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So erstellst du einen Interviewleitfaden: Leite aus deiner Forschungsfrage 3 bis 5 Themenblöcke ab. Formuliere pro Block 1 bis 2 offene Leitfragen plus Nachfragen. Ordne die Blöcke in einer sinnvollen Reihenfolge an (Einstieg → Hauptteil → Abschluss). Teste den Leitfaden in einem Pretest mit 1 bis 2 Personen. Der fertige Leitfaden kommt in der Regel in den Anhang deiner Arbeit – prüfe die Vorgaben deiner Fakultät.
Interviewleitfaden in drei Phasen: 1. Einstieg (Begrüßung, Einwilligung, Eisbrecherfrage), 2. Hauptteil (thematische Blöcke mit Leitfragen und Nachfragen), 3. Abschluss (Zusammenfassung, offene Frage, Dank). Richtwert: 8–15 Leitfragen für 45–60 Minuten Interview. Pretest mit 1–2 Personen vor der Erhebung. Umfang und Dauer variieren je nach Thema, Zielgruppe und Interviewtyp. Deine Betreuung kann abweichende Vorgaben machen.
Was ist ein Interviewleitfaden?
Der Interviewleitfaden ist ein Dokument, das die Themen und Fragen für dein qualitatives Interview vorstrukturiert. Anders als ein standardisierter Fragebogen legt er nicht jede Formulierung fest, sondern dient als Orientierung für das Gespräch.
Der Leitfaden erfüllt drei Funktionen: Er stellt sicher, dass du alle relevanten Themen ansprichst. Er hilft dir, im Gespräch den roten Faden zu behalten. Und er sorgt für Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Interviews, weil du dieselben Kernfragen stellst.
In der Bachelorarbeit dokumentierst du den Leitfaden üblicherweise im Anhang – prüfe die Vorgaben deiner Hochschule. Im Methodenteil beschreibst du, wie du ihn entwickelt hast und warum du diese Interviewform gewählt hast.
Interviewformen: Strukturiert, halbstrukturiert oder offen
Bevor du den Leitfaden erstellst, solltest du klären, welche Interviewform zu deiner Forschungsfrage passt. Die drei Grundformen unterscheiden sich im Grad der Standardisierung.
Alle Fragen sind vorab festgelegt, die Reihenfolge ist fix, Abweichungen sind nicht vorgesehen. Dieses Format ähnelt einem mündlich durchgeführten Fragebogen.
Geeignet für: Vergleichende Studien, bei denen alle Befragten exakt dieselben Fragen beantworten sollen.
Einschränkung: Wenig Raum für unerwartete Themen oder Vertiefungen.
Der Leitfaden gibt Themenblöcke und Kernfragen vor. Du kannst aber flexibel nachfragen, die Reihenfolge anpassen und auf interessante Aspekte eingehen. Häufigste Form in Bachelorarbeiten.
Geeignet für: Experteninterviews, problemzentrierte Interviews, die meisten qualitativen Forschungsfragen.
Vorteil: Balance zwischen Vergleichbarkeit und Offenheit für neue Erkenntnisse.
Es gibt nur einen Erzählimpuls zu Beginn. Die interviewte Person erzählt frei, du hörst zu und fragst erst nach, wenn die Erzählung stockt.
Geeignet für: Biografische Forschung, Erfahrungsberichte, explorative Studien zu wenig erforschten Themen.
Einschränkung: Hoher Auswertungsaufwand, weniger Vergleichbarkeit zwischen Interviews.
Für die meisten Bachelorarbeiten ist das halbstrukturierte Interview die beste Wahl. Es gibt dir genug Struktur, um alle relevanten Themen abzudecken, lässt aber Raum für unerwartete Einsichten. Dieser Artikel konzentriert sich daher auf die Erstellung eines Leitfadens für diese Interviewform.
Leitfragen aus der Forschungsfrage ableiten
Die Forschungsfrage ist der Ausgangspunkt für deinen Leitfaden. Aus ihr leitest du systematisch ab, welche Themen du ansprechen musst und welche Fragen du stellst. Dieser Schritt entscheidet darüber, ob deine Interviews tatsächlich Daten liefern, die deine Forschungsfrage beantworten.
Schritt 1: Forschungsfrage analysieren. Welche zentralen Begriffe und Konzepte enthält sie? Was genau willst du herausfinden?
Schritt 2: Dimensionen identifizieren. Zerlege das Thema in 3 bis 5 Teilaspekte oder Facetten. Diese werden später deine Themenblöcke.
Schritt 3: Indikatoren festlegen. Woran erkennst du die jeweilige Dimension im Gespräch? Was müsste die Person erzählen, damit du etwas über diesen Aspekt erfährst?
Schritt 4: Leitfragen formulieren. Für jede Dimension 1 bis 2 offene Fragen, die zum Erzählen einladen.
Schritt 5: Nachfragen vorbereiten. Zu jeder Leitfrage 2 bis 3 mögliche Nachfragen notieren, um bei Bedarf zu vertiefen.
Forschungsfrage:
„Wie erleben Pflegekräfte den Einsatz digitaler Dokumentationssysteme in ihrem Arbeitsalltag?"
Leitfrage: „Erzählen Sie mir, wie ein typischer Arbeitstag mit dem Dokumentationssystem aussieht."
Nachfragen: „Welche Funktionen nutzen Sie am häufigsten?" / „Wo treten Schwierigkeiten auf?"
Leitfrage: „Wie beeinflusst das System Ihre Arbeit mit den Patienten?"
Nachfragen: „Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?" / „Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?"
Prüfe am Ende, ob jede Dimension mindestens eine Leitfrage hat und ob die Fragen zusammen deine Forschungsfrage beantworten können. Wenn ein wichtiger Aspekt fehlt, ergänze ihn. Wenn ein Block sehr viele Fragen hat, überlege, ob du ihn aufteilen solltest. Im nächsten Schritt ordnest du diese Themenblöcke in eine sinnvolle Gesprächsstruktur ein.
Aufbau des Interviewleitfadens: Struktur in drei Phasen
Ein guter Interviewleitfaden folgt einer klaren Dramaturgie. Er beginnt niedrigschwellig, steigert die Komplexität im Mittelteil und schließt ruhig ab. Diese Struktur gibt beiden Seiten Orientierung und sorgt für ein angenehmes Gesprächsklima.
Der Einstieg schafft Vertrauen und klärt Rahmenbedingungen. Hier gehören keine inhaltlichen Fragen hin, sondern Formalitäten und eine erste Aufwärmfrage.
Inhalte:
Begrüßung und Vorstellung, Erklärung des Forschungsziels, Hinweis auf Anonymität und Datenschutz, Einwilligung
zur Aufnahme einholen, Eisbrecherfrage.
Beispiel Eisbrecherfrage:
„Könnten Sie mir kurz erzählen, wie Sie zu Ihrer aktuellen Position gekommen sind?"
Der Hauptteil enthält deine Kernfragen, gegliedert in thematische Blöcke. Beginne mit allgemeineren Fragen und werde im Verlauf spezifischer. Zu jedem Block gehören Leitfragen und vorbereitete Nachfragen.
Struktur:
3 bis 5 Themenblöcke mit je 2 bis 4 Leitfragen. Zu jeder Leitfrage optionale Nachfragen notieren. Von allgemein
zu spezifisch, von weniger sensibel zu sensibler.
Flexibel bleiben:
Markiere Muss-Fragen und Kann-Nachfragen. Plane pro Block eine grobe Timebox (z.B. 10 Min). Notiere Trigger-Stichworte
für spontane Nachfragen. Die Blockreihenfolge kannst du anpassen, wichtig ist die vollständige Abdeckung.
Der Abschluss rundet das Gespräch ab und gibt der interviewten Person Gelegenheit, Ergänzungen zu machen.
Inhalte:
Zusammenfassung der Themen, offene Abschlussfrage, Dank für die Teilnahme, Hinweis auf weiteres Vorgehen.
Beispiel Abschlussfrage:
„Gibt es aus Ihrer Sicht noch etwas Wichtiges zum Thema, das wir bisher nicht besprochen haben?"
Fragen formulieren: Von der Erzählaufforderung zur Nachfrage
Die Art, wie du Fragen formulierst, beeinflusst die Qualität der Antworten. Im qualitativen Interview willst du offene, erzählgenerierende Fragen stellen. Geschlossene Ja-Nein-Fragen liefern wenig Material für die Auswertung.
Erzählaufforderungen sind das Herzstück deines Leitfadens. Sie laden die interviewte Person ein, ausführlich zu berichten. Typische Formulierungen beginnen mit „Erzählen Sie mir...", „Beschreiben Sie...", „Wie erleben Sie...". Diese Fragen öffnen das Gespräch und geben der Person Raum, eigene Schwerpunkte zu setzen.
Nachfragen vertiefst du spontan im Gespräch. Du kannst sie aber auch vorbereiten und im Leitfaden notieren. Typische Nachfragen sind „Können Sie das genauer beschreiben?", „Was meinen Sie mit...?", „Wie hat sich das konkret geäußert?". Sie helfen dir, vage Aussagen zu präzisieren.
Verständnisfragen klären Bedeutungen. Wenn die interviewte Person einen Fachbegriff verwendet oder etwas Unklares sagt, fragst du nach: „Was verstehen Sie unter...?", „Könnten Sie mir erklären, was Sie damit meinen?". Diese Fragen sind wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden.
Prüfe jede Frage gegen diese Kriterien. Je mehr du mit Ja beantwortest, desto besser:
✓ Offen formuliert (nicht mit Ja/Nein beantwortbar)? ✓ Nur ein Aspekt pro Frage (keine Doppelfrage)? ✓ Neutral (keine Wertung oder erwartete Antwort)? ✓ Direkt an eine Dimension deiner Forschungsfrage gekoppelt? ✓ In der Sprache deiner Zielgruppe? ✓ Kurz und verständlich (max. 1–2 Sätze)?
✗ „Finden Sie die Software gut oder schlecht?" → ✓ „Wie erleben Sie die Arbeit mit der Software?"
✗ „War das nicht frustrierend für Sie?" → ✓ „Wie haben Sie diese Phase erlebt?"
✗ „Wie bewerten Sie Work-Life-Balance und Karriere?" → ✓ „Wie erleben Sie die Balance zwischen Beruf und Privatleben?"
Manchmal möchtest du Widersprüche ansprechen oder kritische Aspekte thematisieren. Solche konfrontierenden Fragen haben ihren Platz, erfordern aber Fingerspitzengefühl. Formuliere sie sachlich und nicht anklagend: „Sie haben vorhin erwähnt, dass... Gleichzeitig sagten Sie... Wie passt das zusammen?" Setze sie sparsam ein und nicht zu früh im Gespräch, wenn noch kein Vertrauen aufgebaut ist.
Vorlage zum Kopieren
Diese Vorlage zeigt die typische Struktur eines Interviewleitfadens mit Zeitangaben, Muss- und Kann-Fragen sowie Memo-Feldern. Ersetze die Platzhalter durch deine eigenen Inhalte. Die Struktur funktioniert für die meisten halbstrukturierten Interviews.
Begrüßung, Vorstellung, Forschungsziel
Hinweis auf Anonymität & Datenschutz
[Muss] „Sind Sie einverstanden mit der Aufzeichnung?"
[Muss] Eisbrecherfrage: „Erzählen Sie mir kurz, ..."
[Muss] Leitfrage: „Wie erleben Sie [Thema]?"
[Kann] Nachfrage: „Können Sie ein Beispiel nennen?"
[Muss] Leitfrage: „Wie gehen Sie mit [Aspekt] um?"
[Kann] Nachfrage: „Was hat sich bewährt?"
Zusammenfassung der Themen
[Muss] „Gibt es noch etwas Wichtiges?"
Dank & Hinweis auf weiteres Vorgehen
Zur Vorlage: Die Kann-Nachfragen sind Gedächtnisstützen, nicht Pflicht. Die Memo-Felder nutzt du während des Interviews für Stichworte (z.B. „interessante Metapher", „Widerspruch zu Block 1"). Die Zeitangaben sind Richtwerte, passe sie an dein Thema an. Passe die Formulierungen an deinen Sprachstil an, damit sie im Gespräch natürlich klingen.
Pretest: Den Leitfaden vor der Erhebung testen
Der Pretest ist ein Probelauf mit einer oder zwei Personen, bevor du deine eigentlichen Interviews führst. Er deckt Probleme auf, die dir beim Schreiben des Leitfadens nicht aufgefallen sind: unverständliche Formulierungen, ungünstige Reihenfolge oder unrealistische Zeitplanung.
Wähle für den Pretest Personen, die deiner Zielgruppe ähneln, aber nicht Teil deiner eigentlichen Stichprobe sind. Führe das Interview unter realistischen Bedingungen durch, inklusive Aufnahme. Achte auf die Zeit und darauf, wie flüssig das Gespräch verläuft.
Nach dem Pretest reflektierst du: Waren alle Fragen verständlich? Kam ein natürlicher Gesprächsfluss zustande? War die Reihenfolge der Blöcke logisch? Wie lange hat das Interview gedauert? Überarbeite den Leitfaden entsprechend. Bei größeren Änderungen kann ein zweiter Pretest sinnvoll sein.
01 Verständlichkeit: Wurden alle Fragen so verstanden, wie sie gemeint waren?
02 Gesprächsfluss: Kam ein natürliches Gespräch zustande oder wirkte es abgehackt?
03 Reihenfolge: War die Abfolge der Themen logisch und angenehm?
04 Dauer: Passt die tatsächliche Interviewdauer zur geplanten Zeit?
05 Technik: Funktioniert die Aufnahme einwandfrei?
Sonderfälle: Online, Telefon, sensible Themen
Nicht jedes Interview findet vor Ort im ruhigen Besprechungsraum statt. Je nach Setting und Zielgruppe brauchst du Anpassungen am Leitfaden und an der Durchführung.
Online-Interviews sind praktisch, erfordern aber besondere Vorbereitung.
Anpassungen:
Technik-Check einbauen, längere Warm-up-Phase einplanen (nonverbale Signale schwerer lesbar), Backup-Kontakt
bereithalten.
Einwilligung online: Vorab per E-Mail unterschreiben lassen oder zu Beginn mündlich bestätigen lassen („Sind Sie einverstanden?") und Zustimmung mitaufnehmen.
Eignen sich für kurze, fokussierte Befragungen oder wenn Videokonferenzen nicht möglich sind.
Anpassungen:
Kürzere Dauer (30–40 Min), aktiveres Zuhören/verbale Bestätigungen („Mhm"), keine zu komplexen Fragen.
Aufnahme-Checkliste: Mündliche Zustimmung einholen, lokal speichern, Löschfrist festlegen, Pseudonymisierung bei Transkription.
Bei Themen wie Krankheit, Diskriminierung oder persönlichen Krisen brauchst du besonderes Fingerspitzengefühl.
Anpassungen:
Sensible Fragen erst nach Vertrauensaufbau stellen, explizit auf Freiwilligkeit hinweisen, Nachsorge-Hinweise
vorbereiten, Ethik-Antrag prüfen.
✗ „Haben Sie Diskriminierung erlebt?" → ✓ „Manche berichten von schwierigen Situationen. Wie ist das bei Ihnen?"
✗ „Wie war es bei der Diagnose?" → ✓ „Erzählen Sie mir, wie Sie von der Erkrankung erfahren haben."
Experteninterview vs. Betroffeneninterview: Bei Experteninterviews darfst du fachlicher formulieren und direkter nach Einschätzungen fragen. Bei Betroffenen (z.B. Patienten, Angehörige) stehen Erfahrungen und Erleben im Vordergrund. Passe deinen Sprachstil an die Zielgruppe an. Gruppeninterviews (Fokusgruppen) erfordern einen anderen Leitfaden mit Moderationstechniken und fallen aus dem Rahmen dieses Artikels.
Das Interview durchführen
Mit dem fertigen Leitfaden in der Hand geht es an die Durchführung. Ein paar praktische Hinweise helfen dir, professionell und entspannt ins Gespräch zu gehen.
Vorbereitung: Teste dein Aufnahmegerät vorab. Wähle einen ruhigen Ort ohne Störungen. Halte den Leitfaden griffbereit, aber lies nicht ab. Bereite die Einwilligungserklärung vor – wenn möglich schriftlich unterschrieben, alternativ mündlich zu Beginn der Aufnahme. Die Vorlage bekommst du oft von deiner Hochschule oder der Datenschutzstelle.
Während des Interviews: Höre aktiv zu und zeige echtes Interesse. Lass der interviewten Person Zeit zum Nachdenken, halte Pausen aus. Notiere dir Stichworte zu interessanten Punkten, bei denen du später nachfragen willst. Schau nicht ständig auf den Leitfaden, sondern halte Blickkontakt.
Nach dem Interview: Fertige zeitnah ein kurzes Memo an: Wie war die Atmosphäre? Was waren zentrale Aussagen? Gab es Besonderheiten? Diese Notizen helfen dir später bei der Auswertung. Details zur Aufbereitung findest du im Artikel zur qualitativen Inhaltsanalyse.
01 Einwilligungserklärung vorbereitet (Zweck, Anonymität, Freiwilligkeit)?
02 Zustimmung zur Aufzeichnung explizit eingeholt?
03 Einwilligungen getrennt von Transkripten aufbewahrt?
04 Pseudonymisierung vorbereitet (z.B. P1, P2 statt Namen)?
Typische Fehler vermeiden
Zu viele Fragen: Ein überladener Leitfaden führt dazu, dass du im Interview hetzt. Du stellst Fragen ab, statt ein Gespräch zu führen. Weniger Leitfragen mit Raum für Nachfragen sind wertvoller als viele oberflächliche Fragen.
Suggestivfragen stellen: Fragen, die eine Antwort nahelegen, verfälschen deine Daten. Prüfe jede Frage auf Wertungen, Verneinungen und „Finden Sie nicht auch..."-Formulierungen. Die FAQ unten zeigt konkret, wie du Suggestivfragen erkennst und umformulierst.
Leitfragen nicht aus der Forschungsfrage abgeleitet: Wenn du einfach drauflos fragst, ohne systematisch von deiner Forschungsfrage zu arbeiten, sammelst du möglicherweise viel Material, das du später nicht verwerten kannst. Prüfe für jede Frage: Welche Dimension meiner Forschungsfrage deckt sie ab?
Keinen Pretest machen: Ohne Testlauf bleiben Verständnisprobleme und ungünstige Reihenfolgen unentdeckt. Die Zeit für einen Pretest ist gut investiert.
Zu wenig zuhören: Wer schon an die nächste Frage denkt, verpasst interessante Aussagen. Aktives Zuhören ist wichtiger als das Abhaken von Fragen. Nutze die Memo-Felder im Leitfaden für Stichworte, statt dir alles merken zu wollen.
Leitfaden nicht dokumentieren: Der vollständige Leitfaden gehört in der Regel in den Anhang deiner Arbeit – prüfe die Vorgaben deiner Betreuung. Im Methodenteil beschreibst du, wie du ihn entwickelt und getestet hast.
Nächster Schritt: Vom Interview zur Auswertung
Dein Interviewleitfaden ist einsatzbereit, wenn er alle relevanten Themen abdeckt, die Fragen offen und verständlich formuliert sind und der Pretest keine gravierenden Probleme mehr gezeigt hat.
Nach den Interviews folgt die Transkription. Du überführst die Audioaufnahmen in Text. Dabei entscheidest du, wie detailliert du transkribierst: wörtlich mit allen Pausen und Füllwörtern oder geglättet. Als Richtwert: Für eine Inhaltsanalyse (Was wird gesagt?) reicht oft eine geglättete Transkription. Wenn du Gesprächsdynamik oder Interaktion analysierst (Wie wird es gesagt?), transkribierst du detaillierter. Anschließend analysierst du die Transkripte, etwa mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Interpretation erfolgt in der Diskussion, wo du deine Befunde in den Forschungsstand einordnest.
Sichere alle Materialien sorgfältig: den Leitfaden, die Audioaufnahmen, die Transkripte, die Einwilligungserklärungen und deine Interview-Memos. Manche Hochschulen verlangen die Abgabe dieser Materialien. Kläre das rechtzeitig mit deiner Betreuung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Fragen sollte ein Interviewleitfaden haben?
Ein Leitfaden für ein 45- bis 60-minütiges Interview enthält typischerweise 8 bis 15 Leitfragen, gruppiert in 3 bis 5 Themenblöcke. Die Zahl hängt von der Komplexität deines Themas ab. Weniger ist oft mehr: Zu viele Fragen führen dazu, dass du im Interview hetzt und keine Zeit für Nachfragen hast.
Wie erkenne ich, ob eine Frage suggestiv ist?
Suggestivfragen enthalten bereits eine erwartete Antwort oder Wertung. Typische Warnsignale: Formulierungen wie „Finden Sie nicht auch...", „Das war doch sicher...", Verneinungen in der Frage, wertende Adjektive. Umformulierung: „Finden Sie nicht auch, dass das schwierig ist?" wird zu „Wie erleben Sie diese Situation?". „Das war doch sicher frustrierend?" wird zu „Wie haben Sie das empfunden?"
Was mache ich, wenn Interviewte sehr kurz antworten?
Kurze Antworten sind normal, besonders am Anfang. Strategien: Pause aushalten (5-7 Sekunden), oft ergänzt die Person von selbst. Spiegeln: „Sie sagen, das war schwierig..." und warten. Konkretisieren: „Können Sie mir ein Beispiel nennen?" oder „Wie hat sich das konkret gezeigt?". Beim Pretest prüfen, ob deine Fragen zu geschlossen formuliert sind.
Soll ich den Leitfaden vorab an die Interviewten schicken?
Das hängt vom Ziel ab. Bei Experteninterviews kann es sinnvoll sein, die Themenblöcke vorab zu nennen, damit sich die Person vorbereiten kann. Den kompletten Leitfaden mit allen Fragen zu verschicken, kann jedoch zu vorbereiteten Antworten führen, die weniger spontan und authentisch sind.
Wie viele Interviews brauche ich für meine Bachelorarbeit?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. In qualitativen Studien gilt das Prinzip der theoretischen Sättigung: Du führst so lange Interviews, bis keine neuen Erkenntnisse mehr hinzukommen. Für Bachelorarbeiten sind oft 6 bis 12 Interviews realistisch. Besprich die Anzahl mit deiner Betreuung.
Muss ich den Interviewleitfaden in den Anhang aufnehmen?
In der Regel ja. Die meisten Prüfungsordnungen und Betreuenden erwarten den vollständigen Leitfaden im Anhang: alle Leitfragen, die Reihenfolge der Themenblöcke und vorbereitete Nachfragen. Im Methodenteil beschreibst du den Leitfaden zusammenfassend. Prüfe die Vorgaben deiner Fakultät oder frag deine Betreuung, ob es abweichende Anforderungen gibt.
Ergebnisse in der Bachelorarbeit
Bachelorarbeit schreiben: Anleitung
Forschungslücke finden und begründen