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Ein Thesenpapier bündelt deine Kernaussagen auf ein bis zwei Seiten: nummerierte Thesen, die du im Vortrag begründest oder als Gerüst für deine schriftliche Argumentation nutzt. Du brauchst es typischerweise bei Referaten und Seminarsitzungen. Bei manchen Hausarbeiten dient es zusätzlich als Arbeitsinstrument zur Strukturierung der Argumentation. Hier bekommst du den Aufbau, einen Schnellcheck für starke Thesen und eine Vorlage zum direkten Verwenden.
- Fall A (typisch): Du hältst ein Referat oder stellst deine Hausarbeit im Seminar vor. Das Thesenpapier ist hier Diskussionsgrundlage für die Gruppe.
- Fall B (seltener): Du nutzt das Thesenpapier als Planungshilfe für deine schriftliche Hausarbeit, ohne Vortrag. Manche Dozierende fordern es als Zwischenschritt.
- Was muss rein? Kopfzeile mit formalen Angaben, nummerierte Thesen (oft 5 bis 7, variiert je nach Fach und Vortragslänge) und die wichtigsten Quellen. Umfang: 1 bis 2 Seiten, je nach Vorgabe.
Was ist ein Thesenpapier?
Ein Thesenpapier ist ein kurzes Dokument, das deine Kernaussagen bündelt. Es dient als Diskussionsgrundlage für Seminarsitzungen, Referate oder mündliche Prüfungen. Anders als ein Handout, das oft mehrere Seiten umfasst und Hintergrundinformationen liefert, konzentriert sich das Thesenpapier ausschließlich auf deine zentralen Behauptungen.
Der Begriff These kommt aus dem Griechischen und bedeutet Behauptung oder Setzung. Im wissenschaftlichen Kontext muss eine These argumentativ gestützt werden, sie ist kein bloßes Meinen. Das Thesenpapier macht diese Aussagen für andere greifbar und diskutierbar. Teilnehmende können deine Thesen hinterfragen, ergänzen oder widerlegen.
Thesenpapier schreiben: Aufbau in drei Teilen
Der Aufbau eines Thesenpapiers ist standardisiert und übersichtlich. Du brauchst drei Elemente: Kopfzeile, Thesen und Quellenangaben. Die Vorgaben variieren je nach Fach, Lehrstuhl und Dozierenden. Prüfe immer, ob dein Seminar spezifische Anforderungen hat.
Die Kopfzeile enthält alle formalen Angaben, damit das Papier zugeordnet werden kann.
Typische Angaben: Name, Matrikelnummer, Seminartitel, Name der Lehrperson, Semester, Datum, Titel des Referats oder der Hausarbeit.
Stolperstelle: Fehlende Angaben. Manche Dozierende erwarten auch E-Mail-Adresse oder Studiengang. Prüfe die Vorgaben deines Seminars.
Der Hauptteil besteht aus nummerierten Thesen. Jede These ist ein eigenständiger Aussagesatz, der eine Position bezieht.
Richtwerte: 5 bis 7 Thesen bei 15 bis 20 Minuten Vortrag. Bei kürzeren Inputs (10 Minuten) reichen oft 3 bis 4 Thesen. Bei längeren Vorträgen (30 Minuten) können es 8 bis 10 sein.
Stolperstelle: Thesen sind keine Thesen, sondern Beschreibungen. „Kant unterscheidet zwischen Pflicht und Neigung" beschreibt nur, behauptet aber nichts.
Am Ende des Thesenpapiers nennst du die wichtigsten Quellen, auf die sich deine Thesen stützen – ähnlich wie im Literaturverzeichnis deiner Hausarbeit.
Umfang und Format: Meist 3 bis 5 zentrale Quellen. Manche Seminare erwarten nur eine Literaturliste am Ende ohne Einzelnachweise im Text.
Zitierweise: Richte dich nach dem Stil deines Seminars. Gängig sind Kurzangaben wie „Müller (2020): Titel. Verlag." oder „Müller 2020, S. 15".
Stolperstelle: Quellen ganz vergessen. Auch bei einem kurzen Thesenpapier zeigst du, worauf deine Aussagen basieren.
Schnellcheck: Echte These oder nur Beschreibung?
Der häufigste Fehler bei Thesenpapieren: Was als These formuliert ist, ist eigentlich nur eine Beschreibung. Mit diesem Schnellcheck prüfst du in wenigen Sekunden, ob deine Aussage wirklich eine These ist.
- 1. Position: Bezieht die Aussage eine klare Stellung? Sagt sie nicht nur, was ist, sondern bewertet, ordnet ein oder zieht Schlüsse?
- 2. Prüfbarkeit: Lässt sich die Aussage mit Argumenten, Belegen oder Daten stützen? Kann man sie bestätigen oder widerlegen?
- 3. Widerspruch möglich: Könnte jemand das Gegenteil behaupten und dafür argumentieren? Wenn alle sofort zustimmen würden, fehlt die Schärfe.
- 4. Begründbarkeit: Kannst du die These in deinem Vortrag mit Argumenten untermauern? Hast du Material, um sie zu verteidigen?
Beispiel 1: „Goethe schrieb Faust in zwei Teilen." Das ist eine Beschreibung, ein Fakt. Niemand würde widersprechen. Besser: „Der zweite Teil des Faust scheitert an seiner allegorischen Überfrachtung und bleibt hinter der dramatischen Dichte des ersten Teils zurück." Diese Aussage bezieht Position und lässt sich diskutieren.
Beispiel 2: „Social Media hat Auswirkungen auf Jugendliche." Zu vage, keine Richtung. Besser: „Die algorithmische Kuratierung von Social-Media-Inhalten verstärkt bei Jugendlichen Filterblasen und verengt die Wahrnehmung gesellschaftlicher Debatten." Jetzt ist klar, welche Position du einnimmst.
Beispiel 3: „Kant unterscheidet Erscheinung und Ding an sich." Nur Beschreibung. Besser: „Kants Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich führt konsequent zu einem Agnostizismus, der die Möglichkeit objektiver Welterkenntnis prinzipiell bestreitet." Hier wird eine Interpretation vertreten, die man hinterfragen kann.
Thesenpapier Beispiel
Hier siehst du ein vollständiges Beispiel für ein Thesenpapier aus einem geisteswissenschaftlichen Seminar. Die Struktur lässt sich auf andere Fächer übertragen.
Kopfzeile:
Max Mustermann | Matrikelnr. 123456
Seminar: Medienethik im digitalen Zeitalter
Dozentin: Prof. Dr. Anna Schmidt | WS 2025/26
Thema: Social Media und Selbstwahrnehmung bei Jugendlichen
Thesen:
- 1. Die algorithmische Kuratierung von Inhalten auf Social-Media-Plattformen fördert die Entstehung von Filterblasen, die das Weltbild Jugendlicher verengen können.
- 2. Der ständige Vergleich mit idealisierten Selbstdarstellungen anderer Nutzender begünstigt unrealistische Körperbilder und kann zu Unzufriedenheit führen.
- 3. Die Quantifizierung sozialer Anerkennung durch Likes und Follower verändert das Verständnis von Selbstwert und sozialer Zugehörigkeit.
- 4. Medienkompetenz-Programme in Schulen können die kritische Reflexion über Social-Media-Nutzung fördern, erreichen aber häufig nicht die besonders vulnerablen Gruppen.
- 5. Eine rein restriktive Medienpolitik greift zu kurz, weil sie die positiven Potenziale digitaler Vernetzung für Identitätsentwicklung ignoriert.
Quellen:
Turkle, S. (2017): Alone Together. Basic Books.
Twenge, J. (2018): iGen. Atria Books.
Livingstone, S. et al. (2021): Children and Young People's Media Use. LSE Report.
So leitest du eigene Thesen ab: Beginne mit dem Hauptargument deines Vortrags (These 1). Ergänze dann Aspekte, die das Argument stützen oder differenzieren (Thesen 2 und 3). Füge eine These zu Lösungen oder Konsequenzen hinzu (These 4). Schließe mit einer Einordnung, die Gegenpositionen anerkennt oder weiterführende Fragen aufwirft (These 5).
Vorlage zum Kopieren
Mit dieser Vorlage kannst du dein Thesenpapier direkt aufbauen. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern durch deine eigenen Inhalte. Die Anzahl der Thesen passt du an deinen Vortrag an.
Kopfzeile:
[Dein Name] | Matrikelnr. [Nummer]
Seminar: [Seminartitel]
Dozent/in: [Name] | [Semester]
Thema: [Titel deines Referats/deiner Arbeit]
Thesen:
These 1: [Zentrale Aussage, die eine Position bezieht]
These 2: [Aussage, die einen weiteren Aspekt beleuchtet]
These 3: [Aussage, die das Argument vertieft oder differenziert]
These 4: [Aussage zu Konsequenzen oder Lösungsansätzen]
These 5: [Abschließende Einordnung oder weiterführende Perspektive]
Quellen:
[Autor (Jahr): Titel. Verlag.]
[Autor (Jahr): Titel. Verlag.]
[Autor (Jahr): Titel. Verlag.]
Wichtig: Passe die Vorlage an die Vorgaben deines Seminars an. Manche Lehrende erwarten zusätzliche Angaben wie E-Mail-Adresse oder Studiengang. Andere bevorzugen eine bestimmte Zitierweise für die Quellen. Im Zweifel orientierst du dich an Beispielen aus dem Seminar oder fragst direkt nach.
Sonderfälle: Was Dozierende unterschiedlich verlangen
Nicht jedes Seminar arbeitet mit klassischen Thesen. Je nach Fach, Veranstaltungstyp und Dozierenden können die Anforderungen abweichen. Hier sind die häufigsten Sonderfälle, auf die du vorbereitet sein solltest.
Leitfragen statt Thesen: Manche Seminare, besonders in den Geisteswissenschaften, erwarten offene Leitfragen statt zugespitzter Thesen. Die Fragen strukturieren dann die Diskussion. Falls du unsicher bist, frag nach, ob Aussagen oder Fragen gewünscht sind.
Gruppenreferat: Bei Gruppenvorträgen stellt sich die Frage, ob ihr ein gemeinsames Thesenpapier abgebt oder jeder eigene Thesen formuliert. Oft ist ein gemeinsames Papier mit Zuordnung der Thesen zu den Vortragenden sinnvoll. Klärt das vorab im Team und mit der Lehrperson.
Empirische Themen: In sozialwissenschaftlichen oder psychologischen Seminaren werden manchmal Hypothesen statt Thesen erwartet. Hypothesen sind überprüfbare Annahmen über Zusammenhänge, die du mit Daten testest. Die Form ähnelt Thesen, aber der Anspruch ist anders: Du behauptest nicht, du vermutest und prüfst.
MINT-Fächer: In naturwissenschaftlichen oder technischen Seminaren sind Thesenpapiere seltener. Wenn sie verlangt werden, liegt der Fokus oft auf Forschungsfragen, Methodenwahl oder Ergebnisinterpretation. Die Argumentation ist enger an Daten gebunden als in geisteswissenschaftlichen Kontexten.
Wenn du unsicher bist, welche Form erwartet wird, frag deine Lehrperson. Eine kurze E-Mail mit der Frage „Erwarten Sie klassische Thesen, Leitfragen oder Hypothesen?" zeigt Engagement und vermeidet Missverständnisse. Oft gibt es auch Beispiele aus früheren Sitzungen, an denen du dich orientieren kannst.
Typische Fehler vermeiden
- Beschreibungen statt Thesen: Der häufigste Fehler. Nutze den Schnellcheck oben, um jede These zu prüfen. Wenn niemand widersprechen könnte, ist es keine These.
- Zu viele Thesen: Mehr ist nicht besser. Zu viele Thesen überfordern die Diskussion und verwässern deine Argumentation. Konzentriere dich auf die Kernpunkte und prüfe, ob sich Thesen zusammenfassen lassen.
- Keine Verbindung zwischen den Thesen: Die Thesen sollten einen roten Faden bilden. Baue sie so auf, dass sie aufeinander aufbauen oder verschiedene Facetten eines Arguments beleuchten. Isolierte Thesen wirken beliebig.
- Thesen nicht im Vortrag aufgreifen: Das Thesenpapier ist die Grundlage für deinen Vortrag. Wenn du Thesen aufstellst, die du dann nicht begründest, wirkt das unseriös. Jede These sollte im Vortrag vorkommen und argumentativ gestützt werden.
Abschluss-Checkliste vor der Abgabe
Bevor du dein Thesenpapier abgibst oder verteilst, prüfe diese Punkte. Die Checkliste hilft dir, nichts zu vergessen und einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.
- Inhalt: Sind alle Thesen echte Behauptungen, die Position beziehen? Bauen sie logisch aufeinander auf? Sind die wichtigsten Quellen genannt? Stimmt die Thesenanzahl mit den Erwartungen deines Seminars überein?
- Formales: Sind alle Angaben in der Kopfzeile vollständig (Name, Matrikelnummer, Seminartitel, Lehrperson, Datum, Thema)? Passt das Papier auf eine Seite, maximal zwei? Ist die Schrift gut lesbar (11 oder 12 Punkt)? Sind die Ränder ausreichend (2 bis 2,5 cm)?
- Abgabeformat: Wird das Papier vorab per E-Mail eingereicht, über eine Lernplattform geteilt oder als Ausdruck verteilt? Wenn Ausdruck: Hast du genug Exemplare für alle Teilnehmenden plus Dozierende? Ist das PDF korrekt exportiert?
Nach dem Referat geht es an die schriftliche Ausarbeitung deiner Hausarbeit. Für Druck und Bindung der fertigen Arbeit gibt es verschiedene Anbieter, darunter auch Online-Druckereien.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Thesen passen zu 10, 15 oder 30 Minuten Vortrag?
Als grober Richtwert: 3 bis 4 Thesen bei 10 Minuten, 5 bis 7 Thesen bei 15 bis 20 Minuten, 8 bis 10 Thesen bei 30 Minuten. Diese Werte variieren je nach Fach und Dozierenden. Manche Seminare erwarten weniger, aber tiefere Thesen. Frag im Zweifel nach den konkreten Erwartungen.
Muss ich im Thesenpapier zitieren oder reichen Quellen am Ende?
Beides ist möglich. Viele Thesenpapiere nennen nur am Ende die wichtigsten Quellen ohne Einzelnachweise im Text. Bei wörtlichen Übernahmen oder sehr spezifischen Aussagen ist ein Kurzbeleg in Klammern sinnvoll. Frag deine Lehrperson, ob sie Kurzbelege erwartet oder ob die Quellenliste am Ende ausreicht.
Dürfen Thesen provokant sein, ohne unseriös zu wirken?
Ja, eine zugespitzte These regt die Diskussion an. Die Grenze liegt bei der Begründbarkeit: Kannst du die These argumentativ stützen und auf Kritik reagieren, ist sie legitim. Reine Provokation ohne Substanz wirkt dagegen unseriös. Formuliere so, dass du die These im Vortrag verteidigen kannst.
Was ist der Unterschied zwischen Thesenpapier und Handout?
Ein Thesenpapier enthält ausschließlich deine Kernthesen in kompakter Form und dient als Diskussionsgrundlage. Ein Handout ist umfangreicher und kann Definitionen, Grafiken, Gliederungen und weiterführende Informationen enthalten. Das Thesenpapier fordert Stellungnahme, das Handout informiert.
Brauche ich für jede Hausarbeit ein Thesenpapier?
Nicht unbedingt. Ein Thesenpapier ist typischerweise bei Referaten oder Seminarsitzungen gefordert, bei denen du deine Arbeit vorstellen und diskutieren sollst. Bei einer reinen schriftlichen Hausarbeit ohne Vortrag ist oft kein Thesenpapier nötig. Manche Dozierende nutzen es aber auch als Arbeitsinstrument zur Strukturierung der Argumentation.
Welches Format und welche Schriftgröße sind üblich?
Standard ist DIN A4, einseitig bedruckt, mit 11 oder 12 Punkt Schrift. Zweiseitig ist unüblich, weil das Papier während der Diskussion gut lesbar auf dem Tisch liegen soll. Bei knappem Platz lieber auf 11 Punkt wechseln als auf zwei Seiten ausweichen.
Wann gebe ich das Thesenpapier aus?
Das variiert je nach Seminar. Vorab per E-Mail oder Lernplattform ist praktisch, weil sich andere vorbereiten können. Als Ausdruck zum Vortragsbeginn ist klassisch, dann brauchst du genug Exemplare für alle. Frag nach, was deine Lehrperson bevorzugt.
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