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Argumentation in der Facharbeit bedeutet: Du stellst eine These auf, begründest sie, belegst sie mit einer Quelle und bindest am Ende zur These zurück. Diese vier Schritte machen ein vollständiges Argument aus und überzeugen deine Lehrkraft.
These → Begründung → Beleg → Rückbindung. Fehlt einer dieser Schritte, ist das Argument unvollständig und weniger überzeugend.
Was bedeutet Argumentation in der Facharbeit?
Argumentieren bedeutet, eine Behauptung aufzustellen und sie mit nachvollziehbaren Gründen zu stützen. In der Facharbeit geht es nicht darum, deine persönliche Meinung zu verkünden. Stattdessen entwickelst du eine Position zu deiner Forschungsfrage und belegst sie Schritt für Schritt.
Der Unterschied zur Erörterung im Deutschunterricht: In der Facharbeit arbeitest du wissenschaftlich. Das heißt, du stützt dich auf Quellen, formulierst präzise und bleibst sachlich. Emotionale Appelle oder unbelegte Behauptungen haben hier keinen Platz.
Eine gute Argumentation macht deine Arbeit nachvollziehbar. Lesende können deinem Gedankengang folgen und verstehen, wie du zu deinen Schlussfolgerungen kommst. Das ist letztlich das Ziel: nicht nur Ergebnisse präsentieren, sondern den Weg dorthin transparent machen.
Argumentation Facharbeit: Aufbau in vier Schritten
Der Aufbau einer Argumentation folgt einer klaren Struktur. Wenn du diesen Vierschritt einhältst, wird deine Argumentation automatisch schlüssiger.
Die These ist deine zentrale Behauptung. Sie sollte konkret und überprüfbar sein.
Beispiel: „Die Darstellung von Propaganda in NS-Plakaten zielte primär auf emotionale Manipulation."
Stolperstelle: Zu vage formulieren. „Propaganda war wichtig" ist keine These, sondern eine Binsenweisheit.
Die Begründung erklärt, warum deine These stimmt. Hier zeigst du den logischen Zusammenhang.
Beispiel: „Die Plakate verwendeten starke Kontraste, übergroße Figuren und Feindbilder, die Angst und Abneigung wecken sollten."
Stolperstelle: Begründung weglassen und direkt zum Beleg springen. Ohne Erklärung bleibt die Verbindung unklar.
Der Beleg stützt deine Begründung mit konkreten Fakten, Zitaten oder Beispielen.
Beispiel: „[Autor] beschreibt, dass diese Bildsprache bewusst auf irrationale Reaktionen abzielte ([Autor Jahr, S. X])."
Stolperstelle: Beleg ohne Quellenangabe. In der Facharbeit muss jeder Beleg nachprüfbar sein.
Zum Schluss verbindest du Beleg und These. So schließt sich der Kreis.
Beispiel: „Dies bestätigt, dass die NS-Propaganda gezielt auf emotionale statt rationale Wirkung setzte."
Stolperstelle: Rückbindung vergessen. Ohne diesen Schritt hängt das Argument in der Luft.
Argumenttypen und wann du sie nutzt
Je nach Thema und Fach eignen sich unterschiedliche Argumenttypen. Die Wahl des richtigen Typs hängt davon ab, was du belegen willst und welche Quellen dir zur Verfügung stehen.
Faktenargumente stützen sich auf messbare Daten, Statistiken oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Sie wirken besonders stark, weil sie objektiv nachprüfbar sind. Nutze sie, wenn du quantitative Aussagen machst oder naturwissenschaftliche Zusammenhänge belegst. In einer Biologiearbeit belegst du das Wachstum einer Pflanze mit deinen Messdaten, in einer Sozialkundearbeit könnten Umfrageergebnisse die Grundlage sein.
Autoritätsargumente berufen sich auf anerkannte Fachleute oder etablierte Forschung. Nutze sie, wenn du komplexe Zusammenhänge erklärst, die du selbst nicht empirisch belegen kannst. Achte dabei auf zwei Punkte: Die zitierte Person muss tatsächlich Expertise auf dem Gebiet haben, und das Zitat muss in deine eigene Argumentation eingebettet sein. „[Autor] sagt, dass..." allein reicht nicht. Erkläre, warum die Position des Autors deine These stützt.
Ein Autoritätsargument ist kein Ersatz für eigenes Denken. „Weil Experte X das sagt" ist keine vollständige Begründung. Du musst erklären, warum die Aussage des Experten in deinem Kontext zutrifft und wie sie deine These stützt.
Beispielargumente veranschaulichen abstrakte Zusammenhänge an konkreten Fällen. Nutze sie, wenn du zeigen willst, wie ein Prinzip in der Praxis funktioniert. Ein einzelnes Beispiel beweist zwar nichts, aber es kann eine These plausibel machen. In einer Geschichtsarbeit über Propaganda könnten konkrete Plakatanalysen als Beispiele dienen, in einer Deutscharbeit die Analyse einer Textstelle.
Entscheidungshilfe: Wähle Faktenargumente bei messbaren Aussagen, Autoritätsargumente bei Fachfragen ohne eigene Daten und Beispielargumente zur Veranschaulichung. In vielen Facharbeiten kombinierst du alle drei Typen.
Vorlage zum Kopieren
Mit dieser Vorlage kannst du einen Argumentationsabsatz Schritt für Schritt aufbauen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine eigenen Inhalte.
[These: Behauptung als Aussagesatz]. Dies lässt sich damit begründen, dass [Begründung: logischer Zusammenhang]. [Beleg: Quelle/Daten/Beispiel mit Nachweis]. Somit zeigt sich, dass [Rückbindung: Bezug zur These].
Ausgefülltes Beispiel (Biologie):
Mikroplastik in Meeren stellt eine unterschätzte Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Dies lässt sich damit begründen, dass über die Nahrungskette Mikroplastikpartikel in Fische und Meeresfrüchte gelangen, die Menschen konsumieren. Eine Studie der Universität Gent ergab, dass Menschen, die regelmäßig Meeresfrüchte essen, jährlich bis zu 11.000 Mikroplastikpartikel aufnehmen (Van Cauwenberghe/Janssen 2014, S. 65). Somit zeigt sich, dass die Verschmutzung der Meere direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat.
Ausgefülltes Beispiel (Deutsch/Politik):
Kafka nutzt das Motiv der Einsamkeit, um Gregors Entfremdung von der Gesellschaft zu verdeutlichen. Dies lässt sich damit begründen, dass Gregor nach seiner Verwandlung zunehmend von seiner Familie isoliert wird und selbst sein Zimmer zur Gefängniszelle wird. Dies zeigt sich exemplarisch in der Szene, in der die Möbel aus seinem Zimmer entfernt werden: „So hatte er denn [...] nichts mehr" (Kafka 1915, S. 32). Somit wird deutlich, dass die räumliche Isolation Gregors innere Einsamkeit spiegelt.
Mehrere Argumente anordnen und verknüpfen
In vielen Facharbeiten brauchst du mehrere Argumente, die zusammen deine These stützen. Dabei ist wichtig, dass sie nicht wie isolierte Punkte wirken, sondern als zusammenhängende Gedankenkette.
Reihenfolge wählen: Ordne deine Argumente entweder nach Stärke (stärkstes zuerst oder als Höhepunkt am Ende) oder nach Logik (chronologisch, vom Allgemeinen zum Speziellen, Ursache vor Wirkung). Bei einer historischen Analyse bietet sich oft eine chronologische Abfolge an, bei einer Bewertung die Steigerung zum stärksten Argument.
Übergänge zwischen Argumenten: Verknüpfe Absätze mit kurzen Überleitungen. Kopierbare Formulierungen:
- „Neben [Aspekt 1] zeigt sich auch..."
- „Darauf aufbauend lässt sich feststellen, dass..."
- „Während Argument 1 [X] beleuchtet, verdeutlicht das folgende [Y]."
- „Ein weiterer Beleg für diese These findet sich in..."
- „Ergänzend dazu ist anzumerken, dass..."
Ohne Verknüpfung:
„Propaganda nutzte Feindbilder. Propaganda setzte auf Wiederholung."
→ Wirkt wie eine bloße Aufzählung
Mit Verknüpfung:
„Propaganda nutzte Feindbilder, um Angst zu schüren. Neben dieser emotionalen Strategie setzte sie auf ständige Wiederholung, um die Botschaften zu verankern."
→ Verdeutlicht den logischen Zusammenhang
Isolierte Punkte vermeiden: Prüfe am Ende, ob deine Argumente aufeinander Bezug nehmen. Wenn du ein Argument löschen könntest, ohne dass der Text lückenhaft wirkt, fehlt vermutlich die Verknüpfung. Jedes Argument sollte einen erkennbaren Beitrag zur Beantwortung deiner Forschungsfrage leisten.
Schnellcheck: Ist mein Argument vollständig?
Bevor du deinen Text abgibst, prüfe jedes Argument mit diesen Fragen.
Vollständigkeitscheck
Steht eine klare These am Anfang des Absatzes?
Erkläre ich, warum die These stimmt?
Nenne ich einen konkreten Beleg?
Binde ich am Ende zur These zurück?
Qualitätscheck
Belegt meine Quelle genau das, was ich behaupte?
Kann jemand meine Quelle mit der Angabe finden?
Habe ich „immer", „alle" oder „beweist" vermieden?
Steht die Rückbindung als eigener Satz im Text?
Wenn du bei einer Frage zögerst, ist das ein Hinweis: Überarbeite diese Stelle. Häufig fehlt die Rückbindung oder der Beleg passt nicht genau zur These. Manchmal hilft es, den Absatz einer anderen Person vorzulesen und zu fragen, ob sie den Gedankengang nachvollziehen kann.
Signalwörter und Übergänge
Signalwörter helfen Lesenden, deinem Gedankengang zu folgen. Sie zeigen an, ob du gerade begründest, belegst, einschränkst oder zurückbindest. Mit den richtigen Übergängen wird deine Argumentation flüssiger.
Für Begründungen
„Dies lässt sich damit erklären, dass...", „Der Grund dafür liegt in...", „Das hängt damit zusammen, dass..."
Für Belege
„Dies zeigt sich an...", „Ein Beispiel hierfür ist...", „[Autor] ([Jahr]) weist darauf hin, dass..."
Für Einschränkungen
„Allerdings gilt dies nur für...", „Dies trifft jedoch nicht auf alle Fälle zu...", „Dabei ist zu berücksichtigen, dass..."
Für Rückbindungen
„Somit zeigt sich, dass...", „Dies bestätigt die Annahme, dass...", „Daraus folgt, dass..."
Variiere deine Signalwörter. Wenn jeder Absatz mit „Dies zeigt sich an..." beginnt, wirkt dein Text monoton. Nutze die verschiedenen Formulierungen abwechselnd.
Gegenargumente einbeziehen
Eine differenzierte Argumentation berücksichtigt auch die Gegenseite. Das stärkt deine Position, weil du zeigst, dass du das Thema von mehreren Seiten betrachtest. Nicht jedes Thema erfordert Gegenargumente: Bei rein deskriptiven Fragen gibt es oft keine Gegenseite. Bei wertenden oder kontroversen Fragen gehören sie fast immer dazu.
Der Ablauf folgt vier Schritten: Nenne den Einwand neutral, ordne ein, unter welchen Umständen er gilt, entkräfte ihn mit Beleg oder Logik und binde zurück zu deiner These.
[Einwand neutral nennen]: Eingewendet werden könnte, dass...
[Einordnung]: Dieser Einwand erscheint zunächst plausibel, wenn...
[Entkräftung]: Allerdings zeigt [Beleg], dass...
[Rückbindung]: Daher bleibt die These bestehen, dass...
Musterformulierung: „Eingewendet werden könnte, dass Einzelstudien keine allgemeinen Aussagen erlauben. Dieser Einwand erscheint zunächst plausibel, wenn nur eine Quelle vorliegt. Allerdings bestätigen mehrere unabhängige Untersuchungen die Ergebnisse (vgl. [Quelle 1], [Quelle 2]). Daher bleibt die These bestehen, dass [deine These]."
Vermeide dabei, das Gegenargument lächerlich zu machen. Nimm es ernst und widerlege es sachlich. Eine herablassende Formulierung schwächt deine Argumentation.
Typische Fehler vermeiden
Behauptungen ohne Beleg: Der häufigste Fehler. Wenn du schreibst „Es ist bekannt, dass...", aber keine Quelle nennst, bleibt die Aussage unbegründet. In der Facharbeit muss jede nicht offensichtliche Behauptung belegt werden.
Zirkelschlüsse: Ein Zirkelschluss liegt vor, wenn die Begründung nur die These wiederholt. „Propaganda wirkt manipulativ, weil sie Menschen manipuliert" erklärt nichts. Die Begründung muss neue Information liefern.
Unpassende Belege: Ein Beleg muss zur These passen. Wenn deine These über deutsche Verhältnisse spricht, sind amerikanische Studien nur bedingt übertragbar. Mache solche Einschränkungen transparent.
Übertreibungen: Wörter wie „alle", „immer", „nie" oder „beweist" sind riskant. In der Wissenschaft formulierst du vorsichtiger: „deutet darauf hin", „legt nahe", „in vielen Fällen". So bleibst du präzise.
Nächster Schritt: Von der Argumentation zum Fazit
Deine Argumentation bildet den Kern des Hauptteils. Wenn du alle Argumente ausgearbeitet hast, führst du sie im Fazit zusammen. Dort beantwortest du deine Forschungsfrage auf Basis deiner Argumentation.
Prüfe vor dem Fazit noch einmal: Sind alle Argumente vollständig? Passen die Belege zu den Thesen? Ist der rote Faden erkennbar? Wenn du unsicher bist, markiere These, Begründung, Beleg und Rückbindung farbig in deinem Text. So erkennst du schnell, ob etwas fehlt.
Achte auch auf die Gliederung: Jedes größere Argument kann ein eigenes Unterkapitel bilden. Wenn alles steht, folgt das Korrekturlesen und die Vorbereitung für die Abgabe.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen These und Argument?
Die These ist deine Behauptung, das Argument ist die Begründung dafür. In der Facharbeit stellst du zuerst eine These auf und stützt sie dann mit Argumenten, die aus Begründung und Beleg bestehen.
Wie viele Argumente brauche ich in meiner Facharbeit?
Das hängt von deiner Fragestellung und den Vorgaben deiner Schule ab. Als Orientierung: Pro These sind zwei bis drei gut ausgearbeitete Argumente oft ausreichend. Frag im Zweifel deine Lehrkraft, was erwartet wird. Qualität zählt mehr als Quantität.
Muss ich auch Gegenargumente nennen?
Bei vielen Themen ist das sinnvoll. Wenn du Gegenargumente nennst und entkräftest, zeigst du, dass du das Thema differenziert betrachtest. Deine Lehrkraft wird das in der Regel positiv bewerten.
Darf ich meine eigene Meinung in die Argumentation einbringen?
In der Facharbeit argumentierst du sachlich und belegst deine Aussagen mit Quellen. Persönliche Meinungen ohne Begründung gehören nicht hinein. Im Fazit kannst du vorsichtig eine begründete Einschätzung formulieren.
Kann ein Argument mehrere Belege haben?
Ja, das ist sogar oft sinnvoll. Mehrere Belege aus verschiedenen Quellen stärken dein Argument. Achte darauf, dass alle Belege tatsächlich zur These passen und nicht nur aneinandergereiht werden.
Wie gehe ich mit widersprüchlichen Quellen um?
Benenne den Widerspruch offen und ordne ihn ein nach: Aktualität (neuere Studien oft, aber nicht automatisch besser), Methodik (Stichprobe, Design), Kontext (passt zur Fragestellung?). Auch grundlegende ältere Werke können maßgeblich sein. Schema: „Während A argumentiert X, zeigt B Y. Für diesen Kontext ist [Quelle] relevanter, weil..."
Wie zitiere ich Belege im Satz korrekt?
Das hängt von der Zitierweise ab, die deine Schule vorgibt. Prüfe die Vorgaben und bleibe einheitlich. Beispiel Klammerbeleg: „Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin ([Autor Jahr], S. [X])." Beispiel Fußnote: „Die Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang hin.¹" mit Fußnote: ¹ Vgl. [Autor Jahr], S. [X].
Was mache ich, wenn ich keine passenden Belege finde?
Prüfe, ob deine These zu speziell ist. Oft hilft es, die Behauptung etwas allgemeiner zu formulieren oder andere Quellenarten zu nutzen. Experimente, Umfragen oder Beispiele können ebenfalls als Belege dienen.
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