Inhaltsverzeichnis
Das Abkürzungsverzeichnis listet fachspezifische Kürzel alphabetisch mit ihrer Bedeutung auf. Es steht meist nach dem Inhaltsverzeichnis und vor der Einleitung, oft auch nach Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. Die genaue Position regelt der Leitfaden deiner Hochschule. Jede Abkürzung wird bei Erstnennung im Text ausgeschrieben und in Klammern eingeführt.
✓ Fachspezifisch und mehrfach verwendet → rein
✓ Nicht allgemein bekannt → rein
✗ Geläufig (z. B., vgl., usw.) → nicht rein
! Leitfaden der Hochschule hat Vorrang
Wann brauchst du ein Abkürzungsverzeichnis?
Ein Abkürzungsverzeichnis ist sinnvoll, wenn du mehrere fachspezifische Abkürzungen in deiner Arbeit verwendest. Als grobe Orientierung: Ab etwa fünf Fachbegriffen, die du abkürzt, lohnt sich ein separates Verzeichnis. Diese Zahl ist aber kein fester Grenzwert. Entscheidend sind die Lesbarkeit deiner Arbeit und die Dichte der Abkürzungen. Bei drei komplexen Kürzeln auf jeder Seite kann ein Verzeichnis schon früher helfen.
In manchen Fachbereichen wie Jura, Medizin oder den Wirtschaftswissenschaften sind viele Abkürzungen üblich. Dort ist ein Abkürzungsverzeichnis fast immer Standard. In anderen Disziplinen mit weniger Fachjargon kann es entfallen. Die Vorgaben deiner Hochschule oder des Lehrstuhls geben im Zweifel den Ausschlag.
Manche Hochschulen verlangen ein Abkürzungsverzeichnis unabhängig von der Anzahl der Abkürzungen. Andere machen keine Vorgaben. Prüfe den Leitfaden deiner Fakultät oder frag deine Betreuung. Die dortigen Angaben haben Vorrang vor allgemeinen Empfehlungen.
Schnellcheck: Was kommt rein, was nicht?
Mit diesem Schnellcheck entscheidest du in Sekunden, ob eine Abkürzung ins Verzeichnis gehört. Prüfe jeden Eintrag anhand dieser Kriterien.
• Die Abkürzung ist fachspezifisch: Kennzahlen (ROI, KPI), Gesetze/Normen (DSGVO, BGB), Institutionen (EZB, BVerfG).
• Du verwendest sie mehrfach im Text oder in Tabellen/Abbildungen, wo Lesende nachschlagen.
• Die Bedeutung ist nicht allgemein bekannt.
• Es handelt sich um eine selbst eingeführte oder projektbezogene Abkürzung.
• Die Abkürzung ist allgemein bekannt (z. B., d. h., usw., etc., vgl., ca.).
• Es handelt sich um reine Zitierabkürzungen (ebd., Hrsg., Aufl., f./ff.).
• Es sind standardisierte SI-Einheiten (kg, m, s, °C) oder gängige Maßeinheiten.
• Einmaliges Vorkommen: Hier reicht oft Ausschreiben.
Abkürzungsverzeichnis vs. Glossar
Abkürzungsverzeichnis und Glossar erfüllen unterschiedliche Zwecke. Das Abkürzungsverzeichnis löst Kürzel auf: API wird zu „Application Programming Interface". Es erklärt nicht, was eine API ist oder wie sie funktioniert.
Ein Glossar hingegen definiert Fachbegriffe inhaltlich. Ein Glossar-Eintrag könnte so aussehen: „API – Programmierschnittstelle, über die Softwaresysteme Daten austauschen und Funktionen gegenseitig aufrufen können." Im Glossar steht also nicht nur die Auflösung, sondern eine echte Definition. Ein Glossar ist sinnvoll, wenn deine Arbeit viele erklärungsbedürftige Begriffe enthält, unabhängig davon, ob sie abgekürzt werden.
Wann brauchst du was? Wenn du nur Kürzel auflösen musst, reicht das Abkürzungsverzeichnis. Wenn du Begriffe definieren musst, die auch ohne Abkürzung vorkommen, brauchst du ein Glossar. Manche Arbeiten haben beides: Das Abkürzungsverzeichnis für Kürzel, das Glossar für Definitionen. Prüfe die Vorgaben deiner Hochschule, ob und wo ein Glossar erwartet wird.
Aufbau und Reihenfolge
Das Abkürzungsverzeichnis ist strikt alphabetisch nach den Abkürzungen sortiert. Jede Zeile enthält links die Abkürzung und rechts die ausgeschriebene Bedeutung. Die Darstellung erfolgt meist als zweispaltige Tabelle ohne sichtbare Linien oder mit Tabulatoren.
Die alphabetische Sortierung folgt dem deutschen Alphabet. Umlaute werden wie ihre Grundvokale behandelt: Ä wie A, Ö wie O, Ü wie U. Das ß wird wie ss eingeordnet. Zahlen am Anfang einer Abkürzung (z. B. 3D) werden vor Buchstaben sortiert.
Bei Abkürzungen mit gleichem Anfangsbuchstaben entscheidet der zweite Buchstabe, dann der dritte und so weiter. Großbuchstaben und Kleinbuchstaben werden gleich behandelt.
Die Position des Abkürzungsverzeichnisses ist meist nach dem Inhaltsverzeichnis und vor der Einleitung. Wenn du zusätzlich ein Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis hast, kommt das Abkürzungsverzeichnis oft danach. Eine häufig genutzte Reihenfolge ist: Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Tabellenverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis, Einleitung. Die exakte Abfolge variiert je nach Hochschule und Leitfaden.
Das Abkürzungsverzeichnis erhält eine eigene Seite mit der Überschrift „Abkürzungsverzeichnis". Diese Überschrift erscheint auch im Inhaltsverzeichnis, wird aber in der Regel nicht mit einer Kapitelnummer versehen.
Abkürzungsverzeichnis Beispiel
Hier siehst du ein konkretes Beispiel für ein Abkürzungsverzeichnis. Die Abkürzungen sind alphabetisch sortiert und jeweils mit ihrer vollständigen Bedeutung versehen.
API – Application Programming Interface
BIP – Bruttoinlandsprodukt
CEO – Chief Executive Officer
DSGVO – Datenschutz-Grundverordnung
EZB – Europäische Zentralbank
KMU – Kleine und mittlere Unternehmen
ROI – Return on Investment
Die Gestaltung kann variieren. Manche Verzeichnisse nutzen Punkte oder Striche zwischen Abkürzung und Erklärung, andere setzen auf klare Spalten ohne Trennzeichen. Wichtig ist die Konsistenz: Entscheide dich für ein Format und behalte es bei.
Sonderfälle richtig einordnen
Nicht alle Abkürzungen passen eindeutig in die Kategorien „rein" oder „nicht rein". Hier sind die häufigsten Sonderfälle und wie du sie handhabst.
Gleiche Abkürzung, zwei Bedeutungen: Manche Kürzel haben je nach Fachkontext unterschiedliche Bedeutungen. „KI" kann für „Künstliche Intelligenz" oder in der Medizin für „Konfidenzintervall" stehen. Lege die Abkürzung in deiner Arbeit nur für eine Bedeutung fest. Den anderen Begriff schreibst du konsequent aus oder wählst eine alternative Abkürzung.
Groß- und Kleinschreibung: Manche Abkürzungen existieren in beiden Varianten mit unterschiedlicher Bedeutung. Achte auf einheitliche Schreibweise und liste im Zweifel beide Varianten separat auf, wenn beide in deiner Arbeit vorkommen. Beispiel: „IT – Informationstechnologie" vs. „it. – italienisch".
Pluralformen: Abkürzungen werden im Deutschen meist nicht verändert. Es heißt „mehrere KMU", nicht „mehrere KMUs". Im Verzeichnis steht nur die Grundform. In englischsprachigen Arbeiten kann ein Plural-s üblich sein.
Abkürzungen nur in Tabellen oder Abbildungen: Fachspezifische Kürzel, die nur in Grafiken vorkommen, solltest du mindestens in der Tabellen- oder Abbildungslegende erklären. Ob sie zusätzlich ins Verzeichnis gehören, hängt von deinem Leitfaden ab. Viele Hochschulen fordern es, manche nicht.
Englischsprachige Akronyme: Bei englischen Fachbegriffen (z. B. CEO, ROI, API) gibst du im Verzeichnis die englische Langform an. Beispiel: „CEO – Chief Executive Officer". Eine deutsche Übersetzung ist optional und kann in Klammern ergänzt werden, wenn es das Verständnis erleichtert: „CEO – Chief Executive Officer (Geschäftsführer)".
Abkürzungen im Text einführen
Das Abkürzungsverzeichnis ersetzt nicht die Einführung im Fließtext. Bei der ersten Verwendung einer Abkürzung schreibst du den Begriff vollständig aus und setzt die Abkürzung in Klammern dahinter. Ab der zweiten Verwendung nutzt du nur noch die Abkürzung.
„Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2023 mehrfach die Leitzinsen angehoben. Diese Maßnahmen der EZB zielten darauf ab, die Inflation zu bekämpfen. Im weiteren Verlauf wird analysiert, wie die EZB ihre geldpolitischen Instrumente einsetzt."
Nach der einmaligen Einführung „Europäische Zentralbank (EZB)" wird im gesamten restlichen Text nur noch „EZB" verwendet.
Diese Regel gilt auch dann, wenn ein Abkürzungsverzeichnis vorhanden ist. Das Verzeichnis dient als Nachschlagewerk für Lesende, die eine Abkürzung vergessen haben. Es ist kein Ersatz für die saubere Einführung im Text. Prüfende erwarten, dass du beide Konventionen einhältst.
Ausnahme: In manchen Fachbereichen sind bestimmte Abkürzungen so etabliert, dass sie ohne Einführung verwendet werden dürfen. In juristischen Arbeiten muss das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) oft nicht erklärt werden. Frag im Zweifel deine Betreuung, welche Abkürzungen in deinem Fachbereich als bekannt gelten.
Vorlage und Word-Tipps
Mit dieser Vorlage kannst du dein Abkürzungsverzeichnis direkt erstellen. Ersetze die Platzhalter durch deine eigenen Abkürzungen und sortiere sie alphabetisch.
Abkürzungsverzeichnis
[Abk. 1] – [Ausgeschriebene Bedeutung 1]
[Abk. 2] – [Ausgeschriebene Bedeutung 2]
[Abk. 3] – [Ausgeschriebene Bedeutung 3]
... – ...
Umsetzung in Word: Erstelle eine Tabelle mit zwei Spalten. Stelle die Rahmenlinien auf „Keine" (Tabellentools → Entwurf → Rahmen → Kein Rahmen). Die linke Spalte sollte etwa 2,5 bis 3 cm breit sein, damit auch längere Abkürzungen Platz haben. Die rechte Spalte füllt den Rest der Zeile.
Alphabetisch sortieren: Markiere die gesamte Tabelle und nutze „Start" → „Sortieren" (A-Z-Symbol). Im Dialog wählst du: Sortieren nach „Spalte 1", Typ „Text", Reihenfolge „Aufsteigend". Wiederhole das Sortieren, wenn du neue Einträge ergänzt, damit die Reihenfolge stimmt.
In LaTeX nutzt du eine tabulare Umgebung oder das Paket „acronym" für eine automatisierte Verwaltung. Das Paket prüft auch, ob alle definierten Abkürzungen tatsächlich im Text verwendet werden und sortiert automatisch.
Typische Fehler vermeiden
Geläufige Abkürzungen aufnehmen: Kürzel wie z. B., d. h., usw. oder vgl. gehören nicht ins Verzeichnis. Sie sind allgemein bekannt und blähen das Verzeichnis unnötig auf. Das wirkt, als würdest du die Konvention nicht kennen.
Nicht alphabetisch sortieren: Ein Verzeichnis, das nicht alphabetisch geordnet ist, verfehlt seinen Zweck als Nachschlagewerk. Lesende müssen die gesamte Liste durchgehen, um eine Abkürzung zu finden. Sortiere konsequent von A bis Z.
Abkürzungen nur im Verzeichnis erklären: Das Verzeichnis ergänzt die Einführung im Fließtext, ersetzt sie aber nicht. Bei Erstnennung muss jede Abkürzung im Text ausgeschrieben und in Klammern ergänzt werden.
Inkonsistente Formatierung: Wenn du bei einer Abkürzung einen Punkt setzt (z. B. „Abb." für Abbildung), solltest du das einheitlich handhaben. Mischformen wie „Abb." und „Tab" (ohne Punkt) wirken nachlässig.
Falsch: „Die EZB hat die Leitzinsen erhöht. EZB steht für Europäische Zentralbank."
Richtig: „Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen erhöht."
Die Erklärung erfolgt bei der Erstnennung in Klammern, nicht als separater Satz danach.
Checkliste vor der Abgabe
Bevor du deine Masterarbeit abgibst, prüfe dein Abkürzungsverzeichnis mit dieser Checkliste.
• Alle fachspezifischen Abkürzungen sind alphabetisch aufgelistet.
• Keine geläufigen Kürzel (z. B., d. h., usw.) im Verzeichnis.
• Jede Abkürzung ist bei Erstnennung im Text eingeführt.
• Formatierung (Schriftart, Schriftgröße, Abstände) passt zum Rest der Arbeit.
• Verzeichnis erscheint im Inhaltsverzeichnis mit korrekter Seitenzahl.
• Position entspricht dem Leitfaden deiner Hochschule (meist nach Inhaltsverzeichnis, vor Einleitung).
Finaler Abgabe-Check: Exportiere dein Dokument als PDF und nutze die Suchfunktion (Strg+F), um nach deinen Abkürzungen zu suchen. So stellst du sicher, dass jede Abkürzung bei Erstnennung eingeführt ist und im Verzeichnis steht. Aktualisiere außerdem alle Verzeichnisse (Inhaltsverzeichnis, Abbildungs-, Tabellen- und Abkürzungsverzeichnis), damit die Seitenzahlen stimmen.
Neben dem Abkürzungsverzeichnis solltest du auch Deckblatt, Gliederung und Formatierung auf Vollständigkeit prüfen.
Häufig gestellte Fragen
Muss jede Masterarbeit ein Abkürzungsverzeichnis haben?
Nicht zwingend. Wenn du nur wenige fachspezifische Abkürzungen verwendest und diese im Text bei Erstnennung erklärst, ist kein separates Verzeichnis nötig. Entscheidend sind die Vorgaben deiner Hochschule und die Lesbarkeit: Bei hoher Abkürzungsdichte hilft ein Verzeichnis, bei wenigen Kürzeln kann es entfallen.
Gehören allgemein bekannte Abkürzungen ins Verzeichnis?
Nein. Geläufige Abkürzungen wie z. B., etc., usw., vgl. oder d. h. gehören nicht ins Abkürzungsverzeichnis. Sie gelten als allgemein bekannt und werden vorausgesetzt. Nur fachspezifische und in der Arbeit eingeführte Abkürzungen werden aufgenommen.
In welcher Reihenfolge stehen die Abkürzungen?
Die Abkürzungen werden strikt alphabetisch sortiert. Dabei zählt der erste Buchstabe der Abkürzung. Umlaute werden wie ihre Grundvokale behandelt (Ä wie A). Zahlen am Anfang werden vor Buchstaben eingeordnet.
Wo steht das Abkürzungsverzeichnis in der Masterarbeit?
Meist nach dem Inhaltsverzeichnis und vor der Einleitung. Wenn du auch ein Abbildungs- und Tabellenverzeichnis hast, steht das Abkürzungsverzeichnis oft danach. Die genaue Position variiert je nach Hochschule – prüfe deinen Leitfaden.
Abkürzungsverzeichnis oder Glossar – was brauche ich?
Das Abkürzungsverzeichnis listet nur Kürzel mit ihrer ausgeschriebenen Form. Ein Glossar erklärt Fachbegriffe inhaltlich, auch ohne Abkürzung. Wenn du Begriffe definieren musst, brauchst du ein Glossar. Für reine Kürzel-Auflösungen reicht das Abkürzungsverzeichnis. Manche Arbeiten haben beides.
Müssen Abkürzungen aus Tabellen und Abbildungen ins Verzeichnis?
Das ist oft sinnvoll und wird von vielen Leitfäden gefordert. Fachspezifische Abkürzungen, die nur in Tabellen oder Abbildungen vorkommen, solltest du mindestens in der Legende oder im Tabellenkopf erklären. Ob sie zusätzlich ins Verzeichnis gehören, hängt von den Vorgaben deiner Hochschule ab.
Wie gehe ich mit SI-Einheiten und Symbolen um?
Standardisierte SI-Einheiten wie kg, m, s oder °C gehören nicht ins Abkürzungsverzeichnis. Sie sind international genormt und bekannt. Fachspezifische Symbole oder weniger geläufige Einheiten kannst du aufnehmen, wenn dein Leitfaden es erlaubt. Manche Fächer nutzen dafür ein separates Symbolverzeichnis.
Muss ich Abkürzungen trotz Verzeichnis im Text erklären?
Ja. Bei der ersten Verwendung im Fließtext schreibst du den Begriff aus und setzt die Abkürzung in Klammern dahinter: „Bundesverfassungsgericht (BVerfG)". Ab dann nutzt du nur noch die Abkürzung. Das Verzeichnis dient als Nachschlagewerk, nicht als Ersatz für die Einführung.
APA zitieren in der Masterarbeit
Literaturreview schreiben
Thema für die Masterarbeit finden