Inhaltsverzeichnis
Du planst eine empirische Hausarbeit und fragst dich, wie das funktioniert? Hier erfährst du, ob eine eigene Erhebung für deine Fragestellung sinnvoll ist, wie du zwischen quantitativen und qualitativen Methoden wählst und wie du von der Forschungsfrage bis zur Auswertung kommst. Mit zwei durchgehenden Beispielen und einer Vorlage für den Methodikteil.
Empirisch bedeutet: Du erhebst eigene Daten (Umfragen, Interviews, Beobachtungen), statt nur vorhandene Literatur auszuwerten. Die Anforderungen sind geringer als bei einer Bachelorarbeit. Deine Ergebnisse gelten oft nur explorativ. Das ist in Ordnung, solange du es transparent machst.
Die 4 Kernschritte: 1. Forschungsfrage formulieren, 2. Methode wählen und Erhebung planen, 3. Daten erheben, 4. Daten auswerten und interpretieren. Das Ergebnis ist eine Arbeit, die eigene Erkenntnisse aus selbst gewonnenem Material ableitet.
Schnellcheck: Empirisch ja oder nein?
Nicht jede Hausarbeit braucht eine eigene Erhebung. Bevor du loslegst, prüfe, ob eine empirische Arbeit für deine Situation sinnvoll und machbar ist. Die folgenden Kriterien helfen bei der Entscheidung.
- Deine Fragestellung lässt sich mit vorhandener Literatur nicht beantworten.
- Du willst ein Phänomen an einem konkreten Beispiel untersuchen.
- Dein Seminar erwartet oder empfiehlt eine eigene Erhebung.
- Du hast Zugang zu Teilnehmern (Kommilitonen, Vereine, Unternehmen).
- Dir bleiben in der Regel 3 bis 4 Wochen für Planung, Erhebung und Auswertung.
- Deine Frage ist rein theoretisch (z.B. Begriffsanalyse, Theorienvergleich).
- Du hast keinen realistischen Zugang zu Teilnehmern.
- Die Zeit reicht nicht für Erhebung plus Auswertung.
- Das Thema ist so sensibel, dass Interviews oder Umfragen ethisch problematisch wären.
Typische Fächer für empirische Hausarbeiten sind Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaft und BWL. Aber auch in anderen Fächern kann eine kleine Erhebung sinnvoll sein. Kläre im Zweifel mit deiner Dozentin oder deinem Dozenten, was erwartet wird.
Aufbau einer empirischen Hausarbeit
Der Aufbau einer empirischen Hausarbeit unterscheidet sich von einer reinen Literaturarbeit. Neben Einleitung und Theorieteil kommen Methodik, Ergebnisse und Diskussion hinzu. Diese Struktur orientiert sich am klassischen Forschungsaufbau, ist aber für eine Hausarbeit kompakter gehalten.
Du führst ins Thema ein, formulierst die Forschungsfrage und erklärst, warum eine eigene Erhebung sinnvoll ist. Außerdem gibst du einen Überblick über den Aufbau der Arbeit. Die Einleitung macht deutlich, was du untersuchst und wie.
Hier stellst du den theoretischen Rahmen und den Forschungsstand dar. Was weiß man bereits zum Thema? Welche Begriffe und Konzepte sind relevant? Der Theorieteil liefert die Grundlage, auf der du deine Erhebung aufbaust. Falls du Hypothesen formulierst, leitest du sie hier aus der Theorie ab.
Der Methodikteil ist das Herzstück einer empirischen Arbeit. Du beschreibst, wie du vorgehst: Welche Methode (Umfrage, Interview, Experiment)? Wie viele Teilnehmer? Wie hast du sie ausgewählt? Welches Instrument (Fragebogen, Leitfaden)? Wie wertest du aus? Je nachvollziehbarer, desto besser. Mehr dazu findest du bei der Methodik in der Hausarbeit.
Du stellst deine Daten dar, ohne sie bereits zu interpretieren. Bei quantitativen Arbeiten zeigst du Tabellen, Diagramme und statistische Kennwerte. Bei qualitativen Arbeiten präsentierst du die Kategorien deiner Inhaltsanalyse mit Beispielzitaten. Struktur hilft: Ordne nach Forschungsfragen oder Kategorien.
Jetzt interpretierst du: Was bedeuten deine Ergebnisse? Wie passen sie zum Theorieteil? Werden deine Hypothesen bestätigt oder widerlegt? Welche Einschränkungen hat deine Studie? Im Fazit fasst du zusammen und gibst einen Ausblick. Ergebnisse und Diskussion können auch in einem Kapitel kombiniert werden.
Wie umfangreich jeder Teil ausfällt, hängt von den Vorgaben deines Seminars ab. Bei einer typischen Hausarbeit von 15 Seiten könnte die Verteilung etwa so aussehen: Einleitung 1 bis 2 Seiten, Theorie 3 bis 4 Seiten, Methodik 2 bis 3 Seiten, Ergebnisse 3 bis 4 Seiten, Diskussion und Fazit 2 bis 3 Seiten. Das sind Richtwerte, keine festen Regeln.
Quantitativ oder qualitativ: Die richtige Methode wählen
Die Wahl der Methode hängt von deiner Forschungsfrage ab. Willst du messen und vergleichen? Dann brauchst du quantitative Methoden. Willst du verstehen und interpretieren? Dann sind qualitative Methoden passender.
- Deine Frage zielt auf Zahlen: Wie viele? Wie stark? Gibt es einen Zusammenhang?
- Du hast Zugang zu ausreichend Teilnehmern (oft 30+, je nach Design auch weniger).
- Du hast Grundkenntnisse in Statistik oder traust dir die Einarbeitung zu.
- Das Thema lässt sich gut in standardisierte Fragen übersetzen.
Beispiel: „Wie zufrieden sind Studierende mit der Online-Lehre?" → Fragebogen mit Likert-Skalen.
- Deine Frage zielt auf Verstehen: Wie erleben Menschen etwas? Warum handeln sie so?
- Du kannst nur wenige Teilnehmer erreichen (oft reichen 5 bis 10 Personen).
- Du willst tief in Einzelfälle eintauchen statt die Breite zu messen.
- Das Thema ist neu oder soll offen erkundet werden (explorative Frage).
Beispiel: „Wie erleben Studierende den Übergang zur Online-Lehre?" → Leitfadeninterviews.
Für Hausarbeiten sind kleine qualitative Studien oft praktischer. Du brauchst weniger Teilnehmer und kommst ohne Statistikkenntnisse aus. Quantitative Studien erfordern mehr Teilnehmer, um aussagekräftig zu sein. Überlege, was dein Seminar erwartet und welche Ressourcen du hast.
Beispiel A: Quantitative Studie von Frage bis Ergebnis
Dieses Beispiel zeigt den kompletten Ablauf einer kleinen quantitativen Erhebung in einer Hausarbeit. Du siehst, wie Forschungsfrage, Fragebogen, Stichprobe, Auswertung und Ergebnisformulierung zusammenhängen.
„Wie zufrieden sind Studierende der Universität X mit dem digitalen Lehrangebot im Wintersemester 2025/26?"
Likert-Skala (1 = stimme gar nicht zu, 5 = stimme voll zu):
- „Die technische Qualität der Online-Vorlesungen ist gut."
- „Die Dozierenden sind auch online gut erreichbar."
- „Ich kann dem Online-Unterricht gut folgen."
- „Die Prüfungsvorbereitung funktioniert online genauso gut wie in Präsenz."
- „Insgesamt bin ich mit dem digitalen Lehrangebot zufrieden."
n = 47 Studierende (Gelegenheitsstichprobe via WhatsApp/Instagram). Feldphase online: 2 Wochen via SoSci Survey.
Gesamtzufriedenheit: M = 3,2 (SD = 0,9).
Technische Qualität: M = 3,8.
Erreichbarkeit: M = 2,7.
„Die Befragten bewerteten die Gesamtzufriedenheit mit dem digitalen Lehrangebot im Mittel mit 3,2 auf einer Skala von 1 bis 5 (SD = 0,9). Die technische Qualität wurde mit M = 3,8 am höchsten bewertet. Die Erreichbarkeit der Dozierenden erhielt mit M = 2,7 den niedrigsten Wert."
Wichtig: Im Ergebnisteil beschreibst du nur, was die Zahlen sagen. Interpretation gehört in die Diskussion.
Beispiel B: Qualitative Studie von Frage bis Ergebnis
Dieses Beispiel zeigt den kompletten Ablauf einer kleinen qualitativen Erhebung. Du siehst, wie Forschungsfrage, Leitfaden, Sampling, Kategorien und Ergebnisdarstellung zusammenhängen.
„Wie erleben Erstsemester den Übergang von der Schule zur Hochschule im Kontext digitaler Lehre?"
- „Wie hast du dir das Studium vor Beginn vorgestellt?"
- „Beschreibe einen typischen Tag in deinem ersten Semester."
- „Was hat dich an der digitalen Lehre überrascht?"
- „Wie hast du Kontakt zu anderen Studierenden gefunden?"
- „Was fiel dir beim Lernen leicht, was schwer?"
- „Was würdest du Erstsemestern raten, die jetzt starten?"
6 Interviews à 30-40 Minuten. Kriterien: Erstsemester, versch. Fachbereiche. Rekrutierung persönlich. Wörtliche Transkription.
1. Erwartungen vs. Realität:
„Ich hab mir das irgendwie anders vorgestellt... saß ich halt nur vor dem Laptop." (Int. 2)
2. Soziale Einbindung:
„Das Schwierigste war, Leute kennenzulernen. In Präsenz passiert das ja automatisch." (Int. 5)
3. Selbstorganisation:
„Man muss sich alles selbst strukturieren. Das hab ich erst lernen müssen." (Int. 3)
„In allen sechs Interviews wurde die fehlende soziale Einbindung thematisiert..."
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der digitale Studieneinstieg die Integration erschwert..."
Datenerhebung planen und durchführen
Die Datenerhebung braucht Planung. Bevor du loslegst, musst du wissen, wen du befragen willst, wie du an diese Personen kommst und welches Instrument du nutzt. Unterschätze nicht den Zeitaufwand: Einen Fragebogen zu erstellen, Teilnehmer zu finden und die Erhebung durchzuführen dauert oft länger als gedacht.
Operationalisierung: Abstrakte Begriffe messbar machen
Bevor du Fragen formulierst, musst du klären, wie du abstrakte Begriffe messbar machst. Das nennt man Operationalisierung. Beispiel: Du willst „Zufriedenheit mit der Online-Lehre" messen. Was genau ist das? Du zerlegst den Begriff in Dimensionen: technische Qualität, Erreichbarkeit der Dozierenden, Lernfortschritt, soziale Einbindung. Für jede Dimension formulierst du dann konkrete Items. So wird aus einem vagen Begriff ein messbares Konstrukt.
Pretest: Warum und wie
Teste deinen Fragebogen oder Leitfaden vor der eigentlichen Erhebung mit 2 bis 5 Personen. Der Pretest zeigt, ob Fragen verständlich sind, wie lange das Ausfüllen dauert und ob Items unterschiedlich interpretiert werden. Frag die Testpersonen aktiv: „War etwas unklar? Wie hast du Frage X verstanden?" Passe danach an. Diese Minuten Aufwand sparen dir später Probleme bei der Auswertung.
Bei Umfragen erstellst du einen Fragebogen mit geschlossenen Fragen. Nutze bewährte Skalen (z.B. Likert-Skalen mit 5 Stufen), formuliere neutral und vermeide Suggestivfragen. Online-Tools wie SoSci Survey, Unipark oder Google Forms erleichtern die Durchführung.
Bei Interviews erstellst du einen Leitfaden mit offenen Fragen. Der Leitfaden strukturiert das Gespräch, lässt aber Raum für Nachfragen und Abweichungen. Plane pro Interview 30 bis 60 Minuten ein. Nimm das Gespräch auf (mit Einverständnis) und transkribiere es danach.
Für Hausarbeiten reicht oft eine Gelegenheitsstichprobe: Nutze Social Media, WhatsApp-Gruppen oder dein persönliches Umfeld. Wichtig: Benenne diese Einschränkung (keine Repräsentativität) im Methodikteil offen und ziehe keine übertriebenen Schlüsse.
Datenschutz beachten: Informiere Teilnehmer über den Zweck der Erhebung, die Verwendung der Daten und die Löschung nach Abschluss der Arbeit. Sichere Anonymität zu und hole Einverständnis ein. Bei Online-Umfragen reicht meist ein Hinweis am Anfang des Fragebogens, dem die Teilnehmer durch Fortfahren zustimmen. Bei Interviews ist eine mündliche oder schriftliche Einverständniserklärung üblich. Bei sensiblen Zielgruppen (z.B. Minderjährige, Patienten) oder Themen können je nach Institution strengere Regeln gelten. Kläre das im Zweifel vorab mit deiner Dozentin oder deinem Dozenten.
Daten auswerten und darstellen
Die Auswertung hängt von deiner Methode ab. Strukturiere die Ergebnisse so, dass sie zur Forschungsfrage passen. Für beide Ansätze gilt: Trenne Beschreibung (Ergebnisse) von Interpretation (Diskussion).
Quantitative Auswertung: Deskriptiv vs. inferenzstatistisch
Deskriptive Statistik beschreibt deine Daten: Häufigkeiten, Mittelwerte (M), Standardabweichungen (SD), Prozentangaben. Du sagst, was in deiner Stichprobe ist. Excel reicht dafür aus. Für Hausarbeiten ist das meist der richtige Ansatz, weil die Stichproben klein und nicht repräsentativ sind.
Inferenzstatistik (z.B. t-Tests, Korrelationen, Signifikanztests) prüft, ob Ergebnisse auf die Grundgesamtheit übertragbar sind. Das ist vor allem für Generalisierung sinnvoll – also wenn du genug Fälle hast (als grobe Orientierung: je nach Test oft 30 bis 100+, bei Gruppenvergleichen mehr) und die Stichprobe systematisch gezogen wurde. Bei Gelegenheitsstichproben, wie sie in Hausarbeiten üblich sind, kannst du Tests höchstens explorativ einsetzen, aber ohne belastbare Übertragbarkeit. Im Zweifel: Bleib bei deskriptiver Statistik und formuliere vorsichtig.
- Fallzahl (n): Gib immer an, wie viele Personen geantwortet haben (z.B. „n = 47").
- Beschriftung: Achsen, Spalten und Zeilen müssen klar benannt sein.
- Skalen: Erkläre die Skalenrichtung (z.B. „1 = stimme gar nicht zu").
- Missings: Benenne fehlende Werte (z.B. „3 Personen ohne Angabe").
- Abkürzungen: Erkläre statistische Kürzel wie M (Mittelwert) oder SD.
Qualitative Auswertung
Die gängigste Methode ist die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Du bildest Kategorien (deduktiv aus der Theorie oder induktiv aus dem Material), codierst die Texte und interpretierst die Ergebnisse. Für Hausarbeiten reicht oft eine vereinfachte Form: Transkripte in Word oder Excel durchgehen, Textstellen farbig markieren, Kategorien bilden, Zitate zuordnen. Zeige typische Zitate zur Illustration, aber überfrachte den Text nicht mit langen Passagen.
- Hauptergebnis: Fasse die Kernbotschaft kurz zusammen.
- Bezug zur Theorie: Deckt sich das mit dem Forschungsstand?
- Erklärung: Warum sind die Ergebnisse so ausgefallen?
- Limitationen: Benenne die Schwächen (z.B. kleine Stichprobe).
- Implikation: Was folgt daraus für die Praxis oder Forschung?
Methodik schreiben: Vorlage zum Anpassen
Der Methodikteil einer empirischen Hausarbeit ist ausführlicher als bei einer Literaturarbeit. Du musst dein Vorgehen so beschreiben, dass Lesende es nachvollziehen könnten. Die folgende Vorlage kannst du direkt anpassen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine Angaben.
Die Stichprobe umfasst n = [Anzahl] Personen. Die Rekrutierung erfolgte über [Kanal, z.B. WhatsApp-Gruppen, Social Media]. Es handelt sich um eine Gelegenheitsstichprobe ohne Anspruch auf Repräsentativität. Die Erhebung fand im Zeitraum [Datum bis Datum] statt. Als Tool wurde [SoSci Survey / Google Forms] genutzt.
Die Auswertung erfolgte deskriptiv mittels [Excel / SPSS]. Berechnet wurden Häufigkeiten, Mittelwerte und Standardabweichungen. Der vollständige Fragebogen findet sich in Anhang [X]."
Die Interviewpartner wurden nach folgenden Kriterien ausgewählt: [Kriterium 1, Kriterium 2]. Die Rekrutierung erfolgte über [persönliche Ansprache / Seminargruppe]. Die Interviews dauerten zwischen [X] und [Y] Minuten und wurden mit Einverständnis der Teilnehmenden aufgezeichnet. Die Transkription erfolgte wörtlich.
Die Auswertung orientiert sich an der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Die Kategorien wurden [induktiv aus dem Material / deduktiv aus der Theorie] entwickelt. Der Interviewleitfaden findet sich in Anhang [X], die Transkripte in Anhang [Y]."
Fragebogen und Interviewleitfaden gehören in den Anhang. Im Methodikteil verweist du darauf. So können Lesende dein Vorgehen prüfen, ohne dass der Fließtext überladen wird.
Typische Fehler und Verzerrungen vermeiden
Zu spät anfangen: Der häufigste Fehler. Eine empirische Hausarbeit braucht mehr Vorlauf als eine reine Literaturarbeit. Du musst den Fragebogen entwickeln, Teilnehmer finden, die Erhebung durchführen und auswerten. Plane als Richtwert zwei bis vier Wochen zusätzlich zur Schreibzeit ein – das entspricht etwa den 3 bis 4 Wochen Gesamtprozess aus dem Schnellcheck (bei Interviews mit Transkription eher mehr).
Methodik nicht zur Frage passend: Die Methode muss zur Forschungsfrage passen. Wenn du wissen willst, wie viele Studierende etwas tun, brauchst du eine Umfrage. Wenn du verstehen willst, warum sie es tun, sind Interviews besser. Überlege zuerst die Frage, dann die Methode.
Überinterpretieren: Bei einer kleinen Stichprobe kannst du keine allgemeinen Aussagen treffen. „Die Ergebnisse zeigen..." klingt nach Beweis. Besser: „Die Ergebnisse deuten darauf hin..." oder „Im Rahmen dieser explorativen Studie..." Sei bescheiden bei den Schlussfolgerungen.
Verzerrungen (Bias) erkennen und reduzieren
Selbstselektion: Wer an deiner Studie teilnimmt, ist nicht zufällig. Personen mit starker Meinung zum Thema antworten eher als desinteressierte. Das verzerrt die Ergebnisse. Gegenmaßnahme: In der Diskussion transparent machen, welche Gruppen möglicherweise über- oder unterrepräsentiert sind.
Soziale Erwünschtheit: Menschen antworten so, wie sie glauben, dass es erwünscht ist. Bei sensiblen Themen (Alkoholkonsum, politische Einstellung) ist das ein Problem. Gegenmaßnahme: Anonymität betonen, indirekte Frageformulierungen nutzen, keine wertenden Begriffe in den Fragen.
Interviewer-Effekt: Deine Anwesenheit, Mimik oder Nachfragen können Antworten beeinflussen. Gegenmaßnahme: Leitfaden konsequent einhalten, keine Suggestivfragen, bei der Auswertung reflektieren, ob du Antworten beeinflusst haben könntest.
Fälsche keine Daten! Erfinde niemals Ergebnisse und manipuliere nichts, um deine Hypothesen zu stützen. Das gilt als schweres wissenschaftliches Fehlverhalten. Unerwartete oder „negative" Ergebnisse sind in der Forschung völlig normal und oft sogar interessanter als die Bestätigung deiner Vermutungen.
Checkliste und nächster Schritt
Deine empirische Hausarbeit ist auf einem guten Weg, wenn du diese Punkte abhaken kannst: Forschungsfrage ist klar formuliert. Methode passt zur Frage. Erhebung ist geplant und durchgeführt. Daten sind ausgewertet. Ergebnisse werden nachvollziehbar dargestellt. Einschränkungen sind benannt.
Prüfe vor der Abgabe noch einmal, ob Methodik und tatsächliches Vorgehen zusammenpassen. Wenn sich während der Erhebung etwas geändert hat (z.B. weniger Teilnehmer als geplant), passe die Beschreibung an. Lies den Methodikteil mit der Frage: Könnte jemand anderes meine Erhebung nachmachen? Wenn ja, ist er vollständig.
Nach dem Schreiben lohnt sich ein letzter Blick auf Rechtschreibung, Zitierweise und Formatierung. Vergiss nicht, Fragebogen oder Interviewleitfaden in den Anhang aufzunehmen. Wenn du die Arbeit drucken lässt, achte auf genug Zeit für Korrekturschleifen und Lieferung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Teilnehmer brauche ich für eine empirische Hausarbeit?
Das hängt von der Methode und Fragestellung ab. Bei qualitativen Interviews reichen oft 5 bis 10 Personen. Bei Umfragen gilt als grobe Orientierung: häufig 30+, je nach Fragestellung und Design auch weniger möglich. Wichtiger als eine große Stichprobe ist, dass du die Begrenzung transparent machst, keine überzogenen Schlüsse ziehst und mit deiner Dozentin oder deinem Dozenten die Erwartungen klärst.
Wie formuliere ich Hypothesen in einer empirischen Hausarbeit?
Hypothesen sind konkrete, prüfbare Annahmen, die du aus der Theorie ableitest. Formuliere sie als Wenn-Dann-Aussage oder als Zusammenhangsvermutung: „Je höher X, desto höher Y" oder „Studierende, die X tun, sind zufriedener als solche, die es nicht tun." Bei explorativen Studien ohne klare Theoriebasis kannst du auch mit offenen Forschungsfragen arbeiten statt mit Hypothesen. Kläre mit deiner Dozentin oder deinem Dozenten, was erwartet wird.
Wie schreibe ich den Datenschutzhinweis für meine Umfrage?
Ein kurzer Hinweis am Anfang des Fragebogens reicht meist: „Die Teilnahme ist freiwillig und anonym. Die Daten werden ausschließlich für eine Hausarbeit an meiner Hochschule verwendet und nach Abschluss der Arbeit gelöscht. Durch das Fortfahren erklärst du dich mit der Teilnahme einverstanden." Bei Interviews holst du das Einverständnis mündlich oder schriftlich ein und dokumentierst es. Bei sensiblen Themen oder vulnerablen Gruppen (z.B. Minderjährige, Patienten) können je nach Seminar oder Institution strengere Regeln gelten.
Welche Software brauche ich für qualitative Inhaltsanalyse?
Für Hausarbeiten reicht oft Word oder Excel: Du markierst Textstellen farbig, kopierst Zitate in eine Tabelle und ordnest sie Kategorien zu. Professionelle Tools wie MAXQDA, Atlas.ti oder das kostenlose QCAmap bieten mehr Komfort, sind aber nicht zwingend nötig. Im Methodikteil begründest du kurz deine Wahl, z.B. „Die Auswertung erfolgte manuell mithilfe von Excel, da der Materialumfang überschaubar war."
Was ist der Unterschied zwischen deskriptiver und inferenzstatistischer Auswertung?
Deskriptiv beschreibst du deine Daten: Häufigkeiten, Mittelwerte, Prozentangaben. Du sagst, was in deiner Stichprobe ist. Inferenzstatistik prüft, ob Ergebnisse auf die Grundgesamtheit übertragbar sind (Signifikanztests, Konfidenzintervalle). Für Hausarbeiten reicht meist deskriptive Statistik, weil die Stichproben klein und nicht repräsentativ sind. Inferenzstatistik ist vor allem für Generalisierung sinnvoll – also wenn du genug Fälle hast und die Stichprobe systematisch gezogen wurde. Bei Gelegenheitsstichproben kannst du Tests höchstens explorativ einsetzen, aber ohne belastbare Übertragbarkeit; interpretiere dann entsprechend vorsichtig.
Kann ich eine Umfrage online durchführen?
Ja, Online-Umfragen sind praktisch und verbreitet. Tools wie SoSci Survey, Google Forms oder LimeSurvey eignen sich gut. Achte auf Datenschutz, informiere über Anonymität und plane genug Zeit für den Rücklauf ein. Nenne in der Methodik das verwendete Tool und den Erhebungszeitraum.
Roter Faden in der Hausarbeit
Wissenschaftlicher Schreibstil
Anhang richtig gestalten