Wissenschaftlicher Schreibstil in der Masterarbeit: Sprache, Struktur und typische Fehler

Waage mit Text und Buch sowie Messschieber stehen für belegte, präzise Aussagen im wissenschaftlichen Schreibstil der Masterarbeit.

Der wissenschaftliche Schreibstil deiner Masterarbeit zeigt, dass du dein Fach beherrschst und deine Argumentation nachvollziehbar aufbaust. Gute wissenschaftliche Sprache ist präzise, objektiv und klar strukturiert. Sie vermeidet Umgangssprache, unbelegte Behauptungen und unnötige Füllwörter. Wenn dir passende Satzstrukturen fehlen, nutze die Formulierungsbeispiele für einzelne Kapitel als Muster und passe jede Aussage an deinen tatsächlichen Inhalt an.

Kurz gesagt

Wissenschaftlicher Stil zeichnet sich durch drei Säulen aus:

  • Präzision: Aussagen belegen, Fachbegriffe konsistent nutzen

  • Objektivität: Fakten und Interpretationen trennen, Wertungen begründen

  • Klarheit: kurze Sätze, logischer Aufbau

Da Konventionen je nach Fach variieren, solltest du dich stets an Publikationen deines Felds orientieren.

Inhaltsverzeichnis

Die Formulierungsbeispiele und ihre Quellenangaben sind fiktiv. Übertrage das Muster auf deine eigenen, belegten Inhalte.

So klingt es wissenschaftlich und so nicht

Nicht

„Die Forschung hat gezeigt...“

Gut

„Studien von Autor (2020) und Autor (2021) zeigen...“

Nicht

„Das beweist eindeutig...“

Gut

„Dies deutet darauf hin, dass...“

Nicht

„Es ist offensichtlich, dass...“

Gut

„Die Ergebnisse lassen vermuten...“

Nicht

„Die Durchführung der Analyse erfolgte“

Gut

„Die Analyse wurde durchgeführt“

Was macht wissenschaftliches Schreiben aus?

Wissenschaftliches Schreiben unterscheidet sich grundlegend von journalistischen Texten oder Alltagskommunikation. Im Zentrum steht die Nachvollziehbarkeit: Jede Aussage muss begründet, jede Quelle kenntlich gemacht und jede Schlussfolgerung logisch hergeleitet werden.

Wichtige Abgrenzung: Wissenschaftlicher Schreibstil und wissenschaftliches Arbeiten sind nicht dasselbe. Der Schreibstil betrifft die sprachliche Darstellung deiner Argumentation: Wortwahl, Satzbau, Objektivität, Quellenintegration. Wissenschaftliches Arbeiten umfasst dagegen Methodik, Forschungsdesign und Datenerhebung. Du kannst methodisch sauber arbeiten, aber stilistisch schwach schreiben, oder umgekehrt. Dieser Artikel konzentriert sich auf die sprachliche Ebene.

An die Masterarbeit werden höhere Ansprüche gestellt als an Hausarbeiten oder die Bachelorarbeit. Deine Betreuung erwartet, dass du Fachbegriffe sicher verwendest, komplexe Zusammenhänge verständlich darstellst und deine Argumentation stringent aufbaust. Die Sprache transportiert dabei nicht nur Inhalte, sondern signalisiert auch deine fachliche Kompetenz.

Grundlagen wissenschaftlichen Schreibens

Fachsprache: Zentrale Begriffe deines Forschungsfelds verwendest du konsistent und erklärst sie bei Bedarf. Fachsprache schafft Präzision, sollte aber nicht zum Selbstzweck werden.

Quellenarbeit: Übernommene fachliche Aussagen belegst du mit einer Quelle. Das gilt für Definitionen, Statistiken, Theorien und Forschungsergebnisse; allgemein bekanntes Wissen ist ausgenommen.

Argumentationslogik: Deine Gedanken folgen einer klaren Struktur. Prämissen führen zu Schlussfolgerungen, Gegenargumente werden berücksichtigt, der rote Faden bleibt erkennbar.

Wissenschaftliche Sprache vs. Alltagssprache

Satzpaar zum wissenschaftlichen Stil der Masterarbeit zeigt „Die Daten sind unklar“ mit und ohne das Füllwort „irgendwie“.

Der Unterschied zwischen Alltags- und Wissenschaftssprache liegt nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in der Denkweise dahinter. Alltagssprache darf vage sein, Wissenschaftssprache muss präzise sein. Alltagssprache darf Meinungen enthalten, Wissenschaftssprache trennt Fakten von Interpretationen.

Alltagssprache

„Das ist halt so, dass Unternehmen irgendwie Probleme mit der Digitalisierung haben.“

Wissenschaftlich

„Empirische Studien zeigen, dass mittelständische Unternehmen bei Digitalisierungsprojekten häufig auf Umsetzungshürden stoßen (vgl. Autor 2023, S. 45).“

Umgangssprachliche Füllwörter wie „halt“, „irgendwie“, „ziemlich“ oder „eigentlich“ haben in wissenschaftlichen Texten nichts zu suchen. Sie signalisieren Unsicherheit und mindern die Aussagekraft. Ersetze sie durch präzise Angaben oder streiche sie ersatzlos.

Auch übertriebene Ausdrücke wie „extrem“, „unglaublich“ oder „revolutionär“ solltest du vermeiden. Wissenschaftliche Sprache bleibt sachlich und zurückhaltend in der Bewertung. Wenn etwas bedeutsam ist, belege es mit Zahlen oder Quellen statt mit Superlativen.

Schnellcheck: Klingt das wissenschaftlich?

Mit diesen Prüffragen erkennst du in wenigen Minuten, ob ein Absatz wissenschaftlichen Standards entspricht. Gehe jeden Satz durch und prüfe die folgenden Punkte. Zu den häufigsten Stolperfallen findest du konkrete Korrekturhinweise. Entscheidungsregel: Überarbeite die Stellen, bei denen du mit „Ja“ antwortest. Beginne mit unbelegten Aussagen, unbegründeten Wertungen und einer unklaren Trennung von Befund und Interpretation.

Drei Stilprüfungen in der Masterarbeit, passende Quellen zu fremden Aussagen, Befund getrennt von eigener Deutung und einheitliche Fachbegriffe.
Schnellcheck: 10 Prüffragen für jeden Absatz
  • Vage Quantifizierer? Stehen Wörter wie „einige“, „viele“, „oft“ ohne Konkretisierung? → Ersetze sie durch Zahlen oder Quellenangaben: „Mehrere Studien (vgl. Autor A 2020; Autor B 2021)...“

  • Unbelegte Wertungen? Steht „wichtig“, „bedeutsam“, „besser“ ohne Kriterium? → Ergänze Maßstab und Beleg: „...ist bedeutsam für X, da Y (vgl. Quelle).“

  • Kausalsätze ohne Evidenz? Behauptest du eine Ursache-Wirkungs-Beziehung, ohne sie zu begründen? → Prüfe, ob dein Untersuchungsdesign oder die zitierte Forschung diese Schlussfolgerung trägt. Ein „weil“ zur Erklärung deiner Methodenwahl ist nicht automatisch eine empirische Kausalbehauptung.

  • Füllwörter? Stehen „halt“, „irgendwie“, „eigentlich“, „sozusagen“ im Satz? → Streiche sie ersatzlos.

  • Übertreibungen? Steht „extrem“, „unglaublich“, „revolutionär“? → Ersetze sie durch eine sachliche Einordnung mit Beleg.

  • Terminologie uneinheitlich? Wechselst du ohne Grund zwischen verschiedenen Begriffen für denselben Sachverhalt? → Vereinheitliche die Benennung.

  • Fakt und Interpretation vermischt? Bleibt unklar, was Befund ist und was deine Einordnung? → Trenne mit Signalwörtern: „Die Daten zeigen... Dies deutet darauf hin, dass...“

  • Schachtelsatz? Hat der Satz mehr als zwei Nebensätze? → Teile ihn in mehrere Sätze auf.

  • Umständlicher Nominalstil? Steht „Die Durchführung erfolgte“ statt „wurde durchgeführt“? → Nutze das Verb direkt.

  • Allgemeinplatz? Steht „Es ist bekannt, dass...“ vor einer fachlichen Behauptung, die über allgemein bekanntes Wissen hinausgeht? → Belege oder präzisiere die Aussage.

Wissenschaftlicher Stil: Formulierungen und Wortwahl

Zwei Bücher zur Wortwahl in der Masterarbeit zeigen „deutet darauf hin“ bei vorläufigem Befund und „beweist“ bei schlüssigem Beweis.

Präzision bedeutet, das richtige Wort für den gemeinten Sachverhalt zu wählen. Vage Formulierungen wie „einige Autoren“ lassen offen, wie viele und welche. „Autor A, Autor B und Autor C (2022)“ ist konkreter und nachprüfbar.

Fachbegriffe verwendest du konsistent. Wenn du einen Begriff eingeführt hast, bleibe dabei. Wechselnde Bezeichnungen für denselben Sachverhalt verwirren Lesende. Bei der ersten Verwendung eines zentralen Fachbegriffs gibst du eine Definition oder verweist auf das verwendete Begriffsverständnis, etwa: „Der Begriff X wird hier im Sinne von Autor (2020) verwendet.“

Formulierungshilfen für verschiedene Situationen

Ergebnisse einleiten

Die Analyse zeigt...

Aus den Daten geht hervor...

Die Befunde deuten darauf hin...

Einschränken

Diese Aussage gilt unter der Voraussetzung...

Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres verallgemeinern...

Einschränkend ist anzumerken...

Vergleichen

Im Gegensatz zu Autor A (2020) argumentiert Autor B (2022)...

Anders als in früheren Studien...

Übereinstimmend mit den Befunden von...

Schlussfolgerungen

Daraus lässt sich ableiten...

Dies führt zu dem Schluss...

Zusammenfassend ist festzuhalten...

Vermeide Nominalisierungen, wenn ein Verb klarer ist. „Die Durchführung der Analyse erfolgte“ klingt umständlich. Direkter: „Die Analyse wurde durchgeführt“ oder „Die vorliegende Arbeit analysiert...“. Starke Verben machen Texte lebendiger und verständlicher. Ob du aktive oder passive Formulierungen wählst, hängt von den Konventionen deines Fachs ab.

Quellen elegant einbauen (ohne „Zitatschinken“)

Hinweis: Die folgenden Beispiele zeigen Muster im Harvard-Stil. Passe die Formatierung an deinen Zitierstil an (APA, Chicago, Fußnoten etc.).

Autor als Subjekt: „Autor (2020) zeigt, dass...“, „Wie Autor (2019) argumentiert...“, „Nach Autor (2021) lässt sich...“

Quelle im Nachsatz: „Die Ergebnisse deuten auf X hin (vgl. Autor 2020, S. 45).“ Der Satz bleibt flüssig, der Beleg folgt. Ob „vgl.“ oder „siehe“ hängt vom Zitierstil ab.

Mehrere Quellen bündeln: „Verschiedene Studien belegen diesen Zusammenhang (vgl. Autor A 2020; Autor B 2019; Autor C 2021).“

Synthese statt Aufzählung: „Während Autor A (2020) X betont, fokussiert Autor B (2019) Y. Beide stimmen jedoch in Z überein.“

Vorher (abgehackt)

„Autor A (2020) sagt X. Autor B (2019) sagt Y. Autor C (2021) sagt Z.“

Nachher (integriert)

„Mehrere Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen X und Y (vgl. Autor A 2020; Autor B 2019). Besonders Autor C (2021) hebt hervor, dass Z.“

Objektivität und Distanzierung von Quellen

Objektivität bedeutet nicht, dass du keine Meinung haben darfst. Sie bedeutet, dass du Fakten von Interpretationen trennst und deine Einschätzungen begründest. Wenn du etwas bewertest, mach deutlich, auf welcher Grundlage du urteilst.

Wertende Wörter wie „leider“, „natürlich“, „selbstverständlich“ oder „offensichtlich“ suggerieren eine Bewertung, die nicht belegt ist. „Leider zeigt die Studie...“ impliziert, dass das Ergebnis schlecht ist. Besser: „Die Studie zeigt...“ und dann eine sachliche Einordnung.

Subjektiv

„Es ist offensichtlich, dass die Methode besser geeignet ist.“

Sachlich

„Die Methode weist im Vergleich zu X eine höhere Validität auf, was sich in den Kennwerten Y und Z zeigt (vgl. Autor 2023).“

Auch bei der Darstellung von Forschungsergebnissen anderer bleibst du neutral. Statt „Autor behauptet fälschlicherweise...“ schreibst du „Autor (2020) argumentiert... Diese Position ist aus folgenden Gründen zu hinterfragen:“. So trennst du die Wiedergabe fremder Positionen von deiner eigenen kritischen Einordnung.

Signalformulierungen für Quellenwiedergabe und Distanzierung

Neutral referieren

Autor (2020) zeigt...

Laut Autor (2019)...

Nach Autor (2021) gilt...

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass...

Zustimmend einordnen

Die Ergebnisse bestätigen...

Übereinstimmend mit Autor (2020) lässt sich feststellen...

Dieser Befund stützt die These von...

Indirekt wiedergeben (Konjunktiv I)

Autor (2020) schreibt, die Methode sei überlegen

Autor (2021) erklärt, das Ergebnis lasse diese Deutung zu

Autor (2022) vertritt die Ansicht, der Ansatz biete Vorteile

Kritisch einordnen

Diese Position ist zu hinterfragen, da...

Die Methodik weist Einschränkungen auf...

Problematisch erscheint...

Vorsichtig interpretieren

Die Daten deuten darauf hin...

Es lässt sich vermuten...

Dies könnte auf X hinweisen...

Möglicherweise erklärt sich...

Der Konjunktiv I kennzeichnet eine Aussage als indirekte Wiedergabe. „Autor argumentiert, die Methode sei überlegen“ zeigt, wem die Einschätzung zuzuordnen ist. Ob du ihr zustimmst oder sie kritisierst, erklärst du durch deine anschließende Einordnung; der Modus allein entscheidet das nicht.

Wichtig: Viele Fachkulturen, vor allem im angelsächsisch geprägten Wissenschaftsbetrieb, arbeiten eher mit klarer Attribution („Autor (2020) argumentiert, dass...“) und nachfolgender sachlicher Einordnung statt mit konsequentem Konjunktiv I. Orientiere dich an den Publikationen und Konventionen deines Fachs. Der Konjunktiv I ist ein Werkzeug, kein Muss.

Behauptungsstärke: Welches Verb wann?

Die Wahl des Verbs signalisiert, wie sicher eine Aussage ist. Passe die Stärke an die Evidenzlage an.

  • Stark

    Verben

    „beweist“, „belegt“, „zeigt eindeutig“

    Wann angemessen

    „Beweist“ setzt einen schlüssigen Beweis voraus, etwa in der Mathematik. Statistische Signifikanz allein genügt dafür nicht. „Belegt“ oder „zeigt eindeutig“ braucht eine zur Aussage passende, belastbare Evidenz.

  • Mittel

    Verben

    „zeigt“, „bestätigt“, „stützt“

    Wann angemessen

    Bei Befunden, die die konkrete Aussage tragen; auch eine einzelne methodisch passende Studie kann einen klar begrenzten Befund zeigen.

  • Vorsichtig

    Verben

    „deutet darauf hin“, „legt nahe“, „spricht für“

    Wann angemessen

    Bei vorläufigen Befunden oder wenn alternative Erklärungen offenbleiben.

  • Spekulativ

    Verben

    „könnte“, „möglicherweise“, „lässt vermuten“

    Wann angemessen

    Bei noch ungeprüften Erklärungen oder unklarer Datenlage.

Ich-Form oder nicht?

Die Frage nach der Ich-Form in wissenschaftlichen Arbeiten ist umstritten und variiert je nach Fachkultur. In den Geisteswissenschaften ist die Ich-Form weitgehend akzeptiert, in Naturwissenschaften und BWL wird sie häufig vermieden.

Wenn du die Ich-Form verwendest, setze sie sparsam ein. „In dieser Arbeit untersuche ich...“ ist in Ordnung. Häufiges „Ich denke“, „Meiner Meinung nach“ oder „Ich finde“ wirkt unsicher und subjektiv. Die Ich-Form eignet sich besonders, um methodische Entscheidungen zu begründen oder die eigene Position in einer Debatte zu verorten.

Alternativen zur Ich-Form
  • Passiv: „Die Daten wurden mittels Regressionsanalyse ausgewertet.“

  • Unpersönlich: „Diese Arbeit untersucht...“, „Im Folgenden wird analysiert...“

  • Man-Form: „Man unterscheidet zwischen X und Y.“ (sparsam und nur bei allgemeingültigen Aussagen)

Wir-Form und Autorenplural: In manchen Fächern, vor allem in den Naturwissenschaften, ist der Autorenplural („Wir analysieren...“, „Wir zeigen...“) auch bei Einzelautoren üblich. In anderen Fächern wirkt er bei einer Masterarbeit mit nur einem Verfasser irritierend. Prüfe, ob der Autorenplural in deinem Fach auch für Einzelarbeiten vorgesehen ist. Ein „wir“ in einem Artikel mit mehreren Verfassern reicht dafür nicht als Orientierung.

Hinweis zu Vorgaben: Manche Prüfungsordnungen oder Lehrstühle haben explizite Vorgaben zur Ich-Form. Diese haben Vorrang vor allgemeinen Empfehlungen.

Verwende Ich-Form, unpersönliches Aktiv und Passiv gezielt: Je nach Aussage können deine Entscheidung, das Vorgehen oder die Ergebnisse im Vordergrund stehen. Achte auf klare Bezüge und einen einheitlichen Ton.

Typische Fehler mit Korrektur-Beispielen

Gegenüberstellung zum Stil der Masterarbeit kürzt Nominalstil zu „Die Analyse wurde durchgeführt“ bei gleicher Aussage und Zeitform.

Die folgenden Fehler schleichen sich häufig in wissenschaftliche Texte ein. Zu jedem Fehler siehst du, warum er problematisch ist und wie du ihn korrigierst. Hinweis zu den Beispielzitationen: Die Quellenangaben in den Beispielen dienen der Veranschaulichung des Sprachmusters im Harvard-Stil. Nutze den Zitierstil deiner Hochschule und ersetze die Beispielautoren durch deine tatsächlichen Quellen.

Fehler 1: Unbelegte Allgemeinplätze

Warum problematisch: Suggeriert Evidenz, ohne sie zu liefern. Lesende können die Aussage nicht prüfen.

Vorher

„Es ist allgemein bekannt, dass Mitarbeitermotivation die Produktivität steigert.“

Nachher

„Empirische Studien belegen einen positiven Zusammenhang zwischen Mitarbeitermotivation und Produktivität (vgl. Autor A 1959; Autor B 2000).“

Fehler 2: Übertreibungen und Superlative

Warum problematisch: Wirkt unsachlich und unpräzise. Superlative lassen sich selten belegen.

Vorher

„Die Digitalisierung hat einen revolutionären Einfluss auf die Wirtschaft.“

Nachher

„Die Digitalisierung hat Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten in vielen Branchen grundlegend verändert (vgl. Autor A/Autor B 2014).“

Fehler 3: Unsaubere Zuschreibungen

Warum problematisch: „Die Forschung“ ist kein Akteur. Wer genau hat was herausgefunden?

Vorher

„Die Forschung hat gezeigt, dass flexible Arbeitszeiten die Zufriedenheit erhöhen.“

Nachher

„Studien von Autor A et al. (2015) sowie Autor B/Autor C (2010) zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen flexiblen Arbeitszeiten und Mitarbeiterzufriedenheit.“

Fehler 4: Vermischte Ebenen (Fakt vs. Interpretation)

Warum problematisch: Lesende können nicht unterscheiden, was Befund und was deine Deutung ist.

Vorher

„Die Ergebnisse beweisen, dass das Modell überlegen ist.“

Nachher

„Modell A hatte im Testdatensatz einen geringeren mittleren absoluten Fehler als Modell B (p < 0,05). Dies spricht unter den getesteten Bedingungen für genauere Vorhersagen von Modell A.“

Fehler 5: Nominalstil-Überladung

Warum problematisch: Macht den Text schwerfällig und schwer lesbar. Verben transportieren Handlung klarer.

Vorher

„Die Durchführung der Untersuchung erfolgte unter Berücksichtigung der Einhaltung ethischer Richtlinien.“

Nachher

„Die Untersuchung wurde unter Einhaltung ethischer Richtlinien durchgeführt.“

Inkonsistente Terminologie ist ein weiterer häufiger Fehler. Wenn du einen Begriff einmal als „digitale Transformation“ und einmal als „Digitalisierungsprozess“ bezeichnest, entsteht Verwirrung. Entscheide dich für eine Bezeichnung und bleibe dabei. Im Abkürzungsverzeichnis kannst du Abkürzungen einheitlich definieren.

Nächster Schritt: Korrekturlesen und Feinschliff

Ein guter wissenschaftlicher Schreibstil entsteht nicht im ersten Entwurf. Plane Zeit für mehrere Überarbeitungsrunden ein:

  • Runde 1: Prüfung von Argumentation und Struktur.
  • Runde 2: Fokus auf Formulierungen und den wissenschaftlichen Stil.
  • Runde 3: Finale Korrektur von Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Das Korrekturlesen sollte mit zeitlichem Abstand erfolgen. Lass den Text mindestens einen Tag liegen, bevor du ihn erneut liest. So entdeckst du Fehler, die dir beim Schreiben nicht aufgefallen sind. Auf Papier liest du einen Text anders als am Bildschirm.

Prüfe am Ende, ob dein Schreibstil durchgängig konsistent ist. Die Einleitung sollte stilistisch zum Fazit passen. Wenn du Teile zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben hast, können stilistische Brüche entstehen.

Achte bei der finalen Formatierung auch auf einheitliche Schreibweisen. Anglizismen, Zahlenformate und Abkürzungen sollten durchgehend gleich verwendet werden. Ein sauberes Literaturverzeichnis und eine korrekte Zitierweise gehören ebenfalls zum professionellen Gesamtbild.

PDF-Check vor der Abgabe: Exportiere dein Dokument als PDF und prüfe: Stimmen die Seitenumbrüche? Sind Schriftarten korrekt eingebettet? Passen die Seitenränder zu den Vorgaben? Sind alle Verzeichnisse aktualisiert? Ein letzter Blick auf das Inhaltsverzeichnis und die Seitenzahlen schadet nie.

Wenn deine Arbeit druckreif ist, kannst du deine Masterarbeit drucken lassen und bei BachelorHero eine passende Bindung wählen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Zeitform ist in der Masterarbeit üblich?

Typischerweise nutzt du Präsens für deine eigene Analyse („Die Daten zeigen...“) und für gültige Theorien. Präteritum oder Perfekt verwendest du häufig für abgeschlossene Studien anderer („Autor (2020) untersuchte...“). Die genauen Konventionen variieren je nach Fach. In manchen Disziplinen ist durchgängig Präsens üblich, in anderen wird strikt zwischen Zeitebenen unterschieden. Orientiere dich an Publikationen deines Fachs.

Wann nutze ich Konjunktiv I beim Wiedergeben von Quellen?

Der Konjunktiv I kennzeichnet indirekte Rede: „Autor (2020) schreibt, die Methode sei überlegen.“ Er macht deutlich, dass du eine fremde Aussage wiedergibst; Zweifel oder Kritik folgen daraus nicht automatisch. Formuliere deine Einordnung ausdrücklich. Je nach Fachkonvention ist auch eine klare Quellenzuordnung im Indikativ üblich, etwa „Autor (2020) argumentiert, dass...“.

Ist „man“ unwissenschaftlich?

Die Man-Form ist nicht per se unwissenschaftlich, wirkt aber oft unpräzise. „Man kann argumentieren...“ lässt offen, wer argumentiert. Alternativen: „Die Forschung zeigt...“ (mit Quelle), „Es lässt sich feststellen...“, oder explizit: „Autor (2020) argumentiert...“. Nutze „man“ sparsam und nur bei allgemeingültigen Aussagen.

Wie zitiere ich im Fließtext, ohne dass der Text abgehackt wirkt?

Variiere deine Einleitungsformeln: „Wie Autor (2020) zeigt...“, „Laut Autor (2019)...“, „Nach Auffassung von Autor (2021)...“. Fasse mehrere Quellen zusammen: „Verschiedene Studien belegen... (vgl. Autor 2020; Autor 2019).“ Wechsle zwischen direkten Zitaten und Paraphrasen.

Darf ich in der Masterarbeit „ich“ schreiben?

Das hängt vom Fach und den Vorgaben deiner Hochschule ab. In vielen Geisteswissenschaften ist die Ich-Form akzeptiert, in Naturwissenschaften und BWL wird sie oft vermieden. Neutrale Alternativen: „Diese Arbeit untersucht...“ oder „Im Folgenden wird analysiert...“. Frag im Zweifel deine Betreuung.

Wie vermeide ich unbelegte Allgemeinplätze?

Ersetze vage Formulierungen durch konkrete Belege. Statt „Es ist bekannt, dass...“ schreibe „Studien zeigen, dass... (vgl. Quelle)“. Statt „Die Forschung hat festgestellt...“ nenne die konkrete Studie. Übernommene fachliche Aussagen brauchen einen Beleg; allgemein bekanntes Wissen ist ausgenommen.

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