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Bei der Literaturrecherche suchst du systematisch nach zitierfähigen Quellen, bewertest ihre Qualität und dokumentierst alles in einer priorisierten Liste. Du bist fertig, wenn jeder Gliederungspunkt mindestens eine tragfähige Quelle hat und neue Suchen keine wesentlich neuen Informationen mehr liefern.
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Schritt 1: Suchbegriffe ableiten (Synonyme, Oberbegriffe, englische Begriffe) → Ergebnis: Begriffsliste (z. B. 10–15 Varianten, je nach Themenbreite).
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Schritt 2: In Katalogen und Datenbanken suchen (OPAC, Google Scholar, Fachportale) → Ergebnis: Trefferliste mit Kurzbewertung.
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Schritt 3: Quellen per Schnellcheck bewerten (Autor, Aktualität, Verlag, Belege, Interessenkonflikt) → Ergebnis: Priorisierte Quellenliste mit Kapitelzuordnung.
Literaturrecherche vs. Internetrecherche: der Unterschied
Nicht jede Recherche ist Literaturrecherche. Wenn du bei Google nach Produktvergleichen, Erfahrungsberichten oder Marktpreisen suchst, ist das Internetrecherche. Sie liefert Kontext und Hintergrundinformationen, führt aber oft nicht zu zitierfähigen Quellen.
Literaturrecherche zielt auf Quellen, die du im Text zitieren und im Literaturverzeichnis aufführen kannst. Das sind Fachbücher, wissenschaftliche Artikel, Studien, Normen oder offizielle Statistiken. Viele dieser Quellen sind heute online verfügbar: Amtliche Webseiten, Behördenstatistiken, Forschungsinstitute oder Normenportale sind trotz Online-Zugang zitierfähig. Bei Projektarbeiten kommen oft auch technische Dokumentationen und Branchenberichte hinzu, die bei klassischen Hausarbeiten seltener vorkommen.
Die Abgrenzung verläuft nicht zwischen „online" und „offline", sondern zwischen geprüften und ungeprüften Quellen. Was du in einem Blogbeitrag oder auf einer reinen Marketing-Seite findest, kann dir helfen, das Thema zu verstehen. Aber ohne zusätzliche Absicherung durch eine unabhängige Quelle gehört es nicht in den Theorieteil. Im Praxisteil darfst du pragmatischer sein: Dort kann eine Hersteller-Dokumentation zitierfähig sein, wenn du sie als solche kennzeichnest und kritisch einordnest.
Quellenarten in Projektarbeiten: Was ist zitierfähig?
Projektarbeiten kombinieren Theorie und Praxis. Deshalb ist das Quellenspektrum breiter als bei rein theoretischen Arbeiten. Die folgende Übersicht zeigt, welche Quellenarten wann geeignet sind und worauf du achten solltest.
Fachbuch / Lehrbuch
Theoretische Grundlagen, Definitionen, Methoden
Aktualität prüfen, besonders bei technischen Themen
Wissenschaftlicher Artikel (Peer-Review)
Aktuelle Forschung, empirische Daten, Methoden
Zugang oft nur über Bibliothek, Fachsprache
Norm / Standard (DIN, ISO)
Technische Anforderungen, Qualitätsstandards, Definitionen
Kostenpflichtig, auf aktuelle Fassung achten
Hersteller-Dokumentation
Produktspezifikationen, technische Details im Praxisteil
Als Herstellerquelle kennzeichnen, nicht für Theorie
Whitepaper / Branchenreport
Marktdaten, Trends, Best Practices
Herausgeber prüfen, mögliche Interessenkonflikte
Amtliche Statistik / Behördenwebsite
Zahlen, Daten, Fakten, Gesetze, Verordnungen
Auf Erhebungszeitraum achten, URL und Abrufdatum angeben
Blog / Marketing / unklare Quelle
In der Regel nur als Kontext, nicht zitierfähig
Keine wissenschaftliche Prüfung, veränderbar, oft werblich
Die Faustregel: Je näher eine Quelle am Theorieteil ist, desto strenger die Anforderungen. Im Praxisteil darfst du pragmatischer sein, solange du transparent bleibst. Ein Produktdatenblatt des Herstellers ist dort legitim, ein Werbeslogan nicht.
So entwickelst du deine Suchstrategie
Eine gute Suchstrategie beginnt mit deiner Zielsetzung. Welche Begriffe enthält sie? Schreibe diese auf und erweitere die Liste systematisch um Synonyme, Oberbegriffe, Unterbegriffe und englische Entsprechungen.
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IT-Projektarbeit „Einführung Ticketsystem":
Ticketsystem, Helpdesk-Software, ITSM, IT-Service-Management, Incident Management, Service Desk, ticketing system, help desk software, ITIL -
BWL-Projektarbeit „Prozessoptimierung Lager":
Lagerlogistik, Lagerverwaltung, Bestandsmanagement, Kommissionierung, Warehouse Management, Lean Logistics, inventory management, warehouse optimization -
Sozialwesen „Digitalisierung in der Pflege":
Pflegedokumentation, elektronische Patientenakte, Ambient Assisted Living, AAL, Telemedizin, eHealth, digital nursing, care documentation
Für die Suche in Datenbanken kombinierst du Begriffe mit Booleschen Operatoren. AND verknüpft (Ticketsystem AND Einführung), OR erweitert (Ticketsystem OR Helpdesk), Anführungszeichen suchen exakte Phrasen („IT-Service-Management"). Ein Beispiel-Suchstring: (Ticketsystem OR „Service Desk") AND (Einführung OR Implementation) AND (Unternehmen OR KMU).
Nutze das Schneeballsystem als Ergänzung: Wenn du eine passende Quelle gefunden hast, schau dir das Literaturverzeichnis an. Dort findest du oft weitere relevante Werke. Dieser Weg führt dich von einer guten Quelle zur nächsten und zeigt dir, welche Autoren in deinem Themenfeld häufig zitiert werden.
Wo du relevante Quellen findest
Reihenfolge der Recherche: Starte mit Übersichtswerken für den Einstieg, vertiefe mit Fachartikeln und hole dir dann Primärquellen für die zentralen Aussagen. Diese Abfolge verhindert, dass du dich in Details verlierst, bevor du das große Bild verstanden hast.
Die Bibliothek ist der Startpunkt für Bücher und E-Books. Über den OPAC deiner Hochschul- oder Stadtbibliothek findest du den lokalen Bestand. Der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) durchsucht mehrere Bibliothekskataloge gleichzeitig und zeigt dir, wo ein Buch verfügbar ist.
Google Scholar findet wissenschaftliche Artikel, Konferenzbeiträge und Bücher. Über die Bibliotheksverknüpfung in den Einstellungen siehst du direkt, welche Artikel du kostenlos abrufen kannst. Beachte: Nicht alle Treffer sind peer-reviewed. Prüfe bei jedem Ergebnis die Quellenart.
Für Fachzeitschriften gibt es spezialisierte Datenbanken: IEEE Xplore und ACM Digital Library für IT, WISO und Business Source für Wirtschaft, PubMed für Medizin. Der Zugang läuft meist über deine Bibliothek.
Bei Projektarbeiten brauchst du oft auch praxisnahe Quellen: Normen findest du bei Beuth oder über deine Bibliothek. Branchenberichte gibt es bei Statista, Bitkom oder den jeweiligen Fachverbänden. Amtliche Statistiken liefern das Statistische Bundesamt und Eurostat. Hersteller-Dokumentationen findest du auf den Produktseiten der Anbieter.
Wenn du auf Paywalls stößt: Viele Artikel, die bei Google Scholar kostenpflichtig erscheinen, bekommst du über deine Bibliothek kostenlos. Nutze den VPN-Zugang oder Proxy deiner Hochschule. Falls ein Artikel nicht verfügbar ist, hilft oft die Fernleihe (dauert einige Tage). Alternativ findest du bei manchen Artikeln eine frei zugängliche Autorenversion oder ein Preprint auf Plattformen wie ResearchGate oder arXiv. Beachte dabei: Preprints und Autorenversionen sind oft nicht peer-reviewed und zählen im Schnellcheck daher typischerweise nur „mit Einschränkung". Notiere immer Version, Datum und DOI oder URL, damit nachvollziehbar bleibt, welche Fassung du verwendet hast.
Quellen bewerten: der Schnellcheck
Nicht jede Quelle, die du findest, gehört in deine Arbeit. Mit diesem Schnellcheck bewertest du in zwei Minuten, ob eine Quelle zitierfähig ist. Vergib für jedes Kriterium 0, 1 oder 2 Punkte.
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1. Autor (0–2 Punkte): Kein Autor erkennbar (0) / Autor ohne erkennbare Expertise (1) / Fachperson, Hochschule oder Forschungsinstitut (2)
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2. Aktualität (0–2 Punkte): Veraltet für dein Thema (0) / Akzeptabel, aber neuere Quellen verfügbar (1) / Aktuell oder zeitlos gültiges Grundlagenwerk (2)
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3. Veröffentlichungsort (0–2 Punkte): Blog, Firmenwerbung, unklar (0) / Fachportal, Whitepaper mit Herausgeber (1) / Fachverlag, Peer-Review-Journal, amtliche Stelle (2)
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4. Belege (0–2 Punkte): Keine Quellen angegeben (0) / Wenige oder unsystematische Belege (1) / Sauberes Literaturverzeichnis, nachvollziehbare Belege (2)
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5. Interessenkonflikt (0–2 Punkte): Klare Werbung oder Verkaufsinteresse (0) / Möglicher Bias, aber transparent (1) / Unabhängig oder Bias transparent und kontrollierbar (2)
Auswertung: 8–10 Punkte → zitierfähig | 5–7 Punkte → nur mit Einschränkung oder als Ergänzung | 0–4 Punkte → nicht zitierfähig, nur als Hintergrund
Diese Matrix ist eine Heuristik zur schnellen Einordnung, kein starres Punkteschema. Je nach Fachgebiet kann ein Kriterium stärker gewichtet werden: In technischen Fächern zählt Aktualität mehr, in historischen Arbeiten weniger. Die Vorgaben deiner Betreuung haben immer Vorrang.
Aktualität als Entscheidungslogik: Ob eine Quelle zu alt ist, hängt vom Thema ab. Frag dich: Wie schnell ändern sich die Fakten in diesem Bereich? Bei IT-Infrastruktur oder Software sind 5 Jahre oft zu lang. Bei Grundlagen der Betriebswirtschaft oder psychologischen Theorien können auch 15 Jahre alte Standardwerke aktuell sein. Entscheidend ist, ob die Aussagen durch neuere Erkenntnisse überholt wurden.
Wikipedia ist ein Sonderfall. Die Plattform eignet sich zum Einstieg und zur ersten Orientierung, ist aber in der Regel nicht zitierfähig. Die Inhalte können sich jederzeit ändern und sind nicht wissenschaftlich geprüft. Eine Ausnahme: Wenn Wikipedia selbst dein Untersuchungsgegenstand ist. In allen anderen Fällen nutzt du die Einzelnachweise am Ende des Artikels, um zu den Primärquellen zu gelangen.
Recherche dokumentieren: Vorlage und Workflow
Eine saubere Dokumentation spart Zeit beim Schreiben und zeigt dein systematisches Vorgehen. In der Methodik beschreibst du später, wie du recherchiert hast. Mit einem Rechercheprotokoll behältst du den Überblick und kannst später nachvollziehen, woher eine Information stammt.
Google Scholar
OPAC Uni
Workflow in fünf Schritten: Suchen → Treffer exportieren oder notieren → Schnellcheck durchführen → Quelle taggen (Kapitelzuordnung, Priorität) → Lückencheck vor dem Schreiben. Tools wie Zotero, Citavi oder Mendeley unterstützen diesen Prozess und erstellen später automatisch das Literaturverzeichnis. Falls du kein Programm nutzen möchtest, reicht auch eine Excel-Tabelle mit Spalten für alle bibliografischen Angaben, Kapitelzuordnung und Notizen.
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Priorität 1 (Hauptquelle): Müller 2023, „IT-Service-Management", Fachbuch → Definition ITSM, ITIL-Framework (Schnellcheck: 9/10 Punkte)
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Priorität 2 (Ergänzung): Schmidt/Weber 2022, „Helpdesk-Systeme im Mittelstand", Zeitschriftenartikel → Vergleich Ticketsysteme (Schnellcheck: 8/10 Punkte)
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Priorität 3 (Kontext): Bitkom 2024, „IT-Trends", Branchenreport → Marktdaten zur Verbreitung (Schnellcheck: 6/10 Punkte, Herausgeber-Interesse beachten)
Tipp: In Zotero nutzt du Tags oder Sammlungen für die Kapitelzuordnung, in Excel eine eigene Spalte „Kapitel" mit Werten wie „Kap. 2", „Kap. 3.1".
Wann ist die Recherche abgeschlossen?
Die Recherche ist kein Selbstzweck. Irgendwann musst du anfangen zu schreiben. Diese Stop-Kriterien zeigen dir, wann du genug Material hast.
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Neue Suchen liefern keine wesentlich neuen Informationen (Sättigung)
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Dieselben Kernquellen tauchen in verschiedenen Literaturverzeichnissen auf
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Jeder Gliederungspunkt hat mindestens 1–2 tragfähige Quellen
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Zentrale Fachbegriffe sind durch Definitionen abgedeckt
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Ein Gliederungspunkt hat keine passende Quelle
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Du stützt dich nur auf eine einzige Quelle pro Kernaussage
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Wichtige Gegenargumente oder alternative Ansätze fehlen
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Fachbegriffe bleiben unklar oder widersprüchlich definiert
Lückencheck vor dem Schreiben: Geh deine Gliederung Punkt für Punkt durch. Notiere zu jedem Abschnitt: Welche Quelle stützt die Aussage? Wenn du bei einem Punkt keine Antwort hast, recherchiere gezielt nach. Diese Lücken vor dem Schreiben zu schließen ist effizienter, als später den Text umschreiben zu müssen.
Nächster Schritt: Von der Recherche zum Schreiben
Deine Recherche ist abgeschlossen, wenn jeder Gliederungspunkt mit Quellen abgedeckt ist und der Lückencheck keine offenen Stellen mehr zeigt. Das bedeutet nicht, dass du während des Schreibens nicht nachrecherchieren darfst. Aber die Grundlage steht.
Beim Schreiben integrierst du die Quellen in deinen Text: Du fasst zusammen, zitierst und vergleichst. Achte darauf, dass du die Quellen nicht nur auflistest, sondern mit deinen eigenen Überlegungen verknüpfst. Deine Stimme soll im Text erkennbar bleiben, die Quellen stützen deine Argumentation.
Wenn deine Projektarbeit fertig geschrieben und korrigiert ist, folgt der letzte Schritt: das finale PDF prüfen, Formatierung kontrollieren und die Arbeit drucken und binden lassen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Quellen brauche ich für eine Projektarbeit?
Das hängt vom Umfang und den Vorgaben ab. Bei 15 bis 20 Seiten sind 10 bis 20 Quellen ein gängiger Richtwert. Qualität zählt mehr als Quantität: Lieber wenige passende Quellen als viele oberflächliche. Prüfe die Vorgaben deiner Institution, da die Erwartungen variieren.
Kann ich Hersteller-Dokumentationen und Firmenwebsites zitieren?
Ja, bei Projektarbeiten mit Praxisbezug sind technische Dokumentationen, Produkthandbücher oder Hersteller-Whitepapers oft sogar notwendig. Kennzeichne sie klar als Herstellerquelle und prüfe kritisch auf Marketingsprache. Für theoretische Grundlagen solltest du zusätzlich unabhängige Fachliteratur heranziehen.
Wie zitiere ich Normen und Standards wie DIN oder ISO?
Normen werden mit Nummer, Titel, Ausgabedatum und ggf. Teil zitiert: DIN EN ISO 9001:2015 „Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen". Im Text reicht oft die Kurznorm (DIN EN ISO 9001). Prüfe, ob deine Institution ein bestimmtes Format vorgibt. Die Norm selbst kannst du bei Beuth oder über deine Bibliothek einsehen.
Woran erkenne ich, dass ich genug recherchiert habe?
Drei Anzeichen deuten auf ausreichende Recherche hin: Du findest bei neuen Suchen keine wesentlich neuen Informationen mehr (Sättigung). Dieselben Kernquellen tauchen in verschiedenen Literaturverzeichnissen auf. Jeder Gliederungspunkt hat mindestens eine tragfähige Quelle. Offene Fachbegriffe sind geklärt.
Wie dokumentiere ich meine Suchstrings für die Methodik?
Halte in einer Tabelle fest: Datenbank, Suchbegriffe mit Operatoren, Filter (Zeitraum, Sprache), Datum der Suche, Anzahl Treffer, davon relevant. Diese Dokumentation zeigt dein systematisches Vorgehen und hilft dir, die Suche später zu reproduzieren oder zu erweitern.
Darf ich andere Abschlussarbeiten zitieren?
Ja, aber mit Einschränkung. Andere Bachelor-, Master- oder Projektarbeiten können als Wegweiser zu Primärquellen dienen und zeigen, wie ähnliche Themen bearbeitet wurden. Zitiere sie nur, wenn sie inhaltlich wirklich relevant sind und du die Originalquellen nicht beschaffen kannst. Bevorzuge im Zweifel die Quellen, die in der Abschlussarbeit selbst zitiert werden.
Zielsetzung der Projektarbeit
Anforderungen und Pflichtenheft
Das Fazit der Projektarbeit