Inhaltsverzeichnis
Der Hauptteil deiner Facharbeit ist das Herzstück deiner Arbeit. Hier analysierst du dein Thema, führst Argumente an und beantwortest Schritt für Schritt deine Leitfrage. In diesem Artikel bekommst du konkrete Gliederungsbeispiele für verschiedene Fächer, ein Analyse-Schema zum Nachbauen und eine Checkliste für den Feinschliff.
Schritt 1 – Kapitelplan erstellen: Teile deine Leitfrage in Teilfragen auf (häufig 2 bis 4). Jede Teilfrage wird ein Unterkapitel. Prüffrage: Beantwortet jedes Kapitel einen klar abgrenzbaren Aspekt?
Schritt 2 – Beleglogik festlegen: Ordne jeder Behauptung eine Quelle zu, bevor du schreibst. Prüffrage: Habe ich für jede zentrale Aussage einen Beleg?
Schritt 3 – Argumentationskette aufbauen: Nutze das Schema Behauptung → Begründung → Beleg → Rückbindung zur Leitfrage. Prüffrage: Kann jemand meiner Logik ohne Vorwissen folgen?
Schritt 4 – Übergänge und Check: Schreibe zu jedem Kapitelende einen Satz, der zum nächsten überleitet. Prüffrage: Gibt es Sprünge, die ich erklären muss?
Was gehört in den Hauptteil?
Der Hauptteil enthält die eigentliche inhaltliche Arbeit. Während die Einleitung zum Thema hinführt und das Fazit die Ergebnisse zusammenfasst, ist der Hauptteil der Ort für Analyse, Argumentation und Beweisführung.
Der Hauptteil macht häufig 70 bis 80 Prozent des Textteils aus. Bei 10 Seiten Gesamtumfang wären das etwa 7 bis 8 Seiten. Diese Richtwerte variieren je nach Schule, Fach und Lehrkraft, der Leitfaden deiner Schule hat immer Vorrang. Diese Seiten füllst du nicht mit Beschreibungen, sondern mit einer geführten Argumentation: Du präsentierst Fakten, interpretierst sie und ziehst Schlussfolgerungen, die auf deine Leitfrage einzahlen.
Hauptteil in verschiedenen Fächern
Je nach Fach folgt der Hauptteil unterschiedlichen Logiken. Hier sind drei typische Gliederungsmuster mit konkreten Unterkapitel-Beispielen. Die Muster sind Orientierung, keine starren Vorgaben. Besprich im Zweifel mit deiner Lehrkraft, welche Struktur für dein Thema passt.
Geschichte und Deutsch: Analyse-Struktur
Bei Textanalysen, Quelleninterpretationen oder literarischen Untersuchungen bewährt sich eine thematische Gliederung. Du zerlegst deinen Untersuchungsgegenstand in Aspekte und analysierst jeden einzeln.
2.1 Raumdarstellung als Ausdruck der Isolation
2.2 Kommunikationsversuche und ihr Scheitern
2.3 Die Rolle der Familie als Spiegel gesellschaftlicher Normen
2.1 Historischer Kontext: Propaganda im NS-Staat
2.2 Visuelle Mittel: Farbgebung, Symbolik, Komposition
2.3 Intendierte Wirkung auf die Betrachter
Biologie, Chemie, Physik: Experiment-Struktur
Bei experimentellen Arbeiten folgt der Hauptteil dem naturwissenschaftlichen Ablauf. Du trennst klar zwischen Vorgehen, Ergebnissen und deren Deutung.
2.1 Material und Methode: Versuchsaufbau und Durchführung
2.2 Ergebnisse: Messdaten und Beobachtungen
2.3 Auswertung: Interpretation der Daten im Kontext der Leitfrage
Sozialwissenschaften und Pädagogik: Theorie-Empirie-Struktur
Bei Arbeiten mit theoretischem Rahmen und eigener Erhebung (z. B. Umfrage, Interview) gliederst du nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis.
2.1 Theoretischer Rahmen: Medienkompetenz nach Baacke
2.2 Methodik: Fragebogendesign und Durchführung
2.3 Ergebnisse: Auswertung der Befragung
2.4 Diskussion: Einordnung der Ergebnisse in den theoretischen Rahmen
Hauptteil vs. Einleitung und Fazit
Wo endet die Einleitung, wo beginnt der Hauptteil, wo setzt das Fazit ein? Diese Grenzfälle sorgen häufig für Unsicherheit.
Definitionen und Grundlagen: Viele schreiben ausführliche Definitionen in die Einleitung. Das überfrachtet den Einstieg. Besser: In der Einleitung nur ankündigen, dass du den Begriff klärst. Die eigentliche Definition gehört ins erste Unterkapitel des Hauptteils.
Zusammenfassungen einzelner Kapitel: Manche fassen am Ende jedes Hauptteil-Kapitels zusammen. Das ist sinnvoll bei langen Arbeiten, bei Facharbeiten aber oft redundant. Ein kurzer Übergangssatz reicht. Die eigentliche Zusammenfassung gehört ins Fazit.
Bewertungen und Schlussfolgerungen: Im Hauptteil darfst du interpretieren und bewerten, solange du es belegst. Aber die Antwort auf die Leitfrage formulierst du erst im Fazit. Im Hauptteil entwickelst du die Argumente, im Fazit ziehst du den Schluss.
Aufbau eines Unterkapitels
Jedes Unterkapitel im Hauptteil folgt einem wiederkehrenden Muster. Das gibt deinem Text Struktur und macht ihn für Lesende nachvollziehbar.
1. Einleitung ins Kapitel: Ein bis zwei Sätze, die erklären, worum es geht und warum das für die Leitfrage relevant ist.
2. Darstellung/Analyse: Die eigentliche inhaltliche Arbeit mit Fakten, Daten, Quellenarbeit.
3. Interpretation/Argumentation: Was bedeuten die Fakten? Wie zahlen sie auf die Leitfrage ein?
4. Überleitung: Ein Satz, der zum nächsten Kapitel führt.
Die Länge der Unterkapitel sollte ungefähr ausgewogen sein. Wenn ein Kapitel deutlich länger als die anderen ist, prüfe, ob du es aufteilen kannst. Wenn ein Kapitel sehr kurz ist, frage dich, ob es wirklich ein eigenes Kapitel braucht. Die genauen Proportionen hängen von deinem Thema ab.
Den roten Faden sichtbar machen
Der rote Faden ist die logische Verbindung zwischen allen Teilen deiner Arbeit. Er sorgt dafür, dass Lesende deiner Argumentation folgen können. Ein Text ohne roten Faden wirkt wie eine lose Sammlung von Informationen.
Übergänge machen den roten Faden sichtbar. Hier sind drei Varianten für Übergangssätze am Kapitelende.
Neutral (zusammenfassend): „Nachdem die visuellen Mittel der Plakate analysiert wurden, stellt sich die Frage nach ihrer intendierten Wirkung."
Argumentativ (aufbauend): „Die Analyse zeigt, dass dunkle Farben und scharfe Kontraste dominieren. Um zu verstehen, welche Reaktionen diese Gestaltung auslösen sollte, untersucht das folgende Kapitel zeitgenössische Rezeptionszeugnisse."
Kontrastierend (problematisierend): „Die bisherige Analyse konzentrierte sich auf die Bildebene. Offen bleibt, ob die intendierten Wirkungen bei den Betrachtern tatsächlich eintraten. Dieser Frage widmet sich das nächste Kapitel."
Beginne jedes neue Kapitel mit einer kurzen Rückbindung an das Vorherige. Ein Satz wie „Aufbauend auf der Analyse der visuellen Mittel untersucht dieses Kapitel..." zeigt Lesenden, wo sie sich befinden und wohin die Reise geht.
Argumentation: Vom Beleg zur Schlussfolgerung
Eine gute Argumentation im Hauptteil folgt einem klaren Schema. Hier ist ein Beispiel, das du auf dein Thema übertragen kannst.
1. Beschreibung: „Das Plakat zeigt eine übergroße Figur in Uniform, die auf den Betrachter herabblickt. Der Hintergrund ist in dunklem Rot gehalten, die Figur hebt sich durch helle Beleuchtung ab."
2. Interpretation: „Die Froschperspektive und Übergröße signalisieren Macht und Überlegenheit. Das dunkle Rot erzeugt eine Atmosphäre von Dringlichkeit und Bedrohung, während die helle Figur als Lichtgestalt inszeniert wird."
3. Beleg: „Wie [Beispielquelle: Autor, Jahr, Seite] zeigt, war die Inszenierung von Führerfiguren als ‚Lichtbringer' ein wiederkehrendes Motiv der NS-Propaganda."
4. Rückbindung: „Damit bestätigt sich, dass visuelle Hierarchisierung gezielt eingesetzt wurde, um Autoritätsgläubigkeit zu fördern – ein zentraler Aspekt der Leitfrage."
Vermeide Scheinargumente. „Das Plakat wirkt bedrohlich" ist keine Analyse, sondern eine unbelegte Behauptung. Erkläre immer, welches visuelle Mittel welche Wirkung erzeugt und stütze die Einschätzung mit einer Quelle.
Quellen einbinden: Zitat vs. Paraphrase
Quellen sind das Fundament deiner Argumentation. Die Literaturrecherche hast du idealerweise vor dem Schreiben abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die Quellen richtig einzubinden.
Wörtliches Zitat: Nutze es, wenn die exakte Formulierung wichtig ist oder du eine prägnante Aussage belegst.
„Wie [Autor, Jahr, S. 78] formuliert: ‚Die Farbsymbolik der NS-Plakate folgte einem streng kodifizierten System.' Diese Aussage bestätigt, dass die Farbwahl nicht zufällig war, sondern gezielt auf Wiedererkennbarkeit setzte."
Paraphrase: Nutze sie, wenn du Inhalte zusammenfass oder mehrere Quellen verbindest.
„Nach [Autor, Jahr] unterlag die Farbgebung in NS-Plakaten festen Regeln. Dies legt nahe, dass die Gestalter bewusst auf etablierte Assoziationen zurückgriffen, um ihre Botschaften zu verstärken."
Typische Fehler bei der Quellenarbeit
Fehler 1 – Zitat ohne Auswertung: Du zitierst, aber erklärst nicht, was das Zitat für deine Argumentation bedeutet.
Schwach: „[Autor, Jahr, S. X] schreibt: ‚Die Farbsymbolik folgte einem streng kodifizierten System.'"
Besser: „[Autor, Jahr, S. X] schreibt: ‚Die Farbsymbolik folgte einem streng kodifizierten System.' Das bedeutet, dass die Farbwahl nicht ästhetischen, sondern propagandistischen Kriterien folgte – ein Punkt, der für die Leitfrage nach den visuellen Strategien zentral ist."
Fehler 2 – Behauptung ohne Quelle: Du interpretierst, aber belegst deine Einschätzung nicht.
Schwach: „Die dunklen Farben sollten Angst erzeugen."
Besser: „Die dunklen Farben sollten laut Farbpsychologie-Studien (vgl. [Autor, Jahr, S. X]) Bedrohungsgefühle auslösen – ein Effekt, den die Propaganda gezielt nutzte."
Alle verwendeten Quellen müssen im Literaturverzeichnis erscheinen. Prüfe am Ende, ob Verweise und Verzeichnis übereinstimmen.
Checkliste: Ist mein Hauptteil gut?
Gehe diese 12 Punkte durch, bevor du deinen Hauptteil als fertig betrachtest.
Struktur und Aufbau
☐ Jedes Unterkapitel behandelt genau einen Aspekt der Leitfrage (Test: Kannst du den Aspekt in einem Satz benennen?).
☐ Die Unterkapitel sind ähnlich lang (keines mehr als doppelt so lang wie ein anderes).
☐ Die Reihenfolge der Kapitel folgt einer erkennbaren Logik (chronologisch, thematisch oder argumentativ).
Roter Faden
☐ Jedes Kapitel startet mit einem Relevanzsatz (z. B. „Um die Leitfrage zu beantworten, ist zunächst X zu klären").
☐ Jedes Kapitel endet mit einer Überleitung (z. B. „Nachdem X geklärt ist, stellt sich die Frage nach Y").
☐ Es gibt keine inhaltlichen Sprünge ohne Erklärung.
Argumentation
☐ Jede zentrale Behauptung ist mit einer Quelle belegt (Test: Markiere alle Behauptungen und prüfe die Belege).
☐ Nach jedem Zitat folgt ein Satz, der die Relevanz erklärt (z. B. „Das bedeutet für die Leitfrage...").
☐ Beschreibung und Interpretation sind klar getrennt (erst „Was ist zu sehen?", dann „Was bedeutet das?").
Formales
☐ Alle Quellenverweise im Text erscheinen im Literaturverzeichnis (und umgekehrt).
☐ Absätze sind überschaubar (Richtwert: nicht mehr als 8 bis 10 Zeilen, je nach Formatierung).
☐ Die Gliederung im Text stimmt mit dem Inhaltsverzeichnis überein.
Typische Fehler und wie du sie behebst
Vom Thema abschweifen: Du findest beim Schreiben interessante Nebenaspekte und verlierst dich darin. Lösung: Markiere jeden Absatz mit der Teilfrage, die er beantwortet. Wenn du keine Teilfrage zuordnen kannst, streiche den Absatz.
Nur beschreiben statt analysieren: Deine Absätze erzählen nach, ohne zu interpretieren. Lösung: Ergänze nach jeder Beschreibung einen Satz, der mit „Das zeigt...", „Das bedeutet..." oder „Daraus folgt..." beginnt.
Übergänge fehlen: Die Kapitel stehen nebeneinander, ohne Verbindung. Lösung: Lies deine Arbeit und achte nur auf die letzten und ersten Sätze jedes Kapitels. Ergänze Überleitungen, wo sie fehlen.
Zu lange Absätze: Absätze füllen mehr als 8 bis 10 Zeilen (je nach Formatierung). Lösung: Jeder Absatz sollte eine Idee enthalten. Sobald du zu einer neuen Idee übergehst, beginne einen neuen Absatz.
Vom Hauptteil zum Fazit: Abschluss-Workflow
Ein guter Fertig-Check für den Hauptteil ist die 12-Punkte-Checkliste oben. Wenn alle Punkte abgehakt sind, bist du auf einem soliden Stand. Je nach Vorgaben deiner Lehrkraft können trotzdem noch Anpassungen nötig sein. Jetzt folgen drei Schritte bis zur Abgabe.
Schritt 1 – Fazit schreiben: Im Fazit beantwortest du die Leitfrage auf Basis deiner Analyse. Keine neuen Argumente, nur Zusammenfassung und Schlussfolgerung.
Schritt 2 – Einleitung prüfen: Lies deine Einleitung noch einmal. Stimmt der angekündigte Aufbau mit dem tatsächlichen überein? Passe an, was nicht mehr passt.
Schritt 3 – Druck-Check: Exportiere als PDF und prüfe: Stimmen Seitenränder und Formatierung? Läuft die Seitennummerierung korrekt? Sind Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Selbstständigkeitserklärung vollständig?
Wenn du deine Facharbeit drucken und binden lassen möchtest, findest du bei BachelorHero passende Optionen wie Softcover oder Spiralbindung.
Häufig gestellte Fragen
Wie schreibe ich einen Analyse-Absatz im Hauptteil?
Nutze das Schema: 1. Beschreibung (Was siehst du?), 2. Interpretation (Was bedeutet das?), 3. Beleg (Welche Quelle stützt das?), 4. Rückbindung (Wie zahlt das auf die Leitfrage ein?). Als Daumenregel reicht pro Schritt etwa ein Satz, je nach Thema auch mehr.
Wie viele Quellen pro Seite sind sinnvoll?
Ein bis drei Quellenverweise pro Seite sind ein guter Richtwert. Bei reinen Analysekapiteln können es mehr sein, bei methodischen Beschreibungen weniger. Die Vorgaben deiner Schule haben Vorrang.
Wie erkenne ich, ob ich nur beschreibe statt analysiere?
Drei Warnsignale: Du verwendest keine Interpretationswörter (zeigt, verdeutlicht, signalisiert). Deine Absätze enthalten keine Quellenverweise. Du beziehst dich nicht auf die Leitfrage. Lösung: Nach jeder Beschreibung einen Satz ergänzen, der die Bedeutung erklärt.
Wie baue ich Gegenargumente ein, ohne abzuschweifen?
Nutze das Mini-Template: „Zwar könnte man einwenden, dass [Gegenargument]. Allerdings zeigt [Quelle/Beispiel], dass [deine Position]. Für die Leitfrage bedeutet das [Schlussfolgerung]." So bleibst du beim Thema.
Was mache ich, wenn ein Unterkapitel zu lang wird?
Drei Optionen: 1. Thematisch aufteilen (z. B. nach Aspekten oder Beispielen). 2. Chronologisch aufteilen (z. B. Vorher/Nachher). 3. Methodisch aufteilen (z. B. Darstellung und Bewertung trennen). Prüfe, welche Logik zu deinem Thema passt.
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