Der wissenschaftliche Schreibstil unterscheidet deine Hausarbeit von einem Schulaufsatz. Die Kurzformel: Behaupten erfordert Belegen, wertende Sprache wird zur begründeten Einordnung, Alltagssprache weicht präziser Fachsprache. Hier bekommst du konkrete Umform-Regeln, einen Schnellcheck für jeden Absatz und Vorher-Nachher-Beispiele, mit denen du deinen Text direkt verbessern kannst.
Für konkrete Wortwahl, Satzbau und präzise Verben ergänzt der Leitfaden zur wissenschaftlichen Sprache diesen Stilüberblick.
Hinweis: Alle Namen, Jahreszahlen, Studiendesigns, Stichproben, Kennwerte und Befunde in den Beispielen dieses Artikels sind fiktiv. Sie veranschaulichen Formulierungsentscheidungen und dürfen nicht als Quellenangaben übernommen werden.
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Wissenschaftlicher Schreibstil verbindet präzise Aussagen, nachvollziehbare Belege und sachlich begründete Einordnung.
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Für argumentierende Absätze hilft das Arbeitsmodell: Aussage, Beleg oder Begründung, Einordnung.
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Die Reihenfolge richtet sich nach der Funktion des Absatzes.
Inhaltsverzeichnis
Was ist wissenschaftlicher Schreibstil?
Wissenschaftlicher Schreibstil ist eine Form des Schreibens, die auf Nachvollziehbarkeit ausgerichtet ist. Anders als in journalistischen Texten oder persönlichen Essays steht nicht deine Meinung im Vordergrund, sondern die Darstellung von Sachverhalten, Argumenten und Forschungsergebnissen. Das Ziel: Andere sollen deine Gedanken prüfen und weiterdenken können.
Die Funktion ist einfach: Du zeigst, woher du etwas weißt, warum du etwas annimmst und wie sicher deine Schlussfolgerung ist. Das klingt einschränkend, gibt dir aber einen klaren Rahmen für deine Einleitung und den gesamten Text.
Hinweis zu Vorgaben: Welche sprachlichen Konventionen gelten, hängt von Textsorte, Fach und lokaler Vorgabe ab. Orientiere dich an Aufgabenstellung, Leitfaden und geeigneten Beispieltexten deines Fachs.
Die drei Grundprinzipien
Prüfe anhand dieser drei Grundprinzipien, ob deine Aussagen präzise, nachvollziehbar und sachlich eingeordnet sind.
Prinzip 1: Präzision
Sage genau, was du meinst. Vermeide vage Formulierungen wie „irgendwie“, „gewissermaßen“ oder „mehr oder weniger“. Ersetze Verstärker wie „sehr wichtig“ durch konkrete Begründungen.
Vorher
„Der Effekt war sehr groß.“
Nachher
„Der standardisierte Mittelwertunterschied betrug 0,8. Nach einer verbreiteten Cohen-Konvention gilt dieser Wert als großer Effekt; die praktische Bedeutung hängt vom Untersuchungskontext ab.“
Prinzip 2: Nachvollziehbarkeit
Belege übernommene Aussagen und ordne eigene Daten oder Analysen eindeutig zu. Zeige, worauf eine Aussage beruht, damit Lesende sie überprüfen können.
Vorher
„Studien zeigen, dass Social Media Jugendliche beeinflusst.“
Nachher
„Hoffmann (2022) fand einen Zusammenhang zwischen täglicher Social-Media-Nutzung und Schlafqualität bei 14- bis 18-Jährigen.“
Prinzip 3: Sachliche Einordnung
Trenne Fakten von Bewertungen. Wenn du eine Einschätzung gibst, kennzeichne sie als solche und begründe sie. Vermeide emotionale Sprache und Superlative. Die Stärke einer Argumentation zeigt sich in der Substanz, nicht in Adjektiven.
Vorher
„Diese bahnbrechende Studie beweist eindeutig, dass...“
Nachher
„Die Studie von Berger (2021) liefert Hinweise darauf, dass... Da die 45 Teilnehmenden ausschließlich aus einem Unternehmen stammen, ist die Übertragbarkeit auf andere Betriebe eingeschränkt.“
Fachbegriffe richtig einführen
Fachbegriffe zeigen, dass du die Sprache deines Fachs beherrschst. Aber falsch eingesetzt wirken sie aufgesetzt oder machen deinen Text unverständlich. Vier Regeln helfen dir, die Balance zu finden.
Regel 1: Zentrale Begriffe klären
Definiere Fachbegriffe, die für deine Argumentation zentral, mehrdeutig oder für die Zielgruppe nicht vorauszusetzen sind. Allgemein etablierte Begriffe musst du nicht bei jeder Erstnennung erklären.
Beispiel: „Die kognitive Dissonanz, also das unangenehme Gefühl bei widersprüchlichen Überzeugungen, beeinflusst laut Berger (2019) Kaufentscheidungen.“
Regel 2: Fachbegriff nur wenn präziser
Verwende einen Fachbegriff nur, wenn er mehr sagt als ein Alltagswort. „Operationalisierung“ ist präziser als „Messbarmachung“, aber „finalisieren“ ist nicht besser als „abschließen“.
Faustregel: Wenn ein einfaches Wort denselben Inhalt transportiert, wähle das einfache Wort.
Regel 3: Konsistent bleiben
Wenn du dich für einen Begriff entscheidest, bleibe dabei. Wechsle nicht zwischen Varianten, wenn es sich um einen zentralen Fachbegriff handelt.
Beispiel: Begriffe wie „Reliabilität“ und „Zuverlässigkeit“ werden teils synonym verwendet. Entscheide dich für eine Version, definiere sie kurz und nutze sie durchgängig.
Regel 4: Fremdwörter ≠ Fachsprache
Nicht jedes kompliziert klingende Wort ist ein Fachbegriff. „Thematik“ klingt nicht wissenschaftlicher als „Thema“.
Vorher
„Die Thematik wurde unter Berücksichtigung diverser Aspekte analysiert.“
Nachher
„Das Thema wurde aus drei Perspektiven analysiert: ökonomisch, sozial und ökologisch.“
Quellen sprachlich einbinden
Quellen einbinden ist mehr als Zitieren. Wie du eine Quelle sprachlich in deinen Text integrierst, signalisiert, wie du die Aussage einordnest. Das richtige Verb macht den Unterschied.
Vorher (aneinandergereiht)
„Laut Berger ist Motivation wichtig. Laut Hoffmann hängt sie von Autonomie ab. Laut Weber steigt sie durch Feedback.“
Nachher (verknüpft)
„Berger (2020) betont die Bedeutung von Motivation. Hoffmann (2021) findet, dass Autonomie ein zentraler Faktor ist. Diese Einschätzung teilt Weber (2022), der zusätzlich auf die Rolle von Feedback hinweist.“
Diese Verben passen zu den häufigsten Aussagetypen:
| Aussagetyp | Passende Verben |
|---|---|
| Meinungen/Positionen | argumentiert, vertritt die Ansicht, betont, plädiert für |
| Befunde und Ergebnisse | berichtet, beschreibt, ergibt, stellt fest |
| Zusammenhänge | berichtet einen Zusammenhang, steht in Zusammenhang mit, ist assoziiert mit |
| Kritik/Einwände | kritisiert, wendet ein, hinterfragt, bezweifelt |
| Definitionen | definiert, versteht unter, bezeichnet als, grenzt ab |
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Meinungen/Positionen
Passende Verben
argumentiert, vertritt die Ansicht, betont, plädiert für
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Befunde und Ergebnisse
Passende Verben
berichtet, beschreibt, ergibt, stellt fest
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Zusammenhänge
Passende Verben
berichtet einen Zusammenhang, steht in Zusammenhang mit, ist assoziiert mit
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Kritik/Einwände
Passende Verben
kritisiert, wendet ein, hinterfragt, bezweifelt
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Definitionen
Passende Verben
definiert, versteht unter, bezeichnet als, grenzt ab
Wähle das Verb nach dem, was die Quelle tatsächlich tut: Sie kann argumentieren, definieren, berichten, vergleichen oder einen Zusammenhang feststellen. Kein einzelnes Verb beweist Kausalität. Kausale Formulierungen wie „führt zu“ oder „bewirkt“ sind nur passend, wenn Forschungsfrage, Design, Analyse und Aussagegrenzen diese Schlussfolgerung tragen. Bei beschreibenden oder assoziativen Befunden benennst du den Befund oder Zusammenhang.
Position: „Berger (2020) argumentiert, dass intrinsische Motivation nachhaltiger wirkt als extrinsische Anreize.“
Korrelation: „Hoffmann (2021) findet einen positiven Zusammenhang zwischen flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitszufriedenheit (r = 0,42).“
Kausaler Befund im Experiment: „Im randomisierten Experiment von Weber (2022) erhöhte regelmäßiges Feedback unter den untersuchten Bedingungen die Leistung gegenüber der Kontrollgruppe.“
Definition: „Unter Selbstwirksamkeit versteht Meier (2019) die Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können.“
Schnellcheck: Ist dein Absatz wissenschaftlich?
Mit diesem Schnellcheck prüfst du jeden Absatz in unter einer Minute. Gehe die Fragen durch und markiere Stellen, bei denen du mit Nein antwortest. Diese Stellen überarbeitest du gezielt.
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Enthält der Absatz eine klar erkennbare Kernaussage oder Funktion?
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Sind übernommene Aussagen und eigene Daten eindeutig belegt oder zugeordnet?
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Sind zentrale oder mehrdeutige Fachbegriffe erklärt?
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Sind bedeutungslose Füllwörter wie „eigentlich“, „irgendwie“ oder „halt“ gestrichen?
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Sind Superlative, absolute und wertende Wörter wie „beste“, „eindeutig“ oder „revolutionär“ belegt und fachlich passend?
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Sind Verstärker wie „sehr“ oder „total“ durch konkrete Angaben oder begründete Vergleiche ersetzt?
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Passt die Aussagestärke zur konkreten Evidenz und ihren Grenzen?
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Lässt sich jeder Satz beim ersten Lesen gut erfassen?
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Passt die Zeitform zur Aussagefunktion und zum zeitlichen Bezug?
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Ist der Anschluss des Absatzes an den umgebenden Text erkennbar?
Nutze die Liste als Diagnose, nicht als starres Schema. Definitions-, Methoden- oder Überleitungsabsätze erfüllen andere Funktionen als argumentierende Absätze. Als Suchhilfe kannst du Sätze ab etwa 25 bis 30 Wörtern markieren. Das ist keine Obergrenze: Prüfe Zusammenhang, Verschachtelung und Informationsdichte. Teile einen Satz, wenn die Kernaussage oder die Beziehungen zwischen seinen Teilen sonst schwer erkennbar sind.
Vorher (27 Wörter)
„In einer Untersuchung zeigte sich, dass Teilnehmende, die regelmäßig Feedback erhielten, eine höhere Motivation aufwiesen als die Kontrollgruppe, wobei dieser Effekt besonders bei komplexen Aufgaben ausgeprägt war.“
Nachher (zwei Sätze)
„Teilnehmende mit regelmäßigem Feedback zeigten eine höhere Motivation als die Kontrollgruppe. Dieser Effekt war besonders bei komplexen Aufgaben ausgeprägt.“
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Forschungsergebnisse und empirische Befunde
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Theorien, Modelle und Konzepte anderer
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Definitionen von Fachbegriffen
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Zahlen, Statistiken und Fakten
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Meinungen und Positionen, die du wiedergibst
Keine Quelle nötig: Allgemeinwissen im jeweiligen Fachkontext sowie Beschreibungen deiner eigenen dokumentierten Arbeitsschritte brauchen meist keinen Fremdbeleg. Eigene Schlussfolgerungen begründest du aus bereits belegten Prämissen, eigenen Daten oder offengelegtem Material.
Sechs Umform-Regeln für wissenschaftliche Sätze
Diese Umform-Regeln helfen dir, typische Formulierungsprobleme systematisch zu lösen. Jede Regel zeigt ein Muster mit der problematischen Formulierung (Vorher) und der wissenschaftlichen Alternative (Nachher).
Regel 1: „Ich finde“ → Analyse + Begründung
Vorher
„Ich finde, dass die Methode problematisch ist.“
Nachher
„Die Methode weist Einschränkungen auf, da die Stichprobe nicht repräsentativ ist (vgl. Berger, 2021, S. 45).“
Hintergrund: Persönliche Meinungen werden durch begründete Einordnungen ersetzt. Die Ich-Form ist in manchen Fächern akzeptiert, aber die Aussage braucht trotzdem eine Begründung.
Regel 2: „sehr/total/extrem“ → Zahl oder Vergleich
Vorher
„Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich.“
Nachher
„Die Ergebnisse lagen zwischen 12 und 89 Punkten, eine Spannweite von 77 Punkten.“
Hintergrund: Konkrete Kennwerte und fachlich begründete Vergleiche sind überprüfbar. Welche Kennzahl sinnvoll ist, hängt von Skala und Aussage ab.
Regel 3: „Studien zeigen“ → Konkrete Quelle
Vorher
„Studien zeigen, dass Stress die Leistung beeinflusst.“
Nachher
„Hoffmann (2020) berichtete einen nichtlinearen Zusammenhang: In der Stichprobe ging moderate Anspannung mit höherer, starke Anspannung mit niedrigerer Leistung einher.“
Alternative: „Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass... (für einen Überblick siehe Weber, 2022).“
Regel 4: „Es ist wichtig zu beachten“ → Streichen
Vorher
„Es ist wichtig zu beachten, dass die Stichprobe klein war.“
Nachher
„Die Stichprobe umfasste 18 Teilnehmende aus einem Seminar; Aussagen über Studierende anderer Fächer lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten.“
Ähnliche Phrasen: „In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen...“, „An dieser Stelle sei darauf hingewiesen...“, „Interessanterweise...“
Regel 5: Passivketten → Aktiv mit Subjekt
Vorher
„Es wurde festgestellt, dass von den Befragten angegeben wurde, dass...“
Nachher
„Die Befragten gaben an, dass...“ oder „Berger (2022) stellte fest, dass...“
Wann Passiv sinnvoll ist: Wenn der Handelnde unwichtig oder unbekannt ist, etwa bei Methodenbeschreibungen: „Die Proben wurden bei 4 °C gelagert.“
Regel 6: Definition einführen → Begriff + Quelle + Abgrenzung
Vorher
„Motivation ist, wenn man etwas tun will.“
Nachher
„Unter Motivation versteht Weber (2020) die aktivierende Ausrichtung auf einen Zielzustand. Sie unterscheidet sich von Volition durch den Fokus auf die Zielbildung, nicht auf die Umsetzung.“
Schema: Begriff nennen → mit Quelle definieren → von verwandten Begriffen abgrenzen.
Absatzstruktur: Aussage, Beleg, Einordnung
Für argumentierende Absätze ist der Dreischritt Aussage, Beleg oder Begründung, Einordnung ein nützliches Arbeitsmodell. Die Funktionen können anders angeordnet oder auf mehrere Absätze verteilt sein. Entscheidend ist, dass Lesende erkennen, was du behauptest, worauf du dich stützt und wie der Schritt zur Forschungsfrage beiträgt.
Die wahrgenommene Autonomie kann für die Motivation von Mitarbeitenden relevant sein (Aussage). Hoffmann (2021) berichtete in einer Längsschnittstudie mit 320 Beschäftigten einen positiven Zusammenhang zwischen wahrgenommener Autonomie und intrinsischer Motivation (Beleg). Für die vorliegende Untersuchung folgt daraus die prüfbare Erwartung, dass flexible Arbeitszeitmodelle mit höherer Motivation verbunden sein könnten, wenn Beschäftigte dadurch mehr Entscheidungsspielraum erhalten (Einordnung).
Pro-Tipp: Eigene Schlussfolgerungen brauchen keinen zusätzlichen Fremdbeleg, wenn klar ist, dass du sie aus bereits belegten Prämissen ableitest. Mache den Ableitungsschritt sichtbar und belege alle übernommenen Grundlagen.
Nicht jeder Absatz erfüllt dieselbe Funktion. Ein Definitionsabsatz, eine Methodenbeschreibung oder eine Überleitung kann anders aufgebaut sein. Nutze das Grundmuster dort, wo du einen argumentativen Schritt entwickelst; prüfe sonst, ob Zweck und Anschluss des Absatzes klar sind.
Aussagestärke abstimmen: Wann welche Formulierung?
Die Aussagestärke richtet sich nicht allein nach Studienart oder Stichprobengröße. Prüfe, was untersucht wurde, wie Design und Analyse zur Frage passen, wie präzise der Schätzwert ist, welche Verzerrungen möglich sind und ob andere Befunde übereinstimmen. Formuliere dann genau so stark, wie die konkrete Evidenz trägt.
| Aussagestärke | Formulierungen und wann sie passen |
|---|---|
| Stark | „Zeigt“, „ergibt“ oder „bestätigt“: Verwende ein starkes Verb nur, wenn es die konkrete Quelle und deren Aussage treffend wiedergibt. Gegenstand, Population und Bedingungen müssen erkennbar bleiben. |
| Mittel | „Deutet darauf hin“, „legt nahe“ oder „spricht für“: Diese Formulierungen passen, wenn Evidenz vorhanden ist, aber Unsicherheit, Alternativerklärungen oder eingeschränkte Übertragbarkeit bleiben. |
| Vorsichtig | „Könnte“, „ist vereinbar mit“ oder „liefert erste Hinweise“: Diese Formulierungen passen etwa bei explorativen Analysen, unpräzisen Schätzungen oder deutlichen methodischen Grenzen. Benenne die Grenze zusätzlich konkret. |
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Stark
Formulierungen und wann sie passen
„Zeigt“, „ergibt“ oder „bestätigt“: Verwende ein starkes Verb nur, wenn es die konkrete Quelle und deren Aussage treffend wiedergibt. Gegenstand, Population und Bedingungen müssen erkennbar bleiben.
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Mittel
Formulierungen und wann sie passen
„Deutet darauf hin“, „legt nahe“ oder „spricht für“: Diese Formulierungen passen, wenn Evidenz vorhanden ist, aber Unsicherheit, Alternativerklärungen oder eingeschränkte Übertragbarkeit bleiben.
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Vorsichtig
Formulierungen und wann sie passen
„Könnte“, „ist vereinbar mit“ oder „liefert erste Hinweise“: Diese Formulierungen passen etwa bei explorativen Analysen, unpräzisen Schätzungen oder deutlichen methodischen Grenzen. Benenne die Grenze zusätzlich konkret.
Faustregel: Beurteile Evidenz nach Passung, Qualität, Präzision, Konsistenz und Übertragbarkeit. Eine große Stichprobe oder viele eingeschlossene Studien machen eine Aussage nicht automatisch belastbar.
Synthese: „Die Meta-Analyse von Berger (2023) berichtet einen positiven Zusammenhang zwischen Autonomie und Arbeitszufriedenheit. Die 47 eingeschlossenen Studien zeigten eine weitgehend konsistente Richtung; verbliebene Verzerrungsrisiken begrenzen jedoch die Sicherheit der Einordnung.“
Einzelstudie: „Hoffmann (2022) berichtet in einer Einzelstudie einen positiven Zusammenhang zwischen Autonomie und Arbeitszufriedenheit. Das Konfidenzintervall war breit, sodass die Stärke des Zusammenhangs unsicher bleibt.“
Pilotstudie: „Die explorative Pilotstudie von Weber (2023, n = 25) liefert einen ersten Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang. Wegen des explorativen Designs und der unpräzisen Schätzung reicht die Untersuchung für eine belastbare Einordnung nicht aus.“
Vermeide auch pauschales Abschwächen. Wähle einen Ausdruck, der die konkrete Unsicherheit trifft, und benenne die wichtigste Grenze. Welche Formulierungen üblich sind, hängt zusätzlich von Textsorte und Fachkonvention ab.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Diese Fehler kommen beim wissenschaftlichen Schreibstil häufig vor. Für die Belege selbst hilft dir die korrekte Verwendung von Fußnoten.
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Vorsichtige Formulierung statt Beleg
Problem: Unbelegte Behauptungen werden nicht durch vorsichtige Formulierungen belastbarer. Übernimmt eine Aussage fremde Erkenntnisse, Daten oder Positionen, fehlt ohne Beleg ihre Grundlage.
So behebst du es: Setze für übernommene Aussagen den vorgesehenen Beleg. Eigene Schlussfolgerungen kennzeichnest und begründest du aus dem zuvor dargestellten Material.
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Umgangssprachliche und situationsgebundene Ausdrücke
Problem: Umgangssprachliche oder situationsgebundene Ausdrücke wie „das ist ja klar“, „halt“, „irgendwie“ oder „total“ können Aussagen unpräzise machen.
So behebst du es: Lies den Text laut und prüfe, ob Bedeutung, Bezug und Fachangemessenheit auch ohne Gesprächssituation klar sind.
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Nominalstil-Überladung
Problem: Nominalstil-Überladung macht Texte schwer lesbar. „Die Durchführung der Analyse der Daten erfolgte unter Berücksichtigung der Empfehlungen“ ist grammatisch korrekt, aber unnötig kompliziert.
So behebst du es: Besser: „Die Daten wurden gemäß den Empfehlungen analysiert.“ Nominalstil ist nicht verboten, aber setze ihn sparsam ein.
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Inkonsequente Zeitformen
Problem: Inkonsequente Zeitformen können Zeitbezüge verschleiern.
So behebst du es: Wähle die Zeitform nach Aussagefunktion: Präsens passt häufig für die eigene Argumentation und fortgeltende Aussagen, Vergangenheitsformen für abgeschlossene Erhebungs- oder Arbeitsschritte. Wechsle, wenn sich der zeitliche Bezug ändert, und beachte die Fachvorgabe.
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Unpassende Berichtsverben
Problem: Unpassende Berichtsverben verändern die Aussage einer Quelle.
So behebst du es: Wähle das Verb danach, ob die Quelle etwa berichtet, definiert, argumentiert, vergleicht oder kritisiert. Wiederhole ein treffendes Verb lieber, als nur für sprachliche Abwechslung eine andere Aussage zu erzeugen.
Nächster Schritt: Überarbeiten und Abgabe
Der wissenschaftliche Schreibstil entsteht oft erst beim Überarbeiten. Der erste Entwurf darf unperfekt sein. Gehe den Text mit dem Schnellcheck durch, wende die Umform-Regeln an und prüfe die Absatzstruktur. Lies nach einer Pause noch einmal. Mit Abstand fallen Stilbrüche eher auf.
Wenn du mit Inhalt und Stil zufrieden bist, prüfe die Zitierweise und stelle sicher, dass alle Quellenangaben korrekt sind. Mehr zur finalen Überarbeitung findest du im Artikel zur Korrektur der Hausarbeit. Wenn du deine Hausarbeit drucken und binden lassen möchtest, exportierst du dein Dokument als PDF und prüfst Seitenränder, Seitenzahlen und Formatierung.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich in der Hausarbeit „ich“ oder „wir“ schreiben?
Ob du die Ich- oder Wir-Form verwendest, hängt von Schreibfunktion und Fachvorgabe ab. Die Ich-Form kann eigene Entscheidungen, Vorgehensweisen oder begründete Positionen klar kennzeichnen. Die Wir-Form passt nur, wenn tatsächlich mehrere Personen handeln oder der Text Lesende bewusst einbezieht. Geh nicht von einem pauschalen Verbot aus und vermeide unklare Ersatzkonstruktionen; maßgeblich sind Aufgabenstellung und Leitfaden.
Wie vermeide ich Umgangssprache in meiner Hausarbeit?
Markiere Wörter, deren Bedeutung nur aus Gesprächston oder gemeinsamer Situation verständlich wird, etwa „halt“, „irgendwie“, „total“, „echt“ oder „ja klar“. Streiche sie, wenn sie nichts beitragen, oder ersetze sie durch eine überprüfbare Aussage. Lautes Lesen hilft als Diagnose. Entscheidend sind Präzision, Zusammenhang und Fachangemessenheit. Beispiel: Aus „Das ist halt total wichtig“ wird „Der Aspekt ist für die Analyse relevant, weil er die Teilfrage nach der Rolle von Rückmeldungen beantwortet.“
Was ist Nominalstil und wann ist er sinnvoll?
Nominalstil bedeutet, Verben in Substantive umzuwandeln („die Durchführung der Analyse“ statt „die Analyse durchführen“). Er wirkt formal, macht Texte aber oft schwer lesbar. Nutze ihn sparsam, etwa in Überschriften oder wenn du mehrere Handlungen kompakt zusammenfassen willst. Beispiel: „Nach Auswertung der Daten erfolgte die Interpretation“ ist akzeptabel, aber „Die Daten wurden ausgewertet und anschließend interpretiert“ ist leichter lesbar.
Wie formuliere ich Ergebnisse vorsichtig, ohne zu absolut zu wirken?
Passe die Formulierung an die konkrete Aussage und Evidenz an. Benenne beschreibende oder assoziative Ergebnisse als Befund oder Zusammenhang. Wenn eine Studie nur einen Zusammenhang untersucht hat, wird aus „Die Studie beweist, dass Stress krank macht“ zum Beispiel: „In der Studie hing chronischer Stress mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zusammen.“ Kausale Sprache ist nur passend, wenn Forschungsfrage, Design, Analyse und Annahmen die Schlussfolgerung tragen. „Beweist“ ist für eine einzelne empirische Studie fast nie passend. Vorsichtswörter ersetzen weder Belege noch konkrete Angaben zu Unsicherheit und Grenzen.
Welche Zeitform verwende ich in der Hausarbeit?
Präsens eignet sich häufig für die eigene Argumentation, Begriffsdefinitionen und Aussagen, die im Text gelten, zum Beispiel: „Diese Arbeit untersucht die Rolle von Feedback für die Motivation.“ Abgeschlossene Erhebungs- oder Arbeitsschritte werden oft in einer Vergangenheitsform beschrieben: „Die Interviews wurden im Mai 2024 geführt.“ Wähle die Zeitform nach Aussagefunktion und Fachvorgabe. Wechsle sie, wenn sich der zeitliche Bezug ändert, und orientiere dich an geeigneten Texten deines Fachs.
Fußnoten richtig setzen
Internetquellen richtig zitieren
Die richtige Methodik wählen