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Das Thema deiner Facharbeit bestimmt, wie gut du arbeiten kannst und wie viel Freude du dabei hast. Hier erfährst du, wie du ein passendes Thema findest, es auf den richtigen Umfang einschränkst und sicherstellst, dass du es in der verfügbaren Zeit bearbeiten kannst.
Ein gutes Facharbeitsthema erfüllt drei Kriterien: Es lässt sich auf eine beantwortbare Leitfrage zuspitzen, es ist mit den verfügbaren Quellen und Methoden machbar, und es passt in den Zeitrahmen deiner Schule. Der Weg dorthin führt über drei Schritte: Ideen sammeln, Thema eingrenzen, Machbarkeit und Abstimmung mit der Lehrkraft.
Themenfindung in drei Schritten: 1. Interessengebiete sammeln (was macht dich neugierig?), 2. Thema eingrenzen (vom breiten Feld zur konkreten Leitfrage), 3. Machbarkeit prüfen und mit Lehrkraft abstimmen. Der Leitfaden deiner Schule gibt die verbindlichen Rahmenbedingungen vor.
Was ist eine Facharbeit (und was nicht)
Eine Facharbeit ist eine umfangreichere schriftliche Arbeit, die du eigenständig zu einem selbst gewählten Thema verfasst. Sie wird in der Oberstufe geschrieben, häufig in der 11. oder 12. Klasse, und ersetzt in vielen Bundesländern eine Klausur. Das Ziel ist, wissenschaftliches Arbeiten zu üben: eine Frage stellen, Material sammeln, analysieren und argumentieren.
Je nach Bundesland und Schulform gibt es unterschiedliche Bezeichnungen und Anforderungen. In manchen Schulen heißt die Arbeit Seminararbeit, in anderen ist sie Teil eines Projektkurses. Die Konsequenz für die Themenwahl: Umfang, erwartete Methoden und Quellenarten variieren. Eine Facharbeit in Geschichte erwartet andere Quellen als eine in Biologie oder Informatik.
Was das für dein Thema bedeutet: Bevor du ein Thema wählst, kläre die Rahmenbedingungen. Wie viele Seiten erwartet deine Schule? Wie viele Quellen gelten als Minimum? Welche Quellenarten sind üblich (Sekundärliteratur, Primärquellen, eigene Erhebungen)? Gibt es methodische Einschränkungen? All das variiert stark je nach Schule, Bundesland und Fach. Der Leitfaden deiner Schule und die Auskunft deiner betreuenden Lehrkraft sind verbindlich, nicht allgemeine Richtwerte aus dem Internet.
Thema finden: Drei Wege zur Idee
Wenn du noch keine Idee hast, helfen dir drei bewährte Wege. Du kannst sie einzeln nutzen oder kombinieren. Wichtig ist, dass du offen bleibst und mehrere Ideen sammelst, bevor du dich festlegst.
Weg 1: Vom Unterricht ausgehen. Welche Themen haben dich im Unterricht besonders interessiert? Blättere durch deine Unterrichtsmaterialien und Schulbücher. Kapitel, bei denen du aufmerksam warst oder Fragen hattest, eignen sich oft gut. Der Vorteil: Du hast bereits Vorwissen und weißt, wo du ansetzen kannst.
Weg 2: Aktuelle Bezüge suchen. Aktuelle Nachrichten, lokale Ereignisse oder gesellschaftliche Debatten können Inspiration liefern. Eine Facharbeit über Klimaanpassung in deiner Region oder über die Auswirkungen sozialer Medien hat oft einen greifbaren Bezug. Du findest leichter aktuelle Quellen und kannst möglicherweise eigene Beobachtungen einbringen.
Weg 3: Persönliche Interessen einbringen. Hast du ein Hobby oder eine Leidenschaft, die zum Fach passt? Wer gerne fotografiert, könnte eine Facharbeit über Bildsprache schreiben. Wer Sport macht, über Trainingsmethoden oder Sportgeschichte. Persönliches Interesse hält die Motivation hoch, auch wenn es anstrengend wird.
Sammle mindestens drei bis fünf Themenideen, bevor du dich entscheidest. So kannst du vergleichen und hast Alternativen, falls ein Thema nicht umsetzbar ist.
Vom breiten Thema zur konkreten Leitfrage
Ein häufiger Fehler ist, ein Thema zu wählen, das zu breit ist. "Der Klimawandel" ist kein Facharbeitsthema, sondern ein Forschungsfeld, das tausende Wissenschaftler beschäftigt. Deine Aufgabe ist, aus diesem Feld einen konkreten Ausschnitt herauszuarbeiten, den du im vorgegebenen Umfang deiner Schule seriös bearbeiten kannst. Dieser Umfang variiert je nach Bundesland und Schulform erheblich, häufig liegt er bei 8 bis 15 Seiten Textteil.
Die Eingrenzungsformel: Kombiniere dein Thema mit einem konkreten Aspekt, einer Eingrenzung (Zeitraum, Region, Fallbeispiel) und einem Erkenntnisziel (analysieren, vergleichen, untersuchen). Das Ergebnis ist deine Leitfrage.
Beispiele: Von zu breit zu gut eingegrenzt
Geschichte: "Propaganda im Nationalsozialismus" ist zu breit. Gut eingegrenzt: "Welche visuellen Mittel setzte die NS-Regierung in Propagandaplakaten 1933–1939 ein, um Feindbilder zu transportieren?" Hier hast du einen klaren Aspekt (visuelle Mittel), eine Eingrenzung (Plakate, Zeitraum) und ein Erkenntnisziel (Feindbilder transportieren).
Biologie: "Pflanzenwachstum" ist zu breit. Gut eingegrenzt: "Wie beeinflusst rotes Licht das Wachstum von Kressekeimlingen im Vergleich zu blauem Licht?" Hier hast du einen Aspekt (Lichtfarbe), eine Eingrenzung (Kresse, Vergleich zweier Farben) und ein Erkenntnisziel (Wachstum vergleichen).
Deutsch: "Einsamkeit in der Literatur" ist zu breit. Gut eingegrenzt: "Wie gestaltet Kafka das Motiv der Einsamkeit in „Die Verwandlung" durch Raum und Kommunikation?" Hier hast du einen Aspekt (Einsamkeitsmotiv), eine Eingrenzung (ein Werk, zwei Gestaltungsmittel) und ein Erkenntnisziel (literarische Gestaltung analysieren).
Erdkunde: "Stadtentwicklung" ist zu breit. Gut eingegrenzt: "Welche Maßnahmen zur Klimaanpassung wurden in deiner Heimatstadt seit 2020 im Innenstadtbereich umgesetzt, und wie bewerten Anwohner deren Wirksamkeit?" Hier hast du einen Aspekt (Klimaanpassung), eine Eingrenzung (eine konkrete Stadt, ein Gebiet, Zeitraum) und ein Erkenntnisziel (Maßnahmen und Bewertung).
Drei typische Fehlformen bei der Leitfrage
Ja/Nein-Frage: "Ist Propaganda wirksam?" lässt sich mit einem Wort beantworten und bietet keinen Raum für Analyse. Besser: "Welche Mittel machen Propaganda wirksam?" oder "Wie erzeugen bestimmte Propagandatechniken ihre Wirkung?"
Reine Beschreibung: "Wie sieht ein NS-Propagandaplakat aus?" führt zu einer Bildbeschreibung ohne Analyse. Besser: "Welche Funktion haben die visuellen Elemente?" oder "Wie transportieren sie eine Botschaft?"
Zu viele Variablen: "Wie beeinflusst Lichtfarbe, Temperatur und Bodenbeschaffenheit das Wachstum von Kresse, Weizen und Bohnen?" ist in einer Facharbeit nicht seriös zu beantworten. Reduziere auf eine Variable und ein Vergleichspaar. Mehr dazu findest du im Artikel zur Einleitung der Facharbeit.
Machbarkeitscheck: Ist dein Thema umsetzbar?
Bevor du dich festlegst, prüfe, ob dein Thema tatsächlich umsetzbar ist. Drei Kriterien helfen dir dabei: Quellenlage, Zeitrahmen und eigene Fähigkeiten. Ein Thema, das bei allen drei Punkten passt, ist ein gutes Thema.
Quellenlage prüfen
Gibt es genug Material, das du verstehen und auswerten kannst? Die Art und Anzahl der Quellen hängt vom Fach und deiner Schule ab. Geschichte erwartet oft Sekundärliteratur plus Primärquellen, Biologie setzt auf Fachliteratur und eigene Messdaten, Sozialwissenschaften nutzen häufig Statistiken oder Umfrageergebnisse. Was als ausreichend gilt, steht im Leitfaden deiner Schule oder erfährst du von deiner Lehrkraft.
Wenn du wenig findest: Das muss nicht heißen, dass das Thema ungeeignet ist. Prüfe zuerst, ob du an anderen Stellen suchen kannst: Stadtbibliothek, Universitätsbibliothek, Fernleihe, Fachportale. Wenn du hauptsächlich kostenpflichtige Quellen findest, frag deine Lehrkraft oder Bibliothek nach Zugängen. Falls das nicht hilft, passe das Thema an: Wähle einen benachbarten Aspekt mit besserer Quellenlage, erweitere den Zeitraum oder die Region.
Wenn du zu viel findest: Grenze weiter ein. Wähle einen spezifischeren Aspekt, einen kürzeren Zeitraum oder einen konkreteren Fall. Zu viele Quellen bedeuten oft, dass das Thema noch zu breit ist.
Zeitrahmen und Methoden einschätzen
Wie viel Zeit hast du für die Facharbeit? Ist ein Experiment geplant, das mehrere Wochen Beobachtung erfordert? Brauchst du Zugang zu Archiven, Interviews oder Umfragen? Rechne realistisch und plane Puffer ein. Genaue Fristen und den typischen Zeitrahmen erfährst du aus dem Leitfaden deiner Schule or von deiner Lehrkraft.
Bei eigenen Erhebungen (Umfragen, Interviews): Kläre vorher mit deiner Lehrkraft, ob das gewünscht und erlaubt ist. Der Zeitaufwand hängt von vielen Faktoren ab: Wie viele Personen befragst du? Brauchst du Genehmigungen (etwa der Schulleitung)? Wie aufwendig ist die Auswertung? Bei Umfragen und Interviews gelten außerdem Datenschutzregeln: Du brauchst Einverständniserklärungen, bei Minderjährigen auch von den Eltern. Plane ausreichend Puffer ein, denn Terminverschiebungen und langsame Rückläufe sind häufig.
Eigene Fähigkeiten ehrlich einschätzen
Kannst du die nötigen Methoden anwenden? Wenn dein Thema statistische Auswertungen erfordert, du aber noch nie mit Statistik gearbeitet hast, wird es schwierig. Das gilt auch für spezielle Analysemethoden, Fremdsprachenkenntnisse (bei fremdsprachigen Quellen) oder technische Fertigkeiten. Wähle ein Thema, das dich fordert, aber nicht überfordert.
Thema mit der Lehrkraft abstimmen
In den meisten Schulen muss das Thema von deiner betreuenden Lehrkraft genehmigt werden. Das ist keine Hürde, sondern eine Chance. Deine Lehrkraft kennt die Anforderungen, weiß, was bereits gut funktioniert hat, und kann dir frühzeitig Feedback geben.
Bereite dich vor: Komm nicht mit einer vagen Idee, sondern mit einem konkreten Vorschlag. Der folgende Themen-Steckbrief hilft dir, alle wichtigen Punkte auf einer Seite zusammenzufassen. Du kannst ihn kopieren und ausfüllen, bevor du zum Gespräch gehst.
Thema: [Dein Thema in einem Satz]
Leitfrage: [Deine zentrale Frage, formuliert nach der Eingrenzungsformel]
Abgrenzung: [Was behandelst du NICHT? Welche Aspekte lässt du bewusst weg?]
Geplante Methode/Material: [Literaturanalyse, Quellenvergleich, Experiment, Umfrage etc. + grobe Angabe, welche Quellen/Daten du nutzen willst]
Erste Quellen: [2–3 konkrete Titel oder Fundstellen, die du bereits gefunden hast]
Offene Risiken: [Was könnte schiefgehen? Wo bist du unsicher? Was müsstest du noch klären?]
Sei offen für Anpassungen: Deine Lehrkraft wird möglicherweise Änderungen vorschlagen. Vielleicht ist dein Thema noch zu breit, vielleicht passt ein anderer Schwerpunkt besser zum Fach. Nimm das Feedback ernst, es basiert auf Erfahrung mit vielen Facharbeiten.
Kläre die Erwartungen: Frag nach, welche Anforderungen an Umfang, Gliederung und Zitierweise gelten. Gibt es einen Leitfaden deiner Schule? Welche Fristen sind verbindlich? Je früher du das weißt, desto entspannter kannst du planen.
Typische Fehler bei der Themenwahl
Thema zu breit wählen: "Die Geschichte Deutschlands" oder "Psychologie" sind keine Themen, sondern Fächer. Ein zu breites Thema führt dazu, dass du alles nur oberflächlich behandelst. Die Lösung: Grenze so lange ein, bis du eine konkrete Frage hast, die du in drei bis fünf Kapiteln beantworten kannst.
Thema zu eng wählen: "Welche Farbe dominiert auf Plakat XY?" ist in einem Satz beantwortet. Die Lösung: Erweitere den Blickwinkel. Nicht nur beschreiben, sondern analysieren, vergleichen oder erklären.
Machbarkeit ignorieren: Ein Thema, das dich fasziniert, aber für das du keine Quellen findest oder das Methoden erfordert, die du nicht beherrschst, führt ins Leere. Die Lösung: Prüfe die Machbarkeit, bevor du dich festlegst, und hab eine Alternative parat.
Zu spät mit der Themenfindung beginnen: Wer erst in der letzten Woche vor der Anmeldung ein Thema sucht, trifft oft eine Notentscheidung. Die Lösung: Starte früh, sammle Ideen, prüfe systematisch und stimme rechtzeitig ab.
Nächster Schritt: Von der Idee zur Gliederung
Dein Thema steht, wenn du eine klare Leitfrage formuliert, die Machbarkeit geprüft und das Thema mit deiner Lehrkraft abgestimmt hast. Jetzt geht es an die Struktur: Welche Kapitel brauchst du, um deine Frage zu beantworten?
Die Gliederung gibt deiner Arbeit einen roten Faden. Sie hilft dir beim Schreiben, den Überblick zu behalten, und zeigt deiner Lehrkraft, dass du strukturiert vorgehst. Plane die Gliederung, bevor du mit dem Schreiben beginnst, und passe sie bei Bedarf an.
Parallel zur Gliederung beginnt die Literaturrecherche. Sammle Quellen systematisch und dokumentiere sie von Anfang an sauber, damit du später beim Literaturverzeichnis keine Informationen nachjagen musst.
Wenn deine Facharbeit geschrieben und korrigiert ist, prüfe Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Selbstständigkeitserklärung. Für den Druck eignen sich Softcover oder Spiralbindung.
Häufig gestellte Fragen
Ist meine Leitfrage gut? Schnellcheck in 60 Sekunden
Prüfe drei Punkte: 1. Lässt sich die Frage mit Ja/Nein beantworten? Dann umformulieren. 2. Enthält die Frage ein Fragewort (wie, welche, inwiefern) und ein Erkenntnisziel (analysieren, vergleichen, untersuchen)? Wenn nicht, ergänzen. 3. Kannst du drei bis fünf Kapitel benennen, mit denen du die Frage beantwortest? Wenn ja, ist die Eingrenzung vermutlich passend.
Kann ich mein Thema später noch ändern?
In der frühen Phase (vor der offiziellen Anmeldung) sind Anpassungen meist möglich und sinnvoll. Nach der Genehmigung wird es schwieriger, aber kleinere Fokusverschiebungen sind oft noch machbar. Sprich frühzeitig mit deiner Lehrkraft, wenn du merkst, dass dein Thema nicht funktioniert. Je später du änderst, desto mehr Arbeit geht verloren.
Muss mein Thema genehmigt werden und wie läuft das ab?
In den meisten Schulen ja. Typischer Ablauf: Du reichst einen Themenvorschlag ein (oft mit Leitfrage und kurzer Begründung), die Lehrkraft prüft Passung und Machbarkeit, dann erfolgt die offizielle Genehmigung. Die Fristen dafür stehen im Leitfaden deiner Schule. Komm vorbereitet ins Gespräch, zum Beispiel mit dem Themen-Steckbrief aus diesem Artikel.
Darf ich Umfragen oder Interviews für meine Facharbeit machen?
Grundsätzlich ja, aber kläre das vorher mit deiner Lehrkraft. Bei Umfragen und Interviews gelten Datenschutzregeln: Du brauchst eine Einverständniserklärung der Befragten, bei Minderjährigen auch der Eltern. Anonymisiere die Daten und bewahre die Einverständniserklärungen auf. Manche Schulen haben eigene Vorlagen dafür.
Was mache ich, wenn ich zu viele oder zu wenige Quellen finde?
Bei zu vielen Quellen: Grenze dein Thema weiter ein (engerer Zeitraum, spezifischerer Aspekt, konkreterer Fall). Bei zu wenigen Quellen: Prüfe, ob du andere Quellenarten nutzen kannst (Statistiken, Primärquellen, Interviews). Falls das nicht hilft, passe das Thema an oder wähle einen benachbarten Aspekt mit besserer Quellenlage.
Wie erkenne ich, ob mein Thema zu eng oder zu breit ist?
Zu breit: Du könntest ein ganzes Buch darüber schreiben und kratzt nur an der Oberfläche. Zu eng: Die Frage ist in zwei Sätzen beantwortet. Der Test: Kannst du drei bis fünf Unteraspekte benennen, die du in je einem Kapitel behandeln würdest? Wenn ja, ist die Breite vermutlich passend. Wenn du nur einen Aspekt hast oder mehr als sieben brauchst, justiere nach.
Die Forschungsfrage formulieren
Inhaltsverzeichnis erstellen
Literaturverzeichnis erstellen