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Primärquellen sind das Material, das du selbst auswertest (Texte, Dokumente, Daten). Sekundärliteratur ist Forschung, die dieses Material analysiert und einordnet. Ein Sekundärzitat entsteht, wenn du eine Quelle zitierst, ohne das Original eingesehen zu haben. In diesem Artikel erfährst du, wie du die Quellenarten unterscheidest, Grenzfälle erkennst und typische Fehler vermeidest.
Primärquellen sind das Material, das du selbst auswertest (Texte, Dokumente, Daten). Sekundärliteratur analysiert oder interpretiert Primärquellen. Sekundärzitate entstehen, wenn du eine Primärquelle nur über eine andere Quelle zitierst. Tertiärliteratur (Lexika, Handbücher) eignet sich für den Einstieg, je nach Vorgaben aber selten für zentrale Argumente.
Begriffe kurz erklärt
Vier Begriffe tauchen bei der Quellenarbeit immer wieder auf. Sie werden oft verwechselt, meinen aber Unterschiedliches.
- Primärquelle: Das Material, das du selbst analysierst oder auswertest. Ein Roman, den du interpretierst. Ein historisches Dokument, das du untersuchst. Daten, die du selbst erhoben hast. In manchen Fächern (besonders Naturwissenschaften) wird auch der Begriff Primärliteratur verwendet, meist für Originalstudien mit neuen Forschungsdaten.
- Sekundärliteratur: Wissenschaftliche Texte, die Primärquellen analysieren, interpretieren oder einordnen. Monografien, Fachaufsätze, Kommentare. Du nutzt sie, um deine eigene Analyse in den Forschungsstand einzubetten.
- Sekundärzitat (Zitat aus zweiter Hand): Eine Quelle, über die du etwas anderes zitierst, das Original aber nicht selbst eingesehen hast. Wenn ein Fachbuch ein historisches Dokument wiedergibt und du dieses Dokument aus dem Fachbuch zitierst, ist das ein Sekundärzitat. Das ist eine Notlösung, nicht der Normalfall. Hinweis: In manchen Fächern wird auch „Sekundärquelle" gesagt. Da dieser Begriff leicht mit „Sekundärliteratur" verwechselt wird, nutzen wir hier „Sekundärzitat".
- Tertiärliteratur: Nachschlagewerke, die Wissen zusammenfassen, ohne selbst zu forschen. Lexika, Handbücher, Enzyklopädien, Wikipedia. Gut für den Einstieg und Überblick, aber je nach Vorgaben deiner Hochschule selten zitierfähig für zentrale Argumente.
Was sind Primärquellen?
Primärquellen sind originäres Material, das du selbst analysierst oder interpretierst. Sie liegen möglichst nah am Untersuchungsgegenstand und wurden in der Regel nicht durch andere Forschende interpretiert. In deiner Hausarbeit bilden sie oft den Kern der Untersuchung: das Material, an dem du deine Fragestellung bearbeitest. Ob eine Quelle „direkt" (z.B. Augenzeugenbericht) oder „indirekt" (z.B. zeitgenössischer Bericht ohne eigene Beobachtung) ist, kann für manche Fragestellungen relevant sein. Wichtig: „Primär" bedeutet nicht automatisch „wahr" oder „objektiv". Auch Primärquellen können fehlerhaft, tendenziös oder lückenhaft sein.
Je nach Fachbereich sehen Primärquellen unterschiedlich aus. In der Geschichtswissenschaft sind es Urkunden, Briefe, Tagebücher oder Zeitungsartikel aus der untersuchten Epoche. In der Literaturwissenschaft ist der literarische Text selbst die Primärquelle. In den Sozialwissenschaften zählen selbst erhobene Daten, Interviews oder Fragebögen dazu. In den Naturwissenschaften sind es Laborprotokolle, Messdaten oder Versuchsergebnisse.
- Geisteswissenschaften: Goethes „Faust" bei einer Analyse des Werks, ein Brief von Thomas Mann, eine mittelalterliche Urkunde, ein Gemälde von Caspar David Friedrich.
- Sozialwissenschaften: Selbst durchgeführte Interviews, Fragebögen mit Rohdaten, Feldnotizen aus einer Beobachtung, amtliche Statistiken als Datenbasis.
- Naturwissenschaften: Laborprotokolle eines Experiments, Messdaten aus einer Studie, Patentschriften, technische Zeichnungen.
Wichtig bei Editionen und Übersetzungen: Auch eine kritische Edition oder eine Übersetzung kann Primärquelle sein, wenn du das Werk selbst analysierst. Sie ist aber „vermittelt", also durch Herausgeber oder Übersetzer bearbeitet. Nenne in solchen Fällen die verwendete Ausgabe oder Übersetzung sauber im Literaturverzeichnis, damit nachvollziehbar ist, mit welcher Fassung du gearbeitet hast.
Was ist Sekundärliteratur?
Sekundärliteratur analysiert, interpretiert oder kommentiert Primärquellen. Forschende haben das Originalmaterial bereits bearbeitet und ihre Erkenntnisse veröffentlicht. In deiner Hausarbeit nutzt du Sekundärliteratur, um deine eigene Analyse wissenschaftlich einzuordnen und den Forschungsstand darzustellen.
Typische Formen von Sekundärliteratur sind Monografien, Aufsätze in Fachzeitschriften und Sammelbände. Diese Texte stellen keine eigenen Originalquellen dar, sondern arbeiten mit vorhandenem Material. Ein Fachbuch über die Weimarer Republik ist Sekundärliteratur, die Quellen aus dieser Zeit analysiert.
- Geisteswissenschaften: Eine Monografie über Goethes Faust, ein Aufsatz zur Interpretation eines Gedichts, ein Sammelbandbeitrag zur deutschen Romantik.
- Sozialwissenschaften: Eine Studie, die vorhandene Daten auswertet, ein Methodenbuch, ein Review-Artikel zu einem Forschungsfeld.
- Naturwissenschaften: Ein Übersichtsartikel (Review), der mehrere Originalstudien zusammenfasst und einordnet.
Sekundärliteratur ist unverzichtbar für wissenschaftliches Arbeiten. Sie zeigt dir, was andere zu deinem Thema geforscht haben, welche Fragen bereits beantwortet sind und wo noch Lücken bestehen. In der Einleitung deiner Hausarbeit ordnest du dein Thema oft mit Hilfe von Sekundärliteratur in den Forschungsstand ein.
Schnellcheck: Welcher Quellentyp?
Mit diesen vier Fragen findest du in 60 Sekunden heraus, welchen Quellentyp du vor dir hast.
- Frage 1: Analysiere ich diese Quelle selbst (eigene Interpretation,
Auswertung)?
Ja → wahrscheinlich Primärquelle - Frage 2: Analysiert oder interpretiert die Quelle anderes
Material?
Ja → Sekundärliteratur - Frage 3: Fasst die Quelle nur Wissen zusammen, ohne eigene
Forschung (Lexikon, Handbuch)?
Ja → Tertiärliteratur (für Überblick; Zitierfähigkeit variiert je nach Vorgaben) - Frage 4: Zitiere ich etwas, ohne das Original selbst eingesehen
zu haben?
Ja → Sekundärzitat (Zitat aus zweiter Hand)
Grenzfall Zeitungsartikel: Ein historischer Zeitungsartikel kann je nach Fragestellung unterschiedlich eingeordnet werden. Untersuchst du, wie damals über ein Thema berichtet wurde (Mediengeschichte, öffentliche Wahrnehmung), ist der Artikel Primärquelle. Willst du das berichtete Ereignis faktisch rekonstruieren, liefert der Artikel oft nur indirekte Informationen, weil der Journalist nicht selbst Augenzeuge war. In diesem Fall prüfe, ob es direktere Quellen gibt.
Primärquellen und Sekundärliteratur nach Fachbereich
Welche Quellen du brauchst, hängt von deinem Fach und der Aufgabenstellung ab. Hier findest du typische Erwartungen als Richtwerte. Prüfe immer die konkreten Vorgaben deiner Dozentin oder deines Dozenten.
In der Literatur-, Geschichts- oder Kunstwissenschaft ist die Arbeit mit Primärquellen oft unverzichtbar. Der Untersuchungsgegenstand (Text, Dokument, Kunstwerk) ist die Primärquelle, die Forschungsliteratur dazu ist sekundär.
Typische Erwartung: Primärtext (Roman, Gedicht, Quelle) plus mehrere Sekundärtexte zur Einordnung. Bei Textanalysen steht die Primärquelle im Zentrum.
Hier hängt die Einordnung davon ab, ob du eigene Daten erhebst oder mit vorhandenen Studien arbeitest. Beides ist möglich und wissenschaftlich legitim.
Typische Erwartung: Eigene Erhebung (Interviews, Umfragen) oder Sekundärdatenanalyse. Bei empirischen Arbeiten: Methodenbeschreibung plus Einordnung in den Forschungsstand.
Hier wird häufig der Begriff Primärliteratur für Originalstudien mit neuen Forschungsdaten verwendet. Das meint Studien, die eigene Experimente oder Erhebungen berichten, nicht „Primärquelle" im geisteswissenschaftlichen Sinn (Untersuchungsgegenstand). Review-Artikel, die mehrere Studien zusammenfassen, sind Sekundärliteratur. Lehrbücher vermitteln etabliertes Wissen und sind fast immer sekundär oder tertiär.
Typische Erwartung: Originalstudien (Primärliteratur) für zentrale Belege, Reviews für den Überblick. Lehrbücher nur für Grundlagen, nicht für neue Erkenntnisse.
Primärquellen und Sekundärliteratur richtig einsetzen
In einer guten Hausarbeit ergänzen sich beide Quellenarten. Primärquellen liefern das Material für deine Analyse. Sekundärliteratur hilft dir, deine Ergebnisse einzuordnen und mit dem Forschungsstand zu verbinden.
Primärquellen analysierst du selbst. Du interpretierst, vergleichst oder wertest aus. Dabei entwickelst du eigene Erkenntnisse, das ist der wissenschaftliche Kern deiner Arbeit. Wenn du eine Rede analysierst, ein Interview auswertest oder einen Roman interpretierst, arbeitest du mit Primärquellen.
Sekundärliteratur nutzt du zur Einordnung. Was haben andere zu deinem Thema geforscht? Welche Interpretationen gibt es bereits? Wo stimmt deine Analyse mit der Forschung überein, wo weichst du ab? Die Sekundärliteratur macht deine Arbeit anschlussfähig an den wissenschaftlichen Diskurs.
Eine reine Wiedergabe von Sekundärliteratur ohne eigene Analyse ist keine wissenschaftliche Leistung. Aber auch eine Analyse ohne Bezug zum Forschungsstand wirkt beliebig.
Faustregel: Die Primärquelle steht im Zentrum deiner Analyse. Sekundärliteratur dient der Einordnung, nicht der Ersetzung eigener Gedanken.
Beim Zitieren: Primärquellen und Sekundärliteratur werden nach denselben Regeln zitiert. Achte bei Primärquellen auf vollständige Angaben. Bei historischen Dokumenten gehören Archiv und Signatur dazu, bei Interviews Datum und Form. Dein Zitierstil gibt das genaue Format vor. Eine Literaturverwaltung hilft dir, den Überblick zu behalten.
Typische Fehler bei der Quellenarbeit
Wenn du das Original nicht eingesehen hast, ist das ein Sekundärzitat. So gehst du vor:
- 1. Original beschaffen? Prüfe, ob du die Originalquelle selbst einsehen kannst. Falls ja, zitiere direkt.
- 2. Kennzeichnen: Falls nein, kennzeichne das Zitat im Text mit „zitiert nach" oder „nach".
- 3. Leitfaden prüfen: Schau in deinen Zitierstil-Leitfaden, welches Format und welche Angaben im Literaturverzeichnis gefordert sind.
- Satzmuster im Text: „Originalautor (Jahr), zitiert nach Sekundärautor (Jahr, S. xy)" oder kürzer „Originalautor (Jahr), nach Sekundärautor (Jahr, S. xy)".
- Literaturverzeichnis: Ob beide Quellen eingetragen werden oder nur die gelesene, ist hochschul- und stilabhängig. Das Sekundärzitat bleibt eine Notlösung.
Nur Sekundärliteratur verwenden: In vielen Fächern wird erwartet, dass du mit Primärquellen arbeitest. Eine reine Zusammenfassung von Forschungsliteratur zeigt keine eigene analytische Leistung. Prüfe, welche Erwartungen in deinem Fach gelten.
Quellentypen nicht unterscheiden: Im Methodenteil oder in der Einleitung solltest du klarstellen, welche Quellen du wie verwendest. Wenn du einen Roman analysierst, benenne ihn als Primärquelle. Wenn du Forschungsliteratur heranziehst, ordne sie als solche ein.
Tertiärliteratur für zentrale Argumente: Lexika und Wikipedia eignen sich für den Einstieg, je nach Vorgaben aber nicht für zentrale Belege. Wenn du einen Fachbegriff erklären willst, nutze lieber die Definition aus einem Fachaufsatz oder einer Einführung.
Veraltete Sekundärliteratur: Gerade bei aktuellen Themen kann ältere Forschung überholt sein. Prüfe, ob es neuere Studien gibt, und ordne ältere Positionen entsprechend ein. Das gilt weniger für Primärquellen, ein historisches Dokument wird nicht veraltet.
- • Habe ich sowohl Primärquellen als auch Sekundärliteratur im Literaturverzeichnis?
- • Sind die Quellentypen in der Arbeit klar voneinander unterschieden?
- • Habe ich die Primärquellen selbst analysiert oder nur fremde Interpretationen wiedergegeben?
- • Sind alle Zitate aus zweiter Hand (Sekundärzitate) als solche gekennzeichnet?
Nächster Schritt: Von der Quelle zur Argumentation
Du weißt jetzt, wie du Primärquellen und Sekundärliteratur unterscheidest und einsetzt. Der nächste Schritt ist die Verarbeitung in deinem Text.
- 1. Quellentyp markieren: Geh deine Schlüsselquellen durch und notiere für jede: primär, sekundär oder tertiär.
- 2. Rolle im Text festlegen: Analysierst du die Quelle (Primärquelle) oder nutzt du sie zur Einordnung (Sekundärliteratur)?
- 3. Zitatstrategie entscheiden: Direkt zitieren, paraphrasieren oder (notfalls) aus zweiter Hand zitieren?
Aus der Quellenanalyse entwickelst du eine Argumentation, die deine Fragestellung beantwortet. Beim Schreiben hilft dir ein wissenschaftlicher Schreibstil, Quellen präzise einzubinden. Die Kunst liegt darin, fremdes Wissen so zu nutzen, dass es deine eigene Argumentation stützt, ohne sie zu ersetzen.
Wenn du bei Internetquellen unsicher bist, ob sie primär oder sekundär sind: Wende denselben Schnellcheck an. Eine Online-Datenbank mit Rohdaten ist primär, ein Blogbeitrag, der diese Daten interpretiert, ist sekundär.
Wenn deine Hausarbeit fertig ist und du sie drucken und binden lassen möchtest, findest du bei BachelorHero verschiedene Bindungsoptionen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Primärquellen und Sekundärliteratur?
Primärquellen sind Originalquellen, die du selbst analysierst: historische Dokumente, Interviews, Rohdaten oder literarische Werke. Sekundärliteratur interpretiert, analysiert oder kommentiert diese Primärquellen. In deiner Hausarbeit nutzt du beide: Primärquellen als Untersuchungsgegenstand, Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Einordnung.
Was ist ein Sekundärzitat und wie gehe ich damit um?
Ein Sekundärzitat (Zitat aus zweiter Hand) liegt vor, wenn du eine Primärquelle nicht direkt, sondern über eine andere Quelle zitierst. Kennzeichne solche Zitate mit „zitiert nach" oder „nach". Ob beide Quellen ins Literaturverzeichnis kommen, hängt vom Zitierstil ab. Prüfe die Vorgaben deiner Hochschule. Nutze das nur als Notlösung und beschaffe wenn möglich das Original.
Muss ich in meiner Hausarbeit Primärquellen verwenden?
Das hängt vom Fach und der Aufgabenstellung ab. In den Geisteswissenschaften sind Primärquellen oft unverzichtbar, etwa bei Textanalysen. In anderen Fächern reicht manchmal Sekundärliteratur. Prüfe die Vorgaben deiner Dozentin oder deines Dozenten. Im Zweifel zeigt eine Mischung aus beiden, dass du wissenschaftlich arbeiten kannst.
Was ist Tertiärliteratur und wann reicht sie nicht?
Tertiärliteratur fasst Wissen zusammen, ohne selbst zu forschen: Lexika, Handbücher, Enzyklopädien, Wikipedia. Sie eignet sich für den Einstieg und Überblick, ist aber je nach Hochschule und Fach selten zitierfähig für zentrale Argumente. Für die Hauptthesen brauchst du Primärquellen und Sekundärliteratur. Tertiärliteratur hilft dir, Fachbegriffe zu verstehen und weiterführende Literatur zu finden.
Kann dieselbe Quelle primär und sekundär sein?
Ja, je nach Fragestellung. Ein Zeitungsartikel von 1920 ist Primärquelle, wenn du die Medienberichterstattung oder öffentliche Wahrnehmung untersuchst. Willst du das berichtete Ereignis faktisch rekonstruieren, liefert derselbe Artikel nur indirekte Informationen. Der Kontext deiner Arbeit entscheidet.
Wie zitiere ich Primärquellen richtig?
Primärquellen zitierst du nach denselben Regeln wie andere Quellen, achtest aber auf vollständige Angaben. Bei historischen Dokumenten gehören Archiv und Signatur dazu, bei Interviews Datum und Form. Der Zitierstil deiner Hochschule gibt das genaue Format vor.
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