Inhaltsverzeichnis
Was? Ein Thesenpapier bündelt deine streitbaren Positionen als Diskussionsgrundlage.
Umfang? Meist 1 Seite, typisch 3 bis 5 Thesen (je 1 bis 2 Sätze Begründung).
Aufbau? 1. Kopfzeile, 2. nummerierte Thesen, 3. Quellenangaben (falls verlangt).
Details? Variieren nach Vortragslänge und Seminar (siehe Entscheidungshilfe unten).
Hier bekommst du den Aufbau erklärt, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ableiten von Thesen, Beispiele aus verschiedenen Fächern und eine Vorlage zum Kopieren.
Was ist ein Thesenpapier?
Ein Thesenpapier ist ein kurzes Dokument, das deine wichtigsten Aussagen zu einem Thema bündelt. Es konzentriert sich auf Kernthesen, die eine Position vertreten und zur Diskussion einladen. Im Seminar verteilst du es vor oder nach dem Vortrag, je nach Format.
Eine These ist eine Behauptung, die du mit Argumenten stützt und die man auch anders sehen könnte. Das unterscheidet sie von Definitionen, Beschreibungen oder Zusammenfassungen. Wenn alle zustimmen müssten, ist es keine These, sondern eine Feststellung.
Abgrenzung: Ein Thesenpapier ist weder Abstract noch Exposé noch Zusammenfassung. Letzteres liefert das Handout.
Thesenpapier vs. Handout: Der Unterschied
Beide Dokumente begleiten einen Vortrag, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen. Die Verwechslung ist häufig, weil manche Seminare nur eines von beiden verlangen.
Das Thesenpapier enthält nur deine zentralen Thesen mit knapper Begründung (meist 1 Seite, selten mehr). Es strukturiert die Diskussion nach dem Vortrag.
Das Handout fasst den gesamten Vortrag zusammen: Gliederung, Definitionen, Beispiele, wichtige Zitate und Literatur (oft 2 bis 4 Seiten). Es hilft den Zuhörenden, dem Vortrag zu folgen.
Manche Seminare verlangen beides, andere nur eines. Wenn beide gefordert sind, verteilst du das Handout zu Beginn des Vortrags und das Thesenpapier vor der Diskussion. Kläre die Erwartungen mit deinem Dozenten.
Typische Vorgaben im Seminar (Varianten)
Seminarformate unterscheiden sich erheblich. Die folgenden Varianten zeigen, worauf du achten solltest und wie du dein Thesenpapier entsprechend anpasst.
Variante: Zeitpunkt
Vor dem Vortrag: Orientierungshilfe mit Thesen, die du im Vortrag begründen wirst.
Nach dem Vortrag: Zusammenfassung deiner Ergebnisse als Diskussionsbasis.
Variante: Bestandteile
Mit Diskussionsfragen: 2 bis 3 offene Fragen am Ende strukturieren das Gespräch.
Ohne Literaturblock: Falls Quellen bereits im Handout dokumentiert sind.
Variante: Umfang und Format
1 Seite vs. 2 Seiten: Eine Seite ist Standard. Mehr nur nach Rücksprache.
Gruppenreferat: Kläre, ob gemeinsame oder individuelle Thesen erwartet werden.
Zeitpunkt: Thesenpapier vor dem Vortrag? → Formuliere Thesen, die du begründen wirst. Nach dem Vortrag? → Fasse deine Ergebnisse als Thesen zusammen.
Thesenanzahl (Richtwerte): 10-Min-Referat → 2 bis 3 Thesen. 15 bis 20-Min-Referat → 3 bis 4 Thesen. 30-Min-Referat → 4 bis 5 Thesen. Maximal 6 bis 7.
Diskussionsfragen: Verlangt? → 2 bis 3 offene Fragen am Ende ergänzen. Nicht verlangt? → Optional ins Papier, wenn Platz; sonst separat vorbereiten.
Quellenangaben: A) Kurzbelege + Literaturblock. B) Nur Literaturblock (3-5 Quellen). C) Keine (falls im Handout dokumentiert).
Keine Vorgabe gefunden? Nimm Variante B als Default. Kurzbelege nur bei explizitem Bezug.
Thesenpapier schreiben: Aufbau in drei Teilen
Der Aufbau eines Thesenpapiers folgt einer klaren Struktur. Die drei Teile sind schnell erklärt, die Kunst liegt in der Formulierung der Thesen.
Teil 1: Kopfzeile
Enthält Metadaten: Dein Name, Titel der Arbeit, Seminar, Dozent und Datum. Manche Fachbereiche fordern zusätzlich Matrikelnummer oder Semester. Halte diesen Teil kompakt.
Teil 2: Thesen (Hauptteil)
Nummerierte Thesen mit kurzer Begründung (1 bis 2 Sätze). Die Anzahl hängt von der Vortragslänge ab (meist 3 bis 5). Die Nummerierung erleichtert die spätere Diskussion.
Teil 3: Quellenangaben
Nenne nur die 3 bis 5 Hauptwerke deiner Argumentation, keine vollständige Bibliografie. Ob Kurzbelege oder Literaturblock, hängt von der Seminarvorgabe ab.
Thesen aus der Seminararbeit ableiten
Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft dir, aus deiner Seminararbeit überzeugende Thesen zu entwickeln. Der Prozess führt von der Leitfrage über die Kernergebnisse zu diskutierbaren Positionen.
Leitfrage identifizieren
Was ist die zentrale Frage deiner Arbeit? Beispiel: „Einfluss sozialer Medien auf politische Meinungsbildung?" Deine Thesen müssen direkt darauf antworten.
Kernergebnisse sammeln
Liste die 4 bis 6 wichtigsten Erkenntnisse auf. Was hast du herausgefunden? Was hat dich überrascht? Das ist der Rohstoff für deine Thesen.
Ergebnisse in Thesen überführen
Formuliere streitbare Positionen. Aus „Social Media beeinflusst Meinungen" wird „Social Media verstärkt bestehende Meinungen stärker, als es neue bildet."
Begründung und Beleg ergänzen
Jede These braucht 1-2 Sätze Begründung und einen Hinweis auf den Beleg (Quelle, eigene Daten, Beispiel), um nachvollziehbar zu sein.
Reihenfolge festlegen
Ordne die Thesen logisch aufbauend an. Starte mit einer These, die den Rahmen setzt, und ende mit einer, die zum Weiterdenken einlädt.
These: [Klare Aussage mit Position]
Kurzbegründung: [1 bis 2 Sätze, die die These stützen]
Beleg: [Quelle / eigene Erhebung / Beispiel]
Mögliche Gegenposition: [Was könnte man einwenden?]
Diskussionsfrage: [Offene Frage für das Seminar]
These: Algorithmische Personalisierung verstärkt bestehende Meinungen, bildet aber keine neuen.
Kurzbegründung: Nutzer wählen auch ohne Algorithmen bevorzugt bestätigende Inhalte. Die Personalisierung beschleunigt diesen Effekt nur.
Beleg: Bruns 2019, empirische Studie zur Mediennutzung.
Mögliche Gegenposition: Algorithmen könnten durch extreme Inhalte durchaus neue Meinungen formen.
Diskussionsfrage: Unter welchen Bedingungen könnten Algorithmen tatsächlich meinungsbildend wirken?
Schnellcheck: Echte These oder nur Beschreibung?
Mit diesem Schnellcheck prüfst du, ob deine Formulierung eine echte These ist. Geh die drei Fragen durch, bevor du dein Thesenpapier abgibst.
Position erkennbar? Wird eine Meinung, Einordnung oder Bewertung deutlich? Oder ist es nur eine neutrale Beschreibung?
Begründung möglich? Kannst du Argumente, Belege oder Beispiele anführen, die deine Aussage stützen?
Widerspruch denkbar? Könnte jemand begründet anderer Meinung sein? Wenn alle zustimmen müssten, ist es keine These.
Wenn du bei allen drei Fragen mit Ja antworten kannst, hast du eine These. Wenn nicht, überarbeite die Formulierung mit der folgenden Korrekturlogik:
Schwach: „Social Media beeinflusst die Meinungsbildung."
Stark: „Social Media verstärkt Filterblasen und erschwert damit die Auseinandersetzung mit Gegenpositionen."
Schwach: „Digitalisierung verändert den Unterricht."
Stark: „Die Digitalisierung des Unterrichts führt nicht automatisch zu besseren Lernergebnissen, solange didaktische Konzepte fehlen."
Schwach: „Kafka thematisiert Einsamkeit."
Stark: „Kafkas Darstellung der Einsamkeit in ‚Die Verwandlung' ist weniger psychologisch als gesellschaftskritisch zu lesen."
Quellen und Zitieren im Thesenpapier
Die Quellenangaben im Thesenpapier unterscheiden sich von denen in der schriftlichen Arbeit. Hier geht es um Orientierung, nicht um lückenlose Dokumentation.
Was wird erwartet? Wenn ein Literaturblock verlangt ist, nennst du am Ende 3 bis 5 Schlüsselwerke, auf denen deine Argumentation aufbaut. Das sind die Hauptquellen, nicht jede verwendete Literatur. In manchen Seminaren entfällt der Literaturblock, weil die Quellen bereits im Handout oder der schriftlichen Arbeit dokumentiert sind. Das Thesenpapier ersetzt kein vollständiges Literaturverzeichnis.
Zitierstil: Formatiere die Quellen nach den Vorgaben deines Fachbereichs (APA, Harvard, Chicago oder andere). Wenn keine Vorgabe existiert, orientiere dich am Stil, den du in der schriftlichen Arbeit verwendest. Einheitlichkeit ist wichtiger als ein bestimmtes Format.
Belege im Thesentext: Wenn sich eine These direkt auf eine bestimmte Studie stützt, kannst du das in der Kurzbegründung erwähnen. Seitenzahlen sind sinnvoll bei direkten Textbezügen (Zitate, spezifische Definitionen, einzelne Argumente eines Autors). Bei allgemeinen Verweisen auf eine Studie oder ein Gesamtwerk reicht „(vgl. Pariser 2011)" ohne Seitenzahl. Es gibt mehrere Varianten je nach Seminarvorgabe:
Variante A: Kurzbelege im Text (Autor Jahr) bei Thesen, die sich direkt auf eine Quelle stützen, plus Literaturblock am Ende. Standard in vielen Fächern. Falls dein Seminar Fußnoten statt Kurzbelegen fordert: kurz halten, nur bei direkten Bezügen.
Variante B: Nur Literaturblock am Ende, keine In-Text-Belege. Üblich, wenn das Thesenpapier als reine Diskussionsgrundlage dient.
Variante C: Keine Quellenangaben im Thesenpapier. Gilt nur, wenn die Quellen bewusst ausgelagert sind (im Handout oder der schriftlichen Arbeit dokumentiert). Frag nach, wenn unklar.
Im Zweifel: Frag deinen Dozenten oder orientiere dich an Beispielen aus dem Seminar.
Thesenpapier Seminararbeit: Beispiel
Hier siehst du ein vollständiges Beispiel für ein Thesenpapier. Die Struktur lässt sich auf verschiedene Fächer und Themen übertragen. Achte darauf, wie jede These eine klare Position formuliert und knapp begründet wird.
Max Mustermann | Seminar: Digitale Öffentlichkeiten | Prof. Dr. Schmidt | 15.01.2026
Thesenpapier: Filterblasen und politische Meinungsbildung in sozialen Medien
These 1:
Algorithmische Personalisierung verstärkt die Tendenz zur selektiven Mediennutzung, ersetzt sie aber nicht. Nutzer wählen auch ohne Algorithmen bevorzugt Inhalte, die ihre bestehenden Ansichten bestätigen (vgl. Bruns 2019).
These 2:
Die politische Polarisierung in sozialen Medien ist weniger Folge von Filterblasen als von bewussten Strategien politischer Akteure, die Empörung als Aufmerksamkeitsressource nutzen.
These 3:
Medienkompetenz allein reicht nicht aus, um Filterblasen zu durchbrechen. Strukturelle Veränderungen der Plattformarchitektur sind notwendig, um alternative Perspektiven sichtbarer zu machen.
These 4:
Die Metapher der „Filterblase" ist irreführend, weil sie suggeriert, Nutzer seien passiv eingeschlossen. Treffender wäre das Bild eines „Echoraums", den Nutzer aktiv mitgestalten.
Literatur (falls verlangt):
- Pariser, E. (2011): The Filter Bubble. New York: Penguin.
- Sunstein, C. (2017): #Republic. Princeton: University Press.
- Bruns, A. (2019): Are Filter Bubbles Real? Cambridge: Polity.
Das Beispiel zeigt vier Thesen, die aufeinander aufbauen. These 1 differenziert ein gängiges Argument, These 2 verschiebt den Fokus, These 3 zieht eine praktische Konsequenz, These 4 hinterfragt die Begrifflichkeit. Der Kurzbeleg bei These 1 ist exemplarisch. Nicht jede These braucht einen Einzelbeleg. Der Literaturblock am Ende ist optional, je nach Seminarvorgabe.
Damit du siehst, wie starke Thesen in anderen Fächern klingen, hier zwei weitere Kurzbeispiele:
Thema: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor in der Automobilindustrie
These 1: Nachhaltigkeitskommunikation deutscher Autobauer ist primär reputationsgetrieben.
Kurzbegründung: Investitionsstruktur zeigt: Kurzfristige Renditeziele dominieren die Strategie.
These 2: Regulatorischer Druck wirkt effektiver als Konsumentennachfrage.
Kurzbegründung: CO₂-Flottengrenzwerte stoßen Investitionen an, Kaufverhalten allein nicht.
Thema: Erzählperspektive in Judith Hermanns Kurzgeschichten
These 1: Die Ich-Erzählerinnen in Hermanns Texten sind nicht zuverlässig im klassischen Sinne, sondern bewusst lückenhaft.
Kurzbegründung: Die Auslassungen sind kein erzählerisches Defizit, sondern Stilmittel zur Darstellung emotionaler Distanz.
These 2: Die häufig kritisierte Passivität der Figuren ist weniger psychologisches Merkmal als narratologische Konsequenz.
Kurzbegründung: Wo die Erzählerin nicht handelt, kann sie auch nicht berichten. Die Form bedingt den Inhalt.
Vorlage zum Kopieren
Mit dieser Vorlage kannst du dein Thesenpapier strukturieren. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine Inhalte. Die Vorlage funktioniert für alle Fächer.
Kopfzeile
[Dein Name] | [Seminartitel] | [Dozent] | [Datum]
Thesenpapier: [Titel deines Referats/deiner Arbeit]
Thesen-Block
These 1: [Klare Aussage mit Position]. [Kurze Begründung in 1 bis 2 Sätzen.]
These 2: [Klare Aussage mit Position]. [Kurze Begründung in 1 bis 2 Sätzen.]
[Optional: weitere Thesen]
Diskussionsfragen (Optional)
1. [Offene Frage zur Vertiefung]
2. [Frage zur kritischen Prüfung]
Literatur (falls verlangt)
→ Wenn ohne Literaturblock gearbeitet wird: diesen Abschnitt weglassen.
[Autor (Jahr): Titel. Ort: Verlag.]
[Weitere zentrale Quellen]
Verwende eine gut lesbare Schriftgröße (11 oder 12 Punkt), ausreichend Zeilenabstand und trenne die Thesen visuell klar voneinander. Falls du merkst, dass dein Papier den erwarteten Umfang deutlich überschreitet, prüfe mit der Entscheidungshilfe, ob du zu viele Thesen hast oder die Begründungen zu ausführlich sind.
Typische Fehler vermeiden
Beschreibungen statt Thesen: Der häufigste Fehler. Prüfe jede Formulierung mit dem Schnellcheck. Korrekturformel: Ergänze eine Bewertung, Einordnung oder Konsequenz. Aus „X beeinflusst Y" wird „X beeinflusst Y stärker als Z, weil..."
Zu viele Thesen: Ein Thesenpapier mit zehn Thesen wirkt unübersichtlich und lässt keine fokussierte Diskussion zu. Korrekturformel: Wähle die stärksten Thesen aus, fasse ähnliche zusammen. Orientiere dich an der Entscheidungshilfe oben, um die passende Anzahl für deine Vortragslänge zu bestimmen.
Fehlende Begründung: Eine These ohne Begründung steht im Raum. Korrekturformel: Ergänze nach jeder These einen Satz, der beginnt mit „Dies zeigt sich daran, dass..." oder „Dafür spricht..."
Thesen wiederholen sich: Wenn zwei Thesen im Kern das Gleiche sagen, fehlt Substanz. Korrekturformel: Prüfe bei jeder These, welchen neuen Aspekt sie einbringt. Keine Wiederholung in anderen Worten.
Quellenangaben fehlen (obwohl erwartet): Wenn ein Literaturblock verlangt oder üblich ist, wirkt das Thesenpapier ohne Quellen unbegründet. Korrekturformel: Nenne 3 bis 5 Schlüsselwerke am Ende. Falls dein Seminar ausdrücklich ohne Literaturblock arbeitet, dokumentiere die Quellen im Handout oder der schriftlichen Arbeit.
Nächster Schritt: Diskussion vorbereiten
Ist jede These eine echte Position (nicht nur Beschreibung)?
Hat jede These eine nachvollziehbare Kurzbegründung?
Literaturblock vorhanden (falls verlangt) oder bewusst weggelassen (falls ohne)?
Passt alles auf den vorgegebenen Umfang?
Hast du 2 bis 3 Leitfragen für die Diskussion vorbereitet?
Bereite dich auf die Diskussion vor. Überlege dir zu jeder These: Welche Gegenargumente sind denkbar? Wo sind die Grenzen deiner Position? Notiere dir 2 bis 3 Leitfragen, die du selbst in die Diskussion einbringen könntest, falls das Gespräch stockt.
Prüffrage (testet die These): „Unter welchen Bedingungen würde These X nicht mehr gelten? Gibt es Gegenbeispiele, die sie widerlegen?"
Grenzfallfrage (klärt Reichweite): „Gilt These X auch für [anderen Kontext/anderes Beispiel]? Wo stößt sie an ihre Grenzen?"
Übertragungsfrage (öffnet Perspektiven): „Welche Konsequenzen hätte es, wenn These X zutrifft? Was folgt daraus für [Praxis/Forschung]?"
Im Vortrag erklärst und begründest du die Thesen, im Thesenpapier stehen sie komprimiert. Bereite zu jeder These ein mögliches Gegenargument vor, damit du in der Diskussion souverän reagieren kannst. Falls du zusätzlich ein Handout brauchst, findest du dort die passende Anleitung.
Häufig gestellte Fragen
Was gehört in die Kopfzeile: Minimal- oder Maximalversion?
Minimalversion: Name, Seminartitel, Dozent, Datum, Titel des Thesenpapiers. Maximalversion (falls verlangt): zusätzlich Matrikelnummer, Semester, E-Mail, Uni-Logo. Entscheidungsregel: Prüfe Beispiele aus dem Seminar oder frag den Dozenten. Im Zweifel: Minimalversion reicht fast immer.
Wie formuliere ich eine These, wenn mein Ergebnis „gemischt" ist?
Nutze eine abgestufte Formulierung: „X gilt unter Bedingung A, nicht aber unter Bedingung B." Beispiel: „Digitale Tools verbessern Lernergebnisse bei motivierten Lernenden, verstärken aber Defizite bei Lernenden ohne Vorwissen." Damit zeigst du Differenzierungsfähigkeit statt Beliebigkeit.
Wie gehe ich mit Gegenpositionen um? (1-Satz-Template)
Template: „Einwand X ist berechtigt, greift aber nicht, weil Y." Beispiel: „Der Einwand, Algorithmen seien neutral, greift nicht, weil die Trainingsdaten bereits verzerrte Muster enthalten." Notiere dir solche Sätze in der Vorbereitung, um in der Diskussion souverän zu reagieren.
Wie viele Quellen sind sinnvoll – und wann sind es zu viele?
Richtwert für den Literaturblock: 3 bis 5 Schlüsselquellen. Weniger wirkt dünn, mehr wird unübersichtlich. Entscheidungsregel: Nenne nur Werke, auf die du dich tatsächlich stützt. Ein Thesenpapier ist keine Bibliografie. In-Text-Belege nur bei direkten Bezügen (z. B. „vgl. Müller 2020, S. 45").
Wie formuliere ich Thesen für empirische Arbeiten?
Unterscheide Ergebnis-Thesen (was hast du gefunden?) und Bewertungs-Thesen (wie ordnest du es ein?). Beispiel Ergebnis: „Die Befragung zeigt, dass X mit Y korreliert." Beispiel Bewertung: „Diese Korrelation deutet darauf hin, dass Z als Erklärung nicht ausreicht." Kombiniere beide Typen.
Kann ich Fragen statt Thesen formulieren?
Thesen sind der Standard, Fragen die Ausnahme. Fragen eignen sich, wenn dein Thema explorativ ist und du noch keine klare Position beziehen kannst. Beispiel These: „X führt zu Y." Beispiel Frage: „Unter welchen Bedingungen führt X zu Y?" Frag deinen Dozenten, ob Leitfragen akzeptiert werden.
Muss ich meine Thesen im Vortrag verteidigen?
In vielen Seminaren ja. Vorbereitungs-Tipp: Notiere zu jeder These ein mögliches Gegenargument und deine Antwort darauf. So bist du nicht überrascht, wenn Kritik kommt. Eine gute These muss nicht unangreifbar sein, aber du solltest ihre Grenzen kennen und benennen können.
Darf ich im Thesenpapier Ich schreiben?
Wenn dein Leitfaden die Ich-Form erlaubt, nutze sie sparsam für klare Positionierungen („Ich argumentiere, dass..."). Wenn keine Vorgabe existiert, sind neutrale Formulierungen der sichere Weg („Die Analyse zeigt...", „Daraus folgt..."). Vermeide Ich-Inflation.
Was tun, wenn das Thesenpapier nicht auf eine Seite passt?
Prüfe zuerst: Sind alle Thesen wirklich zentral? Sind die Begründungen zu ausführlich? Oft lässt sich kürzen. Falls nicht: Frag deinen Dozenten, ob 1,5 Seiten akzeptabel sind. Vermeide eigenmächtige Erweiterung, ohne nachzufragen.
Fußnoten richtig setzen
Internetquellen richtig zitieren
Plagiate vermeiden