfrage.
Überladene Fragen verwirren die Befragten. „Wie bewerten Sie die Digitalisierung und welche Rolle spielen dabei die Mitarbeitenden und wie hat sich das im Vergleich zu früher verändert?" enthält drei Fragen in einer. Die befragte Person weiß nicht, worauf sie zuerst antworten soll. Stelle eine Frage nach der anderen.
Zu viele Fragen führen dazu, dass das Interview oberflächlich bleibt. Wenn du 15 Fragen in 60 Minuten unterbringen willst, hast du pro Frage nur 4 Minuten. Das reicht nicht für ausführliche Antworten und spontane Vertiefungen. Faustregel: Pro Themenblock meist eine Leitfrage mit zwei bis drei Nachfragen. Bei sehr breiten Themenblöcken können auch zwei Leitfragen sinnvoll sein. Prüfe bei jeder Frage, ob sie direkt auf deine Forschungsfrage einzahlt. Wenn nicht, streichen. So entstehen die reichhaltigen Daten, die du für die qualitative Inhaltsanalyse brauchst.
Abweichen sinnvoll: Wenn ein relevantes Thema von selbst aufkommt, bevor du danach fragst. Wenn eine Antwort so ergiebig ist, dass du vertiefen willst. Wenn die Reihenfolge im Gespräch natürlicher anders funktioniert.
Vollständigkeit sichern: Hake nach jedem Gespräch im Leitfaden ab, welche Themen angesprochen wurden. Fehlt ein wichtiger Aspekt, frage am Ende nach: „Wir haben noch nicht über [Thema] gesprochen. Wie sehen Sie das?"
Fachbegriffe vermeiden: „Wie erleben Sie die digitale Transformation?" kann unterschiedlich verstanden werden. Besser: „Wenn Sie an die Veränderungen durch neue Technologien in Ihrem Arbeitsbereich denken..."
Leitfaden testen und optimieren
Ein Probeinterview zeigt dir Schwächen im Leitfaden, bevor du mit der eigentlichen Erhebung beginnst. Führe das Testgespräch mit einer Person, die deiner Zielgruppe ähnelt, aber nicht zu deinem Sample gehört. Das kann eine Kollegin, ein Freund mit relevanter Berufserfahrung oder eine Person aus einem verwandten Bereich sein.
Achte im Probeinterview auf mehrere Aspekte: Verstehen die Befragten deine Fragen auf Anhieb oder musst du oft umformulieren? Liefern die Fragen die Art von Antworten, die du brauchst? Reicht die Zeit für alle Themenblöcke? Fühlt sich das Gespräch natürlich an oder stockt es? Notiere dir nach dem Probeinterview, was gut lief und was du ändern willst.
Typische Anpassungen nach dem Probeinterview betreffen die Reihenfolge der Fragen, die Formulierung einzelner Fragen, die Anzahl der Nachfrageoptionen oder die Länge des Leitfadens. Manchmal merkst du auch, dass ein wichtiger Aspekt fehlt oder eine Frage redundant ist. Nimm dir die Zeit für diese Optimierung, sie zahlt sich in der Qualität deiner Daten aus.
Verständlichkeit: Wurden alle Fragen auf Anhieb verstanden? Falls nicht: umformulieren oder Beispiel hinzufügen.
Ertrag: Lieferten die Fragen relevante, ausführliche Antworten? Falls nicht: offener formulieren oder Nachfragen ergänzen.
Zeit: Passte die Dauer zur geplanten Interviewlänge? Falls zu lang: Fragen streichen oder zusammenfassen.
Vollständigkeit: Wurden alle relevanten Aspekte angesprochen? Falls nicht: fehlenden Themenblock ergänzen.
Wenn das Probeinterview inhaltlich ergiebig war und du den Leitfaden danach nur geringfügig angepasst hast (z.B. Formulierungen geschärft, Reihenfolge leicht verändert), kannst du es in deine Auswertung einbeziehen. Das ist in der qualitativen Forschung üblich und spart Zeit. Hast du den Leitfaden jedoch substanziell verändert (z.B. neue Themenblöcke ergänzt, Kernfragen gestrichen), dokumentiere das Probeinterview als separaten Pilottest, der nicht in die Hauptauswertung einfließt. Beschreibe im Methodikteil, wie du vorgegangen bist.
Nächster Schritt: Durchführung und Auswertung
Dein Interviewleitfaden ist fertig, wenn er alle relevanten Themen abdeckt, die Fragen verständlich formuliert sind und du ihn im Probeinterview getestet hast. Jetzt geht es an die Durchführung der Experteninterviews. Lies den Leitfaden vor jedem Gespräch durch, damit du die Fragen präsent hast und nicht ständig ablesen musst.
Nach jedem Interview: Schreibe direkt im Anschluss ein kurzes Reflexionsmemo (5 bis 10 Minuten). Notiere erste Eindrücke, überraschende Aussagen, Besonderheiten der Gesprächssituation und Ideen für die Auswertung. Diese Memos helfen dir später, die Transkripte einzuordnen und Muster zu erkennen.
Transkription: Übertrage die Aufnahmen zeitnah in Textform. Für die meisten Inhaltsanalysen reicht eine wörtliche Transkription ohne Dialektfärbung. Plane pro Interviewstunde vier bis sechs Stunden Transkriptionszeit ein, je nach Sprechtempo und gewünschtem Detailgrad.
Auswertung: Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder Kuckartz ist das verbreitetste Verfahren. Du kodierst die Transkripte, bildest Kategorien und verdichtest die Ergebnisse zu Mustern. Software wie MAXQDA oder Atlas.ti erleichtert die Arbeit bei mehr als fünf Interviews erheblich.
Dokumentation: Der vollständige Leitfaden gehört in den Anhang deiner Masterarbeit. Im Methodikteil beschreibst du, wie du den Leitfaden entwickelt hast, welche theoretischen Überlegungen die Themenblöcke begründen und welche Anpassungen du nach dem Probeinterview vorgenommen hast.
Wenn deine Masterarbeit fertig ist, kannst du sie bei BachelorHero drucken und binden lassen. Das Hardcover ist die klassische Wahl für Abschlussarbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Fragen sollte ein Interviewleitfaden für die Masterarbeit enthalten?
Für ein 60-minütiges Interview sind vier bis sechs Hauptfragen mit je zwei bis drei Nachfrageoptionen ein guter Richtwert. Bei komplexen Themen, die ausführliche Erklärungen erfordern, eher weniger (drei bis vier). Bei fokussierten, konkreten Themen können es auch sechs bis sieben sein. Für 30-minütige Interviews halbiere die Anzahl, für 90 Minuten kannst du entsprechend mehr einplanen. Teste den Leitfaden im Probeinterview und passe bei Bedarf an.
Muss ich mich strikt an den Interviewleitfaden halten?
Nein, der Leitfaden ist Orientierung, kein Skript. Wenn ein relevantes Thema von selbst aufkommt, folge dem Gesprächsfluss. Wenn eine Antwort besonders ergiebig ist, darfst du vertiefen. Achte aber darauf, dass am Ende alle Themenblöcke angesprochen wurden. Tipp: Hake nach jedem Interview im Leitfaden ab, welche Punkte behandelt wurden.
Wie lang sollte ein Interviewleitfaden sein?
Typischerweise ein bis zwei DIN-A4-Seiten. Der Leitfaden enthält Stichpunkte und Fragen, keinen Fließtext. Lass Platz für handschriftliche Notizen während des Gesprächs. Format: Leitfragen fett oder nummeriert, Nachfragen eingerückt darunter. So findest du dich im Gespräch schnell zurecht.
Was ist der Unterschied zwischen Leitfadeninterview und strukturiertem Interview?
Beim Leitfadeninterview (halbstrukturiert) hast du vorbereitete Fragen, kannst aber flexibel nachfragen und der Gesprächsdynamik folgen. Beim strukturierten Interview sind Fragen und Reihenfolge fest vorgegeben, alle Befragten erhalten exakt dieselben Fragen. Für qualitative Forschung in der Masterarbeit ist das Leitfadeninterview üblicher.
Wie formuliere ich gute offene Fragen für meinen Leitfaden?
Gute offene Fragen beginnen mit Fragewörtern wie „Wie", „Welche", „Inwiefern" oder „Was". Sie laden zum Erzählen ein und lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Vermeide Suggestivfragen („Finden Sie nicht auch, dass...?") und doppelte Fragen („Wie bewerten Sie X und was halten Sie von Y?").
Gehört der Interviewleitfaden in den Anhang meiner Masterarbeit?
Ja. Der vollständige Leitfaden gehört in den Anhang, damit Lesende dein Vorgehen nachvollziehen können. Im Methodikteil beschreibst du den Aufbau des Leitfadens und verweist auf den Anhang. So bleibt der Fließtext übersichtlich und die Dokumentation ist vollständig.
Was mache ich, wenn die befragte Person keine Aufnahme erlaubt?
Frage, ob du stattdessen ein schriftliches Protokoll anfertigen darfst. Notiere während des Gesprächs Stichpunkte und schreibe direkt danach ein ausführliches Gedächtnisprotokoll. Dokumentiere im Methodikteil, dass dieses Interview nicht aufgezeichnet wurde. Die Datenqualität ist geringer, aber das Interview kann trotzdem auswertbar sein.
Wie gehe ich mit sensiblen Fragen im Leitfaden um?
Platziere sensible Fragen im mittleren bis späteren Hauptteil, wenn bereits Vertrauen aufgebaut ist. Leite sie mit einem „Soft Einstieg" ein: „Manche Befragte berichten von Schwierigkeiten bei... Wie war das bei Ihnen?" Weise darauf hin, dass die Person nicht antworten muss. Vermeide Fragen zu sehr persönlichen Themen, die für deine Forschungsfrage nicht zwingend nötig sind.
Sollten soziodemografische Fragen in den Leitfaden?
Ja, aber ans Ende oder in einen separaten Kurzfragebogen vor dem Interview. Fragen zu Alter, Position, Berufserfahrung helfen bei der Einordnung der Aussagen. Am Gesprächsende sind sie weniger störend, weil die inhaltlichen Themen bereits abgeschlossen sind. Alternativ kannst du diese Daten vorab per E-Mail erheben.
Wie dokumentiere ich Änderungen nach dem Pretest im Methodikteil?
Ein bis zwei Sätze reichen: „Nach dem Probeinterview wurden Frage 3 konkretisiert und die Reihenfolge von Themenblock 2 und 3 getauscht, da die ursprüngliche Abfolge den Gesprächsfluss unterbrach." Ergänze den finalen Leitfaden im Anhang. Wenn die Änderungen substanziell waren, kannst du in einer Fußnote auf die ursprüngliche Version verweisen.
Kann ich denselben Leitfaden für alle Interviews verwenden?
In der Regel ja, damit die Interviews vergleichbar bleiben. Bei sehr heterogenen Zielgruppen kann es sinnvoll sein, einzelne Fragen anzupassen. Dokumentiere solche Anpassungen im Methodikteil und begründe sie. Der Kernleitfaden sollte aber für alle Gespräche gleich sein.
Roter Faden in der Masterarbeit
Wissenschaftliche Kommunikation
Anhang der Masterarbeit