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Guter Folienaufbau heißt: Überschrift als Aussage, ein Kerninhalt pro Folie, bei fremden Inhalten ein Kurzbeleg in der Fußzeile. Jede Folie transportiert genau eine Kernaussage, nutzt große Schrift und lässt Weißraum. Für jeden Folientyp (Titel, Gliederung, Inhalt, Ergebnis, Fazit, Quellen) gibt es ein festes Layout. Richte dieses Layout einmal als Masterfolie ein (in PowerPoint: Ansicht → Folienmaster) und nutze es dann konsequent.
- Struktur: Drei Zonen pro Folie (Überschrift, Kernbereich, Fußzeile).
- 6x6-Regel: Maximal 6 Zeilen Text, maximal 6 Wörter pro Zeile.
- Lesbarkeit: Mindest-Schriftgröße 24pt (Text) bzw. 28pt+ (Überschrift).
- Design: Heller Hintergrund, dunkle Schrift, ergebnisorientierte Headlines.
Folienaufbau vs. Präsentationsstruktur
Folienaufbau ist die visuelle Gestaltung jeder einzelnen Folie: Wo steht die Überschrift? Wie viel Text passt drauf? Welche Schriftgröße? Das ist der Fokus dieses Artikels. Die Präsentationsstruktur dagegen betrifft die Reihenfolge und Dramaturgie: Welche Folien kommen wann? Wie viel Zeit pro Abschnitt? Das findest du im Artikel zur Präsentation der Seminararbeit.
Was bleibt in der schriftlichen Arbeit? Alles, was zu detailliert für eine Folie ist: vollständige Quellenangaben, ausführliche Methodenbeschreibungen, Rohdaten, lange Zitate. Die Präsentation zeigt die Essenz, die schriftliche Arbeit liefert die Details. Wenn jemand in der Fragerunde nachhaken will, verweist du auf die entsprechende Stelle in deiner Arbeit.
Welche Folien brauche ich wirklich?
Das Mindest-Folienset für eine Seminararbeit-Präsentation besteht aus:
- Titelfolie
- Leitfrage (kann mit Einstieg kombiniert werden)
- 2–4 Inhalts- oder Ergebnisfolien
- Fazitfolie
- Quellenfolie
Eine Gliederungsfolie ist bei kurzen Vorträgen (unter 10 Minuten) oft verzichtbar. Backup-Folien für Rückfragen sind optional, aber empfehlenswert.
- 5–7 Minuten: 5–7 Folien. Titel, Leitfrage, 2–3 Inhalt, Fazit, Quellen. Keine Gliederungsfolie.
- 10 Minuten: 8–10 Folien. Titel, Leitfrage, optional Gliederung, 3–4 Inhalt, Fazit, Quellen.
- 15 Minuten: 10–12 Folien. Titel, Leitfrage, Gliederung, 4–6 Inhalt, Diskussion, Fazit, Quellen.
- 20 Minuten: 14–16 Folien. Wie 15 Min, aber mehr Ergebnis- und Diskussionsfolien.
Zeitverteilung als Faustregel: Etwa 10–15 % der Zeit für Einstieg und Leitfrage, 50–60 % für Ergebnisse und Diskussion, 10–15 % für Fazit. Die restliche Zeit geht für Übergänge und Puffer drauf. Diese Richtwerte variieren je nach Dozent und Fach. Im Zweifel: Dozent fragen oder an vergangenen Präsentationen im Seminar orientieren.
Der Grundaufbau jeder Folie
Jede Folie besteht aus drei Zonen. Die obere Zone (10–15 % der Höhe) enthält die Überschrift. Der mittlere Kernbereich (70–80 %) zeigt den eigentlichen Inhalt: Text, Bild, Diagramm oder eine Kombination. Die untere Zone (5–10 %) ist für Quellenangaben, Seitenzahl oder Logos reserviert.
Diese Dreiteilung schafft visuelle Konsistenz. Dein Publikum weiß nach zwei, drei Folien, wo es hinschauen muss. Nutze eine Masterfolie in PowerPoint oder Keynote, um dieses Layout einmal festzulegen und dann auf allen Folien beizubehalten.
- Überschrift: Ergebnisorientiert formulieren. Statt „Ergebnis 1" besser „78 % der Befragten bevorzugen hybride Modelle". Schriftgröße 28–36 Punkt.
- Kernbereich: Hier steht der eigentliche Inhalt. Halte dich an die 6x6-Regel (siehe „Auf einen Blick"). Weißraum ist erlaubt und erwünscht.
- Fußzeile: Kurzbeleg bei fremden Inhalten (Bilder, Daten, Zitate). Optional: Seitenzahl, Logo (je nach Vorgabe). Dezent und klein (12–14 Punkt). Keine wichtigen Inhalte hier.
Titelfolie: Der erste Eindruck
Die Titelfolie ist das Erste, was dein Publikum sieht, oft schon während andere noch hereinkommen. Sie sollte sofort klar machen, worum es geht, ohne ablenkende Elemente. Inhalt: Titel der Seminararbeit (groß und zentral), dein Name, das Datum, Seminar- oder Kursname und Name des Dozenten. Je nach Vorgabe kann auch das Uni-Logo gefordert sein.
- Oben: Seminartitel oder Kursname (klein, 18–20 Punkt)
- Mitte: Titel deiner Arbeit (groß, 36–44 Punkt, fett)
- Unten: Dein Name, Datum, Dozent (klein, 16–20 Punkt)
Häufiger Fehler: Den kompletten Titel der schriftlichen Arbeit 1:1 übernehmen, obwohl er zu lang ist. Wenn dein Titel mehr als zwei Zeilen füllt, kürze ihn für die Folie auf das Wesentliche.
Gliederungsfolie: Wann sie sinnvoll ist
Die Gliederungsfolie zeigt, was kommt. Bei Vorträgen unter 10 Minuten ist sie oft verzichtbar, weil sie Zeit kostet und das Publikum die Struktur auch so erfasst. Bei längeren Präsentationen (ab 15 Minuten) hilft sie, den roten Faden im Kopf zu behalten.
Aufbau: 3 bis 5 Punkte, nicht mehr. Jeder Punkt in einem kurzen Schlagwort oder Halbsatz. Keine Unterpunkte, keine Nummerierung wie 1.1, 1.2. Die Gliederungsfolie ist ein Überblick, kein Inhaltsverzeichnis.
- Leitfrage und Relevanz
- Methode: Literaturanalyse
- Ergebnisse: Drei zentrale Befunde
- Diskussion und Grenzen
- Fazit
Inhaltsfolien: Text auf das Minimum
Inhaltsfolien bilden das Herzstück deiner Präsentation. Hier erklärst du Theorie, Methode oder Argumente. Das größte Problem: zu viel Text. Wenn dein Publikum liest, hört es dir nicht zu. Teste mit dem Lesetest: Brauchst du länger als 5 Sekunden, um den Folieninhalt zu erfassen, ist es zu viel. In der Praxis sind oft noch weniger Wörter besser als die 6x6-Regel erlaubt.
- Vorher: „Die Studie von Müller (2023) hat gezeigt, dass 78 Prozent der befragten Studierenden angaben, hybride Arbeitsmodelle gegenüber reinen Präsenzmodellen zu bevorzugen."
- Nachher: 78 % bevorzugen hybride Modelle (Müller 2023)
Jeder Punkt auf der Folie sollte ein Stichwort sein, das du mündlich erläuterst. Die Folie ist deine Gedächtnisstütze und die deines Publikums, nicht dein Skript. Fließtext auf Folien ist fast immer falsch. Ausnahme: Ein kurzes wörtliches Zitat (2–3 Sätze maximal), optisch als Zitat erkennbar.
Ergebnisfolien: Zahlen klar visualisieren
Ergebnisfolien zeigen, was du herausgefunden hast. Hier verbringst du die meiste Zeit während der Präsentation. Die Überschrift sollte das Ergebnis bereits vorwegnehmen: Statt „Ergebnis 1" schreibst du „Produktivität steigt bei flexiblen Arbeitszeiten um 23 %".
- Überschrift: Das Ergebnis als Aussage (nicht „Ergebnis 1")
- Mitte: Diagramm oder Kernzahl groß dargestellt
- Darunter: 1–2 Stichpunkte zur Einordnung
- Fußzeile: Quelle klein (Müller 2023, S. 45)
Zahlen visualisieren: Ein Balkendiagramm ist oft klarer als eine Tabelle. Ein einzelner großer Wert („78 %") wirkt stärker als eine Liste mit fünf Prozentzahlen. Halte Diagramme schlicht: Flache Darstellung ohne 3D-Effekte, direkte Beschriftung statt separater Legende, maximal 5–6 Datenpunkte. Bei mehr Kategorien: Zeige die Top 5 und fasse den Rest unter „Sonstige" zusammen oder lagere die Vollversion als Backup-Folie aus.
-
Methodenfolie: „Literaturanalyse: 12 Studien aus 2019–2024"
Wann sinnvoll: Bei empirischen Arbeiten oder wenn die Methode nicht selbsterklärend ist. Bei reinen Literaturarbeiten oft verzichtbar.
Layout: Drei Blöcke: Was? (Methode), Wie? (Vorgehen), Warum? (Begründung). Jeder Block 1–2 Stichpunkte.
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Diskussionsfolie: „Einschränkung: Nur deutschsprachige Quellen analysiert"
Wann sinnvoll: Ab 15 Minuten Vortragszeit oder wenn Dozent kritische Reflexion erwartet. Zeigt wissenschaftliche Reife.
Layout: Zwei Spalten: Links „Befund", rechts „Einordnung/Limit". 2–3 Punkte pro Spalte.
Fazit- und Quellenfolie gestalten
Die Fazitfolie schließt den Kreis. Hier beantwortest du die Leitfrage, die du zu Beginn gestellt hast. Diese Folie bleibt am längsten im Gedächtnis, weil sie am Ende steht und oft während der Fragerunde noch sichtbar ist. Aufbau: Leitfrage kurz wiederholen, dann die Antwort in 1–2 Sätzen. Darunter optional 2–3 Kernpunkte, die deine Antwort stützen.
- Überschrift: Fazit: Flexible Arbeitszeiten steigern Produktivität
- Leitfrage: „Welchen Einfluss haben flexible Arbeitszeiten auf die Produktivität?"
- Antwort: Die Analyse zeigt eine Steigerung um durchschnittlich 23 % bei hybriden Modellen.
Die Quellenfolie listet alle verwendeten Quellen. Je nach Dozent reichen Kurzbelege (Autor, Jahr, Kurztitel) oder es werden Vollbelege erwartet. Alphabetisch sortieren, Schriftgröße 16–18 Punkt, bei vielen Quellen auf zwei Folien verteilen. Die Quellenfolie ist die letzte reguläre Folie, Backup-Folien folgen danach.
- Fremde Grafik aus Fachliteratur: „Quelle: Müller (2023), S. 45" direkt unter dem Bild, klein (12–14 Punkt).
- Stockfoto (Unsplash, Pexels): Sichere Standardformel: „Quelle: Plattform / Fotograf, URL, Abruf: TT.MM.JJJJ". Die genauen Attributionspflichten variieren je Plattform und Bild.
- Screenshot einer Website: „Quelle: URL der Seite, Abruf: TT.MM.JJJJ".
- Eigene Darstellung: „Eigene Darstellung" oder „Eigene Grafik basierend auf Müller (2023)".
Beamer-Check: So testest du deine Folien
Was auf dem Laptop gut aussieht, kann am Beamer unleserlich sein. Helle Hintergründe mit dunkler Schrift funktionieren fast immer. Dunkle Hintergründe mit heller Schrift sind riskant, weil viele Beamer den Kontrast nicht gut darstellen. Mindest-Schriftgrößen: 24 Punkt für Fließtext, 28+ für Überschriften, 14 Punkt für Achsenbeschriftungen und Legenden in Diagrammen.
- 3-Sekunden-Test: Zeige jemandem eine Folie für 3 Sekunden. Kann die Person danach sagen, worum es geht? Wenn nicht: Überschrift prägnanter formulieren, Text kürzen.
- Abstandstest: Tritt 2–3 Meter vom Bildschirm zurück. Ist der Text noch lesbar? Wenn nicht: Schrift vergrößern oder Text reduzieren.
- Fremdrechner-Test: Öffne die Datei auf einem anderen Computer. Stimmen Schriften und Layout noch? Wenn nicht: Schriften einbetten oder Standardschriften nutzen.
Farben sparsam einsetzen: Eine Akzentfarbe reicht (z. B. Orange für Hervorhebungen). Rot-Grün-Kombinationen vermeiden (Farbenblindheit). Visuelle Hierarchie lenkt den Blick durch Größe, Kontrast und Position. Das Wichtigste sollte zuerst ins Auge fallen: Überschriften größer als Text, Kernzahlen fett oder farblich hervorgehoben, Quellen klein und dezent.
- Generische Überschriften: „Ergebnis 1" sagt nichts. Besser: „78 % bevorzugen hybride Modelle".
- Inkonsistentes Layout: Überschriften mal links, mal mittig. Lösung: Masterfolie nutzen und konsequent beibehalten.
- Überladene Diagramme: 3D-Effekte, Schatten, zu viele Datenpunkte. Lösung: Flach, direkt beschriftet, max. 5–6 Werte.
Nächste Schritte vor der Präsentation
Dein Folienaufbau ist fertig, wenn jede Folie eine klare Kernaussage hat und der 3-Sekunden-Test bestanden ist. Bevor du präsentierst, stehen noch ein paar praktische Schritte an:
- Üben: Mindestens drei Durchläufe mit Stoppuhr. Beim ersten Durchlauf merkst du, wo du hängst. Beim zweiten kürzt du. Beim dritten sitzt der Vortrag. Nutze die Sprechernotizen für Stichworte, nicht für ganze Sätze. Mehr zum Vortragen findest du im entsprechenden Artikel.
- Technik vorbereiten: Exportiere deine Präsentation als PDF (Notfall-Backup). Speichere alles auf USB-Stick und in der Cloud. Prüfe, ob du einen Adapter für den Beamer brauchst (HDMI, USB-C, VGA). Falls du einen Presenter/Klicker hast, nimm ihn mit.
- Backup-Folien: Bereite 2–3 zusätzliche Folien für typische Rückfragen vor: Begriffsdefinition, Methodendetails, Zusatzdaten. Diese Folien stehen nach der Quellenfolie und sind separat nummeriert. Im Artikel zur Präsentation der Seminararbeit findest du mehr dazu.
Falls du noch an der schriftlichen Arbeit schreibst, prüfe Gliederung und Fazit. Präsentation und schriftliche Arbeit sollten dieselbe Geschichte erzählen. Wenn du deine Seminararbeit drucken und binden lassen möchtest, kannst du das bei BachelorHero online konfigurieren.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Folien brauche ich für 10, 15 oder 20 Minuten?
Richtwerte: 8–10 Folien für 10 Minuten, 10–12 für 15 Minuten, 14–16 für 20 Minuten. Diese Zahlen variieren je nach Dozent und Folientyp. Ergebnisfolien brauchen mehr Zeit, Übergangsfolien weniger. Der Probedurchlauf mit Stoppuhr zeigt, ob dein Tempo passt.
Gehören Quellen auf jede Folie oder nur ans Ende?
Beides. Bei fremden Inhalten (Zitate, Daten, Grafiken) setzt du einen Kurzbeleg direkt auf die Folie: „Müller 2023" oder „Müller 2023, S. 45". Auf der Quellenfolie am Ende listest du dann alle Quellen vollständig auf. So ist jede Aussage direkt belegt und das Publikum kann bei Interesse nachschlagen.
16:9 oder 4:3 – welches Format wählen?
Moderne Beamer nutzen meist 16:9. Wenn du das Format im Seminarraum nicht kennst, ist 16:9 die sicherere Wahl. Wichtig: Das Format nicht nachträglich ändern, das verschiebt alle Inhalte. Bei Unsicherheit: Dozent oder Sekretariat fragen.
Wie zitiere ich Bilder und Grafiken auf Folien korrekt?
Kurzbeleg direkt unter das Bild: „Quelle: Müller (2023), S. 45" oder „Quelle: Unsplash / Fotograf". Bei eigenen Grafiken: „Eigene Darstellung". Bei Screenshots: URL und Abrufdatum. Alle Bildquellen zusätzlich auf der Quellenfolie am Ende auflisten.
Was mache ich, wenn der Dozent eine Vorlage vorgibt?
Nutze die Vorlage konsequent. Ändere keine Farben, Schriftarten oder Logos. Die Vorlage definiert das Layout, du füllst nur die Inhalte. Falls die Vorlage Probleme macht (z. B. zu kleine Schrift), sprich das vorher mit dem Dozenten ab.
Wie gehe ich mit komplexen Tabellen um?
Tabellen mit mehr als 3 Zeilen und 3 Spalten sind am Beamer kaum lesbar. Drei Optionen: Tabelle auf das Wesentliche reduzieren und wichtigste Zelle farblich hervorheben. Tabelle auf mehrere Folien aufteilen. Detailtabelle als Backup-Folie für Rückfragen vorbereiten.
Soll ich Animationen verwenden?
Sparsam und funktional. Einblenden von Listenpunkten kann sinnvoll sein, um Aufmerksamkeit zu lenken. Verzichte auf Dreh-, Flug- oder Zoom-Effekte. Sie lenken ab und wirken unprofessionell. Im Zweifel: keine Animationen.
Welche Schriftart eignet sich für Präsentationen?
Serifenlose Schriften wie Arial, Calibri oder Helvetica sind am Beamer gut lesbar. Vermeide dekorative Fonts. Wichtig: Nutze nur Standardschriften, falls du auf einem fremden Rechner präsentierst, sonst kann sich das Layout verschieben.
Braucht jede Folie eine Überschrift?
Ja, fast immer. Die Überschrift hilft beim Scannen und zeigt sofort, worum es geht. Wichtig: Formuliere als Aussage, nicht als Kapitelwort. Statt „Ergebnis" besser „78 % bevorzugen hybride Modelle". Ausnahme: Reine Bildfolien oder Zitat-Folien, bei denen das Bild oder Zitat für sich spricht.
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